Was du über Homophobie wissen musst – FAQ

Bild. Wolfgang Kumm WDR/dpa

FAQ

Was du über Homophobie wissen musst

Homophobie ist leider in vielen Köpfen noch immer verwurzelt. In der Sozialpsychologie wird dazu geforscht. Aber erst seit etwa 50 Jahren.

21. Juli 2021 | Aktualisiert: 23. Juli 2021

Was ist die Definition von Homophobie?

Das Wort Homophobie ist in der Literatur zum ersten Mal Ende der 60er Jahre aufgekommen. Damals veröffentlichte der jüdisch-amerikanische Psychologe George Weinberg einen Artikel, in dem er den Begriff zum ersten Mal verwendete und somit prägte. Er definierte Homophobie als eine Art Störung im Gehirn, dem der Empfindende mehr oder weniger ausgeliefert sei – eben wie bei einer Phobie.

Genau aus diesem Grund ist der Begriff “Homophobie” allerdings auch umstritten. Eine Phobie ist per Definition nämlich eine Angststörung, die man in der Regel nicht kontrollieren kann – was ein wenig in die ursprüngliche Richtung von Weinbergs Definition geht. Viele Menschen mit homophoben Neigungen empfinden allerdings keine Angst, sondern Ablehnung, Unsicherheit, Feindseligkeit oder sogar Ekel, wenn sie mit Homosexualität konfrontiert werden. Daher werden für Homophobie auch manchmal andere Begriffe verwendet, wie zum Beispiel Homo-Negativität. Dieser ist im englischsprachigen Raum als homo negativity allerdings weiter verbreitet als bei uns.

Homophobie lässt sich im sozialpsychologischen Kontext in drei Komponenten einteilen: affektive, kognitive und verhaltensbezogene Homophobie. Bei der affektiven Komponente geht es beispielsweise um unangenehme Gefühle, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen, die kognitive Ausprägung bezieht sich darauf, dass beispielsweise die gleichgeschlechtliche Ehe oder andere Rechte für homosexuelle Menschen abgelehnt werden und die verhaltensbezogene Komponente kommt zum Vorschein, wenn jemand beispielsweise aktiv den Kontakt zu homosexuellen Personen vermeidet. Die Ausprägungen können also unterschiedlich sein und es gibt auch keine Hinweise darauf, dass Menschen mit homophoben Neigungen automatisch ein höheres Aggressionslevel haben als nicht-homophobe Menschen.

Homophobie-Index aus den 1980er Jahren

Um Homophobie messen zu können, haben sich über die Zeit verschiedene Instrumente entwickelt. Eines davon, das in der Forschung sehr häufig eingesetzt wird, ist der “Index of Homophobia” – ein 1980 entwickelter Test, der mit einem Zustimmungs-Fragebogen verschiedene Situationen abfragt, die mit dem Umgang mit homosexuellen Menschen zu tun haben. Je nach Ergebnis werden die Befragten auf einer Skala zwischen 0 und 100 angeordnet. Je höher die Zahl, umso stärker ist die Homophobie ausgeprägt.

Was sind die Ursachen von Homophobie?

Beim Thema Homophobie gibt es viele Einflussfaktoren, die für Vorurteile und Diskriminierung allgemein gelten: Es gibt sehr viel Forschung dazu, warum Menschen andere Gruppen abwerten. Unter anderem hat es etwas mit dem internalisierten Schubladendenken zu tun. Menschen müssen ihre Umwelt vereinfachen und kategorisieren, um sie verstehen zu können, das macht unser Gehirn schon von ganz alleine. Hierbei entstehen auch Vorurteile gegen soziale Gruppen, weil unser Hirn diese Gruppen in verschiedene Schubladen packt und mit Labels versieht – auch wenn die Realität natürlich nicht so einfach ist, wie unser Hirn es gerne hätte.

Dazu kommen auch wissenschaftliche Hinweise, dass Menschen sich selber gerne positiv sehen wollen. “Gerade dann, wenn man sich im eigenen Selbstwert bedroht sieht oder den zugehörigen Gruppenwert als bedroht wahrnimmt, wertet man andere Gruppen ab, um gut dazustehen”, sagt Sozialpsychologe Ulrich Klocke von der Humboldt-Universität Berlin. Ein weiterer, eher allgemeingültiger Grund ist, dass wir Menschen dazu neigen, Fremdes und Unbekanntes erst einmal abzulehnen. Evolutionär sei das auch sinnvoll, so Klocke, weil der Mensch aufgrund der Gefahrenabwehr nun einmal vorsichtig sein muss mit Dingen, die er nicht kennt.

Erziehung und sozialer Umgang spielen eine große Rolle

Ein weiterer wichtiger Punkt sind soziale Einflüsse und die Frage: Was lernen wir durch unsere Umgebung? Wenn homophobe Worte im Umfeld als Schimpfworte verwendet werden, wie zum Beispiel “schwul” oder “Schwuchtel”, brennt sich das schnell ins Gehirn ein. Ulrich Klocke berichtet von Experimenten mit Studierenden, in denen Begriffe wie “schwul“ oder “Schwuchtel“ als Beleidigung verwendet wurden: “Wenn diese Begriffe in einem negativen Kontext verwendet werden, dann sind anschließend die Einstellungen von denen, die das gehört haben, gegenüber der jeweiligen Gruppe negativer.” Das gelte im Übrigen auch für andere diskriminierende Beschimpfungen, beispielsweise rassistische.

Eine australische Analyse von 2018 kommt zu dem Schluss, dass auch verminderte Intelligenz und Homonegativität in einem Zusammenhang stehen. Der Soziologe Francisco Perales von der University of Queensland schaute sich dafür Daten der groß angelegten HILDA (Household, Income and Labour Dynamics) -Studie an. Diese Studie befragt seit 2001 jährlich über 17.000 Menschen in Australien zu vielen Aspekten ihres Lebens, wie zum Beispiel menschlichen Beziehungen, Einkommen und Berufe, Gesundheit und Bildung. Auch kognitive Fähigkeiten werden geprüft – dazu werden Aufgaben zur Problemlösung und zum Urteilsvermögen genutzt, sowie verbale und numerische Fähigkeiten getestet. Perales nutzte die Daten zur kognitiven Intelligenz von knapp 11.600 Befragten und verglich sie mit ihren Antworten, die sie (ebenfalls im Rahmen der HILDA-Studie) auf die Frage Sollten homosexuelle Paare die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare haben? gegeben hatten. Das Ergebnis: Es gab einen signifikanten Zusammenhang zwischen schlechten Ergebnissen bei den kognitiven Tests und der Meinung, es solle keine Gleichbehandlung von homo- und heterosexuellen Paaren geben. Gleichzeitig macht Perales in der Studie deutlich, dass nicht alle homonegativen Menschen automatisch weniger intelligent seien – es handle sich hierbei um eine Tendenz.

Typisch Mann, typisch Frau?

Beim Thema Homophobie spielen auch Geschlechternormen eine große Rolle. Je stärker ein Mensch eine klare Vorstellung davon hat was ein “richtiger Mann” oder eine “richtige Frau” zu sein hat, umso homophober sind häufig seine Einstellungen, das zeigen zumindest etliche Korrelationsstudien zu diesem Thema. Besonders wenn die traditionellen Geschlechterrollen im Wertesystem des jeweiligen Menschen festgefahren sind. Homosexuelle Paare bringen Wertvorstellungen und Geschlechternormen der Menschen durcheinander, weil häufig eben nicht die klare Abgrenzung zwischen “das ist der Mann” und “das ist die Frau” in der Beziehung stattfindet. Dieses Konstrukt der Geschlechternormen und daraus resultierende Ressentiments gegen Menschen aus der LGBTQIA*-Community spielen bei Männern eine größere Rolle als bei Frauen (siehe auch hier: Ist Homophobie ein Männerproblem?).

Religiosität ist einer der weiteren größeren Faktoren. “In den heiligen Schriften aller monotheistischen Religionen gibt es Absätze oder Stellen, die man als ablehnend vor allem gegen männliche Homosexualität interpretieren kann”, sagt Ulrich Klocke. In seinen Studien hat er herausgefunden, dass Menschen mit religiös begründeter Homophobie eher Probleme mit der Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren hatten, was zum Beispiel die Ehe betrifft. Weniger problematisch war hier die Ausprägung von Ekel oder persönlichen Vorbehalten gegen homosexuelle Menschen. Es ist allerdings wichtig zu sagen, dass natürlich nicht alle religiösen Menschen gleichzeitig homophob sind – es hängt auch stark davon ab, wie tief sie in ihrer Religiosität verwurzelt sind und wie groß der Hang zum Fundamentalismus ist.

Sind homophobe Menschen selbst homosexuell?

Eine alte Theorie von Sigmund Freud, die man auf diese Frage anwenden kann, ist die der Projektion. Laut Freud ist die Projektion ein Abwehrmechanismus, bei dem unerwünschte eigene Gefühle, Impulse oder Wünsche, auf andere Menschen übertragen werden. Menschen, die homophobe Neigungen haben und diese auch häufig offen äußern, werden später bei homosexuellen Handlungen erwischt – zuletzt ging das dem ungarischen Europa-Abgeordneten József Szájer so, der als Mitglied einer nationalkonservativen Partei Homosexualität als verwerflich ansieht. Trotzdem wurde er in flagranti auf einer schwulen Sex-Party in Brüssel erwischt.

Es gibt einige Studien, die auf einen Zusammenhang in dieser Richtung hinweisen, wissenschaftlich bewiesen ist dies jedoch noch nicht. In einem Versuch von 1996 zeigten die Forschenden zwei Gruppen von heterosexuellen Männern pornografische Videos mit hetero- und homosexuellen Liebes- und Sexszenen. Die Gruppen waren basierend auf ihrer Punktzahl auf dem Homophobie-Index in “homophob” und “nicht homophob” eingeteilt. Alle Probanden des Versuchs trugen während des Anschauens der Videos eine Art Manschette um ihr Geschlechtsteil, die den Penisumfang und dessen Veränderung gemessen hat. Es stellte sich heraus, dass die Gruppe der Männer, die als “homophob” eingestuft worden waren, zum einen wesentlich länger das homosexuelle Videomaterial anschaute und zum anderen auch körperliche Erregung zeigte, was die “nicht homophobe” Gruppe nicht tat. Allerdings war die Versuchsgruppe in diesem Versuch insgesamt eher klein (64 Männer).

Unterdrückte Homosexualität?

Ein weiteres Experiment aus dem Jahr 2012 widmete sich ebenfalls der Frage, ob homophobe Menschen selbst eine homosexuelle Neigung haben. Dazu wurde zunächst geprüft, ob eine Diskrepanz zwischen der Aussage über die eigentliche sexuelle Präferenz und dem Verhalten in einem Assoziationstest bestand. Den Probanden (Studenten aus Deutschland und den USA) wurden auf einem Bildschirm kurz 50 Worte und Bilder gezeigt, die sie möglichst schnell und intuitiv in die Kategorien “schwul” oder “hetero” einordnen sollten. Vor jedem neuen Impuls wurden außerdem die Begriffe “ich” und “andere” für 35 Millisekunden eingeblendet – so kurz, dass die Probanden sie nicht bewusst wahrnehmen konnten. Diese Prägung, auch wenn sie unbewusst passierte, wirkt sich laut den Studienautorinnen und -autoren auf die Reaktionsgeschwindigkeit aus. Eine schnelle Reaktion im Zusammenhang mit “mir” und “schwul”, im Vergleich zu einer langsameren Reaktion mit “mir” und “hetero” kann also laut den Forschenden auf eine unbewusste homosexuelle Orientierung hinweisen. Speziell bei den Probanden, bei denen die Aussage über die eigene sexuelle Präferenz mit dem Ergebnis des Tests auseinanderging, wurde in späteren Teilen des Tests auch eine hohe Aggressivität und Ablehnung gegenüber homosexuellen Menschen festgestellt.

Dies verstärkt die These, dass Menschen mit homophoben Neigungen häufig selbst homosexuell orientiert sind. Aber auch bei dieser Studie war die Zahl der Probanden recht klein und da die Befragten alle aus einem universitären Umfeld stammen, stellen sie auch keinen Querschnitt der Gesellschaft dar. Auch hier spielen die Erziehung der Eltern und das soziale Umfeld aus der Kindheit wieder eine große Rolle. Ein weiterer Teil des Experiments zeigte nämlich, dass bei Probanden, die mit unterstützenden, toleranten Eltern aufgewachsen sind, viel seltener eine Diskrepanz zwischen der eigenen Aussage der sexuellen Präferenz und dem spontan gemessenen Reaktionsergebnis lag. Hier ist die Unterscheidung zwischen expliziter und impliziter sexueller Identität wichtig. Explizit ist das, was die Personen zu Beginn als ihre Identität angegeben haben, implizit war das Ergebnis, das aufgrund der vorgenommenen “Prägung” dabei herausgekommen ist.

Ist Homophobie ein Männerproblem?

Die Forscherin Jennifer Bosson hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Joseph Vandello an der University of South Florida mehrere Studien zu dem Thema durchgeführt und auch Arbeiten veröffentlicht, die einen guten Überblick über die Studienlage geben. Ihr Ansatz ist dabei folgender: In der Gesellschaft werde Weiblichkeit automatisch durch biologisch-körperliche Merkmale angeboren und bleibe ein Leben lang auch erhalten. Dies wird auch mit dem Einsetzen der Regelblutung und somit dem Beginn der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Männlichkeit hingegen sei ein Konstrukt, das härter zu erlangen ist, nicht angeboren sei und daher immer wieder verteidigt werden muss. Daher sprechen Bosson und Vandello auch in ihrer Forschung von “prekärer Männlichkeit”, die immer gefährdet und bedroht ist. In Zusammenhang damit belegen zahlreiche Studien außerdem, dass Männer stärker darunter leiden, wenn sie eine Abweichung ihrer Geschlechterrolle erfahren. Das liegt vermutlich daran, dass in vielen sozialen Konstrukten Männer immer noch als das stärkere Geschlecht wahrgenommen werden. Wenn Männer von ihrer Geschlechterrolle abweichen, verlieren sie also in der Regel an Status, wohingegen Frauen durch ebensolche Abweichungen gewinnen. Maskulinität ist durch ihre Unsicherheit leichter zu bedrohen als Weiblichkeit. Außerdem reagieren Frauen nicht so extrem auf eine angebliche Bedrohung. “Männer sind sozusagen sensibler, was die Erfüllung der eigenen Geschlechternorm angeht”, drückt es Sozialpsychologe Ulrich Klocke aus.

Wann ist der Mann ein Mann …

Die beiden amerikanischen Forschenden Bosson und Vandello überprüften diese These ebenfalls in einem Experiment. Den männlichen Probanden wurde beispielsweise gespiegelt, sie hätten in einem bestimmten Test eher feminin abgeschnitten, oder man ließ sie vermeintlich “weibliche” Aufgaben ausüben (wie zum Beispiel Puppen frisieren oder Nägel lackieren). Dadurch wurde die Angst erzeugt, die Männlichkeit der Probanden sei bedroht und in weiteren, noch folgenden Tests reagierten sie dann mit einer Art Überkompensation, um ihre Männlichkeit wieder herzustellen. Sie zeigten ein erhöhtes Risikoverhalten, was als männliches Attribut gilt, und werteten verstärkt homosexuelle Männer ab – um ihre eigene Männlichkeit wieder “herzustellen”. All diese Beobachtungen belegen, dass Männer häufiger homophobe Einstellungen haben. Daher sind diese auch mit männlichen Probanden viel besser erforscht – obwohl es natürlich auch homophobe Frauen gibt.

Wie gut ist Homophobie erforscht und was ist noch unklar?

Homophobie wurde als Phänomen erst Anfang der 1970er-Jahre genauer erforscht. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Begrifflichkeit an sich erst Ende der 1960er-Jahre zum ersten Mal in einem Buch auftauchte, zum anderen war Homosexualität bis 1973 noch im DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, aktuelle Auflage: DSM-5) als psychische Störung vermerkt. Erst als sich dies änderte, hat auch die Forschung ihren Fokus geändert und sich mehr auf Homophobie konzentriert.

Die Ursachen von Homophobie sind recht umfangreich erforscht, auch wenn es einige Schwierigkeiten gibt, was unter anderem eine Metastudie von 2013 aufzeigt. Eines der Probleme ist, dass häufig Studien mit Probanden durchgeführt wurden, die einen höheren Bildungsgrad hatten – beispielsweise mit Studierenden von Universitäten. Da es als erwiesen gilt, dass Vorurteile häufiger in Milieus mit niedrigem Bildungsgrad auftreten, scheinen vor allem Studierende oder Menschen mit Universitätsabschluss keine ideale Gruppe für diese Tests zu sein. Oftmals basieren die durchgeführten Studien außerdem auf Fragebögen und Selbstauskunft der Studienteilnehmenden. In manchen dieser Fragebögen wird auch nicht genau genug zwischen den verschiedenen Ausprägungen von Homophobie (affektiv, kognitiv, verhaltensbezogen) unterschieden, was eine genaue Einteilung erschwert. Außerdem besteht bei Selbstauskunftsfragebögen, die explizit Merkmale von Homophobie oder Einstellungen gegenüber homosexuellen Menschen abfragen, immer die Gefahr, dass die Probanden sozial erwünscht antworten und nicht komplett ehrlich sind. Daher wird in der Soziologie auch mit impliziten Maßnahmen geforscht (wie zum Beispiel auch im Experiment von 2012, das unter Frage 7 beschrieben wird) – diese sind allerdings noch nicht so ausgereift wie explizite Fragebögen. Implizite Instrumente funktionieren oft über unbewusste Prägung oder Beeinflussung der Teilnehmenden, sodass sie weniger kontrolliert auf Fragen reagieren können, sondern ihr Unterbewusstsein ihre ehrlichen Meinungen und Standpunkte verrät.

Vorurteile abbauen

Sozialpsychologe Ulrich Klocke würde sich mehr praxis- und lösungsorientierte Forschung wünschen, die sich mit der Auflösung von Homophobie und dem Kontakt zwischen Menschen beschäftigt. “Es gibt bundesweit bereits in vielen Städten Projekte, bei denen Menschen, die sich der LGBTQIA*-Community zugehörig fühlen, in Schulen gehen und dort mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. Es fehlt aber eine groß angelegte Untersuchung der Wirksamkeit und Wirkbedingungen solcher Projekte”, sagt der Sozialpsychologe. Laut Ulrich Klocke gibt es schon sehr viel Forschung, die auf Korrelationen fußt, aber leider weniger Forschung in diesem Feld, in der man spezifische Interventionen bei einer Versuchsgruppe mit einer Kontrollgruppe vergleicht – so wie es auch in der evidenzbasierten Medizin gemacht wird.

Was kann man gegen Homophobie tun?

Unkenntnis und fehlender Kontakt sind Faktoren, die Homophobie begünstigen. Daher kann es helfen, heterosexuelle Menschen mit LGBTQIA*-Menschen in Verbindung zu bringen, bestenfalls schon im frühen Alter. So können Vorurteile entweder gar nicht erst entstehen oder leichter abgebaut werden. Homophobe Gedanken können durch positive Erfahrungen ersetzt werden. In Ulrich Klockes Studien stellte sich heraus, dass besonders Menschen, die aus religiösen Gründen Vorbehalte gegen homosexuelle Mitmenschen haben, ihre Meinung durch Kontakt ändern konnten und sich im Anschluss solidarisch mit diesen Menschen zeigten. In Berlin gab es daher auch schon organisierte Treffen zwischen islamischen Gemeinden und Menschen, die der LGBTQIA*-Community angehören, um genau diesen Austausch anzuregen.

Was den Aspekt der Geschlechternormen und der Geschlechteridentitäten angeht, spielt die Gleichsetzung von Mann und Frau in vielen sozialen Bereichen eine große Rolle. Wenn klare Normen wie “das ist männlich, das ist weiblich” nicht mehr vorhanden sind, kann sich auch niemand mehr in seiner Männlichkeit bedroht fühlen und muss niemanden diesbezüglich abwerten, um seine Geschlechtsidentität zu schützen.

Ebenso könnten bessere Bildungsangebote helfen, Vorurteile abzubauen, da Homonegativität – wie schon erwähnt – auch häufig mit einem niedrigeren Bildungsgrad zusammenhängen kann.

Letztendlich können auch Änderungen in der Gesetzgebung weiter zum Abbau von Homophobie beitragen. Paragraf 175 beispielsweise verbot in Deutschland bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen zwei Männern und machte dies zu einer Straftat. Auch solche Gesetze haben dazu beigetragen, dass die Ablehnung von Homosexualität bei vielen Menschen tief verwurzelt im Gedächtnis ist und bleibt.

Annika Witzel
Im Medienkosmos am liebsten online und im Radio unterwegs. Die Fragen "Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum?" stellt sie von klein auf bei jedem Thema – egal ob es um den Nacktmull oder Atomkraft geht.

Unsere Quellen

2 Kommentare;

  1. Theorie Vorschlag, (spielt im Schwangerschaft)
    Das sexuelle Geschlecht ist eine Art Software, die Festschreibung welche Hormone, in welche Kombinationen ind in welche Mengen freigesetzt werden bei bestimmte Anreize.
    Diese Festschreibungen werden zeitlich genetisch bestimmt und inhaltlich durch den aktuelle Hormonpegel. Diese Pegel schwanken noch stark und dadurch koennten auf zwei nah an einander liegende Zeitpunkte, unterschiedlichte sexuelle Geschlecht Programme festgeschrieben werden.
    Diese Festschreibungen sind nicht aenderbar.
    Jahren spaeter kommt durch Selbstwahrnemung, Soziale Austausch und Normierung und durch Erfahrungen die entgueltige sexuelle Identitaet.
    Wein die Hormon-Programmen festgeschrieben werden waerend die Schwangerschaft, bilden die ein eigenes Antriebsfeld neben das genetische und Soziales.

    Es ist ein biologischer Untersuchungsfeld, Psychologen und Sozialwissenschafter laufen hier nur verloren rund.

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