Heinsberg-Studie: Das lernen wir daraus – und das nicht

Mensch hält Rachenabstrich-Set in der Hand Foto: WDR Bildarchiv

Coronavirus

Heinsberg-Studie: Das lernen wir daraus – und das nicht

Sie wurden lange erwartet, jetzt sind sie endlich da: die Ergebnisse der Heinsberg-Studie. Und schon werden ihre Ergebnisse falsch interpretiert. Was man wirklich sagen kann.

7. Mai 2020 | 51 Kommentare

Es ist die erste Untersuchung ihrer Art: Mit der Heinsberg-Studie wurde erstmals ein Ausbruch in einem Coronavirus-Hotspot detailliert untersucht. Sie liefert Einblicke in die Dunkelziffer, in die Gefährlichkeit des Virus und das Ansteckungsrisiko in Haushalten. Erste Zwischenergebnisse hatten die Forschenden rund um Professor Hendrik Streeck von der Universität Bonn schon kurz vor Ostern in einer öffentlichkeitswirksamen Pressekonferenz präsentiert – und waren dafür scharf kritisiert worden. Nun wurden die finalen Ergebnisse auf einem Preprint-Server veröffentlicht, noch ohne Peer-Review, also ohne dass unabhängige Forschende die Studie begutachtet haben.

Viele Medien griffen sofort vor allem eine Aussage heraus: Aus der Studie könne man schließen, dass in Deutschland schon 1,8 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert sein könnten – zehnmal mehr also, als die offiziellen Zahlen zeigen. Nur: Aus den Heinsberger Ergebnissen lassen sich keine Rückschlüsse auf eine mögliche Dunkelziffer in ganz Deutschland ziehen. Wir schauen uns die Ergebnisse genauer an.

1. Wer getestet wurde

919 Menschen aus insgesamt 405 Haushalten. Gemessen an allen Einwohnern der Gemeinde Gangelt entspricht das einer Stichprobe von 7,3 Prozent. Die Haushalte wurden so ausgewählt, dass sie für den Ort möglichst repräsentativ sind. Ältere Menschen allerdings sind etwas überrepräsentiert, Kinder dagegen sind etwas zu wenige einbezogen, um signifikante Aussagen machen zu können.

2. Die Dunkelziffer

Die Untersuchung beziffert erstmals die tatsächliche Anzahl aller Infizierten in einem Ort, die Dunkelziffer. Bislang kannte man lediglich die bestätigten und gemeldeten Fälle — doch weil diese Zahl niemals alle Infektionen umfasst, verzerrt das Angaben zur Ausbreitung und der Sterblichkeit.

So wurde in der Studie nicht nur mittels PCR-Analysen getestet, ob die Probanden akut infiziert waren. Mit Antikörpernachweisen wurde auch getestet, wer alles schon Antikörper gegen das Virus gebildet hat – ein Zeichen dafür, dass man bereits eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hat. Damit wurden auch die Menschen gefunden, die während des Ausbruchs gar nicht auf das Virus getestet wurden.
Das Ergebnis: 15,5 Prozent aller Probanden waren demnach mit dem Coronavirus infiziert. Fünfmal mehr, als bisher durch die offiziellen Testergebnisse bekannt war.

Was wir daraus lernen:

Die Ergebnisse bestätigen bisherige Annahmen, dass die Tests lediglich einen Teil aller Infizierten erfassen und die Dunkelziffer weitaus höher liegt – um einen Faktor zwischen 3 und 11, so die bisherigen Schätzungen. Die Zahlen der Studie liegen in diesem Rahmen.

Sieben Menschen starben in Gangelt an Covid-19. Damit ergibt sich für den Ort eine Sterblichkeit von 0,37 Prozent unter allen Infizierten. Dieser Wert liegt über dem einer saisonalen Influenza (0,1 bis 0,2 Prozent) und unter der sogenannten Fallsterblichkeit – dem Wert, der etwa in den Berichten des Robert-Koch-Instituts angegeben wird, sich aber nur auf die gemeldeten Infektionen bezieht.

Was diese Daten nicht sagen:

Die Sterblichkeit unter den Infizierten kann nicht auf ganz Deutschland übertragen werden. Dafür schließt die Teilnehmerzahl zu wenige sehr junge Menschen und zu wenige sehr alte Menschen ein. Die Altersverteilung ist also nicht repräsentativ. Und: Die Heinsberg-Studie umfasst lediglich sieben Todesfälle. Statistische Verzerrungen sind dadurch sehr wahrscheinlich.

Die Antikörpertests sind bisher nicht zu 100 Prozent genau. Diese Tests erkennen damit einige Positive als auch einige Negative nicht korrekt. Forscherinnen und Forscher der RWTH Aachen etwa hatten mit denselben Tests andere Trefferquoten errechnet. Nach derzeitigem Stand reagieren die Elisa-Antikörpertests nicht auf die herkömmlichen Coronaviren.

Ebenso sagen die Daten aus Gangelt nichts darüber aus, wie hoch die Dunkelziffer in Deutschland ist. Denn die Daten lassen sich nicht einfach so übertragen, schreiben die Autorinnen und Autoren selbst – unter anderem deshalb, weil die Gemeinde ein Hotspot mit einem besonders starken Ausbruch durch eine Karnevalssitzung ist.

Trotzdem geben die Forschenden mittels Modellrechnungen einen Ausblick. Mit der hier ermittelten Sterblichkeit von 0,36 Prozent käme man über die bestätigten Covid-Toten in Deutschland auf mehr als 1,8 Millionen Infizierte. Die Dunkelziffer läge demnach um das 11-Fache höher, als bisher mit allen Labortests ermittelt wurde, und damit im Bereich  bisheriger Schätzungen.

Allerdings hat die Rechnung mehrere Schwächen: Die Heinsberg-Studie umfasst nur sieben Todesfälle. Jeder Todesfall weniger oder mehr beeinflusst die Sterblichkeit stark. Diese Unsicherheit würde Statistikern zufolge eher zu einer wahrscheinlich großen Spanne an Infizierten führen. Das Robert-Koch-Institut etwa nimmt laut bisherigen Studien eine Dunkelziffer zwischen 1,7 und 3,3 Millionen Menschen an.

3. Die Infizierten ohne Symptome

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben auch untersucht, wer an Covid-19 erkrankt ist – und welche Symptome die Infizierten hatten. Ein interessanter Fund, der bisherige Schätzung bestätigt: Die Tests auf Antikörper und zusätzliche Umfragen zeigten, dass rund 22 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer trotz einer Infektion keinerlei Symptome zeigten. Darüber hinaus haben sich die Menschen unabhängig von Alter und Geschlecht infiziert.

Was wir daraus lernen:

Menschen können das Virus tragen und weitergeben, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen. Für jeden fünften Infizierten in Gangelt soll das zutreffen. Das bekräftigt noch einmal, wie wichtig es weiterhin ist, Abstand zu halten.

Was die Daten nicht sagen:

Weshalb einige Menschen keine Symptome zeigen. Das ist noch nicht endgültig geklärt. Möglicherweise liegt eine sogenannte Kreuzimmunität vor: Menschen, die sich vorher schon mit einem anderen Virus aus der Corona-Familie infiziert haben, hätten demnach einen gewissen Schutz vor Sars-CoV-2, so die Theorie.

Es liegt keine aussagekräftige Altersverteilung der asymptomatischen Fälle vor. Auch gibt es keine Daten dazu, wie häufig Infizierte hospitalisiert oder beatmet wurden. Da in Deutschland derzeit vor allem Alters- und Pflegeheime betroffen sind, ergäbe sich hier vermutlich ein gesondertes Bild, was Infektionszahlen, Schweregrad der Krankheitsverläufe und Sterblichkeitsrisiko angeht.

Kinder waren in der Heinsberg-Studie unterrepräsentiert – es können also keine validen Schlüsse zum Infektionsrisiko oder zur Rolle von Kindern bei der Virusverbreitung gezogen werden. Andere Untersuchungen zeigen, dass Kinder, wenn sie infiziert sind, eine genauso hohe Viruslast haben wie Erwachsene. Sie scheinen sich allerdings seltener zu infizieren, Daten aus China zufolge haben Kinder ein dreifach geringeres Ansteckungsrisiko als Erwachsene.

4. Virusmenge und Schwere der Krankheit

Ein interessanter Fund: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Karnevalssitzungen hatten häufiger Symptome als andere Infizierte. Von den Karnevalisten, die sich infiziert haben, hatten nur 16 Prozent keine Symptome – unter Menschen, die keinen Karneval gefeiert hatten, lag der Anteil deutlich höher: bei 36 Prozent.

Was wir daraus lernen:

Die Zahlen deuten an, dass Versammlungen in engen Räumen womöglich mit einer erhöhten Viruskonzentration einhergehen, die Menschen also mehr Viren einatmen – und deshalb möglicherweise schwerer erkranken.

Ähnliche Ergebnisse und Berichte gibt es aus dem Ausland, wo sich Menschen trotz Hygienemaßnahmen über die Luft angesteckt haben – etwa beim Singen oder über die Klimaanlage.

Was die Daten nicht sagen:

Ob die Menschen, die sich auf der Karnevalssitzung angesteckt haben, auch vermehrt im Krankenhaus behandelt oder beatmetet werden mussten oder gar gestorben sind. Auch ist der Zusammenhang zwischen Viruskonzentration und Krankheitsschwere für das Coronavirus zwar plausibel, aber nicht belegt. Es gibt weitere Studien, in denen eine erhöhte Viruskonzentration zu schwereren Verläufen geführt hat.

5. Ansteckung im Haushalt

Die Forschenden haben auch die Infektionsketten verfolgt: wo sich die Menschen angesteckt haben – und ob (oder wie stark) sich das Virus in Haushalten weiterverbreitet hat. Überraschend ist: Das Risiko, sich zu Hause mit dem Coronavirus anzustecken, ist vergleichsweise gering – und es sinkt, je mehr Personen in einem Haushalt leben.

Wer alleine wohnt, hatte demnach in Gangelt ein generelles Infektionsrisiko von 15,5 Prozent. In einem Zweipersonenhaushalt lag das Ansteckungsrisiko bei 44 Prozent, in einem Vierpersonenhaushalt hingegen bei 18 Prozent. War ein Kind unter 18 Jahre infiziert, war die Ansteckungsrate in einem Dreipersonenhaushalt mit 66 Prozent höher, als wenn ein Erwachsener infiziert war (33 Prozent).

Was wir daraus lernen:

Das Infektionsrisiko innerhalb eines Haushaltes ist oftmals geringer, als lange Zeit angenommen wurde. Und: Infizierte Kinder scheinen in einem Dreipersonenhaushalt ihre Eltern oder Geschwister häufiger anzustecken als Erwachsene andere Mitbewohner im selben Haushalt infizieren.

Was die Daten nicht sagen:

Bisher kann man nur spekulieren, welche Ursachen dafür infrage kommen. Je mehr Menschen in einem Haushalt wohnen, desto eher könne man sich aus dem Weg gehen, so ein Erklärungsversuch. Ein weiteres Problem: Kinder waren in der Studie unterrepräsentiert, das verzerrt die Aussagekraft.

Den Bonner Forschenden um Streeck liegen noch viele weitere Daten aus ihrer Erhebung vor, etwa wie viele und welche der Menschen schon vor der Infektion an Risikofaktoren wie Atemwegsproblemen, Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes gelitten haben. Diese Daten sollen nun in weiteren Studien genauer untersucht werden. Auch für die Karnevalssitzung des Ortsteils soll es eine eigene Untersuchung geben, die das Infektionsgeschehen dort näher untersucht.

Autoren: Mathias Tertilt und Lisa Weitemeier

51 Kommentare;

  1. Nur ein Hinweis, mit Fallsterblichkeit (Case Fatality Rate CFR) ist die Sterblichkeit bei Auftreten der Krankheit gemeint. In der Heinsbergstudie wurde aber die Sterblichkeit bezogen auf die Infektion (Infection Fatality Rate IFR) ermittelt. Da nicht jeder Infizierte krank wird, sind dies zwei verschiedene Zahlen. Die Aussage, dass die bei der Heinsbergstudie ermittelte IFR von 0,3 niedriger liege, als die vom Robert Koch Institut angegebene CFR ist daher falsch, weil es zwei komplett unterschiedliche Zahlen sind.

  2. Für eine wissenschaftliche Studie doch recht viele Spekulationen und Erklärungsversuche. Viele der Zahlen ließen sich jedoch auch ganz anders (und vielleicht sogar treffender) interpretieren.

    Beispiel: 4. Virusmenge und Schwere der Krankheit
    Für eingefleischte Karnevalisten ist die Session eine sehr ernsthafte und körperlich anstrengende Zeit. Zudem gibt es oft viel Alkohol und (sehr) wenig Schlaf. Es ist also gut möglich, dass die höhere Zahl an schweren Verläufen einfach mit körperlicher Erschöpfung und damit geschwächtem Immunsystem zu tun hat.
    Außerdem wäre zu fragen, welche Getränke ausgeschenkt wurden (Glas, Flasche?) und wie beispielsweise Gläser gespült wurden.
    Eine weitere Möglichkeit wären E-Zigaretten/Verdampfer. Wenn Viren sich an den ausgeatmeten Dampf binden können, dann dringen sie schnell, in großer Zahl und tief in die Atemwege der Umstehenden ein. Zudem verteilt sich der Dampf über weite Strecken. Ähnliche Fragen wären auch für klassischen Zigarettenrauch zu stellen.
    Für Karneval auch nicht unwichtig: Wurde sich viel im Arm gelegen oder „gebützt“?

    Beispiel: 5. Ansteckung im Haushalt
    Die geringere Infektionszahl bei mehr Personen im Haushalt kann auch damit zusammenhängen, dass dann die Wohnung größer ist und mehr Zimmer (vor allem Schlaf- und Badezimmer) hat als bspw. eine 2-Zimmer Wohnung mit 35 Quadratmetern. Wohnungsgröße und Zimmerzahl wären also wichtige Faktoren. Wurden diese betrachtet?
    Dass die Quote bei Kindern im Haushalt höher ist, ist hingegen wenig überraschend: Gerade kleinere Kinder benötigen oft viel und engen Kontakt zu den Eltern (schmusen, umarmen, auf dem Arm sein, …). Bei Erwachsenen untereinander (außer vielleicht ganz frisch Verliebte) ist das oft weniger. Und reine Wohngemeinschaften (also kein Paar/Familie) verbessern die Quote auch noch einmal.
    Schließlich könnte es sich noch um einen rein statistischen Effekt handeln: Wenn sich in einem 2-Personen Haushalt eine Person ansteckt, dann sind das 50 Prozent. Leben in der Wohnung 5 Personen, dann sind es nur 25 Prozent.

  3. Ich finde es schade, dass hier so lenkend gearbeitet wird…
    Obwohl viele Dinge korrekt sind, gibt es einige sehr unwissenschaftliche Interpretationen:

    Die Anzahl von 7 Todesfällen ist ein Beispiel: hätte wäre wenn ist statistisch bei einer Stichprobe von 900 Betrachtungen nun mal bei 7… Aber die Zahl ist eben so niedrig. In größeren Städten gibt es auch (größere) Senioren- und Pflegeheime, die dann sicher nicht in Gangelt sondern in Heinsberg zu finden sind… das erhöht natürlich die Zahl der Todesfälle, aber auch die Zahl der Stichprobe… und dafür gibt es in dieser Studie eben auch eine erhebliche andere Gruppe nicht, die hier einen gegenteiligen Effekt zeigt: die jungen Menschen unter 30, die hier deutlich unterrepräsentiert sind..

    Wenn man dann die Anzahl Kinder als unterrepräsentiert betrachtet, ist dies keine Schwäche sondern eine lokale Begebenheit…

    Daraus ergibt sich allerdings auch, dass zur Zeit Kinder fast überhaupt keine Sterblichkeit haben (derzeit bei Kindern und jungen Menschen unter 30 sind 11 unter 30 Jahre – natürlich 11 zuviel, lt. RKI jedoch komplett alle mit schweren Vorerkrankungen). Da heut insgesamt 10.871 Menschen zwischen 0-20 Jahren registrierte Infizierte sind, ist die Infection fatality rate of SARS-CoV-2 in Deutschland bei 0,0276%…

    Auch interessant die Interpretation, dass Kinder die Eltern anstecken. Das wird von Professor Streeck anders interpretiert, er stellt fest, dass eher die Eltern die Kinder anstecken, wie übrigens auch in vielen anderen Studien (Frankreich, Italien, China – alles in Hot-Spots der Ausbrüche) festzustellen war…

    Interessant auch die hier mal so am Rande erwähnte Studie zu 127 Kindern, die genau so viel Viren im Rachen vorwiesen wie Erwachsene… ohne die einer genauen Überprüfung auf Datenqualität und Sinnhaftigkeit von Schlussfolgerungen zu unterziehen…
    diese Studie ist schon von verschiedenen Wissenschaftlern schwer kritisiert worden (u.a. Bio-Statistik-Professor der Uni Zürich), da die Schlussfolgerungen unzulässig und die Daten wenig aussagekräftig sind (wenn man bei 900 Probanden schon die Anzahl 7 Toter kritisiert, dann muss man bei 127 Probanden erst recht über eine Aussagekraft diskutieren…).. auch wenn diese Studie bzw. Analyse von Professor Drosten einem ARD – Experten… erstellt wurde…. Es stellt sich da auch die Frage, ob diese Viren infektiös waren… also ob sie in normalem Nährboden reproduzierfähig sind… dieser Beweis fehlt noch, auch wenn es naheliegend ist, aber bewiesen ist es nicht.

    Es tritt leider immer wieder bei Quarks in letzter Zeit auf, dass hier bei der Bewertung nicht mit streng wissenschaftlichem sondern eher steuernden Blick analysiert wird…

    Schade, denn ich war immer großer Fan von Quarks & Co. bestimmt seit 1994… leider eben seit ca. 2 Jahren ist das Niveau stark wertend und steuernd geworden, so dass ich mich lieber den Originalstudien widme statt auf Ihre Aussagen zu bauen… auch wenn sie an vielen Stellen ordentlich und gut sind…

    Ich will aber von Ihnen nicht die Denkrichtung vorgegeben bekommen sondern selber meine Schlüsse ziehen… Als Wissenschaftler und Praktiker bin ich dazu in der Lage… und bei der heutigen Anzahl von Studierten oder Abiturienten, die in Deutschland leben, kann man dies so ziemlich auch von mindestens einem Viertel der Menschen in Deutschland erwarten… und Ihre Zuschauer gehören sicher eher zu denen mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife, also der Fähigkeit, selbst Schlüsse zu ziehen…

    Die Medien und Politiker sind nicht die Elite des Landes… auch wenn da sehr schlaue Köpfe sitzen und arbeiten…. aber bitte, das Denken dürfen und können wir auch (mindestens genau so gut).

    Hier ein interessantes Interview mit Professor Bolz zu diesem Thema:
    https://youtu.be/btXEheiG7M0

  4. H.Streeck schreibt in seiner wissenschaftliche Publikation nicht wirklich dasselbe als was er seit Wochen die offentlichkeit sagt. Was richtig ist ist was hier vorher schon kommentariert ist: statistisch nicht ausreichend, fuer ganz Deutschland nicht aussagend, nicht representativ. Ausserdem gibt es schon andere Studien die viel mehr aussagen, zB die auis Island: uber 50000 Menschen auf eine Bevolkerung von 366000 getestet, das ist ‚ ein wenig‘ besser wissenschaftlich gesehen als der Studie von Kollege Streeck.

  5. „Je mehr Menschen in einem Haushalt wohnen, desto eher könne man sich aus dem Weg gehen“ ???
    Das ist kein Erklärungsversuch, das ist Unsinn.

    Eventuell darf man noch annehmen, dass mehrere Mitbewohner auch über ein eigenes Zimmer verfügen – was aber bei Partnern schon nicht mehr der Fall sein dürfte und allein diese beiden in die Kategorie 2-Pers.-Haushalt fallen – aber dass jeder der Bewohner innerhalb der Wohnung auch über eine eigene Küche, ein Bad und eine Toilette verfügt ist mit 99,9 prozentiger Sicherheit auszuschließen. Es sei natürlich denn, mit „Haushalt“ sind hier „Hotels“ gemeint, was ich aber nicht annehmen möchte.

    1. Wie gesagt, das war lediglich ein Erklärungsversuch der Forscher auf Nachfrage im Videochat. Uns haben die Ergebnisse auch irritiert. Wo der Zusammenhang tatsächlich liegt, darüber kann man nur spekulieren.

    2. Ich vermute mal Folgendes: Die noch nicht infizierten Personen können sich miteinander beschäftigen und die Quarantäne des Erkrankten auf diese Art nur minimal durch Pflegemaßnahmen beeinflussen .. Bei einem Zweierhaushalt dreht sich im Infektionsfall ja das gesamte Haushaltsgeschehen um die Krankheit.

      (Wie schafft man es am Besten, den Erkrankten maximal abzukapseln – das ist die plausible Frage hier, denke ich.)

  6. Hier ist einer der typischen, und meiner Meinung nach sehr gefährlichen Fehler unterlaufen.
    Die saisonale Influenza hat Weltweit eine CFR von <0,1%. Die IFR wird um die 0,02% geschätzt.
    D.h. die 0,1% sind der Wert – der bei Covid-19 zwischen 3% und 12% liegt.
    Das heißt, selbst wenn dieser optimistische Wert von 0,37% stimmen sollte (und meines Wissens dürfte er sich eher um 1% bewegen) – dann wäre das immer noch 15-30 mal so gefährlich wie die saisonale Influenza. Und nicht 2-4 mal.

  7. Liebes Quarks-Team,
    wo habt ihr die Zahlen für die Sterblichkeit einer saisonalen Influenza von 0,1-0,2% her? Für *pandemische* Verläufe der Influenza gibt es eine Studie, die auf einen Wert der „Case Fatality Rate“ von < 0,1% kommt (https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_human_disease_case_fatality_rates) . Für die *saisonale* Influenza müsste der Wert deutlich geringer sein. Zahlen zur IFR (Infektionssterblichkeit) sind mir nicht bekannt.

  8. Oh Gott! Wer hat diesen Artikel geschrieben? Das ist fürchterlich sortiert und hat mit Sicherheit skurrile Logiken die wissenschaftlich nicht nachvollziehbar sind….allein folgender Satz: “ Das Risiko, sich zu Hause mit dem Coronavirus anzustecken, ist vergleichsweise gering – und es sinkt, je mehr Personen in einem Haushalt leben.“ Das ist totaler Blödsinn und mit Sicherheit falsch! Grober Patzer

    1. In der Studie heißt es auf Seite 10: “A significant association between household cluster size and the per-person infection risk was found (Fig. 5B, p<0.001). In a two-person householdcluster, the estimated risk for the second infection increasedfrom 15.53%to43.59% [25.26%; 64.60%]; in a three-person householdclustertheestimatedrisk for the second and third personsincreasedfrom 15.53%to35.71% [19.57%; 55.60%] each, and in a four-person household cluster the estimated risk for the second, third and fourth personsincreasedfrom 15.53%to18.33% [9.67%; 28.74%]each.For household clusters with at least one infected child (

      1. Kommt wohl eher immer darauf an, in welchem Verhältnis die Personen zueinander stehen.
        Ein Paar hat bestimmt ein größeres gegenseitiges Ansteckungsrisiko als zwei bloße WG-Bewohner. Besonders dann, wenn man eine symptomfreie aber ansteckende Inkubationszeit oder einen völlig symptomfreien Infektionsverlauf einer der Partner bedenkt. Wer nicht weiß dass er infiziert ist, wird sich in einer Beziehung auch nicht isolieren und der Partner wird sich nicht fernhalten.

        Die niedrigeren 33% in einem 4-Personen-Haushalt lassen sich vielleicht mit einer größeren Achtsamkeit in Sachen Hygiene erklären. Zu zweit als Paar sieht man aufgrund der ohnehin stattfindenden Nähe manches nicht so eng, als wenn noch z.B. zwei Kinder involviert sind. Da wird einfach mehr und öfter desinfiziert ! – denke ich mir so.

  9. Hallo
    zur hohen Sterblichkeit trägt ja wohl die Situation in den Alten- und Pflegeheimen bei. Neuste Untersuchungen zur Sterblichkeit ergaben wohl eine Häufigkeit durch Lungenembolie ausgelöst durch eine tiefe Beinvenenthrombose.Es ist wohl die immer wiederkehrende Frage, stirbt man an Corona oder mit! Könnte man aber nicht einfach die Zahlen der Sterblichkeitsraten der vergangen den Jahre zum Beispiel pro Monat seit 2015 bis heute vergleichen? Da müsste doch klar ersichtlich sein in welchen Altersgruppen eine Übersterblichkeit durch Corona besteht?

  10. Liebe Redaktion,
    ich weiß nicht, ob meine Email versandt wurde, deshalb hier nochmals:
    Wie Herr Fechter habe ich Rechenprobleme
    919 Untersuchte, 7 Tote sind 5 % pi mal Daumen
    15 % Infizierte sind bei 7 Toten eine Mortalität von 5 Prozent.
    Laut Johns Hopkins laufen wir zur Zeit auf 4,3 % zu.
    Die Herrn Fechter gegebene Erklärung stimmt nicht mit meiner Erinnerung überein, waren in Heinsberg nicht 30 Tote vermeldet?
    Wenn 78 % Prozent ihre Erkrankung merken, dann werden sie doch auch getestet. Komme ich dann nicht wieder auf andere Zahlen?
    Alle Tests sind Momentaufnahmen. Ein Getesteter kann sich noch infizieren.
    Wenn ich aber annehme, dass eine Pandemie erst bei 70 % Infizierten stoppt, dann komme ich doch auf ganz andere Zahlen.

    Wo sind meine Gedankenfehler?

    Glückauf und bleiben Sie gesund
    Manfred

    1. Die Autoren der Studie haben ihre Infektionsrate der Studienpopulation auf die Gesamtpopulation von Gangelt hochgerechnet. Sie gehen davon aus, dass sie über alle Covid-Todesfälle Bescheid wissen. Deshalb Todesfälle/hochgerechneter Anteil an Infizierten in Gangelt = 0,36 %

  11. Ich bin Lehrer an einer Stadtteilschule (Grundschulklassen 3/4 und Klassen 7/8/9/10) in Hamburg. Seit zwei Wochen läuft bei uns wieder der Unterricht in verschiedenen Klassen. Dabei kommen die Schüler nur in kleineren Gruppen von höchstens 15 Schülern zusammen und sitzen in Klassenräumen im Abstand von mindestens 1,5 Meter. Außerdem wird streng auf Handhygiene und Niesetikette geachtet. Zum Streitpunkt hat sich im Lehrerkollegium aber die Frage entwickelt, ob Schüler und Lehrer im Unterricht eine Gesichtsmaske tragen sollten. Ihre Aussagen unter Punkt 4 zum Stichwort Viruskonzentration in engen Räumen bestärken mich in meiner Meinung, dass das Maskentragen im Unterricht zu befürworten ist. Die Mehrheit der Kollegen plädiert aber jetzt nach 2 Wochen Erfahrung von Unterricht mit Gesichtsmasken ( aufgrund der Behinderungen im Atmen und Sprechen durch Masken…) dafür, das Maskengebot in unserer Schule wieder abzuschaffen. Andere Schulen in Hamburg haben auch kein Maskengebot… – Was würden Sie unserem Kollegium raten???

  12. Das ist eine sehr hilfreiche Erläuterung und Einordnung. Könntet Ihr sowas bitte auch mal mit dem unten zitierten Vorabdruck von Jones et al machen? Der hat ja eine breite Öffentlichkeit bekommen, wobei in der Öffentlichkeitsarbeit und der Presse die bereits kühne Aussage in der Zusammenfassung nochmals gesteigert wurde und die Datenlage praktisch ins Gegenteil verkehrt. Kinder haben in diesen Daten eine geringere Viruslast, und nur durch mutwillige Aufteilung auf Dutzende von Scheinhypothesen wird ein signifikantes Ergebnis verhindert. Das kann fast kein Versehen mehr sein, in jedem Fall sollte das in der Öffentlichkeit korrigiert werden.

      1. Habe das Paper gelesen. Die Aussage lässt sich daraus eben nicht ableiten, zumindest Kinder im Kindergartenalter haben klar geringere Viruslast (etwa ein Sechstel im Vergleich), und das wäre auch statistisch signifikant wenn man die Statistik etwas besser an der Fragestellung ausgerichtet hätte (statt durch viele irrelevante Paarvergleiche die Signifikanzschwelle künstlich in die Höhe zu treiben). Meines Erachtens ganz schlechte Wissenschaft und dann noch vorschnell überinterpretiert und -kommuniziert. Aber ich würde mich sehr über eure kritische Analyse freuen. Ein Biostatistiker der Uni ZH (Leonhard Held) hat vergeblich die Rohdaten erbeten (ich auch), er hat dann auf Basis der veröffentlichten Tabellen eine Sekundäranalyse gemacht, die eine statistisch und klinisch signifikante Abhängigkeit zwischen Viruslast und Alter zeigt. Siehe https://osf.io/bkuar/ Meine Lieblingsformulierung in dem Paper: Absence of evidence is not evidence of absence. Wobei es nicht ganz zutrifft, denn die evidence (für geringere Viruslast) wäre ja sogar da und wurde nur durch grobschlächtige Auswertung „zertrampelt“.

  13. Sehr geehrte Redaktion,

    Sie schreiben: 919 Beteiligte, davon 15,5 % infiziert das sind ca. 142 Infizierte. Sieben Menschen starben an COVID-19. Das ist eine Sterblichkeit von 7/142 = 0,0493 also 4,9% und nicht 0.37%. Letztere Zahl bedeutet ja einen Faktor von 0,0037 und bei 142 Infizierten nur ca. 0,5 Todesfälle.

    Ich habe den Text Ihrer Seite mehrfach gelesen, finde aber keine Erklärung für diese Ungereimtheit. Wahrscheinlich fehlen mir einfach nur wichtige Informationen über die Berechnungsmethode, die über die schlichte 7/142 = 0,0493 Division hinausgehen.

    Für einen Hinweis wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    Karl Fechter

    1. Lieber Karl,
      danke für deine Nachfrage. Vielleicht geht das so einigen ähnlich wie dir. Hier die Erklärung: Streeck und seine Mitarbeiter haben ihre Infektionsrate der Studienpopulation auf die Gesamtpopulation von Gangelt hochgerechnet. Sie gehen davon aus, dass sie über alle Covid-Todesfälle Bescheid wissen. Deshalb Todesfälle/hochgerechneter Anteil an Infizierten in Gangelt = 0,36 %.
      Zitat aus der Veröffentlichung (ist auch als erstes unter dem Artikel verlinkt: „To determine the infection fatality rate (IFR), the estimated infection rateof 15.53% inthe study populationwas applied to the total population in the community (12,597) yielding an estimated number of 1,956 [1,551; 2,389] infected people. With 7 SARS-CoV-2-associated deaths, as reported to the authors by the local administration,the estimatedIFR was7/1,956 =0.00358“

      Viele Grüße von Quarks!

      1. Na super, damit ist Ottonormalo raus.
        Omi und Opi, beide keine Matheasse, nie gewesen, obendrein des englischen unmächtig, sollen sich ja auch nur noch um ihr Marmeladenbrötchen kümmern, politisch relevante Fragen haben Briefwahlankreuzer nur noch peripher zu interessieren.
        Ich spreche nicht von mir.
        Kann ja irgendwie nicht angehen, dass so eine simple Corona-Statistik nur verklausuliert den Weg in die Öffentlichkeit findet.
        Was wäre schon dabei, man zeigte in der allabendlichen Tagesschau :
        Von 83 Mio. Menschen haben wir am Tag X soundsoviel Menschen getestet, X waren infiziert, X waren nicht infiziert, X sind erkrankt, X sind nicht erkrankt, X sind gestorben, davon X mit und X an Corona. Und wenn das nicht täglich machbar ist, dann doch wenigstens wöchentlich.
        Dann noch eine Altersgruppenstatistik und sämtliche Diskussionen mit viel Verwirrung lösen sich in Luft auf.
        Es könnte alles so einfach sein, wenn nicht jeder meinte er müsse für andere denken und abgespeckte Daten liefern.
        Einfach sagen was ist !
        Kann doch nicht so schwer sein.

  14. Sehr geehrte Redaktion,
    wie sieht es mit meinem Kommentar von gestern 15 Uhr aus? Wird der noch veröffentlicht oder passt er nicht?
    Mit freundlichen Grüßen
    Manuel

    1. Hallo Manuel, der ist tatsächlich im Spam gelandet, haben eben nochmal nachgeschaut. Das kommt leider hin und wieder vor, bei bestimmten „Signalwörtern“. Wir lassen grundsätzlich alle Kommentare zu, die unserer Netiquette entsprechen: https://www.quarks.de/netiquette/
      Viele Grüße von Quarks!

  15. Ich bezweifle sehr, dass sich viele Menschen, die in einem Haushalt leben , eher aus dem Weg gehen können. Nicht jede Familie hat, nur weil sie groß ist, auch eine große Wohnung. Und selbst, wenn es so wäre, gerade wer Kinder hat, weiß wie eng man zusammen ist, gerade weil keine Schule und kein Kindergarten geöffnet hat.. Wer alleine lebt, hat doch keinen Kontakt in der Wohnung. Ich würde sagen , dass gerade Kontakt das Immunsystem stärkt. Ich habe neulich einen Bericht darüber gelesen, dass unser Körper gerade den Kontakt benötigt um die Abwehrkräfte zu mobilisieren

  16. Zum Punkt 5: Die Aussage, dass Sie wissen, dass infizierte Kinder häufiger ihre Eltern/ Geschwister anstecken, als Erwachsene, Mitbewohner im gleichen Haushalt, sollten Sie noch einmal überprüfen und ggf. die Verbreitung der Fake-News insbesondere über den Twitter-Account von Herrn Lauterbach wieder einholen.
    Im gestrigen Interview von Prof. Streeck mit Tilo Jung wurde er explizit darauf angesprochen und hat gesagt, dass die erhobenen Daten nicht wiedergeben in welche Richtung die Ansteckung erfolgt, sodass es auch sein kann, dass die höheren Infektionszahlen in Familienhaushalten durch infizierte Eltern, die ihre Kinder anstecken, entstanden sind.

    1. Im Heute Journal vom 04.05.2020 spekuliert Herr Streeck auf Grundlage seiner Studie, dass „Kinder keine guten Virenüberträger sind“.
      Ich finde, wenn der Leiter der Studie das sagt, sollten wir nicht aus der Studie lernen, dass scheinbar“Infizierte Kinder […] in einem drei Personen-Haushalt ihre Eltern oder Geschwister häufiger“ anstecken „als Erwachsene andere Mitbewohner im selben Haushalt infizieren.“

  17. Kaum gib mal jemand einen Hoffnungsschimmer kommen gleich Meldungen wie Aussage-los das ist. Na schön … dann bitte schaut euch mal die Aussagen des RKI und von Herrn Drosten genau so kritisch an … und dann können wir gerne vergleichen, was mehr Substanz hat, um daran Entscheidungen fest zu machen … Es ist grade so, dass jede positive Meldung angegriffen wird und nur Horror-Meldungen für wahr gehalten werden. Das ist doch kein sinnvoller Umgang mit Informationen …

    1. Wir versuchen, immer alle Informationen wissenschaftlich einzuordnen. Wir greifen nicht nur positive Nachrichten an, sondern versuchen, alles auf ein realistisches Niveau zu bringen.

  18. Ein guter zusammenfassender Artikel über die Heinsberg-Studie. Allerdings benutzen Sie bei Punkt 4 den Term „Viruslast“. Dieser Term ist im Zusammenhang mit dem neuen Corona-Virus irreführend und medizinisch falsch. „Viruslast“ bezeichnet die Viruskonzentration im Blut und ist eine Messgröße für Viren, die sich im Blut vermehren, wie beispielsweise das HI-Virus.
    Sars-CoV-2 vermehrt sich allerdings nicht im Blut, sondern v.a. im Rachen und befällt später die Lunge (und weitere Körperteile wie den Herzmuskel und das Nervensystem.)
    Der korrekte wissenschaftliche Terminus an dieser Stelle wäre also „Viruskonzentration“ oder „Virusdosis“.

  19. Es gab insgesamt 7 Haushalte mit Kindern, 3x Drei-Personen-Haushalt und 4x Vier-Personen-Haushalt (“ based on 7 household clusters with 25 persons in which at least one infected child younger than 18 years was infected“). Nur in 7 der 405 waren also überhaupt Kinder, die positiv getestet wurden. Daraus 66.67% „per-person infection risk“ für Haushalte mit 3 Personen, in denen ein Kind infiziert war, ableiten, ist statistisch eher nicht sinnvoll. Auch wenn in „was wir nicht wissen“ steht, dass Kinder unterrepräsentiert waren, die Aussage unter „was wir daraus lernen“ ist sehr gefährlich: „Infizierte Kinder scheinen in einem drei Personen-Haushalt ihre Eltern oder Geschwister häufiger anzustecken als Erwachsene andere Mitbewohner im selben Haushalt infizieren.“ Diese Aussage basiert auf 3(!) Haushalten, in denen ein Kind positiv gemessen wurde…

  20. Sachlichkeit uns eine versuchte Objektivität ist das Wichtigste, mit der Kommentierung (bei Studien ist das unbedingt notwendig):
    – Was wir daraus lernen
    – Was die Daten nicht sagen
    ist das hervorragend gemacht, Respekt und weiter so!

  21. Sachlichkeit uns eine versuchte Objektivität ist das Wichtigste, mit der Kommentierung (die bei Studien unbedingt notwendig ist):
    – Was wir daraus lernen
    – Was die Daten nicht sagen
    ist das hervorragend gemacht, Respekt und weiter so

  22. Die Studie enthält offenbar keine genauen Angaben.
    – Je mehr Personen im Haushalt desto niedriger die Ansteckungsgefahr – ???
    z.B.: vier Personenhaushalt :
    Besteht dieser aus Erwachsenen mit Kindern oder nur Erwachsenen?
    War das eine Wohnung im x.ten Stock groß/klein oder ein Häuschen mit Terrasse ?
    Kinder laufen nämlich ständig raus/rein und sorgen so für frische Luft.
    Wurde wahrscheinlich alles vermischt.
    Fragen über Fragen.

  23. Süddeutsche Zeitung
    15apr20, Seite 14, Die Corona Pandemie im Überblick.

    Danke für die sehr übersichtliche Darstellung. Und doch fehlt etwas, die Relation der Zahlen.

    Meiner Frau habe ich es so erklärt: Man nehme einen Zollstock von 1m Länge.
    Jeder Millimeter bedeutet ungefähr 1.000 Tote. (954.874 Menschen in 2018)

    3,15 mm = 3.149 Corona-Tote, ob es tatsächlich Corona war, darf bezweifelt werden.
    9 mm = 9.000 Tote durch Suizid. (täglich 11 Betriebsstörungen bei der Bahn)
    30 mm = 30.000 Tote durch MSR.
    40 mm = 40.000 Tote durch Verletzung oder Vergiftung.
    55 mm = 55.000 Tote durch Medikamente.
    70 mm = 70.000 Tote durch Alkohol.
    110 mm = 110.000 Tote durch Rauchen.
    120 mm = 120.000 Tote durch Drecksluft. ntv. (Bologna, weltgrößtes Zementwerk)
    220 mm = 220.000 Tote durch Krebs aller Art.
    340 mm = 340.000 Tote durch Herz/Kreislaufleiden

    Ziehen Sie bitte in der SZ eine Linie über 3 Seiten von 1m Länge, die Ihre Leser nebeneinander legen können. Sie sehen dann, daß die 3,15 mm in der Relation fast verschwinden.

    Corona = eine riesige Blase heißer Luft, die aber bestens geeignet ist um Bürgerrechte auszuhebeln.

    Sehen Sie sich bitte in den Supermärkten die superlangen Regale für Tabak und Alkohol an. Kommt jemand auf die Idee, diese Waren zu verbieten?

    Gruß
    Georg Haase

    1. Okay, leider machen Sie drei entscheidende Fehler.
      1. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Die Zahl der Toten kann noch stark ansteigen.
      2. Die Zahl der Toten ist vermutlich auch deswegen so gering, weil die Maßnahmen wirken. Beschweren Sie sich bei Sonnencreme im Nachhinein auch darüber, dass Sie keinen Sonnenbrand bekommen haben?
      3. Langzeitfolgen der Erkrankung sind noch wenig erforscht.

    2. Interessanter Vergleich Herr Haase. Ich denke das ganze in Relation zu setzen ist wichtig.
      Interessant ist dabei aber auch der Blick ins Ausland um abzuschätzen was passieren hätte können.
      In den USA komme ich da auf ca 40 mm (die siebt-häufigste Todesursache vor Diabetes).
      Außerdem is es eher ein Fieberthermometer, denn das Jahr ist ja erst halb um…
      Viele Grüße
      Michael

  24. Vielen Dank! Wichtig wäre noch der Punkt, dass die Studie nur die 7 Todesfälle bis zum 6. April erfasst hat, dem Ende der Studie. Es gab also noch viele laufende Infektionen und inzwischen auch 2 weitere Todesfälle (von denen einer schon im Paper erwähnt ist). Es müsste untersucht werden, ob von denen, die bis zum 6. April infiziert, alle genesen sind, oder ob noch weitere Patienten versterben könnten. Der zentrale Schätzwert der IFR von 0,37% muss daher schon für Gangelt revidiert werden.

    Es erscheint mir auch durchaus plausibel, dass noch weitere Patienten versterben könnten, da die Zeit zwischen Infektion und Todeseintritt oft relativ lang ist: Aus meinem Umfeld sind mir nur zwei Todesfälle bekannt; einer war 6 Wochen nach Infektion (nach langer Behandlung auf Intensivstation) und ein weiterer 5 Wochen nach Infektion (mit nur wenigen Stunden auf der Intensivstation) verstorben.

    1. Da es eine gewisse Zeit dauert, bis sich so viele Antikörper gebildet haben, dass sie über dem Nachweisbarkeitslevel liegen, sind die Annahmen im paper schon in Ordnung. Man geht von 2-5 Wochen aus, was ähnlich der mittleren Zeitspanne von Infektion bis Tod ist (2-4 Wochen im Normalfall). Somit ist die Abschätzung des IFR durch „Todesfälle Zeitpunkt x“/“Personen mit Antikörpern Zeitpunkt x“ vollkommen legitim.

      1. Mit Deiner Aussage zu Antikörpern würde ich prinzipiell übereinstimmen, wenn dies das alleinige Kriterium gewesen wäre. Aber es wurden ja auch aktive Infektionen mitgezählt (per positivem PCR-Test); somit sollten fast alle laufenden oder abgeschlossenen Infektionen erfasst werden. Daher lasse ich Dein Argument nicht als Gegenargument gelten.

  25. Unter Punkt 4. widerspricht die Aussage zur Schwere der Erkrankung im ersten blauen Block derjenigen im zweiten blauen Block!

    1. Ne, das tun sie nicht. Wir versuchen damit klar zu machen, dass die Daten zwar etwas andeuten, man aber keine definitive Aussage treffen kann.

      1. Der Text ist allerdings schon etwas unglücklich formuliert und wirkt in der Tat auf den ersten Blick widersprüchlich. Klarer wäre z.B., im zweiten Block erneut zu erwähnen, dass die Daten den Zusammenhang (nur) andeuten, oder belegen kursiv zu schreiben.

  26. Sie schreiben „Ältere Menschen allerdings sind etwas überrepräsentiert, Kinder dagegen sind etwas zu wenige einbezogen, um signifikante Aussagen machen zu können.“ – das ist falsch. Sehen sie sich nochmal die Seite 30 der Studie an. Es ist genau andersrum.

  27. Sie folgern: „Infizierte Kinder scheinen ihre Eltern oder Geschwister häufiger anzustecken, als Erwachsene andere Mitbewohner im selben Haushalt infizieren.“ Nein! Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Personen im Haushalt leben, desto geringer das Ansteckungsrisiko. Wann leben mehr Menschen im Haushalt? Wenn es Kinder gibt. Daher vermutet Streeck, dass Kinder weniger ansteckend sind als Erwachsene. Studien aus anderen Ländern gehen in die gleiche Richtung. Offenbar ist Virenlast nicht gleich Infektiösiät. Kinder husten weniger, haben ein geringeres Atemvolumen und sie küssen sich auch nicht (siehe Karneval).

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