Corona: Anstecken im Badewasser ist unwahrscheinlich

Menschen in einem Freibad Foto: Lex Sirikiat / Unsplash.com

Frei- und Hallenbäder

Corona: Anstecken im Badewasser ist unwahrscheinlich

Kann ich mich im Schwimmbad mit dem Coronavirus anstecken? Experten sagen: theoretisch schon, aber nicht durch das Wasser.

19. Mai 2020

Wann öffnen die Freibäder wo wieder?

Trotz bestehender Corona-Pandemie dürfen in mehreren Bundesländern die Schwimmbäder öffnen. In Sachsen hat die Freibadsaison bereits am 18. Mai begonnen. Nordrhein-Westfalen folgt am 20. Mai. Hier dürfen vorerst nur die Schwimmerbecken der Freibäder öffnen, ab dem 30. Mai auch die Spaßbecken. An diesem Tag dürfen in NRW auch Hallenbäder, Thermen und Wellness-Einrichtungen wieder Besucherinnen und Besucher empfangen. In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen öffnen die Freibäder ab dem 25. Mai.

Während Kinder und Jugendliche dem Start der Freibadsaison entgegenfiebern, haben viele Erwachsene Bedenken und sehen der Lockerung skeptisch entgegen. Sie fragen sich, ob sich Badegäste über das Wasser mit dem neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2) infizieren können.

Kann ich mich durch das Schwimmbadwasser mit Sars-CoV-2 anstecken?

Für gewöhnliche Freibäder und Hallenbäder gilt: Eine Ansteckung durch das Badewasser ist sehr unwahrscheinlich. „Betreiber von Schwimmbädern müssen eine gute Badewasserqualität garantieren – auch ohne die aktuelle Pandemie“, sagt Dr. Alexander Kämpfe, der als Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser und chemische Analytik beim Umweltbundesamt (UBA) arbeitet. Das sei im Infektionsschutzgesetz festgelegt. Demnach dürfen Schwimm- und Badebecken die Gesundheit der Besucher nicht durch Krankheitserreger gefährden.

In mehreren Schritten befreien die Betreiber das Wasser nicht nur von Viren und Bakterien, sondern auch von Blättern und Pollen im Außenbereich und generell von Haaren, Hautschuppen, Sonnencreme und vom Schweiß der Badegäste:

  1. Das Personal der Freibäder und Hallenbäder reinigt das Wasser. Läuft das Wasser über den Beckenrand, fließt es zunächst über die Rinne in einen Speicher. Von dort aus gelangt es in eine Filteranlage. Auf dem Weg dorthin geben die Betreiber ein Flockungsmittel hinzu. Das bindet Schmutzpartikel und lässt Brocken entstehen, die die Anlage leichter herausfiltern kann. Die Maschine entfernt dabei einen Großteil der Viren und Bakterien.
    Einige Schwimmbäder benutzen die sogenannte Ultrafiltration: Dabei passiert das Wasser Hohlfasern mit winzigen Poren. Diese fangen noch mehr Krankheitserreger ab als die gewöhnliche Filtration. Andere Betreiber arbeiten zusätzlich mit Aktivkohle, Ozon oder UV-Strahlen, um die Filteranlage zu unterstützen.
  2. Anschließend desinfizieren chemische Mittel das Wasser. In den meisten Fällen setzen die Betreiber Chlor ein. Das tötet die restlichen Erreger ab. Eine italienische Studie zu Sars-CoV-1 konnte zeigen, dass Chlor die Viren zuverlässig inaktiviert.
  3. Das so aufbereitete Wasser leiten die Betreiber zusammen mit 30 Litern Frischwasser pro Badegast zurück in den Pool. Künstliche Strömung verteilt das saubere Wasser im ganzen Becken. So verhindern die Schwimmbadbesitzer, dass sich in einem Bereich unbemerkt Krankheitserreger sammeln.
  4. Das Personal kontrolliert mehrmals am Tag die Wasserqualität. Dafür entnehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Proben an unterschiedlichen Stellen des Beckens und prüfen, ob der richtige Chlorgehalt im Wasser ist. In vielen Bädern übernimmt eine Messanlage die Kontrolle, die die Chlorzufuhr automatisch erhöht oder senkt. Darüber hinaus kommt das lokale Gesundheitsamt regelmäßig vorbei und entnimmt unabhängige Proben.

Durch diese Reinigungsschritte stellen die Betreiber sicher, dass keine Krankheitserreger im Wasser zurückbleiben. Das UBA schreibt daher in einer aktuellen Stellungnahme: Die Wahrscheinlichkeit, sich durch das Badewasser mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken, sei „äußerst gering“.
Die zuständige Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsamts, das Center for Disease Control and Prevention (CDS), und eine spanische Übersichtsstudie kommen zu dem gleichen Ergebnis. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keine Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 über den Wasserweg übertragen werden kann.

Wie hoch ist das Risiko in Naturbädern?

Künstlich angelegte Badeteiche bilden eine Ausnahme. Die Betreiber dieser Naturbäder desinfizieren das Wasser nicht, da sie keine chemischen Mittel verwenden. Sie säubern es ausschließlich biologisch und mechanisch. Die Mitarbeiter leiten das Wasser etwa über bewachsene Flächen, wo Pflanzen, Kies und Mikroorganismen die Reinigung übernehmen.
„Dadurch kann das Wasser in Kleinbadeteichen grundsätzlich mehr Mikroorganismen enthalten – ganz gleich welcher Art“, sagt Experte Alexander Kämpfe vom UBA. Naturbäder müssen daher grundsätzlich darauf hinweisen, dass sie ein mögliches Risiko durch Krankheitserreger nicht ausschließen können. Die Wassermassen verdünnen die Virusreste jedoch sehr stark, sodass auch hier eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 eher unwahrscheinlich ist.

Was ist mit Meeren, Seen und Flüssen?

Im Meer und in einigen Seen und Flüssen ist das Baden ebenfalls erlaubt. Hier ist das Infektionsrisiko theoretisch höher, weil das Wasser unbehandelt ist. Aber: „In diesen Gewässern ist der Verdünnungseffekt sehr groß“, sagt Kämpfe. Das Risiko, sich im Meer, in Seen und Flüssen anzustecken, sei deswegen gering. Zu dem gleichen Ergebnis kommt eine spanische Übersichtsstudie. Laut den Autorinnen und Autoren ist das Risiko vermutlich nur in Gewässern höher, die sehr klein sind und eine geringe Strömung haben – wie etwa unbehandelte Teiche und Bäche.

Ist Sprühwasser gefährlich?

In Schwimmbädern gibt es eine weitere potenzielle Gefahrenquelle: versprühtes oder zerstäubtes Wasser – wie etwa an der Rutsche, an künstlichen Wasserfällen oder Springbrunnen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt, dass sich Besucher theoretisch mit Erregern infizieren könnten, wenn sie den feinen Sprühnebel einatmeten.

Laut Alexander Kämpfe vom UBA lässt sich zu der Gefahr von Sprühwasser in Bezug auf Sars-CoV-2 zurzeit keine Aussage treffen. Es gebe keine Daten dazu. Die Autoren der spanischen Übersichtsstudie gehen davon aus, dass das Risiko von der Wasserqualität insgesamt abhängt. Sind keine oder wenige Viren im Wasser, wie in Schwimm- oder Naturbädern, ist das Risiko auch hier gering.

Wie könnte man sich im Freibad trotzdem anstecken?

Für das Wasser der deutschen Freibäder, Schwimmbäder und Badeseen geben Expertinnen und Experten also Entwarnung. Das ist vor allem für Menschen wichtig, die nicht so gut schwimmen können. Diese sollten aus Angst vor einer Ansteckung nun nicht zu einem unbeaufsichtigten See oder Fluss, sondern lieber ins Freibad fahren. Hier schaut der Bademeister oder die Bademeisterin zu und verhindert tragische Unfälle.

Aber Achtung: Auch im Schwimmbad können wir uns überall dort infizieren, wo uns Menschen zu nahe kommen. Auf der Liegewiese, im Becken, an der Schlange vor der Rutsche und dem Kiosk gilt daher: Abstand halten. Schwimmbäder müssen vor der Öffnung Hygienepläne aufstellen, damit die Besucher die Abstandsregeln einhalten können. Diese legen zum Beispiel fest, wie viele Besucherinnen und Besucher maximal in das Bad dürfen, dass nur jede zweite Dusche in Betrieb ist oder dass das Personal Oberflächen und Türklinken regelmäßig desinfiziert.

Wichtig ist auch hier: Wer krank ist – und sei es nur ein leichter Husten –, muss zu Hause bleiben. Das Gleiche gilt für Personen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten.

Autorin: Katrin Ewert

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