FAQ: Alles zum Thema Impfen

Durch Impfungen sind viele Krankheiten fast verschwunden.

FAQ

Alles zum Thema Impfen

Gegen viele Krankheiten sind Impfungen der beste oder sogar der einzige Schutz. Wir klären hier alle wichtigen Fragen rund ums Impfen.

5. März 2020 | 33 Kommentare

Warum empfehlen Ärztinnen und Ärzte Impfungen?

Bei einer Impfung werden abgeschwächte, also inaktive und damit nicht infektiöse Krankheitserreger oder aber deren Bestandteile wie Proteine verabreicht. Das menschliche Immunsystem erkennt die Fremdkörper und wehrt sie ab. Außerdem kann es sich ab diesem Zeitpunkt an ihre Struktur erinnern und ist im Fall einer erneuten Infektion gegen die Erreger immun.
Der Schutz ist meist hocheffektiv, bei einigen Impfungen wie beispielsweise Gelbfieber oder Röteln erreicht die Schutzwirkung nahezu 100 Prozent.

Impfungen haben Todesfälle extrem sinken lassen

Der breite Einsatz von mittlerweile standardisierten Impfungen hat in den Industrienationen viele Krankheiten vollständig oder nahezu ausgerottet. Vor weniger als 100 Jahren starben in Deutschland noch mehrere Tausend Menschen an verbreiteten Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Masern oder Kinderlähmung (Polio). Im Zusammenspiel mit besseren hygienischen Bedingungen ist die Zahl der Todesfälle so rasch gesunken.

Immer wieder werden aber genau diese in Deutschland eigentlich schon so gut wie ausgerotteten Viren eingeschleppt und führen vor allem bei nicht geimpften Personen zu Sterbefällen. Je weniger Personen geimpft sind, desto schneller nehmen die Fallzahlen zu.

Impfungen schützen auch andere

Hohe Impfquoten schützen immer auch ungeimpfte Personen – und dabei besonders Säuglinge, alte Menschen und chronisch Kranke. Alle Gruppen haben eine schwache Immunabwehr und können teilweise gar nicht geimpft werden.

Wie jede Medikation sind sowohl Impfstoffe als auch der Impfvorgang nicht frei von jeglichen Risiken oder Nebenwirkungen. Für eine rationale Betrachtung braucht es aber vor allem die Abwägung der Risiken auf beiden Seiten – der zu verhindernden Krankheit und des Impfens. Bei allen heute zugelassenen Impfstoffen überwiege der Nutzen, sagen die zuständigen Kommissionen. Es gibt keinen besseren Schutz, denn Impfstoffe sind eine besonders effektive Waffe gegen Krankheiten, die in manchen Ländern noch vor Jahren das Leben unzähliger Kinder und Erwachsener gefordert haben.

Wie funktionieren Impfstoffe?

Ziel einer Impfung ist es, das Immunsystem auf bevorstehende oder mögliche Infektionen vorzubereiten. Indem man etwa ungefährliche Teile eines Krankheitserregers verabreicht, übt das Immunsystem für den Ernstfall. Tritt die Infektion mit dem echten Erreger dann tatsächlich auf, ist der Körper gerüstet. Denn teilweise wird er sich ein Leben lang an die Bakterien und Viren erinnern.

Antigene sind Substanzen an der Oberfläche von Krankheitserregern – bei Viren können das zum Beispiel Proteine auf der Virushülle sein, bei Bakterien Lipide in der Zellmembran. Jeder Erreger hat einzigartige Antigene. An ihrer Struktur erkennt das Immunsystem, ob es sich um einen unerwünschten Eindringling handelt oder nicht. Die Y-förmigen Antikörper binden an Antigene und signalisieren damit den anderen Zellen des Immunsystems: Diese Substanz gehört nicht hierher und muss bekämpft werden.

Der Körper kann Erreger effektiver bekämpfen, wenn er sie schon kennt – oder besser gesagt: wenn das Immunsystem dessen Antigene auf der Oberfläche wiedererkennt. Bei vielen modernen Impfungen werden nur die Antigene verabreicht, an denen der Körper die Erreger identifizieren kann. Die Abwehrzellen merken sich ihre Struktur und bereiten das Immunsystem für den Ernstfall vor: Wenn später der richtige Erreger in den Körper eindringt, kann es sich schneller wehren.

Welche Impfungen werden empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts gibt Empfehlungen für Impfungen heraus. Für Kinder stehen im Impfkalender in den ersten Lebensmonaten und -jahren folgende Impfungen auf dem Plan:
Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie, Tetanus, Rotaviren, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Kinderlähmung, Keuchhusten, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken C und Windpocken.
Später, etwa im Alter zwischen neun und 16 Jahren, ist laut STIKO eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) ebenfalls sinnvoll – für Mädchen wie für Jungen.

Weitere Impfungen können sinnvoll sein

Neben der oben genannten Grundimmunisierung gibt es noch zahlreiche weitere Impfstoffe, die je nach Wohnort, Arbeitsumfeld oder Urlaubsziel wichtig oder ratsam sein können. In vielen Waldgebieten, besonders im Süden Deutschlands und umliegenden Ländern, verbreiten Zecken eine Form der Hirnhautentzündung. Die Risikogebiete haben sich in den vergangenen Jahren ausgebreitet. Rund zwei Prozent der Zecken sind dort mit dem Virus infiziert. Die Gefahr, an der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu erkranken, liegt nach Schätzungen bei 1 zu 150.

Eine Impfung kann verhindern, dass die Infektion einen schweren Verlauf nimmt. Das geschieht in rund 10 bis 20 Prozent der Fälle. Die Folge sind langfristige oder irreversible neurophysiologische Schäden, die mit Sprach- und Bewegungstraining therapiert werden.

Warum sind Menschen skeptisch?

Auf den ersten Blick ist die Sorge naheliegend, die vielen Impfungen könnten das Immunsystem eines Kindes überfordern. Schließlich sind die meisten der Impfungen in den ersten zwei Lebensjahren fällig – oft sogar als Mehrfachimpfstoffe und gerade in einer Zeit, in der das Immunsystem von Kindern noch besonders anfällig ist für Infektionen.

Offenbar ist das sogar ein Grund für Eltern, sich gegen eine Impfung zu entscheiden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlichte 2017 eine repräsentative Umfrage zu dem Thema. Ziel war unter anderem, herauszufinden, was Eltern daran hindert, ihre Kinder impfen zu lassen. Das Ergebnis: Von den befragten 1092 Eltern gaben 15 Prozent an, dass sie ihr Kind nicht haben impfen lassen, weil sie befürchteten, die Impfung könne es körperlich zu stark belasten.

Onlineportale verbreiten teilweise gefährliche Fehlinformationen

Dazu kommt: Diverse Onlineportale warnen eindringlich vor Impfungen. Oftmals stehen Privatpersonen hinter den Portalen – manche ohne medizinischen oder wissenschaftlichen Hintergrund. Die Qualität der Informationen schwankt zwischen unseriös und gefährlich. Immer wieder vermengen sich Ratschläge gegen das Impfen mit Verschwörungstheorien, viele Behauptungen bleiben ohne Beleg.

In Ländern wie Japan haben große private Kampagnen dazu geführt, dass die Impfquoten massiv eingebrochen sind und in der Folge wieder mehr Menschen an Masern erkrankt sind.

Wann sollte nicht geimpft werden?

Nicht zu jedem Zeitpunkt sollten sich Menschen impfen lassen. Wenn jemand akut krank ist oder hohes Fieber über 39 Grad Celsius hat, verschiebt der Arzt oder die Ärztin die Impfung. Auch bei Allergien gegen den Wirkstoff oder die Zusätze sowie bei Immunstörungen muss man sich individuell beraten lassen.

Bei Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis können sich Patientinnen und Patienten laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der Regel trotzdem impfen lassen. Totimpfstoffe bergen für sie kein erhöhtes Risiko. Der Impfschutz kann geringer ausfallen – das lässt sich jedoch vorher testen. Für alle anderen Impfstoffe ist am Ende entscheidend, was genau geimpft werden soll und wie der aktuelle Gesundheitsstatus der Person aussieht.

Bei Autoimmunerkrankungen mit dem Arzt sprechen

Pneumokokken- oder Influenzaimpfungen können allerdings die vorliegende Immunerkrankung verschlechtern. Aus diesem Grund müssen Arzt und Patient gemeinsam die Vor- und Nachteile, die Schutzwirkung und die Risiken gemeinsam diskutieren und gut abwägen. Bei bestimmten Therapien wird das Immunsystem gezielt unterdrückt. Das muss bei einer Impfung unbedingt berücksichtigt werden, da sich etwa die Erreger im Fall eines Lebendimpfstoffs stärker vervielfältigen können, als das bei gesunden Menschen und einer typischen Impfung der Fall ist.

Medikamente und Allergien beachten

Nehmen Patienten Medikamente ein, kann das in manchen Fällen zu Wechselwirkungen mit den Impfstoffen führen. Wenn das der Fall ist, sollte die Ursache schnell geklärt werden. Eine Folgeimpfung oder Wiederholung ist mindestens so lange tabu, bis die Ursache gefunden wurde.
Bei schweren Allergien gegen bestimmte Bestandteile der Impfstoffe ist von Impfungen abzuraten. Das können die Impfstoffe selbst, aber auch Zusatzstoffe wie Stabilisatoren oder etwa Konservierungsmittel sein. Liegt eine schwere Allergieform gegen Hühnereiweiß vor, sollte laut RKI mit besonderen Schutzmaßnahmen und unter weiterer Beobachtung geimpft werden. Einige Impfstoffe werden mithilfe von Hühnereiern produziert. Die Impfstoffe werden über Zellkulturen produziert.

Sind Mehrfachimpfungen bei Kindern sinnvoll?

Auch wenn die Anzahl der Impfungen zugenommen hat und mittlerweile sogar Impfstoffe angeboten werden, mit denen gegen sechs Erreger auf einmal immunisiert werden kann, hat sich die Belastung für das Immunsystem in den vergangenen Jahren verringert.

Der Grund dafür ist die Zahl der Antigene, die in den einzelnen Impfstoffen enthalten sind. Nimmt man alle empfohlenen Impfungen zusammen, werden heute weniger Antigene verabreicht als in den 1970er-Jahren mit einer einzigen Pockenimpfung. Diese enthielt 198 Antigene und wurde bis 1983 empfohlen. Seitdem gilt das Virus als vollständig eliminiert.

Forscherinnen und Forscher konnten die Impfstoffe “reinigen“

Viele alte Impfstoffe enthielten ganze Erreger in abgetöteter Form. Beispielsweise wurden mit dem alten Keuchhustenimpfstoff bis 1994 noch ganze abgetötete Erreger verabreicht. Diese sorgten zwar erfolgreich für eine Immunisierung gegen das Bakterium Bordetella pertussis, sie hatten aber auch mehr Nebenwirkungen: In extremen Fällen sorgte der Impfstoff für Störungen des Nervensystems.

Oft bekamen geimpfte Kinder Fieber, mussten sich übergeben oder wurden schläfrig. Die Folge: Viele Eltern wollten ihre Kinder nicht mehr impfen lassen. Die Hersteller in der Pharmaindustrie konnten diesen alten Impfstoff reinigen und damit die Anzahl der Antigene auf das Nötigste reduzieren. Der neue Impfstoff wurde 1994 eingeführt: Wo früher rund 3000 Antigene verabreicht wurden, reichen heute 2 bis 5 Antigene.

Heute gibt es zwar immer noch Impfstoffe, mit denen ganze Erreger verabreicht werden – beispielsweise in der Schutzimpfung gegen Masern –, doch auch diese belasten das Immunsystem weniger als die älteren Impfstoffe.

Wie werden Impfstoffe entwickelt?

Die Impfstoffe von heute und besonders die von morgen haben mit den ersten Entwicklungen immer weniger gemeinsam. Die englische Übersetzung „vaccine“ stammt vom lateinischen Begriff „vacca“, die Kuh. Schon im 18. Jahrhundert infizierte man Menschen gezielt mit diesen Pockenviren, weil sie beim Menschen weit weniger Symptome auslösten – und die Menschen sich anschließend nicht mehr mit den schweren Virenstämmen ansteckten.
Das Problem: Nicht immer finden sich irgendwo in der Tierwelt praktischerweise schwächere Viren, mit denen der Mensch sein Immunsystem trainieren kann. Schon früh kamen daher Wissenschaftler und Ärzte auf die Idee, gefährliche Viren und Bakterien zu entschärfen – und entwickelten in den letzten 150 Jahren mehr als 40 verschiedene Impfungen.

Lebendimpfstoffe: Der Körper erinnert sich ein Leben lang

Abgeschwächte – in der Fachsprache: attenuierte – Viren können sich im Körper zwar vermehren, sie lösen aber keine Krankheit mehr aus. Das gelingt, weil die Forscher sich natürliche Mutationen zunutze machen. Im Labor sucht man sich genau jene Virenexemplare heraus, bei denen zufällig ein passender Gendefekt vorliegt. Und: Je mehr Gene kaputt sind, desto sicherer ist die Impfung. Wissenschaftler führen diese Gendefekte auch herbei, indem sie Viren bestrahlen oder Chemikalien zusetzen.

Bei diesen Lebendimpfstoffen können jedoch ähnliche oder gleiche Symptome auftreten, meist in abgeschwächter Form. Der besondere Vorteil: Unser Immunsystem wird sich an diese Erreger sein Leben lang erinnern. Zu diesen Erregern zählen: Pocken, Masern, Mumps, Röteln, Typhus, Windpocken/Gürtelrose (Varizellen), Rotaviren und Gelbfieber.

Totimpfstoffe: Schutz wirkt nicht ewig

Außer den Lebendimpfstoffen gibt es noch die sogenannten Totimpfstoffe. Hierbei züchtet man die Viren in der Regel in speziellen Hühnereiern heran und zerstört sie dann. Eine Impfung, die so hergestellt wird, ist die Grippeimpfung.

Man geht davon aus, dass jedes Jahr rund eine halbe Milliarde Hühnereier nur für die Impfproduktion gebraucht werden. Im Eiklar bilden sich über Wochen immer mehrere Milliarden Viren. Anschließend gibt man spezielle Chemikalien hinzu, die die Viren zerstören. Es bleiben nur noch Bruchstücke zurück, etwa Teile der wichtigen Virenhülle. Das können zum Beispiel Antigene sein. Diese Reste sind nicht infektiös, das Immunsystem erkennt sie aber sehr wohl.

Der große Vorteil: Von diesen Überbleibseln geht keinerlei Infektionsrisiko aus. Der Nachteil: Der Impfschutz wirkt nicht so lange, die Impfungen müssen nach einer bestimmten Zeit wieder aufgefrischt werden. Sie brauchen auch zusätzliche Stoffe, sogenannte Adjuvanzien, eine Art chemischer Zusatz und gleichzeitig praktischer Helfer, damit man mit weniger Impfstoff denselben Schutzeffekt erzielt.
Totimpfstoffe setzt man etwa ein bei: Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis: neue IPV-Impfung), Tollwut, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Japanische Enzephalitis, Cholera und Hepatitis A.

Neue Impfstoffe ohne den Einsatz von Hühnereiern

Mittlerweile haben die Pharmahersteller bestimmte Zelllinien etabliert, in denen sie die unterschiedlichen Stämme der Grippeviren vermehren können. Schließlich müssen die Influenzaimpfungen mindestens gegen drei aktuelle Grippeviren gleichzeitig schützen.

Andere Impfstoffe, wie etwa bei der HPV-Impfung, gehören zu den sogenannten rekombinanten Impfstoffen. Sie werden mithilfe von  herkömmlichen Hefezellen hergestellt. Sie produzieren fleißig ein einzelnes gewünschtes Antigen des Erregers – das der Hersteller später aufbereiten beziehungsweise aufreinigen muss. Solche gereinigten Subunit-Impfstoffe sind besonders gut verträglich.

Bei einigen Impfstoffen handelt es sich nicht um Bakterien oder Viren, sondern um Toxine, also Giftstoffe. Mit ihnen versucht man, den Körper gegen bakterielle Giftstoffe zu immunisieren. Dazu zählen die Impfstoffe gegen den Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie.

Die Impfstoffe von morgen

Aktuell versuchen Wissenschaftler auch, eine Art lebendige Attrappe als Impfstoff zu produzieren. Sie können den Virus etwa derart mutieren lassen, dass er äußerlich genauso aussieht, aber seine Fähigkeit zur Ansteckung verloren hat. Ebenso versuchen Forschende, die Hüllproteine des gefährlichen Erregers auf einen ungefährlichen Virus zu bauen.

Aktuell untersuchen Forschende auch noch andere Möglichkeiten, Impfstoffe schnell und effizient herzustellen. Kennen sie das Erbgut der Viren, können sie beispielsweise ganz gezielt nach den Bauplänen für die Hüllproteine und damit den Angriffsstellen für das menschliche Immunsystem suchen.

Die Wissenschaftler versuchen etwa, Versuchsteilnehmern den Bauplan der Antigene aus DNA oder messenger RNA (mRNA) zu injizieren. Der menschliche Körper baut daraus selbst die Hüllproteine, die das Immunsystem erkennt, das ab dann für eine Infektion gewappnet ist. Diese Impfstoffe lassen sich schnell und günstig herstellen. Sie sind stabil und haltbar. Bislang steht allerdings die theoretische Gefahr im Raum, dass die fremde DNA zu Tumoren führen könnte. Noch sind solche Wirkstoffe höchstens in der Testphase.

Warum dauert die Entwicklung so lange?

Vom Labor bis in die Praxis kann es bei neuen Impfstoffen 10 oder sogar 15 Jahre dauern. Die einzelnen Schritte, von der Entnahme eines Virus bis zur marktreifen Produktion, nehmen unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Die eigentliche Entwicklung vieler Impfstoffe gelingt dabei oft überraschend schnell. Heutzutage profitieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon, dass man das Erbgut der Bakterien oder Viren sehr schnell entschlüsseln kann. Mit der DNA erhalten sie einen Blick in die Baupläne des Erregers und verstehen die biochemische Struktur der Hüllproteine. Mit ihnen haben sie die Kandidaten für den potenziellen Impfstoff.

Binnen vier Wochen können Wissenschaftler genügend dieser Hüllproteine herstellen, die als Antigene die Trainings- und Angriffsfläche für das Immunsystem darstellen. Doch bevor sie zum Einsatz kommen, müssen die Impfstoffe getestet werden: zuerst in Tierversuchen und anschließend in klinischen Studien beim Menschen.

Manche Viren sind schwieriger

Doch nicht bei allen Viren haben die Forscher so schnell einen vielversprechenden Kandidaten ermittelt. Das HI-Virus ist schon seit Jahrzehnten bekannt – trotzdem gibt es bislang lediglich die Möglichkeit, bereits an AIDS erkrankte Menschen zu therapieren. Viele Hoffnungen ruhten auf einer klinischen Studie, die 2007 allerdings abgebrochen werden musste. Der Impfstoff hatte die Personen nicht geschützt, stattdessen wurde eine HIV-Infektion sogar wahrscheinlicher, heißt es. Ein enormer Rückschlag für die Wissenschaft – und Millionen von Menschen.

Drei Dinge machen das HI-Virus besonders schwierig. Erstens ist das Risiko, dass selbst in einer Totimpfung noch ein intaktes Virus enthalten ist, zu groß.

Zweitens: Die nächste große Herausforderung ist, dass das HI-Virus weitaus vielfältiger ist als etwa Grippeviren. In einem einzelnen Menschen allein können sich so viele unterschiedliche HI-Viren tummeln, wie es Grippeviren weltweit gibt. Es ist unmöglich, gegen alle diese Viren einen eigenen Impfstoff zu entwickeln.

Drittens: Das Virus tarnt sich, indem es sich mit körpereigenem Zellmaterial umhüllt. Die Immunzellen bemerken den Erreger deshalb gar nicht. Forscher versuchen aus diesem Grund, die Immunzellen mit chemischen Stoffen sensibler zu machen, bis sie auch HI-Viren erkennen. Noch liegen dazu aber keine Ergebnisse aus klinischen Studien vor.

Ausgiebige Tests und Kontrollen für die Sicherheit

Die klinischen Studien dauern bis zu sieben Jahre. In dieser Zeit müssen die Forscher oder Hersteller nachweisen, dass der Impfstoff das Immunsystem anregt und damit die Infektion verhindern kann. Alleine bis der Körper die Antikörper gebildet hat, vergeht Zeit. Außerdem werden die Impfstoffe schrittweise und in mehreren Phasen getestet. Gleichzeitig muss der Impfstoff verträglich sein und darf die Gesundheit der Probanden nicht gefährden.

Die lange Dauer der Studien bietet Vor- und Nachteile. Je länger die Testphase dauert, desto später kommt der möglicherweise hocheffektive Impfstoff zum Einsatz. Gleichzeitig können die Wissenschaftler und Ärzte so aber mögliche Nebenwirkungen besser dokumentieren.

Selbst wenn ein Impfstoff seine Schutzwirkungen in Studien erfolgreich bewiesen hat, kann es noch lange dauern, bis die ersten Patienten ihn erstmals injiziert bekommen oder schlucken können. Vor der Zulassung werden unter anderem die Studienergebnisse und die Qualität der Herstellung nochmals vollständig und ausgiebig geprüft – in Deutschland übernimmt diese Aufgabe das Paul-Ehrlich-Institut. Für Impfstoffe gelten hohe Standards. Erst wenn diese Punkte sichergestellt sind, kann der neue Impfstoff im großen Stil produziert und ausgeliefert werden.

Der Weg vom Labor bis zum Einsatz lässt sich beschleunigen

Im Fall einer großen Epidemie oder sogar Pandemie verzichten die Behörden im Ernstfall auf diverse bürokratische Hürden. So können die Institute die Impfstoffe möglichst schnell in Studien testen. Das geschieht ebenfalls im Fall der Grippeimpfung, damit diese passend zur Wintersaison bereitsteht.
Auch im Fall von Ebola hat man Impfstoffe unter strengen Auflagen schon möglichst früh eingesetzt, um den Ausbruch einzudämmen und die Todeszahlen zu verringern.

Enthalten Impfungen gefährliche Stoffe?

Richtig ist: Einige wichtige Zusätze von Impfstoffen können grundsätzlich als gefährlich gelten. Dieses Gesundheitsrisiko bezieht sich jedoch immer auf eine bestimmte Konzentration, ab der Schäden auftreten können.

In den Impfungen waren oder sind neben dem eigentlichen Wirkstoff auch Formaldehyd, Aluminiumhydroxid, Phenol oder Quecksilberverbindungen (für die Haltbarkeit der Impfung) enthalten. Durch Zugabe von Aluminiumhydroxid etwa muss die Impfung weniger Antigene enthalten. Das macht den Impfstoff verträglicher und reduziert die Häufigkeit und Intensität von Nebenwirkungen. Gleichzeitig wird das Immunsystem besser auf den Eindringling aufmerksam.

Konzentration von Zusatzstoffen liegt unter Grenzwerten

Die Konzentrationen der Zusatzstoffe sind so gering und deutlich unterhalb von Grenzwerten, dass in aller Regel keine Gesundheitsgefahr von ihnen ausgeht. Ein Beispiel: In vielen Impfungen sind zwischen 125 und 850 Mikrogramm Aluminium und seine Verbindungen pro Dosis enthalten. Ähnlich viel hat ein durchschnittlicher EU-Bürger bereits nach zwei Tagen über das Essen aufgenommen. Und die vertretbare wöchentliche Dosis liegt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei 1000 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Die EU hat Quecksilber gestrichen

Die EU-Behörde hat vorsorglich empfohlen, das umstrittene quecksilberhaltige Konservierungsmittel Thiomersal aus Impfungen zu entfernen. Inzwischen sind nahezu alle zugelassenen und empfohlenen Kinderimpfstoffe in Deutschland frei von Quecksilber.

Die einzige Ausnahme bilden spezielle Pandemieimpfungen in Mehrfachdosen. Eine australische Studie hatte 2010 in einer von zehn Impfstoffen für Kleinkinder dennoch geringe Mengen an Quecksilber nachgewiesen. Mittlerweile hat der Hersteller die Produktion umgestellt.

Die gesundheitlichen Bedenken gegenüber den Quecksilbermengen in Impfstoffen konnten jedoch nie eindeutig belegt werden. Sowohl die Weltgesundheitsbehörde (WHO) als auch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) widerlegten unabhängig voneinander die These zweier amerikanischer Ärzte, dass der Quecksilberanteil in Impfstoffen zu einem Anstieg an Autismus geführt habe.

Es gibt zwar Studien, die einen solchen Zusammenhang hergestellten. Dabei soll es sich aber um statistische Zufallsergebnisse gehandelt haben. So oder so: In Säuglingsimpfungen ist kein Quecksilber mehr enthalten und die Pandemieimpfungen spielen hierzulande praktisch keine Rolle.

Welche Risiken sind bei Impfungen zu erwarten?

Richtig ist: Bei jeder Medikation muss man grundsätzlich mit Nebenwirkungen rechnen, das gilt für Impfungen genauso wie für Kopfschmerztabletten. Um das Risiko von Impfung und Krankheit jedoch einordnen zu können, muss man sich die Lage genauer anschauen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts gibt Empfehlungen für Impfungen heraus, also etwa für Krankheiten, die besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich sind. Gleichzeitig weist sie auch darauf hin, in welchen Fällen oder Momenten man darauf verzichten sollte. Beispielsweise bei akuten Erkrankungen und hohem Fieber über 39 Grad Celsius, bestimmten Allergien gegen den Wirkstoff oder Zusätze sowie vorliegenden Immunstörungen. Die Einnahme von Antibiotika, leichtes Fieber oder auch die Stillzeit sprechen nicht grundsätzlich gegen Impftermine.

Kleine Hautirritationen sind häufig, große Komplikationen sehr selten

Es kann zu kleineren Nebenwirkungen, genauso aber auch zu schwerwiegenderen Komplikationen kommen. In den meisten Fällen bedeutet das: Dort, wo der Arzt mit der Spritze einsticht, kommt es anschließend zu Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen. Genauso können auch allgemeine Körperreaktionen auftreten. Dazu zählen etwa ein Krankheitsgefühl und eine leicht erhöhte Körpertemperatur. Das ist nachvollziehbar und auch ein gutes Zeichen: So wissen wir, dass der Körper den Kampf gegen die harmlosen Antigene aufgenommen hat.

Bei jeder klinischen Studie und auch danach werden Komplikationen und Nebenwirkungen erfasst. Das Robert-Koch-Institut weist daher auch auf schwerwiegendere Nebenwirkungen hin, die mit Namen wie peripherer Nervenschädigung, Enzephalitiden oder Guillain-Barré-Syndrom abschrecken. Dabei handelt es sich jedoch meist um sehr seltene Berichte bis hin zu Einzelfällen. Wichtig ist in jedem Fall, dass solche Reaktionen ernst genommen und dokumentiert werden. So kann die Risikoabschätzung jederzeit aktualisiert werden. Bislang haben nachgetragene Nebenwirkungen jedoch nicht dazu geführt, dass Impfungen nicht mehr empfohlen werden.

Viele Ängste sind mittlerweile unbegründet

Die Standardimpfungen haben sich mittlerweile über Jahrzehnte bewährt, die Krankenzahlen reduziert und Krankheiten wie die Pocken vollständig ausgerottet. Die Nebenwirkungen sind bekannt und gut dokumentiert, anders als etwa bei der in kurzer Zeit schnell im großen Maßstab ausgebrachten Schweinegrippeimpfung. Dort gab es weit mehr Fälle mit Nebenwirkungen pro 1000 Patienten als bei den Standardimpfungen.

Für viele Behauptungen der Impfgegner gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise. Ein Zusammenhang zwischen der Masern(-Mumps-Röteln)-Impfung und Autismus, Mumps und Diabetes oder Polio und AIDS gibt es derzeit nicht. Die Impfgegner werden dafür kritisiert, dass sie Korrelationen und Zusammenhänge herstellen, für die es nach derzeitigem Stand keinerlei Beweise gibt.

Haben Menschen ohne Impfung ein stärkeres Immunsystem?

Viele Impfkritiker sind der Meinung, dass Impfungen das Immunsystem der Kinder schwächen. Stattdessen sei es sinnvoller, die Krankheiten zu durchleben. Richtig ist: Ja, das Immunsystem wächst mit seinen Aufgaben. Es gibt allerdings Krankheiten, gegen die das menschliche Immunsystem niemals oder nicht immer gewappnet ist.
Bei einer Pockeninfektion sind früher etwa ein Drittel der Patienten gestorben, bei speziellen Pockentypen sogar bis zu 90 Prozent der Patienten. Selbst bei einer überstandenen Infektion waren Langzeitschäden häufig, da die Pockenviren das zentrale Nervensystem angreifen. Infizierte litten daher oft an Taubheit oder Lähmung. Durch die weltweiten Impfanstrengungen sind die Pocken seit mehr als 30 Jahren ausgerottet.

Das Immunsystem hat im Alltag genug zu tun

Auch Infektionen mit Tetanus oder Diphtherie können einen tödlichen Verlauf nehmen und selbst bei erfolgreicher Behandlung zu langfristigen gesundheitlichen Folgeschäden führen. Sowohl die intensive Quarantänebehandlung als auch die Folgewirkungen bleiben den Menschen durch Impfungen erspart.

Das menschliche Immunsystem lässt sich im Alltag auch trainieren, ohne sich mit lebensgefährlichen und hochinfektiösen Krankheiten anzustecken. Die Antigene in den Impfstoffen dienen dem menschlichen Körper als ideale Trainingspartner, um sich gegen die Krankheiten zu immunisieren.

Geimpfte Kinder erkälten sich nicht häufiger

In Deutschland hat die sogenannte KiGGs-Studie des Robert-Koch-Instituts die Gesundheit von Kindern untersucht; sie gilt in vielen Bereichen als Referenz. In diesem Zusammenhang wird ein Teilbereich dieser Untersuchung immer wieder zitiert. Dabei haben die Wissenschaftler die Gesundheit von geimpften und ungeimpften Kindern miteinander verglichen. Die Ergebnisse der Studie sind zwar eindeutig – sie werden aber oft so dargestellt, dass geimpfte Kinder per se häufiger zum Arzt müssen.

Das eigentliche Fazit der Studie ist aber: Geimpfte Kinder leiden nicht wesentlich häufiger an gewöhnlichen Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten als ungeimpfte Kinder. Sie infizieren sich infolge der Impfung jedoch weitaus seltener an solchen Infektionskrankheiten, denen die Impfungen vorbeugen sollten.
Dass die geimpften Kinder in der Studie häufiger zum Arzt gehen, sagt nicht zwangsläufig etwas über ihren Gesundheitszustand aus – erst recht nicht, ob sie häufiger krank sind als ungeimpfte Kinder. Eine mögliche Ursache könnte auch sein, dass ungeimpfte Kinder trotz Krankheit schlicht seltener zum Arzt gebracht werden.

Wie sinnvoll ist die Grippeimpfung?

In Deutschland sterben bis zu 25.000 Menschen an den Folgen der Grippe. Die Zahlen können nur grob geschätzt werden und schwanken je nach Intensität der Grippewelle von Jahr zu Jahr. Besonders chronisch Kranke und ältere Menschen gehören zur Risikogruppe, für die eine Infektion oder Folgeerkrankung tödlich enden kann.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung gegen Grippe für alle Personen mit einem erhöhten Risiko. Dazu zählen Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke unabhängig vom Alter sowie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

Drei- und Vierfachschutz möglich

Nützlich und hilfreich kann die Impfung auch für solche Personen sein, die beruflich oder privat viel mit Menschen zu tun haben, etwa als Pfleger, Ärzte oder Personen im öffentlichen Betrieb und Verkehr. Sind diese Menschen geimpft, können sie das Virus auch nicht weiterverbreiten. Der sogenannte Herdenschutz schützt also auch die Menschen vor Grippe, die sich etwa wegen bestimmter Erkrankungen aktuell nicht impfen lassen können.

Es kursiert niemals nur ein Grippevirus. Daher verabreichen die Ärzte Drei- und Vierfachimpfstoffe.
Ein vollständiger Schutz ist nicht garantiert

Wie der Impfstoff jedes Jahr aussieht, entscheidet ein großes Gremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 144 nationale Zentren sammeln ständig Daten darüber, welche Grippeviren zirkulieren. Die Wissenschaftler untersuchen Millionen von Patientenproben, verfolgen ihre Wege und Veränderungen nach. Anschließend müssen sie entscheiden und prognostizieren, welche Grippeviren voraussichtlich im nächsten Winter jeweils auf der Süd- oder Osthalbkugel besonders häufig auftreten.

Bis der Impfstoff aber hergestellt ist, dauert es mehrere Monate. Diese Zeit bleibt den Viren immer, um etwa ihr Äußeres weiter zu verändern. Im schlechtesten Fall passen die Antigene aus der Impfung nicht mehr zum aktuellen Auftreten des Grippevirus.

Ist ein Universalimpfstoff in Sicht?

Derzeit versucht man, die Herstellung zu beschleunigen. Üblicherweise züchtet man die Grippeviren in Hühnereiern heran, zerstört sie und erhält somit die ungefährlichen Impfstoffbestandteile. Das dauert aber. Eine Produktion in bestimmten Zelllinien verkürzt den Prozess von mehreren Monaten auf wenige Wochen. Das löst das Problem aber noch nicht vollständig. Ebenso könnte man nur den Bauplan der Proteine über die sogenannte messenger RNA (mRNA) injizieren, der Körper produziert die Antigene dann selbst. Der Prozess würde so nur vier Wochen dauern. Derzeit werden solche Versuche getestet, eine Zulassung wird aber noch mehrere Jahre auf sich warten lassen.

Die Forscher müssten dazu Bestandteile als Impfstoff nutzen, die sich nicht (so schnell) verändern. Bislang gibt es jedoch keine überzeugenden Ergebnisse aus klinischen Studien.

Kann man auch gegen Krebs impfen?

Die Krebszahlen nehmen weltweit zu. Das hat viele Gründe: Die Menschen werden älter, viele leben ungesund, weil sie rauchen, Alkohol trinken oder übergewichtig sind. Manche gehen zu oft ungeschützt in die Sonne, manche haben von Geburt ein höheres genetisches Risiko vererbt bekommen. Dazu kommt: Es wird immer häufiger und besser diagnostiziert.
Eine Impfung gegen Krebs wäre eine Sensation. Eine kleine Sensation gibt es bereits.

Es soll nicht nur bei einer Krebsimpfung bleiben

Gebärmutterhalskrebs wird durch ein Virus verursacht, das HP-Virus. Es ist bislang die einzige Krebsart, die sich recht zuverlässig mit einer Impfung vermeiden lässt. Der Schutz ist so effektiv, dass die Impfung mittlerweile auch für Jungen empfohlen wird. Die können nicht erkranken, wohl aber Mädchen und Frauen infizieren.

Derzeit gibt es auch Versuche, gegen andere Krebsarten zu impfen. Auch deutsche Unternehmen versuchen, dieses vielversprechende Feld zu erobern. Die Idee ist etwa, maßgeschneiderte messenger RNA (mRNA) in das Patienten- und Tumorgewebe und die Umgebung zu bringen. Anschließend kann die Sequenz, aus der der Körper so quasi seine eigenen Werkzeuge hergestellt hat, das Immunsystem gezielt zum Kampf gegen Tumore ausrichten. Die Studien laufen bereits.

Wie sinnvoll ist die Impfpflicht?

Seit März 2020 gilt auch in Deutschland die Impfpflicht gegen Masern. Um über den Sinn oder Unsinn einer solchen Impfpflicht zu urteilen, lohnt sich ein Blick in die Nachbarländer, etwa nach Italien. In den ersten Monaten des Jahres 2017 erkrankten dort über 1000 Menschen an Masern, 3 Menschen starben an der Infektionskrankheit. Die Regierung sah sich zum Handeln gezwungen; noch im gleichen Jahr führte Italien eine Impfpflicht ein – neben Masern auch gegen Mumps, Röteln und Windpocken sowie sechs weitere Krankheiten. Die Impfquote sollte so schnell wie möglich steigen.

Das auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) global angestrebte Ziel für Masernimpfungen lautet: Wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, greift der Herdenschutz. Heißt: Es sind genug Menschen geimpft, damit sich der Erreger nicht mehr ausbreiten kann. Masern lassen sich auf diese Weise sogar gänzlich ausrotten. Infolge konsequenter Impfprogramme gilt so der süd- und nordamerikanische Kontinent bereits als so gut wie masernfrei – und seit 2015 gibt es dort auch keine Röteln mehr.

Andere Länder haben es vorgemacht

Anfang 2018 folgte prompt auch Frankreich mit einer Impfpflicht für Masern. Denn auch die Impfquote der Franzosen war bereits seit Jahren extrem niedrig: Im Jahr 2017 lag die Impfquote für die zweite entscheidende Masernimpfung bei nur 80 Prozent – dabei bietet diese zu 99 Prozent Schutz vor einer Erkrankung.

Auch Länder ohne Impfpflicht haben hohe Impfquoten

In Italien ist die Impfrate im Zuge der Impfpflicht tatsächlich leicht angestiegen: von 83 Prozent im Jahr 2016 auf 86 Prozent im Jahr 2017. Trotzdem erreichen die Italiener das angestrebte Ziel von 95 Prozent noch lange nicht.

Schweden hingegen schon – und das ohne eine Impfpflicht. Auch Deutschland steht im europaweiten Vergleich gar nicht so schlecht da. 2017 erreichten wir bei Schulanfängern eine Impfquote von 93 Prozent für die zweite Masernimpfung.

Ob eine Impfpflicht aber tatsächlich dauerhaft die Impfrate erhöht, ist fraglich. Bisher gibt es keine Studien, die einen nachhaltigen Erfolg bestätigen.

Forscher aus Erfurt und Aachen fanden zudem heraus, dass eine Impfpflicht die Bereitschaft für die verbliebenen freiwilligen Impfungen verringert. Die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit führt dazu, dass man sie sich bei nächster Gelegenheit “zurückhole”, vermutet Studienautorin Cornelia Betsch.

Eine noch unveröffentlichte Studie der Forscherin zeigt zudem, dass eine Impfpflicht die Wahrnehmung der Nebenwirkungen verändert. “Diese werden durch einen Zwang zur Impfung offenbar viel stärker wahrgenommen und die Impfpflicht dann unattraktiver”, erklärt Cornelia Betsch. Auch dies könnte wiederum verstärkt zu Impfverweigerern führen.

Jüngere Generationen sind häufiger geimpft

Hinzu kommt: Impfgegner sind offenbar gar nicht das Hauptproblem. Die maßgebliche Ursache der Masernausbrüche der vergangenen Jahre sind vielmehr die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nach Ergebnissen einer RKI-Studie sind bei den 18- bis 44-Jährigen mehr als 40 Prozent nicht gegen Masern geimpft. Bei der Diskussion um eine Impfpflicht ist diese Altersgruppe aber gar nicht im Fokus.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt vor allem Menschen, die nach 1970 geboren sind, ihren Impfschutz überprüfen zu lassen. Denn in diesen Jahren wurde die Impfempfehlung für Masern gerade erst eingeführt und aufgrund fehlender Aufklärung und Organisation oft unvollständig durchgesetzt. Menschen hingegen, die sogar noch vor 1970 geboren wurden, sind oft durch eine Erkrankung in der Kindheit bereits immun.

Experten versprechen sich von Anreizen mehr als durch Pflichten

Das Ergebnis: Ob wir uns impfen lassen oder nicht, wird demnach zum einen durch das Ausmaß an Vertrauen in die Effektivität und Sicherheit von Impfungen und das Vertrauen ins Gesundheitssystem beeinflusst. Aber noch ein zweiter Faktor sticht hervor: Die strukturellen Hürden im Alltag, etwa Stress und Zeitnot, hindern viele Menschen daran, zur Impfung zu gehen.

“Impfen muss einfacher und angenehmer gestaltet werden”, sagt Cornelia Betsch. Das fordert auch RKI-Chef Lothar Wiehler: So sollen etwa Abrechnungshindernisse abgebaut werden, damit jeder Arztbesuch auch zum Schließen von Impflücken genutzt werden kann – und der Kinderarzt auch die anwesenden Eltern direkt mitimpfen kann.

“Alleine das Eruieren, ob eine Impfung fällig ist, kann im Alltagsstress untergehen”, ergänzt Cornelia Betsch. Hier helfen Erinnerungs- oder Recallsysteme durch die Arztpraxen, deren gute Wirksamkeit auch in einer Studie beschrieben wird.

Autoren: Mathias Tertilt, Linda Fischer und Inka Reichert

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  1. Danke für diese umfangreiche Zusammenfassung. Sehr informativ und verständlich. Wenig überraschend, dass diejenigen, die ihre Meinung schon festgeschrieben haben und nicht an Erkenntnis interessiert sind, unsinnig und haltlos kommentieren. Zeigt allerdings auch wie schwer es ist diejenigen mit gutem Wissen zu versorgen, die es am nötigsten haben.

    Leider fehlt mir eine Möglichkeit zum Ausrucken bzw. Exportieren als PDF. Mir gelingt keins von beidem und ich verstehe nicht warum. Wäre es möglich diese Art des Teilens auch zur Verfügung zu stellen?

    1. Meine Frau wäre an der Schweinegrippeimpfung 2009 (mit 48 und kerngesund) beinahe gestorben und da schreiben Sie so einen Schwachsinn. Selbst ich, als ehemaliger Personenschutzkommandoführer der Militärpolizei, war von der Grippeimpfung eine Woche deutlich geschwächt. Unsere Meinung war nicht festgeschrieben, wir haben uns damals vom RKI leider überzeugen lassen. Seither lassen wir uns nicht mehr impfen, vorher wandern wir aus. Wir hatten seither und zuvor auch keine Grippe, nur leichte Erkältungen. Demokratie funktioniert ganz einfach. Jeder darf tun und lassen was er will, solange er mit seinem Handeln nicht in die Rechte anderer eingreift. Also lassen Sie sich impfen und uns mit Ihrer Impfpflicht und Ihren dummen Sprüchen, die Meinungsvielfalt unterdrücken sollen, in Ruhe.

    2. Hallo Jan,
      Ich heiße auch so!
      Die PDF konnte ich auf Dropbox speichern, mit meinem iPad funktioniert es nicht anders. Mit meinem Mac wohl schon.
      Polemik gegenüber anderen Meinungen halte ich für schwierig, da stimme ich dem unterstehenden Kommentar zu. Wissenschaft braucht Diskurs, sind Sie damit einverstanden? Und Demokratie auch (siehe unten).
      Gerne sende ich Ihnen auch die PDF zu.
      Grüße aus dem Schwarzwald, – herrlich zum Wandern und damit Stärken des Immunsystems!
      Jan Uwe Gösch

  2. Ich glaube, im Punkt „Wie werden Impfstoffe entwickelt…“ hat sich ein Fehler ereignet.
    „… Schon im 18. Jahrhundert infizierte man Menschen gezielt mit diesen Pockenviren, weil sie beim Menschen weit weniger Symptome auslösten – …“
    Ich glaube, hier muss es zweimal „Kühe“ statt „Menschen“ heißen.

  3. Zusammenhang zwischen Aluminiumverbindungen und Allegien?Zumal etwa Ratten zur Antikörpergewinnung Aluminium gegeben wird.. Aluminium wird schließlich auch bei der Impfung als Impfverstärker gegeben, weil die Erreger teilweise oder vollständig abgetötet sind. Dh, erst das Aluminium löst eine Immunreaktion aus. Dh in meinem Verständnis: Auch gegen alles, was zur Impfung konsumiert wird, kann eine Allergie entstehen. In den tollen Medis gegen Sodbrennen ist ja auch Alu drinnen.. 😉

    1. Nein, der Mechanismus zum Auslösen einer Allergie hat nichts mit dem zum Auslösen einer Impfreaktion zu tun.
      Abgesehen davon war nie elementares Al in Impfstoffen.

  4. Der Zusammenhang zwischen Impfung und Allergie wurde nicht betrachtet. Mit dem verbreiteten Impfen stiegen auch Allergien in der Bevölkerung. In der Quarks Sendung „Risiko Allergien: Wie können wir uns schützen?“ wurde ein interessantes Beispiel gebracht. Aufgrund eine bestimmten Zeckenart haben Menschen eine Allergie gegen Fleisch entwickelt. Ein Zeckenbiss ist ja vergleichbar mit einer Impfung. Es wird ein körperfremder Stoff direkt ins Blut eingebracht. Während durch das Impfen viele Krankheiten besiegt sind, leiden im Gegenzug immer Menschen unter Allergien. Ca. 30% der Bevölkerung in Deutschland.

    1. Was für ein Quatsch.
      Zahlreiche epidemiologische Studien konnten nie einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Allergien belegen.
      Und was in einem Zeckenbiss drinnen ist steht in keinem Verhältnis zu einer Impfung.

      1. Liebes Quark Team.
        Dann bringen Sie mal bitte eine Studie über die Impfsicherheit mit Quellangabe das eine Impfung sicher ist. DIE WURDE NIE GEMACHT, WEIL DIE GIBT ES NICHT BEI IMPFUNGEN!

    2. Zumal etwa Ratten zur Antikörpergewinnung Aluminium gegeben wird.. Aluminium wird schließlich auch bei der Impfung als Impfverstärker gegeben, weil die Erreger teilweise oder vollständig abgetötet sind. Dh, erst das Aluminium löst eine Immunreaktion aus. Dh in meinem Verständnis: Auch gegen alles, was zur Impfung konsumiert wird, kann eine Allergie entstehen.

      1. Nein, der Mechanismus zum Auslösen einer Allergie hat nichts mit dem zum Auslösen einer Impfreaktion zu tun.
        Abgesehen davon war nie elementares Al in Impfstoffen.

  5. An alle, welche etwas gegen diesen Artikel sagten oder sagen wollen. Wenn ich Gegenargumente habt, dann begründet diese Unwiederlegbar. Außerdem können auch einmal Fehler passieren, sind halt menschlich und falls ihr gerne komplexere Texte haben möchtet, so benutz doch die Quell-Links. Es geht hier bestimmt auch um eine Zusammenfassung.
    An das Quarks – Team toller Artikel, da ja keine spezifischen Pharmakonzerne oder Namen von Impfstoffen, geht es hier wohl kaum um Lobbyismus oder wie ihr das nennen wollt. Ich hoffe, dass dieser Beitrag einigen Impfgegnern die Augen öffnet. Wir haben andere Probleme, als das Impfen schädlich ist. Welt-/EU-/Deutschlandweit

    1. Was gibt es für größere Probleme als die körperliche Unversehrtheit? Sie können sich ja impfen lassen. Ich lasse mich nicht impfen. Aber Meinung unterdrücken ist in der Demokratie nicht schick. Und natürlich ist dies Pharmalobbyismus. Denken Sie es gibt keinen Dachverband der Pharmahersteller. Z. B. https://www.vfa.de/de/verband-mitglieder
      Haben Sie schon mal Erkältungswerbung und andere Werbung der Pharmaindustrie gesehen? Was denken Sie, warum die Pharmaindustrie doppelt so viel für Werbung ausgibt als für Forschung und Entwicklung?

      1. Außer impfgrgnerische Phrasendrescherei nichts konkretes und natürlich Stuss: Nein, die Ausgaben für Forschung sind weitaus höher als die fürs Marketing.

        1. Wie wäre es, Herr Senegal, wenn Sie einfach mal Studien zu Rate ziehen, um solche Aussagen zu stützen oder zu widerlegen? Anbei eine zum Thema, das Werbung mehr Geld „verbraucht“ als Forschung, – und zwar speziell in der Pharmabrache, im Gegensatz zu vielen anderen Industrien:

          https://www.laborjournal.de/editorials/1126.php

          Wer drischt hier was?
          Das wäre meine Frage an Sie?
          Denn Getreide ist wertvoll, wenn man es drischt, – und damit vom Halme löst.

  6. Puh ? was hat denn euch da geritten? So einen einseitigen Bericht um das Thema Impfen habe ich von euch nicht erwartet.
    Impft euch doch wund liebes Quarks-Team, aber ich denke zu so einem Thema sollte man den Leuten beide Ansichten/ Meinungen erklären und vor allem neutral bleiben! Das seid ihr ganz bestimmt nicht geblieben. Schade.

    1. Da sind wir jetzt aber mal gespannt auf die stichhaltigen Gegenargumente, die du uns ja sicher liefern kannst. 🙂 Wir bauen sie auch in den Text ein, wenn sie gut belegt sind, versprochen!

    2. Da bin ich ganz Ihrer Meinung, aber Werbeeinnahmen müssen erhalten bleiben. Neutralität muss man sich leisten können.
      Kennen Sie Medien die von Werbung-Etats unabhängig sind? Und welche Firmen geben denn Geld für Werbung aus?
      Doch eher die schädlichen Firmen. Also erwarten Sie von Medien keine unabhängige Berichterstattung.
      Schauen Sie welche Werbung dort geschaltet wird und dann kennen Sie die Brötchengeber. Und beachten Sie auch noch Verbundpartner z. B. Springer Konzern hat mehrere Zeitungen.

    1. Natürlich hätte es die Bild nicht besser machen können, unser Text ist ja auch einfach schon sehr sehr gut. 😉
      Okay, aber mal Spaß beiseite, was fehlt dir? Wenn du gute Quellen hast, die wir übersehen haben, immer her damit.

  7. Es ist mitlerweile statistisch und gerichtlich bewiesen, dass ungeimpfte Kinder wesentlich gesünder sind. Wenn dieser Bericht wirklich unabhängig und seriös recherchiert wäre, würde er das auch beinhalten.

    1. Das ist sehr interessant, leider haben sie wohl vergessen, die entsprechenden Quellen zu verlinken. So kommt man auf die Idee, sie spinnen und lügen sich was zusammen, wie die ganzen anderen Impfgegner hier auch. Also schon einmal danke fürs nachreichen.

  8. Vielleicht haben sie Interesse an einer Diskussion, über die eigenverantwortliche Bereitschaft, über den Prozess des Krankwerdens, dazu zu lernen, und aus eigener Energie wieder gesund zu werden. Diese andersartigen Wesen, die Bakterien, die dich zumindest so gut studiert haben, das sie wissen wo sie ansetzen müssen, um sich zu erhalten, dann in die Schranken weisen zu können.

  9. Studien? Doppelblindstudien, ich bitte um Quellen! Wäre der Hygienestandard und die Angst vor Hunger und Armut zu sterben, in den Ländern wo es noch Krankheiten wie Masern und Co gibt, so wie bei uns……..wäre vermutlich ganz schnell bewiesen dass Impfungen, so wie sie heute an uns verabreicht werden, vermutlich nicht notwendig.
    Ach ja: Der, der sich impfen lassen möchte, darf sich doch impfen lassen, er braucht ja dann keine Angst haben dass er sich ansteckt, er ist ja geschützt…. !

  10. ‚Insbesondere besorgte Eltern überlegen, ob sie ihre Kinder impfen sollen – oder ob möglicherweise langfristige Schäden auftreten können.‘ ….die anderen Eltern sind also nicht besorgt?
    Auch oben zitierter Satz lässt mich zweifeln, ob ordentlich recherchiert wurde. Worte sollen doch bedachter gewählt werden, schon gerade, wenn es sich um so ein heikles Thema handelt und Eltern überzeugt werden wollen.
    Es fehlen auch genaue Zahlen, zumindest Prozent oder Promillebereiche.
    Solche Artikel machen kritische Eltern, und das ist hier der richtige Begriff, nur noch misstrauischer. Zurecht!
    Im Übrigen sorgen auch die Menge an verschiedenen Impfungen, bspw. gegen Windpocken, Gebärmutterhalskrebs etc. , die zum Einen tatsächlich überflüssig, weil die Krankheit nicht gefährlich oder zum Anderen der Impfstoff nicht ausreichend geprüft ist, für Misstrauen.
    Ganz zum Schluss noch eine wichtige Sache. Der Lobbyismus der Arzneimittelfirmen und die Verflechtungen mit staatlichen Einrichtungen, Politik und letztlich der Stiko tragen ebenfalls nicht zu einem notwendigen Vertrauen gegenüber solchen sicherlich gut gemeinten Empfehlungen bei. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht!

    1. Argh, da hast du natürlich recht. Unser Autor war so im Thema, dass er die passive Impfung mit der aktiven verwechselt hat. Denn es gibt tatsächlich auch Impfungen, bei denen mit Antikörpern gearbeitet wird.

      1. Na, das macht diesen Artikel nicht gerade glaubwürdiger , wenn so etwas Einfaches wie Begrifflichkeiten nicht einmal richtig verwendet werden.

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Jonathan Focke: