Warum man immer einen Grundvorrat Lebensmittel Zuhause haben sollte

Es macht Sinn einen Vorrat an haltbaren Lebensmitteln zuhause zu haben. Bild: Unsplash

Krisensituationen

Warum man immer einen Grundvorrat Lebensmittel Zuhause haben sollte

Damit es im Fall einer Katastrophe nicht zu spontanen Hamsterkäufen kommt, empfiehlt das Bundesamt für Katastrophenschutz, immer einen gewissen Vorrat zuhause zu haben.

28. Februar 2020

Warum solltest du dir einen Notfallvorrat zulegen?

Notvorrat – das klingt nach „The Walking Dead“, ist aber gar nicht mal so abwegig. Der Grundgedanke ist es, Einsatzkräfte in Krisensituationen für wirkliche Notfälle zu entlasten. „Das gelingt nur, wenn möglichst viele Menschen sich zu Hause über einige Tage selbst mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgen können“, sagt eine Sprecherin des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Mit Notfällen sind nicht nur Quarantäne-Situationen wie beim Corona-Ausbruch in Italien oder in China gemeint. Auch bei Hochwasser, einem flächendeckenden Stromausfall oder bei einem schweren Sturm besteht die Gefahr, Lebensmittel nur noch schwer zu bekommen.


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Aber: Es müssen nicht immer die ganz großen Katastrophen sein, für die sich ein Notfallvorrat lohnt. Ein örtlicher Starkregen oder ein Hausbrand könne für jeden Einzelnen oder für jede Familie eine Katastrophe auslösen, so das zuständige Bundesamt. Ebenfalls denkbar: ein Brand in einer Fabrik oder einem Lager mit chemischen Produkten, bei dem gefährliche CBRN-Stoffe freigesetzt werden können. Das Spektrum ist sehr groß – die Abkürzung steht daher für chemische (C), biologische (B), radiologische (R) und nukleare (N) Gefahrstoffe.

Hamsterkäufe sind nicht nötig

Deutschland ist auf die verschiedensten Katastrophen-Fälle allerdings gut vorbereitet und hat Notfallvorräte. Die zivile Notfallreserve besteht unter anderem aus Brotgetreide, Reis, Erbsen, Linsen und Kondensmilch. Nur: Die Rettungskräfte können aber in Notsituationen nicht überall sein. „Auch das beste staatliche Notfallsystem kann an seine Grenzen kommen oder überfordert sein“, sagt Ursula Fuchs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz: „Und in extremen Fällen mit vielen Betroffenen und möglicherweise großen Schäden braucht es schlicht Zeit, bis sich professionelle Hilfe organisiert hat.“ Deshalb sei es gut, wenn bereits jeder vorgesorgt hat.

Spontane Hamsterkäufe und tatsächliche Engpässe werden so vermieden. Im Fall der weltweit zunehmenden Corona-Infektionen hat es in Deutschland genau das aber gegeben. Viele Menschen hatten eine rational nicht begründbare Angst, dass einige Lebensmittel oder Hygiene-Artikel nicht in ausreichender Menge zu Verfügung stünden – die Konsequenz: Hamsterkäufe. Im Einzelhandel wurde so viel Desinfektionsmittel verkauft, dass die kurzfristige Nachfrage nicht mehr bedient werden konnte.

Was solltest du bevorraten?

Bei einem Notfall solltest du zehn Tage ohne Einkauf klar kommen. Das zumindest empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn. Katastrophen können natürlich auch länger dauern, weshalb wir dir Vorschläge für einen Vorrat liefern, mit dem du 30 Tage, also einen Monat, über die Runden kommst. Die Zombie-Apokalypse haben wir dabei fest im Hinterkopf. Für alle, die das jetzt nicht sofort begreifen, ja, das ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Bedarf leicht auszurechnen

Für wie lange man vorsorgt, ist jedem selbst überlassen.
Zu Grunde legen wir die offiziellen Empfehlungen der Regierung, die bei ihren Angaben von etwa 2200 Kalorien pro Tag und pro Person ausgeht. Damit sei im Regelfall der Gesamtenergiebedarf gedeckt. Natürlich gilt es bei einer Planung auch persönliche Vorlieben zu berücksichtigen.

Das braucht eine Person für einen Monat (30 Tage)

60 Liter Wasser: Am besten kaufst du dir Wasser in Flaschen oder Kanistern, um unabhängig von der örtlichen Trinkwasserversorgung zu sein.

10,5 Kilo Getreideprodukte, Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln: Nudeln und Reis sind praktisch unbegrenzt haltbar und machen satt. Knäckebrot kann eine gute Alternative zum normalen Brot sein, weil Knäckebrot kein Wasser enthält und bei trockener Lagerung extrem lange haltbar ist. Generell gilt: Brot ohne Schimmel ist noch essbar.

12 Kilo Hülsenfrüchte und Gemüse: Diese Lebensmittel solltest du dir am besten in Dosen holen. Getrocknete Produkte brauchen nämlich zusätzlich Wasser – damit solltest du aber sparsam sein.

7,5 Kilo Nüsse und Obst: Auch hier gilt: am besten Dosen und Gläser verwenden.

7,8 Kilo Milch- und Milchprodukte: H-Milch ist zwischen vier Monaten und einem halben Jahr haltbar. Ist die Milch aber erstmal geöffnet, machen sich auch in ihr schnell Keime breit. Eine Alternative zu frischer Milch ist Milchpulver.

4,5 Kilo Fisch, Fleisch, Eier/Volleipulver: Während Eier nur begrenzt lagerfähig sind, kann Volleierpulver über mehrere Jahre haltbar sein. Auch Fisch und Fleisch gibt es in Konserven, lange haltbar.

1,071 Kilo Fette und Öle

Nach Belieben: Zucker, Salz, Süßstoff, Marmelade, Honig (besonders zu empfehlen: hält nämlich nahezu ewig – selbst, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist), Schokolade, Mehl, Instantbrühen, Kakaopulver, Kekse, Salzstangen, so genannte Kartoffeltrockenprodukte (zum Beispiel Kartoffelbrei) und Fertiggerichte (zum Beispiel Ravioli, getrocknete Tortellini, Fertigsuppen etc.).

Wenn du diese Lebensmittel zu Hause hast, kannst du dir Hamsterkäufe sparen, sollte dein Umfeld zu einer Quarantänezone erklärt werden. Wenn es allerdings zu einer Notsituation kommt, können die Lebensmittelhändler reagieren und ihr Sortiment anpassen, so ein Sprecher einer großen deutschen Handelskette.

Was gehört neben Lebensmitteln in einen Notfallvorrat?

Neben Essen und Trinken gehören auch Medikamente und Hygieneartikel in einen Notfallvorrat. Du solltest also deine Hausapotheke checken.
Darin sollte folgendes enthalten sein: Verbandskasten, vom Arzt verordnete Medikamente, Schmerzmittel, Hautdesinfektion, Wunddesinfektion, Mittel gegen Erkältungskrankheiten, Fieberthermometer, Mittel gegen Durchfall, Insektenstich- und Sonnenbrandsalbe und eine Splitterpinzette.

Dinge des täglichen Bedarfs

In einer Notsituation ist es auch gut, wenn du ausreichend Hygienemittel zu Hause hast, also Seife, Waschmittel, Zahnbürsten, Zahnpasta, Haushaltspapier, Toilettenpapier, Müllbeutel, Haushaltshandschuhe und Desinfektionsmittel.

Die Regierung empfiehlt zudem eine Campingtoilette. Außerdem: Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge, Taschenlampe, Reservebatterien, Brennstoffe und Heizgelegenheiten. Mit einem Campingkocher bist unabhängig von der Stromversorgung.

Was ist bei der Wasserlagerung zu beachten?

Du solltest Wasser in Flaschen oder Kanistern lagern – bei der Haltbarkeit gibt es eigentlich kein Problem. „Natürliches Mineralwasser ist nahezu unbegrenzt haltbar“, heißt es bei der Informationszentrale Deutsches Mineralwasser: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Vorgabe des Gesetzgebers und in der Regel datiert auf mindestens ein Jahr (PET-Plastikflaschen) oder zwei bis drei Jahre (bei Glasflaschen) nach der Abfüllung.“ Bei Plastikflaschen kann es nach einer gewissen Zeit sein, dass Kohlensäure entweicht. Das kann zu Geschmacksveränderungen führen.

Probleme mit dem Übergang des Plastiks ins Wasser gibt es aber nicht. Allerdings: Stehen Plastik-Wasserflaschen länger in der Sonne, kann es sein, dass Acetaldehyd aus dem PET ins Wasser gewandert ist, sagt Frank Weller vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung. Geht der Stoff ins Wasser über, schmeckt und riecht man ihn schon in geringen Mengen.

Deshalb: Wasserflaschen am besten im Dunklen lagern. Dann sind sie länger haltbar als es das Mindesthaltbarkeitsdatum vorgibt.

Was solltest du tun, wenn du es wirklich wissen willst?

Du könntest ein Prepper werden und dich auf mögliche Krisen akribisch vorbereiten und teilweise sogar Bunker und Noträume im Keller errichten.
Das ist aber völlig unnötig, weil die staatliche Vorsorge bei einem Krieg oder einer Naturkatastrophe in der Bundesrepublik funktioniert.
Prepper haben ihr Notgepäck (etwa Schutzkleidung, Schlafsack, Schutzmasken und Handschuhe) schon längst in Rucksäcke gepackt. Nicht vergessen: „The Walking Dead“ ist reine Fiktion. Sollte es zu einer Katastrophe kommen, reicht es, wenn du die Grundnahrungsmittel zusammen und deine Hausapotheke gecheckt hast, um die Einsatzkräfte zu entlasten.

Autor: Andreas Sträter

4 Kommentare;

  1. Die ‚Forderung zur Vorratshaltung ist unverantwortlich. Sie wird allgemein als eine Forderung zum Hamstern (= Plündern“) verstanden., ‚Das hat zur Folge, dass viele Normalkäufer vor leeren Regalen standen, während die anderen ganze Keller oder Lagerräume vollgestopft haben, haben die anderen gar nichts. Wenn jeder „normal“ einkauft, entstehen keinerlei Lieferengpässe.
    Alles mit „Desinfektion“ ist noch immer nach Monaten bis heute nicht mehr leiferbar. Null. Allerdings ist dieses nach Monaten auch ein völliges Versagen des Handels. In Monaten muss man jeden Misstand gelöst haben.
    Wucherpreise zur Ausnutzung von Not sollte hart bestraft werden. Hier muss der Staat die maimalen Preise (orientiert an der Normalsituation) für „Notartzikel“ festlegen.

    1. Hi,
      ne, solange deine B12 Speicher gut gefüllt sind, dauert es wirklich lange, bis du da einen Mangel merken würdest. Deutlich länger als die Zeit, für die die Notfallverpflegung gedacht ist.

  2. In zahlreichen Clips des öffentlichen Rundfunks (kann bei Youtube überprüft werden) wurden in den vergangenen Jahren Menschen die Vorsorge betrieben haben lächerlich gemacht, mit Spott überzogen, als Prepper oder Untergangsfreaks bezeichnet.
    Nun also wo der Katastrophenfall passiert, rät man den Deutschen zur Vorsorge.

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