Die Wahrheit über Vitamin B12 und vegane Ernährung

Haben Veganer zu wenig B12 im Körper?

Nur in Fleisch?

Vitamin B12 – alles, was du wissen musst

Immer wenn wir was zum Thema Fleisch machen, dreht sich danach die Diskussion um Vitamin B12. Und immer wird mit Halbwahrheiten um sich geschmissen. Schluss damit!

23. Januar 2020 | 24 Kommentare

Wofür brauchen wir Vitamin B12?

Vitamin B12 ist ein sogenanntes “Coenzym“. Das bedeutet, es ist Teil eines Enzyms, das Reaktionen im menschlichen Körper steuert. Auf diese Art hilft Vitamin B12 bei der Zellteilung und -differenzierung, der Synthese und Modifikation von DNA, sowie bei verschiedenen Prozessen im Stoffwechsel von Fetten und Aminosäuren, den Bausteinen von Proteinen.

Wer sich für die Details interessiert: Vitamin B12 hilft beim Umbau von Homocystein (einer Aminosäure, die allerdings nicht in Proteinen vorkommt) zu Methionin. Diese Aminosäure ist für den Bau von Proteinen absolut notwendig. Wir können sie jedoch nicht selbst herstellen. Deshalb ist diese chemische Reaktion so wichtig.

B12 arbeitet dazu übrigens mit Folsäure zusammen, einem weiteren wichtigen B-Vitamin.

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin B12?

Das Wichtigste zuerst: Nur Lebensmittel tierischer Herkunft enthalten (in nennenswerten Mengen) das Vitamin B12, welches Menschen aufnehmen und nutzen können.

Hergestellt wird das B12 von Mikroorganismen – größtenteils von Bakterien, teilweise von Archaea. Noch nie von Archaea gehört? Macht nix: Gemeinsam mit Eubakterien und den Eukaryoten mit Zellkern (das sind wir) bilden Archaea die drei großen Domänen der Lebewesen. Sie werden auch Archaeabakterien genannt, unterscheiden sich aber in vielen Eigenschaften von den bekannteren Eubakterien.

Tiere nehmen das B12 über verschiedene Wege auf. Davon profitieren die Menschen, wenn sie tierische Produkte verzehren. Neben Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten geht das gut über Eier und Milchprodukte. So können auch viele Vegetarier ihren Vitamin-B12-Haushalt pflegen.

Wer genauer nachschauen möchte, wie viel B12 in welchen Lebensmitteln vorhanden ist, kann das in der Tabelle der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) nachschlagen.

Häufig hört man auch von Vitamin B12 in pflanzlichen Lebensmitteln wie Pilzen und Algen. Und tatsächlich, einige Pflanzen enthalten ein Vitamin B12 – allerdings ein Analogon, das Menschen nicht aufnehmen und als Coenzym nutzen können. Denn Vitamin B12 ist nicht gleich Vitamin B12. Es gibt verschiedene Sorten.

Warum gibt es unterschiedliche Sorten Vitamin B12?

Vitamin B12 heißt auch Cobalamin. Dahinter stecken mehrere chemische Verbindungen, die alle eine Struktur gemeinsam haben: ein Corrin-Ringsystem mit einem Kobalt-Ion in der Mitte, das für die Namensgebung verantwortlich ist.

Für alle, die bei Chemie nicht sofort zusammenzucken:

Ein Corrin-Ring ist ein aus Kohlenstoffringen aufgebauter Komplex. Die Kohlenstoffe (C-Atome) bilden dabei sogenannte Pyrrol-Ringe, die wiederum miteinander verbunden sind. Von anderen Ringen unterscheidet der Corrin-Ring sich dadurch, dass die Pyrrol-Ringe hydriert vorliegen (also H-Atome gebunden haben). Außerdem haben zwei der Ringe eine direkte C-C-Verbindung.

“An das Kobalt-Ion können verschiedene chemische Seitenketten gebunden sein“, erklärt Diplom-Oecotrophologin Silke Restemeyer, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). “Das bestimmt, ob das Vitamin B12 für den Menschen nutzbar ist oder ob es sich um Analoga handelt.“

Solche B12-Varianten findet man etwa in Algen oder gar Sauerkraut, doch für Menschen haben sie unter Umständen sogar negative Auswirkungen, so die Expertin: “Diese Analoga können sich an die Transportersysteme in den Zellen setzen und sie blockieren.“ So gelangt das hilfreiche B12 nicht mehr so effizient an die Stellen, wo es wirken kann.

Im Handel gibt es verschiedene Supplemente zu kaufen

Zu den verwertbaren Vitamin-B12-Verbindungen, die sich in tierischen Produkten finden, gehören Methylcobalamin und Adenosylcobalamin, die der Körper sofort nutzen kann. Ein weiteres natürliches Vitamin B12 ist das Hydroxycobalamin. Es wird nicht so gut aufgenommen wie Methyl- und Adenosylcobalamin, kann dafür aber vom Körper sehr gut gespeichert werden.

Im Vergleich dazu kommt Cyanocobalamin kaum natürlich vor. Weil es kostengünstig ist, wird es oft synthetisiert als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Im Körper muss das Cyanocobalamin zwar zuerst in mehreren Schritten umgewandelt werden, ist dann aber eine sehr stabile Version des B12.

Natürliches B12 besser

Tatsächlich zeigte eine vergleichende Studie jedoch, dass die natürlich vorkommenden Cobalamine als Ergänzungsmittel eine bessere biologische Verfügbarkeit haben – man sollte also lieber etwas mehr zahlen, dafür aber eine der natürlich vorkommenden Varianten wählen.

Für die meisten Menschen macht es dabei keinen Unterschied, welche der drei Sorten genutzt wird. Methylcobalamin als die günstigste Alternative zum synthetischen B12 ist also vollkommen okay. Ausnahmen kann es geben, wenn man bestimmte genetische Veränderungen aufweist, doch  in diesem Fall kann man ohnehin nur verschiedene Präparate ausprobieren, bis man die Form oder Kombination findet, die hilft.

Woher bekommen Tiere Vitamin B12?

Bei dieser Frage kommt es auf das Tier an:

Fleischfressende Tiere, also beispielsweise Hunde und Katzen, machen es genauso wie wir Menschen. Sie nehmen das Vitamin B12 über tierische Nahrungsmittel auf.

Wiederkäuer wie Rinder und Schafe haben einen sogenannten Pansen: einen Vormagen mit einer ausgeprägten Flora an Mikroorganismen. Dort tummeln sich auch viele Einzeller, die Vitamin B12 produzieren können (siehe Frage 2). Dazu müssen die Wiederkäuer allerdings über genügend Kobalt verfügen, das zur Synthese nötig ist. Das Vitamin B12 und andere B-Vitamine werden dann an den Darm gespült und dort aufgenommen.

Bei Pferden scheint die Sache noch einfacher, erklärt Prof. Ingrid Vervuert, kommissarische Leiterin des Instituts für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig. Die Vitamin-B12-Produzenten sitzen bei ihnen im Dickdarm, wo sie B-Vitamine produzieren, die das Pferd aufnehmen kann. Das funktioniert, anders als bei Rindern und Schafen, sogar bei recht kobaltarmen Futtermitteln.

Selbst Kaninchen können sich problemlos mit Vitamin B12 versorgen. Einerseits haben sie einen sehr ausgeprägten Dickdarm, dessen Bakterienkultur genug B-Vitamine liefert. Zusätzlich besitzen sie neben dem normalen Darmausgang auch noch eine Verbindung zum Blinddarm – und fressen den sogenannten Blinddarmkot, der reich an Vitamin B12, anderen Vitaminen und Proteinen ist.

Auch bei manchen Tieren muss Vitamin B12 zugegeben werden

Komplizierter ist es bei Schweinen, so Ingrid Vervuert: “Außer Milch, Eiern und Fischmehl dürfen keine tierischen Produkte an Schweine verfüttert werden. Dadurch ist das normale Futtermittelspektrum für Schweine ärmer an Vitamin B12.“ Deshalb wird bei diesen Tieren den Futtermitteln Vitamin B12 beigesetzt, ebenso bei Geflügel – aus denselben Gründen.

Auch Fische sind eine gute Vitamin-B12-Quelle. Aber woher nehmen sie das Vitamin auf? Wie bei den Säugetieren gibt es hier keine einheitliche Antwort. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass manche Süßwasserfische das B12 selbst produzieren – mithilfe der Bakterien in ihrer Darmflora. Andere Fische müssen es über die Nahrung aufnehmen. Lange Zeit glaubte man, die Hauptproduzenten des Vitamin B12 in Süß- und Meereswasser seien Cyanobakterien. Als Plankton dienen sie den Fischen als wichtiges Nahrungsmittel. Doch vor ein paar Jahren fanden Wissenschaftler heraus, dass Cyanobakterien tatsächlich ein nicht nutzbares B12-Analogon herstellen. Dennoch gibt es im Wasser andere Bakterien und Archaea, welche die Fische mit Vitamin B12 versorgen.

Was passiert bei Vitamin-B12-Mangel?

Jahrelang erst mal nichts, wie Prof. Hans Konrad Biesalski erklärt. “Es gibt B12-Speicher im Körper, die uns selbst dann jahrelang mit dem Vitamin versorgen, wenn wir eigentlich zu wenig davon zu uns nehmen“, weiß der Ernährungswissenschaftler und Buchautor.

Das bedeutet aber auch, dass man oft erst nach Jahren bemerkt, wenn man zu wenig Vitamin B12 aufnimmt. Was dann geschieht: Das Homocystein kann nicht mehr zu Methionin verarbeitet werden und die Homocystein-Konzentration im Blut steigt an.

“Hält das Defizit länger an, wird die Zellteilung gestört. Dadurch können unter Umständen nicht mehr genug Blutkörperchen gebildet werde“, so Silke Restemeyer. Neben der Blutarmut könne ein B12-Mangel zu psychischen Auffälligkeiten führen, darunter Gedächtnisschwäche, Ermüdung, Aufmerksamkeitsschwäche und depressive Verstimmungen. Auch neurologische Symptome können auftreten, etwa motorische oder sensorische Störungen.

Woran kann man einen B12-Mangel erkennen?

Der Körper kann Vitamin-B12 in hohen Mengen speichern. Deshalb kann es sein, dass ein Mangel erst Jahre nach Beginn der Unterversorgung auffällt, wenn der körpereigene Speicher leer ist. Dann kann es zu ganz unterschiedli-chen psychischen und physischen Auffälligkeiten führen:
  • Blutarmut
  • Gedächtnisschwäche bis hin zu Demenz
  • Müdigkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Atemnot
  • Ohnmacht
  • Schwindel
  • Niedriger Blutdruck
  • Störungen der Bewegungskoordination
  • Erhöhte Sturzneigung
  • Krämpfe
  • Zittern der Hände
  • Kribbelnde Haut
  • Unscharfe Sicht
  • Konzentrationsschwäche
  • Hyperpigmentierung

Was sind die Ursachen für einen B12-Mangel?

Es gibt verschiedene Ursachen für einen B12-Mangel: Entweder, dem Körper wird durch die Nahrung zu wenig B12 zugeführt oder der Körper kann das zugeführte B12 nicht richtig verwerten. Auch ein erhöhter Verbrauch oder Verlust von Vitamin B12 kann dazu führen, dass der Vitamin B12-Wert im Blut absinkt.

Nicht nur eine vegetarische oder vegane Ernährung kann zur Unterversorgung führen – auch wenn es in diesem Zusammenhang wohl am häufigsten diskutiert wird. Auch entzündliche Darmerkrankungen und eine Teilentfernung des Darms, Erkrankungen der Nieren und ein Mangel des Proteins Intrinsic Factor können zu einem Vitamin B12-Mangel führen. Denn: Für die Aufnahme von B12 aus der Nahrung in die Darmzellen ist die Bindung an das Protein Intrinsic Factor notwendig, das der Aufnahme von Cobalamin dient. Auch Medikamente, die die Bildung von Magensäure hemmen, können Ursache für einen B12-Mangel sein.

Welche Personengruppen haben ein hohes Risiko für eine Vitamin-B12-Unterversorgung?

Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren, ohne Vitamin B12 zu supplementieren, haben ein erhöhtes Risiko für eine B12-Unterversorung. Aber sie sind nicht die einzigen: Auch Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen einschließlich mit einer Entzündung der Mundschleimhaut haben ein erhöhtes Risiko für einen Mangel. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn, mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Menschen, denen Teile des Magens oder des Darms entfernt wurden.

Schwangere, Stillende, Personen mit Autoimmunerkrankungen, Magersüchtige und ältere Menschen gehören ebenso zu den Risikogruppen und sollten auf eine ausreichende Vitamin B12-Zufuhr achten.

Was kann man gegen Vitamin B12-Mangel tun?

Die verschiedenen Arten von Vitamin B12-Mangel lassen es erahnen: Nicht bei jedem Menschen reicht es aus, einfach täglich eine Vitamin B12-Kapsel zu schlucken. Denn ist die Aufnahme über den Darm gestört, helfen auch diese nur bedingt. Bei einem Mangel sollte man deshalb unbedingt mit dem Arzt abklären, wo die Ursachen liegen.
Menschen mit akutem Mangel – wenn bereits Symptome auftreten – müssen in jedem Fall so schnell wie möglich behandelt werden. Denn manche Symptome lassen sich nicht mehr vollständig rückgängig machen.
Patienten mit akutem Mangel, die sich etwa vegan ernähren, nehmen zunächst täglich hohe Dosen in Kapselform ein. Nach 3-4 Monaten sollte dann eine niedrigere Dosis reichen.
Ältere Menschen und solche mit einer möglichen Aufnahmestörung bekommen in der ersten Woche alle 1-2 Tage eine Injektion in die Muskeln. Dazu eignet sich Hydroxy-B12 oder Cyano-B12. Später reichen wöchentliche bis monatliche Injektionen.

Bei Kindern kommt es auf das Alter und die Umstände an, doch auch hier wird bei Symptomen erst einmal das Hydroxy- oder Cyano-B12 in die Muskeln gespritzt. Später können dann Kapseln oder eine B12-angereicherte Milch genutzt werden. Die Behandlung der Mutter kann helfen, wenn das Kind noch gestillt wird und die Muttermilch zu wenig B12 enthält – wenn also die Mutter selbst an B12-Mangel litt.

In den letzten Jahren haben Studien gezeigt, dass auch ein Vitamin B12-Nasenspray für Erwachsene sicher ist und zu genügend Aufnahme von B12 führt. 2019 veröffentlichten niederländische Forscher eine Studie, die das Nasenspray auch bei Kindern untersuchte – mit Erfolg, allerdings mit wenigen Studienteilnehmern. Gerade als Alternative zu Injektionen in die Muskeln wäre das für die Kinder eine große Erleichterung.

Wie hoch ist der Tagesbedarf an Vitamin B12?

Der Schätzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) für eine angemessene Zufuhr liegt für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene bei 4,0 Mikrogramm pro Tag.

Zur Einordnung: 100 Gramm Bergkäse enthalten etwa 0,81 Mikrogramm B12, Lachs kommt mit einem hohen Gehalt auf 2 bis über 3 Mikrogramm pro 100 Gramm und gegarter Rinderbraten sogar auf 4,5 Mikrogramm pro 100 Gramm.

Die Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr der DGE beginnen bei 0,5 Mikrogramm pro Tag für Säuglinge und steigen mit dem Alter stetig bis auf die 4,0 Mikrogramm an. Noch höhere Empfehlungen gibt es für Schwangere (4,5 Mikrogramm) und Stillende (5,5 Mikrogramm).

Empfehlungen sind nicht einheitlich

Sieht man sich die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, so liegen die Werte deutlich niedriger. Für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene schlägt die WHO einen Richtwert von 2,4 Mikrogramm pro Tag vor. Auch in der Schwangerschaft und bei stillenden Frauen liegen die Werte  mit 2,6 Mikrogramm beziehungsweise 2,8 Mikrogramm pro Tag nicht viel höher.

Egal, an welche Werte man sich halten möchte: Man muss sich nicht mit der Waage in die Küche stellen. Wer tierische Produkte in Maßen zu sich nimmt, braucht sich über einen Mangel in der Regel keine Sorgen zu machen – mit Ausnahmen.

Zu viel Vitamin B12 ist, soweit bekannt, nicht schädlich. Trotzdem sollte nicht jeder Mensch einfach vorsorglich B12-Tabletten einnehmen. Wer zu den in Frage 5 genannten Risikogruppen gehört oder Bedenken hat, kann seinen B12-Status testen lassen.

Kann man seinen Vitamin-B12-Status zu Hause testen?

Es gibt verschiedene Wege, um den Vitamin-B12-Status zu bestimmen. In einem ärztlichen Labor wird häufig das Gesamt-Vitamin B12 und das Holo-Transcobalamin (aktives B12) bestimmt. Auch die Homocysteinwerte können ermittelt werden, doch diese werden zusätzlich von anderen Faktoren beeinflusst und sind daher nicht unbedingt hilfreich.

Den genauesten Anhaltspunkt für den B12-Status liefert die Messung der Methylmalonsäure (MMA) im Urin.

Internettests besser ignorieren

Im Internet werden Tests angeboten, mit denen man seinen Vitamin-B12-Haushalt überprüfen kann. Beispielsweise soll man mit dem Test-Kit einen Tropfen Blut in das Labor einschicken und bekommt die Ergebnisse digital zugeschickt. Das klingt zunächst unkompliziert, und immerhin findet die Auswertung ja in einem Labor statt.

Einerseits weiß man nicht, ob sie wissenschaftlich geprüft sind. Andererseits ist die Interpretation der Werte nicht so einfach, wie man es sich vielleicht vorstellt. Der “Normalbereich“ ist bei der Gesamt-Vitamin-B12-Bestimmung sehr groß, mit einer Breite von 200 Nanogramm pro Liter (ng/l) bis 1.100 ng/l. Liefert ein Test Werte, die darunter oder darüber liegen, sollte man ohnehin mit einem Arzt sprechen – immerhin muss dann abgeklärt werden, woran die Abweichung wirklich liegt.

Krankheiten, die für den Vitaminmangel sorgen, erkennt nur der Arzt

“Wenn man sich einen Test im Internet kauft, ist der nächste Schritt wohl, die Tabletten zu erwerben“, vermutet Biesalski. Doch genau das mag bei manchen Menschen gar nicht helfen. Davon abgesehen gibt es Hinweise darauf, dass auch schon höhere Werte von etwa 400 ng/l einen Mangel anzeigen können.

In Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder einem Ernährungsmediziner können solche Fragen deutlich besser geklärt werden als mit einem selbstgekauften Test-Kit. Bei vegan ernährten Kindern sollte man unbedingt mit dem Kinderarzt sprechen, der dann ebenfalls die B12-Tests durchführt.

Einen weiteren Vorteil hat es, wenn man sich mit seinen Fragen zu Vitamin B12 an einen Arzt wendet: Eventuell übernehmen im Fall eines B12-Mangels die Krankenkassen die Kosten für die Tabletten.

Autorin: Stefanie Uhrig

Unsere Quellen

Verwandte Themen

24 Kommentare;

  1. Warum gibt es kaum ein niedrigdosiertes Supplement zu kaufen?

    “Zu viel Vitamin B12 ist, soweit bekannt, nicht schädlich.”

    Das hier wäre ein Argument gegen eine pauschale Hochdosierung:

    https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/symptome/nahrungsergaenzungsmittel-b-vitamine-erhoehen-das-lungenkrebs-risiko-aber-nicht-fuer-beide-geschlechter_id_7505104.html

    Schon jahrelange Supplementierung mit mehr als 50µg/d ist bei Männern über 50 mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko verbunden.

  2. Hallo Quarks-Team,
    ich habe vor mich vegan zu ernähren.
    Da alle Supplements, die man so im Netz auf die schnelle findet hochdosiert sind (250 – 1000 mcg pro Tropfen/Tablette), frage ich mich, ob es dann reicht nur eine Dosis z.B. pro Woche zu mir zu nehmen, da die eingenommene Menge zum Teil vom Körper gespeichert wird?

    Vielen Dank für eure Antwort und macht unbedingt weiter so.

  3. Hallo bin seit 5 Jahren Vegan habe seit dem noch nie um B12 Vitamin gesorgt. Laut Tabelle FET (welche Lebensmittel erhalten B12)stehen auch Rotbuschtee 0.46, Kakaobohne 1,2 und Starkbier 0,4 Einheiten B12. Reichen 1 Liter Tee oder 1 Liter Starkbier für meine B12 Versorgung?

  4. Hallo ich hätte ein Frage bezüglich der Menge von Vitamin B12 dass bei veganer Ernährungen eingenommen werden sollte. Sie schreiben in ihren Artikel dass eine Menge von rund 4-5 Mikrogramm eingenommen werden sollte. Nun enthalten aber Tabletten wie Vitaminexpress https://www.servusapotheke.at/vitamin-express-vitamin-b12-1000-mcg-lutschtabletten.html
    deutlich mehr. Ist dieser Überschuss schädlich für den menschlichen Körper? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gesund ist so einen Überschuss an Vitaminen im Körper zu haben

  5. Sorry, aber alle grossen Ernährungsorganisationen (USA, Kanada, Australien) sagen eindeutig etwas anderes:

    Die Academy of Nutrition and Dietetics (AND, vormals American Dietetic Association), ein Zusammenschluss von mehr als 70.000 Ernährungsberaterinnen und -beratern, Forscherinnen und Forschern sowie medizinischen Fachleuten, hält die vegan-vegetarische Ernährung – neben anderen Ernährungsorganisationen – für gesund und für alle Alters- und Lebensphasen geeignet:
    »Es ist die Position der Academy of Nutrition and Dietetics, dass gut geplante vegetarische Ernährungsformen, inklusive streng vegetarischer oder veganer Ernährungsformen, gesund und nährstofftechnisch angemessen sind sowie Gesundheitsvorteile bezüglich der Prävention und Behandlung von gewissen Gesundheitszuständen haben können. Gut gestaltete vegetarische Ernährungsformen sind für Personen während aller Lebensabschnitte, inklusive Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit und Jugend sowie für SportlerInnen geeignet.« (Auszug) Mehr dazu lesen Sie in unserer Zusammenfassung mit Kommentaren.

    Dieser Position schließen sich die australische und die kanadische Ernährungsorganisation an, u. a. in ihren Leitlinien für eine gesunde vegane Kost mit nützlichen Tipps. Auch die staatliche britische Gesundheitsversorgung, der National Health Service, informiert ohne Vorbehalte darüber und gibt Ratschläge.

    Quelle: Albert Schweizer Stiftung
    https://albert-schweitzer-stiftung.de/themen/vegan-gesund?fbclid=IwAR3lNU5oFOmPEoBMgk3yTJBG5YLpJkZliABw1bhmqrUOH7wZNlM_6zHrJsc

    Es ist vollkommen egal ob wir jeden Tag eine Kapsel B12 selber zu uns nehmen oder ob wir sie dem Tier geben und dann das Tier essen.

  6. Liebes @quarks team. Ich habe gehört das es in Indien kleine Völkergruppen geben soll die sich beinah vegan über Jahrhunderte ernähren. Wie lösen die das Vitb12 Problem? Und stimmt die These das früher in unseren Böden VitB12 oder entsprechende Bakterien waren und heutzutage die Böden ausgelaugt sind und deswegen nur noch über tierische Lebensmittel eine verlässliche Aufnahme möglich ist?
    Vielen Dank! Ich hoffe ihr kennt Antworten❤️

    1. Hui, sehr schwierig zu sagen. Wir können dir zumindest ein paar Theorien an die Hand geben, die von verschiedenen Ernährungswissenschaftlern aufgestellt worden sind. Die würden wir aber mit Vorsicht genießen, denn es sind eben erstmal nur Theorien.
      Zunächst mal kann es sein, dass die Vitamin B12 Unterversorgung dort schlicht nicht auffällt. Denn wie im Text beschrieben kann der Körper seine Vitamin B12 Speicher recht lange bewahren und der Mangel fällt oft erst nach Jahren auf. Außerdem könnte es sein, dass es dort tatsächlich etwas dreckiger ist und sich zum Beispiel im Wasser Bakterien befinden, die Cobalamine erzeugen. Es ist auch möglich, das am Getreide durch den verringerten Einsatz von Pestiziden mehr Insekten überleben, die dann das B12 liefern. Aber wie gesagt, das sind nur (plausible) Theorien

  7. Kurz gesagt würden die Scheine im Schweinestall in Ihrer Scheiße schlafen und wäre der Stall nicht so hygienisch müsste man weniger B12 supplementieren.

    1. Da Schweine jedoch sehr reinliche Tiere sind und Ihre Schlafstätte in der Natur weit weg von Ihrer “scheisse” haben wäre das noch mehr Tier-Qual als schon so…

      1. Mal davon abgesehen leben die in vielen Fällen eh quasi auf ihrer eigenen Scheiße. Nur mit etwas Glück fallen die Fäkalien durch Schlitze im Boden hinunter und werden dort gesammelt.

  8. Ich finde wichtig, dass in Milch, Eiern und Käse scheinbar vorallem Methylcobalamin, das dann mehr für Nerven und Gehirn, und in Fleisch mehr Adenosylcobalamin, das dann mehr für Energieumsatz, vorhanden ist. Erklärt den unterschiedlichen Appetit, den man machmal hat.
    B12 ist viel in Schwein- und Rinderleber, viele essen kaum Leberwurst oder Leberspätzle, sonst würde das B12 aus gesunden Tieren locker für uns reichen, schätze ich.
    Viele Grüße

    1. In der Leberwurst heutzutage ist ja aber auch kaum Leber drin.
      Man kann auch einfach auf Fleisch verzichten, sich mehr Gedanken darum machen, was man isst und sich das B12 Präparat holen, was ja sonst die Tierchen kriegen.
      Ressourcen sparen, gesunde Ernährung, und die, die gegen industrielle Tierhaltung sind, sind dann auch zufrieden.
      Cool, oder?

      1. Wenn ich das mit dem Zusatz für Tiere richtig gelesen habe gilt dies nur Schweine und da ich Schweine nicht so gerne mag habe ich auch kein B12 Problem und komme ohne Zusatz aus….

  9. Ich hab jetzt viel gelesen dass Fische viel Vitamin B12 haben. Wie kommt das? Essen die viel Kot oder gibt es doch Algen mit Vitamin B12?

    1. Sehr gute Frage. Wir werden dem mal nachgehen. Was wir auf jeden Fall schon sagen können: Ja, es gibt Algen, die Vitamin B12 enthalten. Und zwar sogar recht viel. Das Problem ist aber, dass die Bioverfügbarkeit nicht gut ist, das heißt, der Körper kann es nicht richtig aufnehmen. B12 gibt es in verschiedenen Varianten – und nicht jede ist gleich gut für den menschlichen Organismus.

      1. Ich habe auf einer Seite des Dr. Schweikart Verlags gelesen, dass das B12 aus Algen das gute B12 im Menschen bindet, so in der Art jedenfalls, also schadet?

      2. Es scheint aber auch bioverfügbares B12 in der Chlorella-Alge zu geben. Ein bekannter deutscher Hersteller schreibt auf seiner Website Dass er mit der Methode der LC-MS/MS ausschließlich Bioverfügbares B12 in seinem Produkt nachweisen kann. Was ist dran?

    2. Ja, Fische essen Kot, mein ich und fällt mir gerade ein, und zwar so:
      Unser Goldfisch schnappt nach allem was im Wasser treibt, auch seine ‘Kotstücke’, die haut er aber sofort wieder raus, war wohl nichts, aber um die B12 Bakterien abzubekommen und sie mit dem nächsten Futter zu verschlucken könnts doch reichen. So die Goldfischtheorie, Grüße

Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen

Mehr Wissen:

Als nächstes lesen: Milch: Macht sie uns krank? »
berger: