Kurkuma – Allheilmittel oder Hype?

Sieht aus wie Ingwer, nur in orange: Kurkuma. | Bild: FOODISM360 on

Hype oder Heilmittel

Kurkuma:
Was kann das Gewürz?

Als Gewürz, als Pille oder in Kurkuma Latte und Golden Milk: Kurkuma soll gegen viele Krankheiten helfen. Ja, Studien zeigen Effekte – aber das ist nur die halbe Wahrheit.

17. Dezember 2019

Darum geht’s:

Kurkuma wird als goldenes Heilmittel propagiert – angeblich sogar gegen Krebs

Kurkuma, manchmal auch Gelbwurz genannt, ist ein Gewürz, das leicht bitter schmeckt, schön gelb färbt und praktisch in jedem Curry zu finden ist. Es wird aber nicht nur wegen seines Geschmacks gepriesen – in allen möglichen Formen wird es angeboten, um die Gesundheit zu verbessern: Kurkuma soll Entzündungen, Alzheimer und Krebs lindern, beim Abnehmen helfen und gut für die Blutgefäße sein. Schon lange wird es in der traditionellen chinesischen und indischen Medizin angewendet, in den sozialen Medien erlebt es gerade einen Hype – und wird als Wundermittel gefeiert.

Ist Kurkuma das gleiche wie Curcumin?

Kurkuma gehört zur gleichen Familie wie Ingwer und sieht auch so ähnlich aus. Wie beim Ingwer ist das Interessante die Wurzel: Aus ihr wird das Kurkuma-Pulver gemacht – ihr Inneres ist orangefarben. Diese Farbe entsteht durch den Farbstoff Curcumin, der neben vielen anderen Stoffen in der Wurzel der Kurkumapflanze enthalten ist. Wenn von dem Wundermittel Kurkuma die Rede ist, ist eigentlich der Farbstoff Curcumin gemeint.

Darum müssen wir darüber sprechen:

Der Farbstoff Curcumin zeigt in vielen Studien Effekte

Die Wirkung von Curcumin wurde in hunderten von Studien untersucht und in vielen gab es positive Ergebnisse. Nur: Die meisten dieser Studien untersuchten, ob und wie Curcumin in biologischen Tests, Zellkulturen oder in Tierversuchen wirkt.

So hemmt Kurkuma in Laborversuchen etwa das Wachstum von Krebszellen und führt dazu, dass diese frühzeitig absterben. Kurkuma kann Krebszellen auch empfindlicher gegenüber einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung machen. In Tierversuchen beobachten Forscher auch, dass Curcumin Entzündungen hemmt und das Immunsystem beeinflusst.

Aber:

Es gibt keine guten Studien, die zeigen, dass Curcumin beim Menschen hilft

Amerikanische Wissenschaftler haben sich eine große Menge von Curcumin-Studien genauer angesehen und festgestellt: Der Schein trügt. So gibt es kaum Studien, die die Effekte von Kurkuma auch am Menschen getestet haben – was aber in einer Petrischale einen Effekt zeigt, muss noch lange nicht beim Menschen wirken. Und: Curcumin führt oft zu falsch-positiven Testergebnissen.

Ein Grund: Curcumin bindet sich wahllos an andere Moleküle

Curcumin reagiert sehr unspezifisch mit sehr vielen biologischen Molekülen: In Tests, mit denen Wissenschaftler nach Wirkstoffen für Medikamente suchen, führt Curcumin deshalb oft zu positiven Ergebnissen – schließen die Wissenschaftler aber weitere Untersuchungen an, sind die Ergebnisse nicht mehr so gut. Denn für ein Medikament ist es wichtig, dass ein Wirkstoff spezifisch bindet, also an ganz bestimmte Moleküle. Nicht einfach an alle, die gerade an ihm vorbeischwimmen.

Nur wenige Studien an Menschen sind aussagekräftig

Von den ohnehin wenigen Studien, in denen Curcumin am Menschen erprobt wurde, haben viele deutliche Schwächen: Es gibt etwa keine Patienten-Kontrollgruppe, die anstelle von Curcumin ein Placebo (Scheinmedikament) erhält. Oder die Zahl der Studienteilnehmer ist so gering, dass nicht unterschieden werden kann, ob das Ergebnis relevant oder nur durch Zufall entstanden ist.

Übrig bleiben wenige belastbare Studien zur Wirkung von Curcumin am Menschen – und die zeigen: keine positive Wirkung. So sprachen Patienten mit Prostatakrebs, die Curcumin einnahmen, nicht besser auf die Bestrahlung an als Patienten, die kein Curcumin nahmen. Bei Patientinnen mit Brustkrebs linderte Curcumin nicht wie erhofft bestimmte Nebenwirkungen durch die Bestrahlung. Heißt: Es gibt aktuell keinen Beleg, dass Kurkuma gesundheitliche Vorteile für uns hat.

Ein möglicher Faktor: Es kommt nur wenig in unseren Zellen an

Von dem, was ein Mensch an Curcumin zu sich nimmt, gelangt nur sehr wenig dorthin, wo es wirken könnte: in die Zellen. Denn Curcumin löst sich schlecht in Wasser und zerfällt schnell. Außerdem wird es zum großen Teil über Darm und Leber wieder ausgeschieden. Damit genügend ankommt, müssten Patienten also große Mengen davon essen – aber das endet oft mit Übelkeit und Durchfall.

Helfen Öl oder Pfeffer?

Auf manchen Internetseiten wird empfohlen, Curcuma zusammen mit Öl oder Pfeffer einzunehmen, damit mehr in den Zellen ankommt. Doch selbst, wenn dadurch etwas mehr Curcumin über den Darm aufgenommen wird,  bleibt das Problem, dass Curcumin schnell zerfällt und zum großen Teil auch schnell vom Körper entsorgt wird. In Versuchen mit Zellen und Tieren versucht man, Curcumin etwa mit Nanopartikeln oder anderen Molekülen zu koppeln, um es besser verfügbar zu machen – aber daran wird noch geforscht.

Warum du nicht jeder Ernährungsstudie glauben solltest, das haben wir hier erklärt.

Und jetzt?

Vorsicht! Kurkuma kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen

Wer Curcumin-Produkte regelmäßig zu sich nimmt, sollte das unbedingt seinem Arzt mitteilen: Möglicherweise beeinflusst Curcumin die Wirkung anderer Medikamente. In Einzelfällen wirkte bei Krebspatienten, die Curcumin einnahmen, ihre Chemotherapie weniger gut. Das deutsche Krebsforschungszentrum rät daher Krebspatienten, keine Kurkuma-Produkte zu essen, außer im Rahmen von klinischen Studien.

Wenig geprüft, wenig Wissen – daher Vorsicht

Kurkuma-Produkte sind Nahrungsergänzungsmittel, sie werden also bei weitem nicht so streng auf Wirkung und Nebenwirkungen kontrolliert wie Arzneimittel. Die Verbraucherzentrale warnt: Da derzeit so wenig über Wirkungen und Nebenwirkungen von Kurkuma-Produkten bekannt ist, sollten Schwangere, Stillende und Menschen mit Gallensteinen keine Nahrungsergänzungsmittel mit Kurkuma oder Curcumin zu sich nehmen. Kurkuma als Bestandteil einer Currymischung kann dagegen ohne Bedenken verzehrt werden.

Warum ihr nicht jeder “wissenschaftlichen” Studie glauben solltet, das haben wir hier erklärt.

Christina Sartori
Wissenschaftsjournalistin, freie Autorin für Hörfunk, TV und Online. Leitspruch: Was der Maus hilft, bewirkt beim Menschen nur selten etwas. Lieblingsthemen: Medizin und Gesundheit.

4 Kommentare;

  1. Einen lustigen Effekt, bei Einnahme von ca. 2 -3g Kurkumawurzel roh morgens, ist mir zufällig aufgefallen, Ablagerungen u. Verfärbungen, die Zähneputzen nicht schafft, scheint Kurkuma definitiv effizient zu bekämpfen. Die Zahnbürste verfärbt sich allerdings gelb & am Abend ist die farbliche Sauberkeit der Zähne bereits vorm Zähneputzen verblüffend. Zahnersatzreinigung ist in einem Abwasch ebenfalls richtig gut miterledigt. Also gut für Dentalhygiene ist es definitiv, aber wieso entzieht sich meiner Kenntnis.

  2. Also , ich habe gesehen , wie sich mein Vater , der den Kopf nicht mehr heben konnte und nur noch gekrümmt bewegen konnte , sich nach einer Minidosis Kurkuma wieder aufrichten und gerade gehen konnte. Auch den Kopf könnte er wieder oben halten- mehr Studie brauche ich nicht….

    1. Leider lässt sich aus solchen Einzelfällen keine generelle Aussage treffen. Denn ohne kontrollierte Umgebung könnte der Effekt auch aus ganz anderen Sachen gekommen sein. Deswegen braucht es eben Studien. Dass es deinem Vater besser geht ist aber natürlich toll. 🙂

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Christina Sartori: Wissenschaftsjournalistin, freie Autorin für Hörfunk, TV und Online. Leitspruch: Was der Maus hilft, bewirkt beim Menschen nur selten etwas. Lieblingsthemen: Medizin und Gesundheit.