Lassen sich Falten einfach wegmassieren?

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Insta-Trend

Lassen sich Falten einfach wegmassieren?

Auf Instagram werben Influencer:innen damit, dass bestimmte Massagetechniken gegen Falten helfen. Auch Tapes kommen im Gesicht zum Einsatz. Bringt das wirklich was?

18. August 2021 | Aktualisiert: 26. August 2021

Darum geht’s:

Massieren, Tapen, wegrollern: Hilft das gegen Falten?

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Falten einfach wegmassieren. Das versprechen Influencer:innen auf Instagram. In Videos zeigen sie dort bestimmte Griffe, mit denen die lästigen Knitter ganz einfach verschwinden sollen – wenn man die Techniken regelmäßig anwendet.

Die Hände auf die Stirn legen etwa, dann mit den Fingern fest und langsam nach rechts und links ziehen. Oder die Zeigefinger auf die sogenannte Zornesfalte zwischen den Augenbrauen legen. Dann kräftig von dort aus nach außen oder oben massieren. Mitunter kommt auch ein Gesichtsroller aus Edelstein oder mit kleinen Nadeln zum Einsatz.

Beliebt auch: Das Gesicht – etwa über Nacht – tapen. Auch das soll gegen Falten helfen, genauso wie Gesichtsgymnastik. Doch lassen sich Falten wirklich so einfach glätten?

Aber:

Falten lassen sich nicht wegmassieren – leider

„Das ist ein falsches Versprechen“, sagt die Berliner Hautärztin und Buchautorin Yael Adler. Und auch Christiane Bayerl, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie an den Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, betont: „Altersfalten massiert man nicht weg.“

Wie unsere Haut altert

Unsere Haut besteht aus drei Schichten: der Epidermis (Oberhaut), der Dermis (Lederhaut) und der Subcutis (Unterhautfettgewebe).

Ob eine Haut faltenfrei und frisch aussieht, hängt vor allem von dem Zustand der Dermis ab. Falten entstehen maßgeblich aus drei Gründen:

  1. Das elastische Bindegewebe in der Lederhaut geht mit dem Alter verloren. Dieses besteht aus Elastin, einem fasernbildenden Protein. Wird es weniger, ist die Haut nicht mehr so glatt und dehnbar. Sie verliert ihre Rücksprungkraft.
  2. Außerdem reduziert sich das kollagene Stützgewebe. Kollagen ist ebenfalls ein Protein, das Fasern bildet, die sich dreidimensional vernetzen. Dieses Eiweißgerüst befindet sich ebenfalls in der Dermis. Je mehr kollagene Fasern, desto zugfester und stabiler ist die Haut. Bänder und Sehnen macht Kollagen ebenfalls reißfest. In der Altershaut wird mehr Kollagen abgebaut als aufgebaut.
  3. Auch Hyaluronsäure, die viel Wasser bindet, geht im Laufe des Lebens verloren. Die Haut wird trockener, saftloser und ist weniger prall.

„Diese drei Faktoren erklären in erster Linie, warum Haut schlapp wird“, sagt Adler. „Dagegen hilft eine Massage nicht.“ Durch den Druck bildet sich weder mehr Elastin oder mehr Kollagen noch wird Hyaluronsäure aufgefüllt.

Unsere Haut beginnt auch schon ab dem 30. Lebensjahr genetisch bedingt zu altern. Das liegt daran, dass sich die Zellen langsamer teilen, die Reparaturmöglichkeiten nehmen ab.

Zuerst zeigen sich dabei die mimischen Falten deutlicher. Weitere Altersanzeichen sind: Das Unterhautfettgewebe wird dünner, der Wasser- und Fettgehalt geringer. Die Hautdrüsen sind weniger aktiv, die Haut verliert ihre Geschmeidigkeit.

Dass die Haut trocken wird, passiert oft in den Wechseljahren. Denn mit dem Alter sinkt der Hormonspiegel, diese Hormone wiederum regulieren auch die Tätigkeit der Schweiß- und Talgdrüsen. Auch die Durchblutung der Haut lässt nach. Im Gesicht und an den Händen produzieren die Melanozyten mehr des Hautpigments Melanin – der Grund für die Altersflecken.

Das passiert mit der Haut, wenn sie älter wird.

Was passiert bei einer Massage?

Ob mit den Händen oder mit einem Edelsteinroller: Bei einer Massage und Lymphdrainage wird im Prinzip Wasser hin und her gewalkt. Die Lymphgefäße werden ausmassiert, man sieht weniger angeschwollen aus. Vielleicht rötet sich die Haut auch, die Durchblutung steigt, der Stoffwechsel wird ein wenig mehr angeregt. „Das mag entspannen, guttun und auch wie ein Placebo wirken“, sagt Adler. „Ein dauerhafter Anti-Aging-Effekt ist das allerdings nicht.“

Von einer Massage mit einer Trockenbürste, wie sie ebenfalls in manchen Videos empfohlen wird, rät die Hautärztin ab. Das strapaziert die oberste Hautschicht, die Epidermis. Wer zu viel rubbelt und schrubbt, zerstört die Hornschicht, entfernt Oberhautfette und damit eine wichtige Schutzbarriere. „Auch der Säureschutzmantel der Haut kann sich verändern“, sagt Adler.

Wenig sinnvoll ihr zufolge auch: das sogenannte Mikroneedling mit Rollern, auf denen sich kleine Nadeln befinden. Die kleinen Blutungen lösen einen Wundheilungsprozess aus und sollen so etwa – auch über vermehrte Bildung von Kollagen – wieder für ein jüngeres Aussehen sorgen. „Der Effekt auf Falten oder Narben bei diesen Rollern ist allerdings minimal“, sagt Adler. „Er passiert hauptsächlich über ein Ödem, also Wundwasser. Das mag sich anfühlen wie straffe Haut, es ist aber nicht nachhaltig.“ Zusätzlich besteht das Risiko, dass Bakterien in die Haut gelangen und diese sich entzündet oder allergisch gegen eingebrachte Kosmetik reagiert. Rosacea- oder Neurodermitis-Patienten etwa sollten ganz die Finger davon lassen – das Mikroneedling kann die bereits vorhandene Entzündung verstärken.

Helfen Tapes gegen Krähenfüße und Zornesfalte?

Durch den Druck entstehen an der Stelle über Nacht eventuell weniger Ödeme, es sammelt sich also weniger Wasser im Gewebe. Man sieht morgens etwas weniger verquollen aus. Auch gegen eine Schlaffalte können die Tapes vielleicht helfen. „Die verschwindet aber ohnehin von selbst nach dem Aufstehen“, sagt Bayerl. Die Haut mag kurzfristig auch gestrafft erscheinen. Oder frischer, da das Wasser der Hornschicht unter den Tapes nicht abdampfen kann. So durchfeuchtet sich die Epidermis, die Haut wird weich. Das kennt jeder, der einmal ein Heftpflaster auf der Haut hatte.

Aber einen Effekt auf die Dermis hat auch das nicht. Sobald man mit dem Tapen aufhört, ist alles wieder wie zuvor. Einer Studie zufolge reduzierten sich die Falten nach der Anwendung für maximal eine Stunde etwas, der Effekt hielt aber nicht an.

Hilft es gegen die Zornesfalte, wenn der Muskel darunter entspannt?

Kurzfristig kann auch das vielleicht einen oberflächlichen Effekt haben – wenn die Falte allein auf muskulärer Anspannung beruht. Allerdings: Eine 20-Jährige kann noch so oft zornig schauen und den Muskel anspannen: Die Haut findet dadurch, dass sie elastisch ist, wieder zurück in ihre ursprüngliche Form. Bei älterer Haut bleiben Falten hingegen bestehen.

Und Gesichtsgymnastik?

Kann man machen. Das ist gut für die Durchblutung und hilft auch, zu entspannen. „Eine lebendige Mimik macht jung, wer strahlt und lacht, tut auch seiner Psyche etwas Gutes“, sagt Adler. Eine kräftige Muskulatur kann auch dabei helfen, die schlaffer werdende Haut aufzuspannen. Aber: Mehr Kollagen und Elastin bekommt man damit auch nicht wieder in die Haut. Nicht zuletzt: Man altert ja nicht nur mit der Haut: Auch das Fettgewebe wird weniger, Muskulatur und Knochen verändern sich. „Dagegen hilft Gymnastik oder ein Edelstein-Gesichtsroller halt echt nicht“, sagt Adler.

Und jetzt?

Was unsere Haut jung hält und was gegen Falten hilft

Wie schnell unsere Haut altert, ist von unseren Genen abhängig. „Wer blond ist, hat weniger Pigment und damit auch weniger körpereigenen Schutz gegen die Sonne. Unter Umständen lässt dies die Haut schneller altern“, sagt Adler. Eine sehr große Rolle spielt aber auch der Lebensstil.

Wichtig: Vor allem guter Sonnenschutz

Wer seiner Haut etwas Gutes tun will, sollte präventiv vor allem drei Dinge meiden:

  • große Mengen UV-Strahlung (auch künstliche in Solarien),
  • Nikotin
  • und Umweltschadstoffe.

UV-Strahlung ist energiereich. UVA-Strahlung dringt tief in die Dermis ein. Dort führen die Strahlen dazu, dass freie Sauerstoffradikale gebildet werden. Zellen des Unterhautgewebes, sogenannte Fibroblasten, werden geschädigt. Deren Hauptaufgabe ist es, Kollagen zu bilden. Stört UV-Licht sie, entsteht wenig oder defektes Kollagen, die Haut wird faltig. Zudem sorgt UV-Strahlung dafür, dass mehr Kollagen abgebaut wird. Auch beim Rauchen bilden sich – ähnlich wie beim Sonnenbad – freie Radikale in der Haut.

„Seit einigen Jahren wissen wir, dass Schadstoffe in der Luft unsere Haut ebenfalls angreifen“, sagt Bayerl. Stickoxide (wie sie etwa in Dieselruß stecken) und Feinstaub setzen unserer äußeren Hülle zu. Durch den oxidativen Stress wird mehr Melanin gebildet, die Haut wird fleckig und unregelmäßig pigmentiert. Auch das lässt uns vorzeitig alt aussehen. Genauso wie zu hohe Ozonwerte, die langfristig offenbar ebenfalls zu einer verstärkten Faltenbildung beitragen können.

Die Haut richtig pflegen

Gegen den Dreck der Stadt hilft: abends einmal mit einem milden Waschgel (PH-Wert 5) sanft die Haut reinigen. Aber nicht zu sehr dabei schrubben – denn so dringen die Partikel nur tiefer in die Haut.

Bei der Hautpflege sei ohnehin „weniger mehr“, sagt Hautärztin Adler. Wer zu viel macht, schadet seiner Haut oft mehr, als dass er ihr hilft. Heißt: Die Haut überwiegend nur mit Wasser waschen. Seifen, Peelings, Schäume und Mizellenwasser – all das kann man sich schenken. Creme sollte nur auf Stellen aufgetragen werden, die trocken sind und spannen. Dann möglichst eine Creme mit wenigen Inhaltsstoffen nehmen, also auch ohne Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe und ohne Emulgatoren. Diese schwächen die Hautbarriere. „Am besten geeignet sind sogenannte Dermastruktur-Cremes, die mit hautähnlichen Lipiden ausgestattet sind“, sagt Adler.

Viel trinken, ausreichend Schlaf, Sport und eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und wenig Alkohol tragen ebenfalls dazu bei, dass die Haut frisch aussieht.

Was gegen Falten hilft – zumindest etwas

Durch manche Maßnahmen lassen sich Falten leicht minimieren. Ganz weg gehen sie aber nicht.

Anti-Aging-Kosmetika versprechen oft viel, Belege für die Wirkung sind allerdings meist mau. Bei Cremes sind die Radikalenfänger Vitamin C und Retinoide (Derivate von Vitamin A oder chemisch damit verwandt) am besten untersucht. Beide können gegen freie Radikale wirken – und somit die Haut auch vor Faltenbildung schützen.

Vitamin-A-Derivate regen auch die Produktion von Kollagen an und hemmen den Abbau. Allerdings verdünnen sie auch die Hornschicht und damit die Schutzbarriere der Haut. Die Wirkstoffe können die Haut auch stark irritieren. Vitamin-A-Säure (Tretinoin) ist zudem verschreibungspflichtig (teratogen, kann bei Ungeborenen Schäden hervorrufen), in kosmetischen Präparaten kommen als abgeschwächte Formen Retinol, Retinaldehyd und Retinyl-Proprionat zum Einsatz.

Vitamin C ist ebenfalls sehr gut untersucht und kann gegen Fältchen helfen. Allerdings ist es sehr licht- und luftempfindlich, der Wirkstoff zerfällt leicht. Es kommt daher auch auf die Zubereitung und richtige Lagerung der Cremes an, damit Vitamin C seine Wirkung entfalten kann. Vitamin C sollte zudem hochprozentig dosiert sein, das kann die Haut aber auch irritieren. „Zu den restlichen Radikalenfängern ist die Studienlage bislang nicht besonders gut“, sagt Bayerl (eine Übersicht über Wirkstoffe gegen Hautalterung und die Datenlage findet sich hier).

Um die Haut feucht zu halten, eignen sich je nach Hauttyp etwa Hyaluronsäure, Milchsäure, Urea oder Glycerin – doch auch das sind nur oberflächliche, aufplusternde Effekte.

Tiefer dringt man mit einem Laser. „Hitze kann das Eiweiß Kollagen denaturieren, also die Struktur verändern. Das ist ähnlich wie bei einem Ei, das man kocht“, sagt Adler. Mögliche Nebenwirkungen: Narben und Pigmentveränderungen. Mit diesen und anderen invasiven Methoden wie dem Spritzen von Hyaluronsäure, Botox oder dem operativen Hochschnallen von Haut entstehe ein sichtbarer Anti-Aging-Effekt, so Adler. Aber selbst der werde niemals einen 60 Jahre alten Menschen wie einen 20 Jahre alten erscheinen lassen.

Dauerhaft sind die Effekte auch nicht. Wenn Falten mit Kollagen oder Hyaluronsäure unterspritzt werden, glättet sich zwar das Hautbild, nach etwa drei bis zwölf Monaten werden die Stoffe aber wieder abgebaut. Und als Nebenwirkungen können allergische Reaktionen auftreten.

„Eine gealterte Haut grundlegend wieder zu reparieren, ist schlicht unmöglich“, so Hautärztin Adler. Sie plädiert daher dafür, durch einen gesunden Lebensstil so gut wie möglich vorzubeugen und Falten mit Gelassenheit und Würde als normales Zeichen des Alterns zu nehmen. „Wer sagt denn, dass man immer dagegen ankämpfen muss?“

Lea Wolz
Seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg, dort für den Studiengang M.A. Digitale Kommunikation mit verantwortlich. Davor: Onlineredakteurin beim »Stern«, Volontariat bei der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Als freie Journalistin schreibt sie bevorzugt über Wissenschafts- und Gesundheitsthemen.

1 Kommentar

  1. Danke für die fundierte Aufklärung. Das Milliardengeschäft der Kosmetik- und Beauty-Industrie/-Medizin und das falsche Spiel mit der Hoffnung auf einfache und bequeme Lösungen.

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Lea Wolz: Seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg, dort für den Studiengang M.A. Digitale Kommunikation mit verantwortlich. Davor: Onlineredakteurin beim »Stern«, Volontariat bei der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Als freie Journalistin schreibt sie bevorzugt über Wissenschafts- und Gesundheitsthemen.