Corona: Sind wir nach einer Infektion immun?

Ob du nach einer Corona-Infektion immun gegen den Virus bist, ist noch nicht abschließend geklärt. Bild: Pixabay

Antikörper und T-Zellen

Corona: Sind wir nach einer Infektion immun?

Immer wieder lesen wir, dass Menschen sich mehrmals mit dem Coronavirus angesteckt haben. Aber ist das möglich?

22. September 2020 | 24 Kommentare

Schon relativ früh während der Pandemie berichteten erste Medien darüber, dass sich Personen in Japan oder Südkorea bereits ein zweites Mal mit dem Coronavirus infiziert hätten – jetzt soll eine erste Reinfektion nachgewiesen sein. Das ist Ausgangspunkt für viele fundamentale Fragen, etwa:

• Ist man nach einer Infektion doch nicht immun?
• Macht ein Immunitätspass Sinn?
• Kann eine Impfung wirklich schützen?

Wir versuchen diese so gut es geht zu beantworten – doch auf einige davon gibt es noch keine endgültige Antwort. Das liegt auch daran, dass viele Arbeiten derzeit noch als Preprint vorliegen und damit weder final noch peer-reviewed sind. Was ihr jetzt lest, ist der aktuelle Wissensstand.

Haben sich Menschen bereits mehrfach infiziert?

Lange Zeit wurden Meldungen über eine erneute Infektion von Expertinnen und Experten auf falsche Tests oder das Wiederaufflammen einer bestehenden Erkrankung zurückgeführt. Doch inzwischen (Mitte September) sind fünf Fälle bekannt, bei denen es definitiv zu einer Zweitinfektion gekommen ist.

In diesen Fällen untersuchten Forscher das komplette Virus-Genom – mit Probenmaterial vom ersten und vom zweiten Test. Dabei fanden sie kleine Unterschiede, die belegen: Hier handelt es sich um verschiedene Virenstämme – und damit tatsächlich um eine erneute Infektionen.

Wie oft Zweitinfektionen auftreten, lässt sich im Moment schlecht abschätzen. Da bisher nur wenige Fälle bekannt wurden, könnte es sich um seltene Ereignisse handeln. Es ist aber auch denkbar, dass man bisher einiges übersehen hat. Bei einem Patienten aus Hongkong fiel die zweite Infektion nur deshalb auf, weil er als Reiserückkehrer am Flughafen routinemäßig getestet wurde. Beschwerden hatte der Mann nicht.

Viele Fragen sind jetzt noch offen

Müssen wir unsere Aussagen zur Immunität relativieren? Wird eine Impfung dauerhaft schützen? Wird man bei einer zweiten Infektion wieder schwer krank – oder wehrt der schon vorbereitete Körper den Erreger gut ab? All das wird man erst klären können, wenn weitere Daten vorliegen.

Beim Thema Impfen bleiben viele derweil optimistisch. „Die Fähigkeit zur erneuten Infektion bedeutet nicht, dass ein Impfstoff gegen SARS-CoV-2 nicht wirksam sein kann“, sagt Richard Malley vom Boston Children’s Hospital in Massachusetts. Mit Auffrischungsimpfungen könne man für eine solide Immunantwort sorgen. Ansonsten raten Experten und Expertinnen, die AHA-Regeln einzuhalten – auch dann, wenn man schon Covid-19 hatte.

Bleibt man immun – und wenn ja, wie lange?

Beim ersten SARS-Virus galt: Wer sich infiziert hat, der ist eine Zeit lang vor einer neuen Infektion geschützt. Bei schweren SARS-Erkrankungen konnten Forscher die Immunität sogar noch nach zwölf Jahren nachweisen, bei Grippe- und Erkältungsviren etwa hält der Schutz nicht so lange an.

Eine Immunität beim derzeitigen Coronavirus SARS-CoV-2 wäre wünschenswert, denn Genesene …

• … müssten sich erst mal keine Sorgen mehr machen,
• … würden die Krankheit nicht weiter verbreiten,
• … könnten Antikörper aus dem Blut für die Therapie von Infizierten spenden.

Wochen, Monate oder Jahre immun?

Zu Beginn der Pandemie rätselten Wissenschaftler, ob überhaupt eine Immunität besteht – und ob sie Wochen, Monate oder gar Jahre andauert. Nur: Gerade, um Letzteres nachzuweisen, braucht es Zeit. Ein weiteres Problem: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person derzeit mehrfach mit dem Erreger in Kontakt kommt, ist wegen der geringen Infektionszahlen ebenfalls gering.

Bisher vertraut man für die Einschätzung auf Versuche an Affen. So hat man Tiere etwa gezielt ein zweites Mal infiziert. Das Resultat: Sie haben keine Lungenerkrankung mehr ausgebildet. Im Moment zeigt sich aber: Ja, viele Patientinnen und Patienten scheinen eine Immunantwort auszubilden, insbesondere diejenigen, die einen schweren Verlauf hatten. Gleichzeitig wird deutlich: Das Immunsystem reagiert nicht bei jedem gleich.

Antikörper schon nach kurzer Zeit verschwunden

So zeigen Studien, dass die Konzentration der Antikörper gegen SARS-CoV-2 mit der Zeit abnahm. Das ist ein üblicher Vorgang, allerdings haben die Forscher bei einigen Patienten mit milden Verläufen schon nach drei bis sieben Wochen keinerlei Antikörper mehr im Blut gefunden. Zur Überraschung der Forscher nahm die Konzentration auch bei symptomatischen Patienten schon früh nach der Entlassung wieder ab.

Daraus lassen sich drei Schlüsse ziehen:

• Bei milden Verläufen reagiert das Immunsystem anders.
• Es könnte sein, dass das Immunsystem den Körper nur teil- oder zeitweise schützt.
• Die typischen Antikörper scheinen nicht die alleinige Rolle bei der Immunantwort zu spielen.

Denn offenbar hat das Immunsystem auch bei asymptomatischen Probanden und Probandinnen reagiert und eine schwere Lungenentzündung verhindert. Forscher gehen davon aus, dass andere Immunzellen (B- und T-Zellen) ebenfalls bei einer Coronainfektion eingreifen und gewisse Immunität bieten könnten. Neue Forschungsergebnisse deuten auch daraufhin, dass dieser Schutz über längere Zeit bestehen könnte. Wie lange genau, das können Forscher derzeit nicht beantworten.

Aber zu den T-Zellen später mehr. Erst einmal bedeuten fehlende Antikörper ein massives, praktisches Problem – für die vielen geplanten Antikörpertests.

Machen Antikörpertests und Immunitätspässe Sinn?

Es wird viel Hoffnung in Antikörpertests und dazugehörige Studien gesetzt. Die Forderungen sind groß: massenhafte Tests, am besten im großen Stil, warum nicht in ganz Deutschland für die gesamte Bevölkerung — doch das wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein Fehlschuss. Und zwar aus folgenden Gründen:

Je ungenauer die Tests sind, desto stärker können umfangreiche Tests die Realität verfälschen. Die amerikanische Zulassungsbehörde hat mittlerweile mehrere Tests validiert, mit Trefferquoten von bis zu 100 Prozent. Liegen sie nur etwas darunter, bei 97 Prozent etwa, hat solch ein Test eine viel geringere Aussagekraft.

Die etwas geringere Trefferquote fällt statistisch stark ins Gewicht: Sind beispielsweise fünf Prozent der Bevölkerung infiziert, liefert der Test ein zutreffendes, positives Ergebnis (bei dem der positiv getestete Patient also auch wirklich infiziert ist) lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 42 Prozent — also weniger als durch Zufall.

Für viele Menschen liefern die Tests keine verlässliche Aussage

Hinzu kommt das Problem der fehlenden Antikörper bei Infizierten, die keine Symptome zeigen. Möglicherweise haben diese Personen eine Infektion durchgemacht, der Test würde das aber nicht (oder nicht mehr) nachweisen können. Je nach Studie sprechen die Forscher von rund 40 Prozent der Probanden, bei denen keine Antikörper mehr nachweisbar waren.

Damit hätte sich auch die Frage erledigt, ob Immunitätspässe ein sinnvolles Instrument sein können – Ausweise, die bescheinigen, dass man eine Coronainfektion durchgemacht hat und dadurch immun ist. Schon früh hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen eine solche Maßnahme ausgesprochen, ebenso viele Experten.  Der Deutsche Ethikrat lehnte den Ausweis ebenfalls ab, nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ihn im Mai beauftragte, die Maßnahme zu prüfen. Zu wenig ist darüber bekannt, wann und wie lange Menschen immun sind. Würde der Schutz nur einige Wochen bestehen, wäre der Pass hinfällig.

Viele Fragezeichen. Nehmen wir also noch einmal genauer unter die Lupe, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert.

Wie reagiert das Immunsystem auf das Coronavirus?

Ein kurzer Crashkurs: Auch, wenn immer nur von Antikörpern gesprochen wird, machen diese bloß einen Teil der Immunantwort aus. In Wirklichkeit passiert im Körper noch weitaus mehr, wenn ein Virus eindringt:

Grundsätzlich gibt es die weißen Blutkörperchen, darunter die sogenannten B-Zellen und T-Zellen. Die B-Zellen produzieren später die Antikörper, die Viren wie das Coronavirus gezielt erkennen und bekämpfen. Das wichtigste davon ist das Immunglobulin G (IgG), es ist im Blut der häufigste Antikörper und richtet sich sehr speziell gegen einzelne Erreger.

Viele Tests weisen auch die Variante IgM nach, das weniger spezifisch und quasi ein Vorläufer ist. Ein IgM-Antikörper kann zu IgG wechseln – und das scheint auch bei Covid-19 der Fall zu sein. Eine erhöhte IgM-Konzentration könnte etwa eine recht frühe Phase der Infektion andeuten.

Erst T-Zellen, dann Antikörper?

Statt aber viele passende Antikörper zu finden, haben Forschende bei asymptomatischen Probanden vor allem eine Immunreaktion über die T-Zellen nachgewiesen:

  • Sogenannte T-Helferzellen unterstützen bei der Immunabwehr, produzieren Zytokine (Proteine, die gerade vor allem im Zusammenhang mit einer Überreaktion des Immunsystems bei schweren Coronaverläufen auftauchen) und können die Antikörperproduktion ankurbeln.
  • Andere T-Zellen erkennen und zerstören infizierte Zellen auch selbst.

In Wirklichkeit ist es natürlich noch komplexer, alles hängt mit allem zusammen — das macht es für Forscher so schwer, die Frage nach der Immunität zu beantworten.

In den bisherigen, teils unveröffentlichten Studien interpretieren die Forscher ihre Ergebnisse so: Antikörper werden nach einer schweren und langwierigen Infektion gebildet. In den ersten Tagen direkt nach der Infektion aber, also an der ersten Kampf-Front gegen das Virus, könnten die T-Zellen eine weitaus wichtigere Rolle bei der Virusabwehr spielen.

Frühere Infektionen mit saisonalen Coronaviren könnten vor COVID-19 schützen

Interessant ist: Nicht nur die Immunzellen von Menschen, die nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert waren, reagieren auf das Virus. Konfrontiert man ältere Blutproben aus einer Zeit vor der Pandemie mit dem Virus, lösen auch hier die B- und T-Zellen eine Immunreaktion gegen das Coronavirus aus – Immunzellen also, die SARS-CoV-2 noch nicht kennen konnten.

Einige Arbeiten sprechen auch von einer „memory response“: Das Immungedächtnis wird aktiv. So etwas deutet auf eine Kreuzreaktivität hin. Das bedeutet, dass T-Zellen, die bei einer früheren Infektion mit üblichen saisonalen Coronaviren gebildet wurden, auch teilweise vor dem neuen SARS-CoV-2 schützen könnten. Womöglich bleibt dieser Schutz über längere Zeiträume stabil.

Interessant ist auch, dass die T-Zellen ihre Abwehr nicht nur gegen das prominente Spike-Oberflächenprotein des Coronavirus richten, mit dem es in die menschlichen Zellen eindringt – das Protein, das dem Virus sein stacheliges Aussehen verleiht. Stattdessen ist die Immunantwort vermutlich breiter und reagiert auch auf andere, innere Virusbestandteile.

Wie hängt der Krankheitsverlauf damit zusammen?

Grundsätzlich scheint es so zu sein, dass die Immunantwort bei schwerwiegenden Krankheitsverläufen deutlich intensiver ausfällt. Die Patienten bilden viel mehr Antikörper, zeigen aber gleichzeitig eine geringere oder gestörte T-Zell-Antwort. Konkret: Sie bilden weniger T-Killerzellen.

Warum dieser Teil des Immunsystems bei den Patienten gestört oder außer Balance ist, dazu gibt es bislang keine eindeutigen Aussagen. Forscher vermuten unter anderem, dass eine hohe Viruslast das Immunsystem schlichtweg überfordert und eine Überreaktion stattfindet. Schließlich produzieren T-Zellen auch sogenannte Zytokine, mit denen Zellprozesse reguliert werden.

Bei jedem fünften Patienten mit schwerem Verlauf scheint es gar keine Immunreaktion über T- oder B-Zellen zu geben. Die genaue Ursache dafür ist bislang unklar.

Das Immunsystem reagiert über

Gerade der “Zytokinsturm”, bei dem massenhaft Zytokine die Lunge überschwemmen, gilt aber als Symptom eines besonders schweren Verlaufs, bei dem das Lungengewebe geschädigt wird und akutes Lungenversagen als Folge auftreten kann.

Einige Forscher haben beobachtet, dass bei Patienten mit einem kritischen Verlauf die Konzentration an T-Zellen geringer war – die T-Zellen möglicherweise durch eine lange Infektionsdauer quasi erschöpft waren. Genauso könnte das Coronavirus über Umwege die T-Zellen selbst beschädigen oder zerstören.

Was bedeutet das für eine Impfung?

Solange nicht eindeutig belegt ist, welche Rolle T-Zellen und bestimmte Antikörper wie das Immunglobulin G bei einer möglichen Immunität genau spielen, steht auch die Schutzwirkung einer Impfung infrage.

Viele Impfstoffkandidaten richten sich ausschließlich auf das Spike-Protein. Sollte es aber nicht ausreichen, Immunzellen gegen dieses bestimmte Virusprotein zu produzieren, wäre der Schutz durch eine Impfung geringer – oder sie würde nur teilweise schützen. Dass nicht nur bei Patienten mit sehr milden Verläufen, sondern auch bei Menschen mit Symptomen die Antikörper recht früh abnehmen, könnte auch bedeuten, dass eine solche Impfung keinen langfristigen Schutz bietet.

Erste Impfstudien zeigen: Das Immunsystem reagiert

Erste Studienergebnisse zu einer Vektorimpfung von der Universität Oxford deuten jedoch daraufhin, dass über das Spike-Protein sowohl Antikörper- als auch T-Zell-Antworten ausgelöst werden können. Derzeit lässt sich allerdings noch nicht abschätzen, ob die Impfung auch tatsächlich vor einer Coronainfektion schützt. Dafür müsste man erst vergleichen, wie die Menschen auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 reagieren.

Kein vollständiger Schutz, aber nur milde Symptome

Das geht auch aus ersten Tests mit einem Impfstoffkandidaten an Affen hervor. Dort waren die Affen bei einer zweiten Infektion nicht vollständig geschützt: Sie entwickelten zwar beim Kontakt mit dem Virus keine Lungenkrankheiten, zeigten aber sowohl milde Symptome als auch sich vermehrende Viren in den oberen Atemwegen. Demnach könnten auch Geimpfte das Virus womöglich weiterverbreiten.

Vorstellbar wäre demnach das, was auch von asymptomatischen Probanden bekannt ist: Die Impfung würde dann nicht grundsätzlich vor einer Infektion schützen – aber die Symptome mildern oder vor einem schweren Krankheitsverlauf bewahren. Das würde vielen Risikopatienten die Intensivstation und künstliche Beatmung ersparen.

Experten weisen daher darauf hin, dass eine Impfung das Immunsystem besser gegen mehrere Bestandteile des Virus schützen sollte — so wie die T-Zellen derzeit bereits mehrere Virusstellen gleichzeitig bekämpfen.

Und jetzt?

Für definitive Aussagen ist es noch immer viel zu früh. Derzeit gibt es wenige geprüfte und publizierte Veröffentlichungen. Einige Daten widersprechen sich, was sich meist auf unterschiedliche Testmethoden oder zu wenige Probanden zurückführen lässt. Alle Überlegungen sind daher vorläufig und mit gewisser Vorsicht zu genießen.

Bisher wissen die Forscher nicht, welche exakte Rolle die Bestandteile des Immunsystems bei einer Covid-19-Erkrankung einnehmen. Zuerst gilt es herauszufinden, ob Antikörper, B- oder T-Zellen letztlich mit einer kurz- oder langfristigen Immunität einhergehen – und von welchen Faktoren sie abhängen. Wie lange genau Immunität nach einer Infektion besteht, kann man derzeit nicht klar beantworten.

Antikörper scheinen nur einen Teil der Immunantwort auszumachen

Und das eher bei schwereren Krankheitsverläufen. Für viele Experten steht damit fest: Antikörpertests sind derzeit kein Wundermittel, um die Dunkelziffer und Durchseuchungsrate zu klären, ebenso sind sie noch zu fehleranfällig, um durchgestandene Infektionen oder Immunität bei Personen nachzuweisen.

Bessere Testmöglichkeiten sind nötig und in Arbeit

Technisch besteht natürlich die Möglichkeit, neben den Antikörpern die T-Zellen auf ihre Abwehrfunktion gegen SARS-CoV-2 zu testen. Das ist allerdings weitaus aufwendiger und ließe sich nicht in solch großem Maßstab durchführen, wie man es gerade mit den bundesweiten Antikörperstudien plant.

Solange lediglich Antikörper untersucht werden, könnte die durch Antikörpertests ermittelte Zahl an bereits Infizierten noch immer unter den tatsächlichen Infektionsraten liegen – weil die Antikörper schon wieder verschwunden sind oder andere Immunzellen die Infektion bekämpft hatten.

Was die Daten zu Corona aussagen und was nicht, das haben wir hier erklärt.

Derzeit arbeitet die Weltgesundheitsorganisation daran, weltweit validierte und standardisierte Testmethoden zu entwickeln. Damit ließen sich Studien, Ergebnisse und Impfungen miteinander vergleichen.

Immunologische Erkenntnisse sind wichtig für einen Impfstoff

Die Erkenntnisse sind auch für die Impfstoffforschung wichtig. Ein Impfstoff, der nur die Symptome lindert, wäre ein Teilerfolg. Besser wäre es, man könnte eine Infektion von vornherein verhindern – und damit auch die Ansteckungsgefahr für andere senken.

Wann wir mit einem Impfstoff rechnen können, das haben wir hier schon erklärt.

Autor: Mathias Tertilt

Unsere Quellen

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24 Kommentare;

  1. Könntet Ihr vielleicht noch etwas zur *intrazellulären* Virenresistenz durch microRNA erzählen?
    Ich hatte bis vor ein paar Tagen noch keine Ahnung, dass es sowas überhaupt gibt. Aber gerade erst ist ein Paper erschienen, das dieser speziellen nicht-kodierenden RNA eine große Bedeutung für die Abwehr von Viren innerhalb der Infizierten Zellen zuschreibt.

    In dieser Veröffentlichung wird die These aufgestellt, dass die besonderen „aggressiven“ Eigenschaften von SARS-CoV-2 (im Vergleich zu den bekannten Erkältungs-Coronaviren) dadurch zu erklären sind, dass das Virus die miRNA der Wirtszellen binden und unwirksam machen kann. Ein spannender innovativer Denkansatz, der vielleicht der Ausgangspunkt für neue antivirale Wirkstoffe sein könnte.

    Quelle: https://journals.physiology.org/doi/abs/10.1152/ajplung.00252.2020

  2. Zu Covid-19 Mehrfachinfektionen

    klar:
    Mehrfachinfektionen sind nicht sicher auszuschließen und auch nicht einfach zu erkennen

    unklar:
    Trotz der inzwischen beträchtlichen Fallzahlen gibt es keine klaren Nachweise von Mehrfachinfektionen. Warum kann man daraus nicht wenigstens eine Risikoabschätzung gewinnen?
    Das wäre doch auch jetzt schon hilfreich. Niedriges, aber nicht vernachlässigbares Risiko gehen wir doch jeden Tag vielfach ein, da erschließt sich mir nicht, warum das Risiko der Merhfachinfaktion so hoch gewichtet wird.

    Hab ich was verpasst? Wer hilft mir weiter?
    Freundliche Grüße

    1. Hallo,
      ich selbst bin ein Fall von Doppelinfektion. Das erste mal im Mai ging ich in Quarantäne nach Kontakt mit meinem positiv getesteten Sohn, hatte leichte Symptome aber am Ende die fast pathognomomische Anosmie, die einige Zeit anhielt. Damals liess ich mich nicht testen.
      Jetzt sitze ich nach mittelschwerer Lungenerkrankung (starke Atemnot für 2 ½ Tage) mit multiplen Microembolien in der Lunge (Nachweis durch Kontrastmittel CT. ME sind angeblich Resultat der erwähnten Zytokine und deren Interaktion mit dem Gerinnungssystem) und positivem Covid 19 Test (den ich anfangs glatt bezweifelte wegen bereits durchgemachter Erkrankung und von mir angenommener Immunität) daheim in meiner 2. Quarantäne. Die Therapie besteht in einem Antikoagulans, das ich für 6 Monate nehmen muss.

      Aus meiner persönlichen Erfahrung muss ich also sagen :
      a) es gibt keine automatische, lang anhaltende Immunität nach Erkrankung
      b) covid 19 ist gefährlicher als ich bis dato dachte
      c) eine praktikablr Impfung wird es vermutlich nicht geben

      Zur Rolle des Immunsytems möchte ich erwähnen: meine Zweitinfektion fand statt zu einem Zeitpunkt, an dem vermutlich mein Immunsystem durch zwei aufeinanderfolgende Antibiotikatherapien (Wegen einer hartnäckigen Infektion meines Fusses nach äusserlich geringfügigem Badeunfall im Mittelmeer) geschwächt war und mein Darm noch nicht wieder voll restituiert war, der ja – zumindest in der Vorstellung vieler ganzheitlich denkender Mediziner – ein Zentrum der körperlichen Immunität darstellt.

  3. Derzeit werden in einer Klinik Antikörper-Tests mit folgendem Hinweis angeboten:
    Zitat:
    „- Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, dass die Anwesenheit von Antikörpern
    gegen SARS-CoV-2 einen Schutz gegenüber einer künftigen Infektion mit diesem Virus
    verleiht. Auch ist unklar, wie lange eine solche Immunität bestehen würde.“
    Frage ich mich nur, ob überhaupt wissenschaftliche Ergebnisse zu der Frage vorliegen – oder das Gegenteil bereits bewiesen ist.
    Wissen Sie inzwischen mehr hierzu?

    1. Viele Berufsgruppen tragen FFP 1/2 oder 3 Masken über mehrere Stunden täglich. Ich denke hier sind Nebenwirkungen, wenn bei Masken auch die Hygiene beachtet wird bedeutungslos. Sonst wäre Motoradfahren mit Sturmhaube oder Schal vor dem Gesicht ebenfalls gefährdet, genau so wie bei andere Sportarten wo Masken verwendet werden oder wenn im Winter draußen der Schal freiwillig vors Gesicht gezogen wird.

  4. Die Beantwortung nach der Immunität wäre demnach nicht allein über die Messung der Antikörper sondern über de Immungedächtnis zu beantworten, d.h. ob es in der Lage ist zu einem späteren Zeitpunkt erneut Antikörper herzustellen, das in ausreichendes Menge und schnell genug.
    Die zweite Frage wäre, wie flexibel reagiert das Immunsystem auf eine Modifikation des Virus und wie schnell kann es sich darauf einstellen.

  5. “ Bei schweren SARS-Erkrankungen konnten Forscher die Immunität sogar noch nach zwölf Jahren nachweisen, bei Grippe- und Erkältungsviren etwa hält der Schutz nicht so lange an.“
    Das ist falsch. Bezüglich der >echten< Grippeviren gibt es Nachweise von Antikörpern bei Menschen, die die Spanische Grippe selbst erlebt hatten. "Grippe-Antikörper halten ein Leben lang" – Internisten im Netz, 2008. Ebenso kann man zu Masern, Röteln etc. nachlesen, dass eine erfolgreiche Impfung lebenslangen Schutz bietet.

    1. Nach einer Grippe ist man gegen das jeweilige Influenzavirus immun, das stimmt. Allerdings variieren die Typen der Viren bei dieser Krankheit. Deshalb gibt es auch in jedem Jahr neue Impfungen gegen die Grippe.

  6. Eine baldige Exit-Strategie ist sehr wichtig. Die Verbote und Einschränkungen sind keine Lösung, sie sind Teil des Problems!
    Das Virus ist global unterwegs und verschwindet nicht. Auch durch Impfung nicht.Es kommt wieder.Man muss mit dem Virus leben, so normal wie möglich. Aufgrund der einseitigen negativen Berichtserstattung über die Gefahren des Coronavirus wurden sehr viele Menschen in Angst und Panik versetzt. Da die offiziellen Zahlen der Infizierten die sehr höhen Dunkelziffer der Infektionsrate nicht hergeben, ist der Eindruck entstanden, dass das Virus gefährlicher ist als ein Grippevirus. Die Studien u.a. in Heinsberg und Ischgl widersprechen diese Annahme. Statt harte Maßnahmen müss man mit intelligenten Lösungen die alten oder kranken Menscnhen zu schützen. Die *Psychische Gesundheit* ist das Fundament der Körperlichen Gesundheit und eines starken Immunsystems. Die Angst, das ständige Gefühl der Bedrohung durch das Virus, die fehlende bzw. eingeschränkte Lebensfreude , Stress durch die Einschränkungen und Verbote im alltäglichen Leben schaden um so mehr der Gesundheit….

    1. Sie behaupten, das Virus verschwindet nicht, auch nicht durch Impfung. Das Virus braucht aber doch immer wieder neuer Lebensraum uns Ausbreitung, also Traegermenschen oder eventuel wenige Tiere. Impfung schhuetzt nicht nur der person fuer Krankheid aber stoppt auch die Vermehrungsboden fuer Virus , oder ?

  7. Ich verbitte mir geduzt zu werden.
    Das ist nicht cool sondern unangebracht, unverschämt und übergriffig.
    Es schadet auch der Seriosität der Artikel, sowie generell des Auftritts von Quarks und Co.

    1. Sorry, aber das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Wir duzen generell auf unserer Seite und auf unseren Social-Media-Kanälen unsere User. Und das seit Jahren. Dafür haben wir uns bewusst entschieden, weil das gang und gäbe ist. Wir fänden das steife „Sie“ eher unangebracht im Netz.

  8. Wie reagiert das Immunsystem bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen? Kann man da nicht auch von einer Schwäche ausgehen, die das Virus nutzt?

    1. Wir empfehlen dir, bei konkreten medizinischen Fragen immer einen (Fach-)Arzt zu fragen. Ansonsten können wir hier nur auf die Infos des RKI und der Fachgesellschaften verweisen; gut zusammengefasst auch von den Kolleg*innen der Tagesschau:
      „Auch Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie entzündlichem Rheuma oder Multipler Sklerose gehören nach RKI-Angaben durch das Vorliegen einer Grunderkrankungen grundsätzlich zur Risikogruppe, da sie anfälliger für Infektionen sind.
      Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) sind MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten beziehungsweise mit Interferon beta oder Glatirameracetat behandelt werden, grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen.
      Bestehe allerdings eine Behinderung – ist also ein Patient bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen – sei das Risiko generell für Atemwegsinfektionen durch eine eingeschränkte Belüftung der Lunge erhöht. „Das bedeutet zwar nicht, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher“, schreibt die DMSG.
      Konkrete Zahlen zur Gefährdung dieser Patientengruppen liegen derzeit nicht vor. In keinem Fall sollten Patienten aber Medikamente ohne Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen.“
      (Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-risikogruppen-101.html)

    2. Bei Autoimmunerkrankunken is das Immunsystem nicht schwach, aber slecht gebremst. In China ist artesiminin als experimentelles Medicament zugelassen . (malariamedicament aus artemisia annua.)

  9. Es ist in einigen Studien zu lesen, dass Rote Bete Saft aufgrund des hohen Nitrat Gehalts das Immun System auch gegen
    Covid 19 stärken könnte.
    Ist da etwas dran?

    1. Das wäre uns neu und klingt erstmal nicht besonders seriös. Es wird in diesen Tagen viel erzählt und versprochen, oft auch, um etwas zu verkaufen. Kannst du uns diese Studien nennen oder verlinken, von denen du schreibst?
      Bekannt ist, dass Mediziner mit Rote Beete forschen, da der hohe Nitratgehalt sich positiv auf Gefäße und Blutdruck auswirken soll: https://www.aerzteblatt.de/archiv/197976/Nitratsupplementierung-Die-ganz-andere-Kardioprotektion
      Dass dies gleichzeitig einen Schutz vor Covid-19 bietet, ist unseres Wissens nach bisher nirgendwo nachgewiesen worden.

      1. Folgendes : NO (nitrid oxide) soll das Immun – System stärken und auch die Vermehrung von Covid 19 hemmen können.

        Im Internet ist das unter Rote-Bete-Info zu lesen…
        Um nicht falsch verstanden zu werden – Rote Bete ist kein „Medikament“, aber vielleicht kann der Wirkstoff
        NO helfen, den Krankheitsverlauf abzumildern…

        1. Das haben wir auch so verstanden – dort sind ja auch einige interessante Studien verlinkt. Allerdings sind das erste Hinweise, aber noch kein Nachweis für eine solche Wirksamkeit beim Menschen. Also ist „vielleicht“ das richtige Wort 🙂

  10. Unser beste Abwehr ist unser Immunsystem. Das Virus ist da und man muss damit leben, so normal wie möglich!
    Im Winter 2017/2018 starben laut RKI 25000 Menschen und im Winter 2012/2013 20000 Menschen trotz Impfung (Quelle RKI) an der Grippe. Ich denke, dass man mit dem Virus so normal wie möglich leben muss. Deshalb redet man manchmal von einer Grippe-Welle. Jedes Jahr sterben tausende Menschen an der Grippe, mal mehr mal weniger (Quelle RKI, PDF Tabelle, Auflistung der jährlichen Sterblichkeit an der Grippe).

  11. Wenigstens wird mal das Immunsystem stark ins Spiel gebracht. Warum nicht die generelle Stärkung des selben? Ein starkes Immunsystem ist allemal wichtiger als alle Impfungen, Tests und Hygieneregeln zusammen. Aber nicht so lukrativ…! Das aber ist eine kaputte Weltwirtschaft…! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

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