Corona: Wie gefährlich sind die neuen Varianten?

Mittlerweile ist klar: Die neuen Virusvarianten sind ansteckender.

Neue Virusvarianten

Corona: Wie gefährlich sind die Varianten?

Delta dominiert. Wir erklären, ob die Impfung trotzdem hilft – und was das alles für die Pandemie bedeutet.

12. Mai 2021 | Aktualisiert: 10. August 2021 | 46 Kommentare

Was ist bei den mutierten Varianten anders?

Zuerst einmal: Viren mutieren immer – und da ist SARS-CoV-2 keine Ausnahme. Das passiert, wenn das Erbgut von insgesamt rund 30.000 Einzelbausteinen, den Nukleotiden, vervielfältigt wird. Mutationen sind daher vor allem Kopierfehler. SARS-CoV-2 mutiert nach derzeitigen Schätzungen deutlich langsamer als etwa ein HI-Virus und auch seltener als bestimmte saisonale Grippeviren wie Influenza B.

Der Fund einer Mutation ist also nicht überraschend. Allein bis September 2020 waren bereits mehr als 12.000 einzelne Mutationen des Coronavirus bekannt, sogenannte Punktmutationen. Folgende Virusvarianten sind derzeit besonders verbreitet und gelten als besorgniserregend:

Das passiert bei einer Mutation

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten einer Mutation:
  1. Deletion: Ein Nukleotid wird entfernt oder geht verloren.
  2. Insertion: Ein Nukleotid wird fälschlicherweise eingesetzt.
  3. Substitution: Ein Nukleotid wird durch eine andere ausgetauscht.

Tatsächlich sind die meisten Mutationen völlig irrelevant. Eine Substitution etwa kann unbedeutend sein, denn aus drei aufeinanderfolgenden Nukleotiden wird später eine Aminosäure. Unterschiedliche Kombinationen dreier Basen können aber zu derselben Aminosäure führen. Daher hat nicht jeder versehentliche Austausch Folgen.

Anhand der Analyse aller bisher nachgewiesenen Mutationen des neuen Coronavirus zeigt sich auch: Manche Teile des Genoms mutieren weitaus häufiger als andere.

Mutationen am Spike-Protein

Nicht jede Mutation hat also einen Einfluss darauf, wie das Virus aussieht oder sich verhält. Treten Mutationen aber an wichtigen Stellen auf, können sie das Verhalten des Virus entscheidend beeinflussen. Bei der Virusvariante Alpha etwa finden sich für das Coronavirus aber ungewöhnlich viele Mutationen: 21. Vier davon haben keinerlei Auswirkung. Übrig bleiben demnach 17 weitere Mutationen, von denen neun am Spike-Oberflächenprotein verortet sind – dem stachelartigen Protein, mit dem das Virus an unseren Zellen andockt.

Eine Mutation mit der Bezeichnung N501Y befindet sich an der sogenannten Rezeptor-Bindungsdomäne. Dieser Teil des Spike-Proteins bestimmt maßgeblich, wie das Andocken an die menschlichen Zellen abläuft. Ebenso könnten Mutationen an dieser Stelle die Stabilität der Spike-Proteine beeinflussen, wenn diese in der Zelle zu vollständigen Viren zusammengebaut werden und anschließend andere Zellen infizieren. Unterschiede an dieser Stelle sind auch dafür verantwortlich, dass sich SARS-CoV-2 offenbar leichter als das alte SARS-Coronavirus verbreitet. 

Escape-Mutation bei Beta, Gamma und Delta

Bei den Varianten Beta und Gamma, die in Südafrika und Brasilien zuerst aufgetreten sind, richten die Forschenden ihr Augenmerk vor allem auf eine Mutation namens E484K. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Fluchtmutation oder Escape-Mutation. Diese scheint zu bewirken, dass das Virus einigen Antikörpern entkommt, die das Immunsystem durch die Impfung oder eine natürliche Infektion mit dem Virus gebildet hat.

Auch die Delta-Variante zeigt mehrere Mutationen, darunter zwei, die erstmals zusammen am Spike-Protein auftreten: E484Q und L452R. Auch sie scheinen die Infektiosität zu beeinflussen und einen Immunescape zu ermöglichen.

Ob die Delta-Variante bei uns zum Problem werden kann, erklären wir hier.

Wie lange unser Immunschutz hält und ob man sich ein zweites Mal mit dem Coronavirus anstecken kann, erklären wir hier.

Wird das Virus gefährlicher?

Grundsätzlich ist es einem Virus egal, ob die infizierte Person stirbt oder überlebt. Wichtig für das Fortbestehen ist lediglich, dass es in dieser Zeit möglichst viele Menschen infiziert. Und da sind die hohe Viruslast und die vielen Übertragungen vor Ausbruch der ersten Symptome bei den Corona-Varianten (zumindest aus Virus-Perspektive) äußerst clever und effizient.

Und so zeigt sich auch: Die neuen Virusvarianten sind vor allem deutlich ansteckender. Schon die Alpha-Variante hat sich 43 bis 90 Prozent stärker verbreitet hat als das ursprüngliche Virus. Und die Delta-Variante breitet sich noch einmal schneller aus – vermutlich 2,5-fach schneller als der Wildtyp.

Ein Infizierter mit der Delta-Variante steckt also im Schnitt deutlich mehr Menschen an – ohne Impfung und ohne Maßnahmen sechs bis sieben Menschen (Basisreproduktionszahl R0). Beim Ursprungsvirus waren es noch 2,5.

Bei wenig Immunen haben es die anderen Varianten schwer

Solange diese verbreitungsfreudigen Varianten dominieren und die Quote der Immunen noch nicht allzu hoch ist, haben es die Beta-Variante (aus Südafrika) und die Gamma-Variante (aus Brasilien) schwerer – sie zeichnen sich vor allem durch einen Immunescape aus.

Wirkt die Impfung trotzdem?

Die wichtigste Nachricht für Risikogruppen zuerst: Nach der letzten Impfdosis scheinen alle derzeitigen Impfstoffe sehr zuverlässig vor tödlichen Verläufen zu schützen – auch bei neuen Varianten. Das bedeutet: Wenn man Geimpfte und Ungeimpfte miteinander vergleicht, sind Geimpfte deutlich seltener schwer erkrankt oder an Covid verstorben.

Die Impfung zielt zwar auf das Spike-Protein, also genau das Virusmerkmal, an dem einige der Mutationen aufgetreten sind. Allerdings erkennen die durch die Impfung gebildeten Antikörper das gesamte Spike-Protein – einzelne Mutationen dürften, so Experten, die Impfung daher nicht wirkungslos machen.

Mehr zur Wirksamkeit der Impfstoffe und wichtigen Fragen zur Impfung findet ihr hier.

Trotzdem muss unterschieden werden – zwischen Varianten und Impfstoffen. Wie gut die Impfstoffe auch gegen die Delta-Variante wirken, seht ihr hier:

Heißt also: Geimpfte könnten sich zwar etwas häufiger trotzdem infizieren. Dann zeigen sie bislang allerdings milde Symptome, während es ohne Impfung bei einigen zu einem schweren Verlauf gekommen wäre. Daten aus England zeigen aber auch: Erst nach der zweiten Impfdosis ist der Schutz so hoch, davor nicht einmal halb so gut. Bis zur zweiten Impfung also sollte man das Ansteckungsrisiko möglichst gering halten.

Teilweise Schutz vor Varianten, die das Immunsystem umgehen

In Südafrika sank die Wirksamkeit der Impfstoffe deutlicher ab. Der mRNA-Impfstoff von Biontech zeigt dort eine Wirksamkeit von 72 Prozent – im Vergleich zu 95 Prozent beim Wildtyp. Die dort getesteten Vektor- und Proteinimpfstoffe zeigten nur noch eine Wirksamkeit von 10 bis 57 Prozent.

Ganz wichtig: Auch hier geben diese Werte nur an, wie gut die Impfstoffe es schaffen, symptomatische Erkrankungen generell zu verhindern – der Schutz gegen schwere Verläufe scheint weiterhin zu bestehen. Die bisherigen Studiendaten zeigen, dass keiner der Geimpften ins Krankenhaus eingewiesen wurde oder gestorben ist.

Für die Gamma-Variante haben Forscher errechnet: Jeder Vierte bis jeder Zweite wäre nach einer vorherigen Infektion mit dem Coronavirus gegen die Variante nicht immun. Die Auswirkungen auf die Impfungen sind bislang nicht bekannt – auch, weil in Brasilien nur wenig geimpft wird.

Wie wird getestet, ob der Immunschutz noch wirkt?

Wie gut die Antikörper nach einer Infektion oder einer Impfung gegen die neuen Varianten schützen, überprüft man vorerst im Labor. Dazu verwendet man Blut, das Serum, von geimpften Menschen – oder von Menschen, die eine natürliche Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben.

Die Immunantwort testet man mit so genannten Pseudoviren. Man nimmt dafür andere Viren, beispielsweise HIV oder Lentoviren, und nutzt deren Virushülle, die man mit Spike-Proteinen des Coronavirus ausstattet.

Um die Effekte der einzelnen Mutationen zu testen, stellt man die Pseudoviren mit Spike-Proteinen her, die dieselben Mutationen zeigen wie die neuen Varianten – und testet so nur eine einzige Mutation oder aber mehrere gleichzeitig. Denn klar ist: Einzelne Mutationen können andere Effekte haben als die Kombination der Mutationen.

Was begünstigt Mutationen?

Grundsätzlich werden Mutationen wahrscheinlicher, je häufiger das virale Erbgut kopiert wird, also je mehr menschliche Zellen infiziert werden. Das heißt: Je mehr Menschen sich angesteckt haben, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit von Mutationen.

Relevante Mutationen könnten womöglich dann gehäuft entstehen und sich einen Vorteil verschaffen, sobald sich die Bedingungen ändern. Bei weniger Infizierten und geringerer Infektionswahrscheinlichkeit ( weil zum Beispiel mehr Menschen schon infiziert waren oder geimpft sind), steigt zumindest der evolutive Druck auf das Virus, sich leichter oder besser verbreiten zu müssen.

Mehr Geimpfte, mehr Mutationen?

Grundsätzlich aber gilt, dass eine komplette Impfstoff-Resistenz  ziemlich selten ist. Denn das Immunsystem geht auf mehrere Arten gegen eindringende Viren vor. Bisher wurde lediglich untersucht, wie die sogenannten neutralisierenden Antikörper nach einer Impfung auf die neuen Varianten reagieren, nicht aber die ebenso wichtige T-Zell-Antwort des Immunsystems. Auch sie soll durch verschiedene Impfstoffe stimuliert werden.  

Für die Impfstoffe bedeutet das: Je breiter die Immunantwort ausfällt, desto umfangreicher und langanhaltender ist vermutlich auch ihre Schutzwirkung. 

Mehr Mutationen bei Immunschwachen?

Eine andere Hypothese lautet, dass sich das Virus besonders bei immunschwachen Personen sogenannte Escape-Mutationen aneignet. Das sind Mutationen, mit denen es dem Immunsystem entkommt. Die Personen haben lange mit einer Infektion zu kämpfen, die Viruslast steigt und das Immunsystem ist zu schwach, um das Virus wirksam zu bekämpfen. Escape-Mutationen könnten auch anderen Menschen anschließend gefährlicher werden. 

Wie verbreitet sind die neuen Varianten schon in Deutschland?

Seit Anfang 2021 hat sich die Alpha-Variante in Deutschland stark ausgebreitet und nach und nach alle anderen Varianten verdrängt – jetzt wiederum hat die Delta-Variante übernommen. Die Beta- und Gamma-Varianten aus Südafrika oder Brasilien machen konstant nur einen sehr kleinen Anteil aus.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bis Anfang 2021 wurden in Deutschland nur selten Gesamtgenomsequenzierungen und Punktmutationsanalysen durchgeführt. Eine regelmäßige Beobachtung der verbreiteten Varianten gab es in Deutschland bis dahin nicht.

Erst seit März 2021 werden wöchentlich mehrere tausend Proben zufällig ausgewählt und dann mittels Genomsequenzierungen überprüft. Darüber hinaus gibt weitere Genomsequenzierungen in Verdachtsfällen.

Außerdem werden mehrere zehntausend Proben zusätzlich mit Punktmutationsanalysen auf besorgniserregende Varianten untersucht. Punktmutationsanalysen sind allerdings nicht so zuverlässig wie Genomsequenzierungen.

 

Kann man Mutationen aufhalten?

Praktisch nein. Verstärkte Tests etwa bei Flugreisenden und häufige Sequenzierungen können zwar die Ausbreitung von bestimmten Varianten dokumentieren und dämpfen. Negative Tests sind aber keine Garantie dafür, dass keine Infektion vorliegt. Das Restrisiko wird etwa bei Flugreisen aufgrund von Personenzahl, Dauer und sonstigen Bedingungen zur weltweiten Verbreitung von neuen Varianten führen. Gerade bei höherer Infektiösität finden zu viele unkontrollierte Kontakte statt.

Schon jetzt findet sich nur für einen Bruchteil der Infektionen die Ursache oder der Ansteckungsort. Dementsprechend wird es nicht möglich sein, die neuen Virusvarianten aus Deutschland herauszuhalten.

Mathias Tertilt
Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Digital und Film. Geht Ursachen, Zusammenhängen und Lösungen nach, insbesondere wenn es um Biotechnologie, Umwelt oder Infektionskrankheiten geht.

Unsere Quellen

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46 Kommentare;

  1. Sie haben die Frage nach der Gefährlichkeit der DELTA Variante nicht beantwortet.
    Die schnelle Verbreitung lässt sich in Folge ihres Textes nicht aufhalten. Damit ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit kein Kriterium für die Gefährlichkeit.
    Aber wir gefährlich sind die Symtome im Verhältnis zur ALPHA Vatiante tatsächlich?
    Daraus kann sich möglicherweise eine neue logische Kette bei der Bewertung ergeben.
    Schade. Sie können es sicher besser, Oder dürfen Sie nicht besser schreiben?

  2. 06.08.2021 – Sieben Tote in belgischem Pflegeheim nach Ausbruch der „Kolumbien-Linie“ der Kappa-Variante

    „In einem Zaventemer Wohn- und Pflegezentrum gab es gestern einen folgenschweren Corona-Ausbruch. Sieben Bewohner sind gestorben. Und das trotz der Tatsache, dass alle geimpft waren. Laut Erkenntnissen der Virologen der Katholischen Universität Löwen hatten sie sich mit der kolumbianischen Variante des Coronavirus angesteckt.“

    Quellen:
    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/513702/Trotz-vollstaendiger-Impfung-Sieben-Tote-in-Pflegeheim-nach-Ausbruch-der-Kolumbien-Linie-der-Kappa-Variante
    https://brf.be/meinung/presseschau/1513642/

    1. 01.09.2021 – Die „kolumbianische“ Variante B.1.621 wurde von der WHO zur „Variante von Interesse“ (VOI) erklärt und hat den griechischen Buchstaben Mμ als Kennung erhalten.
      „Die Mu-Variante verfügt über eine Konstellation aus Mutationen, die das Risiko einer immun-evasiven Eigenschaft erkennen lassen“, erklärte die WHO.

      Quelle: https://www.rnd.de/gesundheit/corona-who-stuft-mu-als-variante-von-interesse-ein-XU376YCC5NGSFFPASGWQY2P74I.html

  3. 23.07.2021 – Gamma-Variante ist in Luxemburg dominant

    „Die Gamma-Variante (Brasilien) herrscht in Luxemburg vor. Diese war in 60 Prozent der vom Nationalen Gesundheitslabor (LNS) analysierten Proben vorhanden, wie aus den am Freitagmorgen veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Die Delta-Variante (Indien), die sich weltweit explosionsartig ausbreitet, machte in der vergangenen Woche 34,8 Prozent der Neuinfektionen in Luxemburg aus, wobei das LNS 682 Proben (67,3 Prozent aller neuen Fälle) analysierte. Die Alpha-Variante (England) wurde in 4,1 Prozent der Fälle nachgewiesen.“

    Quelle: http://www.lessentiel.lu/de/corona/story/gamma-variante-ist-in-luxemburg-dominant-16416502

  4. Impfdurchbrüche durch Gamma-Variante

    „Im Landkreis Cloppenburg werden die Quarantänebestimmungen verschärft. […] Damit reagiert die Kreisverwaltung auf die Nachweise der Gamma-Variante im Essener Schlachthof und die steigende Gefahr durch Infektionen mit der Delta-Variante durch Reiserückkehrer. […] Auf Anfrage von OM online wurde inzwischen bestätigt, dass alle 6 infizierten Schlachthof-Mitarbeiter, bei denen die Gamma-Variante nachgewiesen wurde, bereits geimpft waren.
    Quelle: https://www.om-online.de/om/corona-mutationen-kreis-cloppenburg-verscharft-die-quarantanebestimmungen-77038

    „Update vom 8. Juli 2021, 16.59 Uhr: In einem Schlachthof in Niedersachsen droht ein größerer Corona-Ausbruch. Beim Betreiber Danish Crown in Essen sind bislang 45 Mitarbeiter infiziert, weitere Testergebnisse stehen laut dem NDR aus. In acht Fällen wurde die Gamma-Variante des Coronavirus identifiziert, eine Mutante, die in Deutschland noch nicht auf dem Vormarsch ist und erstmals Ende 2020 in Brasilien nachgewiesen wurde.“
    Quelle: https://www.tz.de/welt/corona-deutschland-delta-variante-impfung-anreiz-90848784.html

  5. Impfdurchbrüche bei vollständig Geimpften – ein epidemiologisches Problem?

    Bisher ging man davon aus, dass doppelt geimpfte Personen zu über 90% vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind und auch als Verbreiter des Coronavirus keine große Rolle spielen. In Deutschland werden vollständig geimpfte Personen grundsätzlich als virenfrei betrachtet. Aber stimmt das auch?

    Amerikanische Wissenschaftler/innen haben die These zwischen Februar und Mai 2021 auf einem Universitätscampus bei 49700 Studenten und Angestellten überprüft. Die Ergebnisse wurden jetzt als Preprint veröffentlicht [1], waren also noch keinem kritischen Review von Fachkollegen unterworfen.

    Die publizierten Daten zeigen, dass 0,54% der vollständig geimpften Personen in dieser Studie (14 von 2551) coronapositiv waren und teilweise hohe Virenfrachten aufwiesen. Bei vielen dieser Menschen wurden potentiell gefährliche Virusvarianten wie B.1.1.7 und P.1 entdeckt. Dennoch zeigte die Mehrzahl der Untersuchten keine Krankheitssymptome.

    Im direkten Vergleich zeigte sich, dass es unter den nicht geimpften Personen etwa viermal häufiger zu positiven Fällen kam (1482 von 65877 untersuchten Personen, also 2,2%).

    Obwohl der untersuchte Personenkreis überwiegend aus jungen Menschen bestand, war die Zahl der Impfdurchbrüche also deutlich höher als erwartet. Da es sich hierbei größtenteils um asymptomatische Fälle mit besorgniserregenden Virusmutanten und teilweise hoher Virenfracht handelte, muss man das epidemiologische Potential dieser Virusvarianten bei Geimpften wohl neu bewerten.

    Das gilt vermutlich in besonderem Maße für die Delta-Variante, die gegenüber Alpha (B.1.1.7) noch deutlich aggressiver ist. Sie wird 60% leichter übertragen und führt auch häufiger zu schweren Verläufen. [2]

    Quellen:
    [1] SARS-CoV-2 Breakthrough Infections in Fully Vaccinated Individuals https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.06.21.21258990v1.full.pdf
    [2] Delta coronavirus variant: scientists brace for impact https://www.nature.com/articles/d41586-021-01696-3

    1. Hier noch ein Beispiele, um das epidemische Potential von Impfdurchbrüchen zu veranschaulichen:

      „06.07.2021 – Ein Corona-Ausbruch unter Schülern nach einer Party in Tel Aviv beunruhigt die Gesundheitsbehörden in Israel. Wie der TV-Sender Channel 12 berichtet, haben sich bei der Feier mindestens 83 junge Leute das Virus eingefangen – alle beim selben Mitschüler. Beunruhigend an dem Fall ist vor allem die Infektionskette, die zu dem Ausbruch führte.

      Der „Times of Israel“ zufolge war der junge Mann, der das Virus auf der Party verteilte, geimpft. Er wiederum hatte sich bei einem ebenfalls geimpften Angehörigen infiziert, und dieser Angehörige hatte sich bei einer ebenfalls geimpften Person angesteckt, die kürzlich in London war.“

      Quelle: https://www.morgenpost.de/vermischtes/article232700219/corona-infektion-israel-geimpft-delta-impfung.html

      Ein vergleichbarer Fall hat sich bereits vor Monaten in Deutschland ereignet:

      „03.04.2021 – In einer Klinik in Halle (Saale) ist es zu einem skurrilen Corona-Fall gekommen. Eine Person wurde wohl trotz [zweifacher] Impfung, negativem Schnelltest und ohne Symptome zum Superspreader.“

      Quelle: https://www.tz.de/welt/corona-deutschland-halle-impfung-infektion-superspreader-buergermeister-wiegand-klinik-90295210.html

    2. Studie aus Israel zeigt: Schwere Erkrankungen nach Impfdurchbrüchen möglich

      Obwohl vollständig geimpfte Personen grundsätzlich und mehrheitlich sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind, kann es bei Menschen, die unter Bluthochdruck, Diabetes, chronischen Nieren- oder Lungenerkrankungen, Demenz oder Krebserkrankungen leiden, dennoch zu schweren und durchaus tödlichen Erkrankungen durch SARS-CoV-2 kommen.
      Das belegt die Auswertung von 152 dokumentierten Covidfällen von Patienten aus Israel, die trotz vollständiger Impfung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. 34 dieser Menschen starben.

      Quelle: BNT162b2 vaccine breakthrough: clinical characteristics of 152 fully-vaccinated hospitalized COVID-19 patients in Israel https://www.clinicalmicrobiologyandinfection.com/article/S1198-743X(21)00367-0/fulltext

    3. 13.07.2021 – Fast die Hälfte aller Neuinfizierten in Israel vollständig geimpft

      „Der ehemalige Generaldirektor für Gesundheit in Israel hat öffentlich versichert, dass zwischen 40 und 50 % der festgestellten Neuinfektionen bei vollständig geimpften Personen auftraten […] Experten des Ministeriums selbst […] betonen zudem, dass die meisten der Geimpften im fortgeschrittenen Alter seien und daher ein schwächeres Immunsystem hätten.“

      Quelle: https://www.euroweeklynews.com/2021/07/13/over-40-of-infections-in-israel-occur-in-people-who-are-fully-vaccinated/

  6. Britische Studie zeigt: Mutierte Viren sind auch resistenter gegenüber T-Zellen

    Der menschliche Körper bekämpft Viren nicht nur durch Antikörper (humorale Immunantwort), sondern auch mit Hilfe spezieller cytotoxischer T_Zellen im Blut (zelluläre Immunantwort).

    Bisher fehlen Untersuchungen, die sich mit der Fähigkeit von Coronaviren befassen, die zelluläre Immunantwort zu unterlaufen. Britische Forscher/innen konnten nun bestätigen, dass die ab Sommer 2020 in Europa dominante britische „Alpha“-Variante (B.1.177) tatsächlich nicht mehr von CD8 T-Zellen („Killerzellen“) erkannt wurde.

    „Unser Nachweis, dass Mutationen, die immundominanten T-Zell-Reaktionen […] entgehen können, leicht entstehen und sich leicht verbreiten, lässt es ratsam erscheinen, solche Vorkommnisse zu überwachen und in der nächsten Generation von SARS-CoV-2-Impfstoffen noch weitere virale Proteine zu berücksichtigen.“

    Quelle: Emergence of immune escape at dominant SARS-CoV-2 killer T-cell epitope https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.06.21.21259010v1.full.pdf (Preprint!)

  7. 23.06.2021 – Delta-Variante in Israel auf dem Vormarsch

    Obwohl rund 60% aller Israelis doppelt gegen das Coronavirus geimpft wurden, steigt die Zahl der positiven Fälle wieder stark an. Im ganzen Land werden Ausbrüche der Delta-Variante gemeldet; sie macht inzwischen 70% aller Fälle aus. Bei rund einem Drittel der Infizierten handelt es sich um Menschen, die eigentlich gegen das Virus immunisiert sein sollten. Die Hälfte der Neuinfektionen betrifft Kinder.

    Quelle: https://www.haaretz.com/israel-news/israel-sees-highest-covid-daily-infections-in-two-months-as-delta-variant-spreads-1.9928700

  8. 13.06.2021 – Enormer Zuwachs gefährlicher Virusvarianten in München:
    „Von den in den vergangenen zwei Wochen neu gemeldeten Corona-Fällen mit einem eindeutigen vPCR-Ergebnis ergab sich in 79,5 % der Fälle ein Verdacht auf eine besorgniserregende Virusvariante (Variant of Concern, VOC). Insgesamt wurden bislang 12.222 Fälle als Variante B.1.1.7 (Alpha), 46 Fälle als Variante B.1.351 (Beta), 19 Fälle als Variante P.1 (Gamma) sowie 3 Fälle als Variante B.1.617.1 (Kappa) und 46 Fälle als Variante B.1.617.2 (Delta) bestätigt.“ [1]

    12.06.2021 – Corona-Ausbruch in einem Hildesheimer Gymnasium: Bei mindestens 6 von 14 infizierten Schülern wurde die Delta-Variante nachgewiesen [2]

    Quellen:
    [1] https://www.muenchen.de/aktuell/2020-03/coronavirus-muenchen-infektion-aktueller-stand.html
    [2] https://www.news4teachers.de/2021/06/corona-ausbruch-an-hildesheimer-gymnasium-zum-teil-mit-der-indischen-variante/

  9. Fast 200 Menschen in Quarantäne – Corona-Ausbruch in Velbert: Indische Mutation bei allen Familien nachgewiesen

    [Stand 23.05. ist in den betroffenen Hochhäusern] „bei sieben Familien die indische Coronavirus-Variante nachgewiesen worden. Das teilte der Kreis Mettmann nach der Sequenzierung der Proben von insgesamt 26 infizierten Menschen am Samstag mit.“

    Quelle: https://www.24rhein.de/rheinland-nrw/velbert-indische-mutation-corona-ausbruch-quarantaene-90615543.html

  10. Kleine Korrektur: Im Text steht, dass die Herdenimmunität beim Wildtyp bei „6 von 10“ erreicht ist. Das stimmt nicht. Herdenimmunität wird erreicht bei 1-1/R. Für den Wildtyp sind das 70%, für die B1.1.6 Mutante 78%, für die B1.617 Mutante 85%.

    Ansonsten wie die komplette Corona-Berichterstattung hier bei quarks.de: Exzellent!

    1. Hallo Andreas,
      danke erst mal für den Kommentar und dein liebes Feedback, das motiviert uns sehr!
      Wie du schon schreibst, hängt die Herdenimmunität ja mit R zusammen. Das wird in unterschiedlichen Quellen immer wieder anders wiedergegeben.
      Die niedrigste angenommene Herdenimmunität war dementsprechend bei 60-70 % erreicht, meist bei 66 %. Im Text schreiben wir deshalb „mindestens sechs“, weil es noch nicht sieben waren.
      Wir hoffen, das ist verständlich.
      Liebe Grüße vom Quarks-Team

  11. Muss jetzt doch mal schlaumeiern; ganz oben in dem blauen Kästchen gibt es nämlich einen Schreibfehler. Es muss Nukleotid (= Baustein der Nukleinsäuren DNA und RNA, bestehend aus Zucker, Phosphatrest und Base) heißen, nicht Nukleinsäure (= Oberbegriff für DNA und RNA). Oder man sagt Base statt nur Nukleotid, da sich die Nukleotide auch nur in diesem Bestandteil (Adenin, Thymin, Cytosin und Guanin) unterscheiden.
    Außerdem redet ihr dabei genau genommen nur über Genmutationen, also Veränderungen innerhalb eines Gens, nicht über Chromosomen- oder Genommutationen; die gibt es nämlich auch noch (allerdings sind im Fall des Virus auch nur die Genmutationen wirklich relevant).
    Richtig muss es also heißen:

    Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten einer Genmutation:
    Deletion: Ein Nukleotid (oder: eine Base) wird entfernt oder geht verloren.
    Insertion: Ein Nukleotid (s.o.) wird fälschlicherweise zusätzlich eingesetzt.
    Substitution: Ein Nukleotid (s.o.) wird durch ein anders ausgetauscht.

    Ich möchte aber auch mal ein großes Lob los werden: Ich finde, ihr macht wirklich ganz tolle Artikel und Filme, gerade auch zum Thema Corona! Ich habe schon viele davon weitergeleitet an Bekannte, Kolleg*innen und auch meine Schüler*innen (sogar an die im Bio-Leistungsfach, weil sie einfach sehr gut recherchiert sind)! Man hat immer einen super Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu einer bestimmten Frage und kann auch irgendwelchen Sorgen oder seltsamen Ansichten von anderen damit gut begegnen und einfach aufklären. Danke für eure großartige Arbeit!

    1. Liebe Eva,
      vielen Dank für deine Nachricht. Sowohl für das fachliche Feedback (wir schauen uns das mal an), als auch das sehr liebe Lob – das motiviert uns ungemein!
      Liebe Grüße und alles Gute vom Quarks-Team

  12. „In Dänemark haben sich etwa 50 Menschen mit einer zunächst in Mexiko entdeckten Corona-Variante infiziert. Es sei der grösste Ausbruch dieser Variante in dem nordeuropäischen Land, teilte die nationale Behörde für Patientenschutz am Samstag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ritzau mit. Bei den Infizierten handle es sich vorwiegend um Personal und Gäste eines Restaurants in der Gegend Nordsjaelland nördlich der Hauptstadt Kopenhagen. Die Behörde stufte den Ausbruch nicht als besonders gefährlich ein.“ [1]

    Es handelt sich wohl um die Virusvariante B.1.1.222, die eine T478K-Mutation besitzt [2] und deshalb aktuellen Untersuchungen zufolge auch (schwach) immunisierte Menschen infizieren kann [3]. In Deutschland wurde diese Variante bereits vor zwei Monaten bemerkt [4].

    Quellen:
    [1] https://www.suedostschweiz.ch/politik/2021-05-08/corona-ausbruch-in-daenemark-50-faelle-von-mexikanischer-variante
    [2] https://www.news-medical.net/news/20210330/SARS-CoV-2-mutation-T478K-spreading-at-alarming-speed-in-Mexico.aspx
    [3] https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.03.28.437369v3 (Preprint!)
    [4] https://www.nach-welt.com/mexikanische-koronavariante-in-limburg-gefunden-aber-noch-viel-unbekannt-jetzt/

  13. Die starke zweite Infektionswelle im Herbst/Winter wurde in Ostdeutschland (ebenso wie in europäischen Nachbarländern) nach aktuellen Erkenntnissen vor allem durch vier neu aus dem Ausland eingeführte Varianten verursacht [1]:

    B.1.258 aus den USA importiert [2]
    B.1.177 ursprünglich aus GB, inzwischen in Europa weit verbreitet [3]
    B.1.160 aus Nordirland [4]
    B.1.22 aus den Niederlanden [5]

    Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass alle diese Virusvarianten erst im Laufe des Sommers durch Reisende eingeführt und europaweit verbreitet wurden.

    Quellen:
    [1] Phylogenetic analysis of SARS-CoV-2 lineage development across the first and second waves in Eastern Germany, 2020 https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.04.29.441906v1 (Preprint!)
    [2] https://cov-lineages.org/lineages/lineage_B.1.1.258.html
    [3] https://cov-lineages.org/lineages/lineage_B.1.177.html
    [4] https://cov-lineages.org/lineages/lineage_B.1.1.160.html

  14. Outdoor Superspreading-Event durch B.1.1.7- Mutante

    „Mindestens 40 Fälle von COVID-19 mit der Variante B.1.1.7 wurden am Osterwochenende in der Region Maple Creek in Saskatchewan auf eine „Superspreader“-Party mit über 100 Teilnehmern im Freien zurückgeführt, so die Gesundheitsbehörde der Provinz.“
    Bei den Teilnehmern handelte es sich um junge Leute („primarily in their late teens and early 20s“).

    Quelle: https://globalnews.ca/news/7765037/100-plus-person-superspreader-party-maple-creek/

  15. Bzgl. Herdenimmunität: Es geht darum, wieviel Prozent der Bevölkerung das Virus weitergeben können. Eine Impfung schützt die Person vor schwerer Erkrankung und Tod, wenn aber die Viren trotzdem weitergegeben werden können, dann hilft die Impfung nicht in Bezug auf Herdenimmunität. Dieser Zusammenhang wird oft nicht erwähnt, auch nicht in diesem ansonsten sehr guten Artikel.

    1. Guter Hinweis. Weder bei Rhinoviren (Schnupfen), Erkältungs-Coronaviren, Adenoviren noch bei Herpesviren gibt es m.W. eine natürliche Herdenimmunität. Dabei ist praktisch jeder Mensch bereits mit diesen Erregern in Berührung gekommen.

  16. Ist die britische Mutante B.1.1.7 womöglich in Haustieren entstanden und dann auf den Menschen übergesprungen?

    Diesen Verdacht verfolgt ein Team chinesischer Molekularbiologen und Genetiker [1]:
    „Wir analysierten 454.443 SARS-CoV-2-Spike-Gene / Proteine und 14.427 Gesamtgenomsequenzen. Wir konnten zeigen, dass sich die frühe Variante B.1.1.7 im Vereinigten Königreich oder in menschlichen Populationen möglicherweise nicht spontan entwickelt hat. Unsere umfangreichen Analysen deuteten darauf hin, dass Canidae, Mustelidae oder Felidae, insbesondere aber die Canidae-Familie (z. B. Hunde), mögliche Wirte des direkten Vorläufers der Variante B.1.1.7 gewesen sein könnten.“
    Es sei aber auch denkbar, dass es einen bisher unbekannten direkten Vorläufer von B.1.1.7 gab, der in keiner bisher untersuchten Probe vorhanden war.

    Für die Theorie spricht, dass immer mehr symptomatische Infektionen von Haustieren mit SARS-CoV-2 und insbesondere der Variante B.1.1.7 dokumentiert werden [2]. Leider werden solche Fälle bisher nur selten registriert und wissenschaftlich untersucht. Viren wurden aus erkrankten Tieren auch nur in den wenigsten Fällen isoliert (z.B. bei Nerzen). Deshalb gibt es bisher kaum verfügbare Genomsequenzen aus Hunden und Katzen.

    Quelle:
    [1] Potential transmission chains of variant B.1.1.7 and co-mutations of SARS-CoV-2 https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.04.16.440141v1 (Preprint!)
    [2] https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/tiere-und-corona-das-wissen-wir-und-das-nicht/#comment-12080

  17. Außerdem besagt ein höheres Auftreten eines mutierten Virus keineswegs aus, dass das Virus ansteckender ist. Das besagt nur, dass die ursprüngliche Variante verdrängt wurde. Dies wäre natürlich nur dann nicht der Fall, wenn die ursprüngliche Variante unverändert häufig auftritt.

    Und seien wir mal froh, dass bis heute erst 0,03% der Weltbevölkerung mit einem positiven PCR-Test und einem Alter zwischen 82 und 85 Jahren gestorben sind. Also ein Dreißigstel der Menschen, die letztes Jahr so oder so gestorben wären. Da ja jedes Jahr ca. 120 Millionen Menschen weltweit sterben.

    Und würde die Deutsche Regierung unseren Gesundheitsämtern gerade nicht die Vorgabe gemacht haben, alle bereits getesteten nach ca. einer Woche noch einmal zu testen und dann bis zu einem CT-Wert von 40 (ich wurde mit einem CT-Wert von 38,73 ein zweites Mal beim RKI gemeldet) diese Ergebnisse erneut ans RKI zu senden, die das aufgrund der Anonymität der Patienten nicht auseinander halten können und dementsprechend die Inzidenzwerte automatisch steigen, dann würden wir auch jetzt ab 22 Uhr keine Menschen da einsperren, wo sie sich in den meisten Fällen anstecken. Drinnen. Und so gut wie nie draußen.

    Wer denkt sich sowas eigentlich aus? Ich hatte übrigens leichtes Fieber und Appetitlosigkeit und wie 90% aller befragten auch keinen Geschmacksverlust. Das hatten nämlich laut RKI nur 10% der Befragten.

  18. Seit wann sprechen Forscher denn im Konjunktiv? Könnte ist eigentlich nicht so sehr ein Wort, dass bei richtigen Forschern nach außen kommuniziert wird. Denn damit geben sie zu, dass sie etwas nicht wissen.
    Und sinnlos Panik zu verbreiten, wie es in Deutschland ja sehr einfach ist, sollte wohl hoffentlich nicht das Ziel sein.
    Mutationen von Viren wurden in der Geschichte von Viren in den seltensten Fällen gefährlicher für den Menschen, sondern haben sich eher dem Wirt angepasst. Könnte man wissen, wenn man die Basics von Viren kennen würde.

    1. Seriöse Forscher sprechen auch noch bei 99%iger Wahrscheinlichkeit im Konjunktiv, das zeigt auch gerade ihre Seriosität. Denn 100%ige Sicherheit gibt es eben so gut wie nie.

  19. Bereits die weit verbreitete D614G-Mutation, die im Frühjahr 2020 entdeckt wurde und ein direkter Vorläufer von B.1.1.7 ist [1], besitzt eine erhöhte Infektiosität [2].
    Ein Forscherteam aus Taiwan hat nun herausgefunden, dass die mit der Mutation verbundene Veränderung dem Spike-Protein des Virus eine deutlich erhöhte Resistenz gegenüber extremen Temperaturen und pH-Werten verliehen hat. [3] (Der Preprint auf biorxiv.org wurde noch keinem peer-review unterworfen.)

    Quellen:
    [1] Inside the B.1.1.7 Coronavirus Variant https://www.nytimes.com/interactive/2021/health/coronavirus-mutations-B117-variant.html
    [2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118368/SARS-CoV-2-D614G-Mutation-hat-Infektiositaet-nicht-aber-Pathogenitaet-erhoeht
    [3] COVID-19 dominant D614G mutation in the SARS-CoV-2 spike protein desensitizes its temperature-dependent denaturation https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.03.28.437426v1

  20. [Preprint] Worauf beruht die erhöhte Ansteckungsfähigkeit der neuen Mutanten?

    Die starke Infektiosität der Mutanten (B.1.1.7, B.1.351, P.1 and CAL.20C) und auch die erhöhte Infektiosität von SARS2 gegenüber SARS1 beruht unter anderem auf der Fähigkeit, neben dem ACE-2-Rezeptor noch weitere Membranproteine aus der Gruppe der Integrine zum Einschleusen in die Zelle zu nutzen [1].

    Daraus erklärt sich auch, warum Infektionen so häufig zu Thrombosen führen:

    „Integrine sind Eiweißmoleküle, die in allen tierischen Zellen mit Ausnahme der Erythrozyten vorkommen. […] [Gut untersucht ist das] αIIbβ3 Integrin, das an der Oberfläche von Thrombozyten zu finden ist. Eine Aktivierung dieses Integrins führt zur Bindung von Proteinen im umgebenden Blutplasma (z. B. Fibronektin und Fibrinogen) und dadurch zur Bildung eines Thrombus. Während dies wichtig bei der Wundheilung ist, führt eine fälschliche, pathologische Aktivierung zu einer Thrombose. […] Viele Viren nutzen Integrine zum Anheften und/oder um in Zellen aufgenommen zu werden.“[2]

    Quellen:
    [1] Factors Associated with Emerging and Re-emerging of SARS-CoV-2 Variants https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.03.24.436850v1.full.pdf
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Integrine

  21. [Preprint] Neue Mutanten des Coronavirus infizieren auch Mäuse

    Forscher des Institut Pasteur warnen, dass die südafrikanischen und brasilianischen Mutanten von SARS-CoV-2 auch von Mäusen verbreitet werden können, ohne dass die Tiere erkennbare Symptome zeigen.

    „Diese Ergebnisse werfen wichtige Fragen zum Risiko auf, dass Mäuse oder andere Nagetiere, die in der Nähe von Menschen leben, in Regionen, in denen B.1.351, P.1 oder andere spezifische Varianten zirkulieren, zu Sekundärreservoirs für SARS-CoV-2 werden und es dann zu einer separaten Evolution und möglicherweise zum Rücksprung auf den Menschen kommen könnte. […] Wir vertreten die Auffassung, dass die Bandbreite der möglichen Wirte während der weiteren Evolution von SARS-CoV-2 genau überwacht werden sollte.“

    Quelle: The B1.351 and P.1 variants extend SARS-CoV-2 host range to mice https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.03.18.436013v1

  22. [Preprint] Infektion von Haustieren durch die britische Mutante B.1.1.7

    „In dieser Studie berichten wir über die ersten Fälle einer Infektion von Hauskatzen und -hunden durch die britische B.1.1.7-Variante von SARS-CoV-2, die in einem spezialisierten Veterinärkrankenhaus im Südosten Englands diagnostiziert wurden. Darüber hinaus stellten wir fest, dass viele Besitzer und Behandler dieser Haustiere 3-6 Wochen vor der Krankheit ihrer Haustiere Covid-19-Atmungssymptome entwickelt hatten und auch PCR-positiv auf Covid-19 getestet wurden. Interessanterweise entwickelten alle diese mit B.1.1.7 infizierten Haustiere atypische klinische Manifestationen, einschließlich schwerer Herzanomalien infolge einer Myokarditis und einer tiefgreifenden Beeinträchtigung des allgemeinen Gesundheitszustands des Patienten, jedoch ohne primäre Atemwegserkrankungen. Zusammen zeigen unsere Ergebnisse zum ersten Mal, dass Haustiere mit der B.1.1.7-Variante von SARS-CoV-2 infiziert werden können, und werfen Fragen hinsichtlich ihrer Pathogenität bei diesen Tieren auf. Angesichts der verbesserten Infektiosität und Übertragbarkeit der Variante B.1.1.7 für den Menschen unterstreichen diese Ergebnisse mehr denn je das Risiko, dass Haustiere möglicherweise eine bedeutendere Rolle bei der SARS-CoV-2-Ausbruchsdynamik spielen als bisher angenommen.“

    Quelle: Myocarditis in naturally infected pets with the British variant of COVID-19 https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.03.18.435945v1

  23. [Preprint] T-Zellen reagieren anscheinend auch auf SARS-CoV-2-Fluchtmutanten

    „Hier führten wir eine umfassende Analyse der SARS-CoV-2-spezifischen CD4 + – und CD8 + -T-Zellantworten von COVID-19-Rekonvaleszenz-Probanden durch, [die sich mit dem ursprünglichen Virusstamm infiziert hatten,] in Bezug auf die varianten Linien B.1.1.7, B.1.351, P.1 und CAL.20C sowie Empfänger der COVID-19-Impfstoffe Moderna (mRNA-1273) oder Pfizer / BioNTech (BNT162b2). […]
    Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass CD4 + – und CD8 + -T-Zellantworten bei rekonvaleszenten COVID-19-Probanden oder COVID-19-mRNA-Impfstoffen durch Mutationen in den SARS-CoV-2-Varianten nicht wesentlich beeinträchtigt werden.“

    Quelle: Negligible impact of SARS-CoV-2 variants on CD4+ and CD8+ T cell reactivity in COVID-19 exposed donors and vaccinees. https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.02.27.433180v1

    1. Das erledigen RNA-Viren (zu denen auch die Coronaviren gehören) schon ganz allein. Ihre Mutationsrate ist unglaublich hoch, sie liegt etwa eine Million mal höher als die ihrer Wirtsorganismen [1].
      Darüber hinaus kann die Mutationsrate durch mutagene Faktoren [2] weiter erhöht werden. Da Viren aber keine Lebewesen sind und keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, können sie praktisch nur innerhalb des Wirtsorganismus mutieren.
      Störungen bei der Transkription, z.B. durch ionisierende Strahlung oder durch künstlich veränderte Nukleotide (Remdesivir!) könnten prinzipiell zu einer weiteren Erhöhung der Mutationsrate führen.

      [1] https://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.3000003
      [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Mutagen

  24. Ein jegliches Virus ist kein Lebewesen, wie vergleichsweise ein Einzeller, es ist von den Zellen seines Wirtes abhängig, Ein Virus kann also bestenfalls als ein Parasit bezeichnet werden.
    Häufig gewinnt man den Eindruck, dass die gängige Vorstellung vom Corona-Virus diejenige ist, dass es sich dabei um eine böses intelligentes Wesen handelt, das nur darauf aus ist, sich auf die schlauste Weise zu vermehren und durchzusetzen. Diese Vorstellung ist eine zutiefst darwinistische. Keine Frage, das Virus existiert, aber es erhält sein Dasein nur über seinen „Lebensraum“ oder es definiert sich sogar nur über seinen Wirt und seine Krankheit. Das Virus wäre sonst nur eine sinnlose (geistlose) Zusammensetzung von Nukleinsäuren.. Das führt weiter zu der Frage, wie es dazu kommen konnte, dass sich das Virus überhaupt manifestieren konnte. Und weiterhin, welche Rolle spielt z.B. das Immunsystem des Menschen und daraus folgend, wie kann der Krankheit vorgebeugt werden. Die Impfung mag helfen, aber sie alleine kann es noch nicht sein, denn diese führt nur wieder zu der genannten darwinistischen Vorstellung, und im Praktischen zu dem Kreislauf Mutation-Imstoffanpassung… Beleuchtet werden muss auch das Umfeld, oder wie es vielleicht am Ende seines Lebens Louis Pasteur ausgedrückt hatte: „Die Mikrobe ist nichts, das Milieu ist alles“ (keine gesicherte Überlieferung), welche aber wohl die Anschauung seines Kollegen Claude Bernard gewesen war.

  25. Aktueller Stand des Wissens zur „britischen“ Mutante 501Y.VI:

    „Diese Variante ist viel ansteckender als die Originalversion (N501-RBD). Wir fanden heraus, dass diese mutierte Version von RBD etwa 10-mal enger an menschliches Angiotensin-Converting-Enzym 2 (ACE2) bindet als die native Version (N501-RBD). [Es gibt Bedenken], ob therapeutische Anti-RBD-Antikörper zur Behandlung von COVID-19-Patienten noch wirksam sind. Trotzdem bindet ein therapeutischer Antikörper, Bamlanivimab, immer noch so effizient an die Y501-RBD wie an die N501-RBD. “

    „This variant is much more contagious than the original version (N501-RBD). We found that this mutated version of RBD binds to human Angiotensin Converting Enzyme 2 (ACE2) a ~10 times more tightly than the native version (N501-RBD). [There are concerns] whether therapeutic anti-RBD antibodies used to treat COVID-19 patients are still efficacious. Nevertheless, a therapeutic antibody, Bamlanivimab, still binds to the Y501-RBD as efficiently as its binds to N501-RBD.“

    Quelle: The basis of a more contagious 501Y.V1 variant of SARS-COV-2 [Preprint] https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.02.02.428884v1

  26. Wieso nehmen Sie in Ihrer Rechnung im letzten Absatz an, dass das neue Virus rund 50 Prozent infektiöser sei als die bisherigen SARS-CoV-2–Varianten? Es ist doch im Moment eher von „etwa 30%“ auszugehen. Das schreiben Sie oben selbst. Dann schreiben Sie: „Während man für die alte Variante einen R-Wert von 0,9 feststellte, lag er für die neue Virusvariante bei 1,4.“ Können Sie dafür einen Beleg anführen? Ihre Hypothese, dass die neue Mutation 50% ansteckender ist, lässt diesen direkten Rückschluss auf den R-Wert nicht zu. Grundsätzlich enthält Ihre Rechnung weitere Fehler (S. Kommentare von User Jörn). Wann wird das korrigiert? Anhand dieser falschen Rechnung dann im letzten Absatz implizit gegen Schulöffnungen zu reden, kann nicht dem Standard einer Wissenschaftssendung entsprechen.

  27. Guten Tag, wir kämpfen hier nach den Regeln der biologischen Entwicklung: Es überlebt der Stärkere und wer der Stärker ist , erweist sich im Überlebenskampf in der jeweiligen Umwelt. Aus der Sicht des Virus sind wir Menschen mit unseren Antikörpern die Umwelt. Mutationen sind zufällige Erbgutänderungen. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine Virusmutation auftritt, die gegen alle Antikörper immun ist gering , steigt allerdings mit der Zahl der jeweils lebenden Viren. Es kommt also darauf an, daß wir schneller neue Impfstoffe entwickeln als die Mutationsgeschwindigkeit des Virus neue Immunitäten entstehen läßt. Die Mutationsgeschwindigkeit ist abhängig von der Zahl der jeweils lebenden Viren. Es macht also Sinn, die Zahl der Neuansteckungen drastisch zu senken.

    Dietrich von Saldern

    1. „Es überlebt der Stärkere und wer der Stärker ist , erweist sich im Überlebenskampf in der jeweiligen Umwelt.“

      Die Viren haben nichts davon, wenn ihr Wirt verstirbt. Ein ideal angepasstes Virus wird von seinem Wirt vermehrt und verbreitet, ohne ihm größeren Schaden zuzufügen.

      Das aktuelle Coronavirus ist so gefährlich, weil es noch nicht gut an menschliche Wirte angepasst ist.

      Wenn wir alle Corona-, Adeno- und Rhinoviren massiv bekämpfen, kann dieser Selektionsdruck in relativ kurzer Zeit dazu führen, dass aus relativ harmlosen Erkältungserregern die aggressivsten Stämme herausgezüchtet werden. Keine besonders clevere Strategie, oder?

  28. Bezüglich der Ende letzten Jahres in Dänemark entdeckten SARS-CoV2-Mutante („Cluster-5“ bzw. Y453F), die von Nerzen aus dänischen Pelztier-Farmen stammt und von dort auf Menschen übergesprungen ist, liegen jetzt erste Untersuchungsergebnisse vor:

    „Here we present functional data on the Y453F cluster-five receptor-binding domain (RBD) and show that it does not decrease established humoral immunity or affect the neutralizing response in a vaccine model based on wild-type RBD or spike. However, it binds the human ACE-2 receptor with a four-fold higher affinity suggesting an enhanced transmission capacity and a possible challenge for viral control.“

    Das mutierte Virus bindet demnach viermal stärker an die Rezeptormoleküle menschlicher Zellen und ist vermutlich entsprechend infektiöser. Eine bereits bestehende Immunität gegenüber SARS-CoV2 (verursacht durch vorherige Coronavirus-Infektion oder durch Impfung) kann von dieser Mutante aber allem Anschein nach nicht unterlaufen werden.

    Quelle:
    [Preprint] The SARS-CoV-2 Y453F mink variant displays a striking increase in ACE-2 affinity but does not challenge antibody neutralization
    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.01.29.428834v1

  29. Es ist schon interessant, dass Kommentare zu offensichtlich und klar falschen Meldungen auf dieser Seite schon seit 20 Stunden von der Veröffentlichung zurückgehalten werden. Warum klärt man die Leser nicht über die Fehler im Artikel auf?

  30. Leider stimmen Ihre Berechnungen nicht.
    Drei Infektionsrunden bei einer Reproduktionszahl von 3.5 und 20000 Infizierten ergibt 857500 Infizierte (und nicht wie angegeben 260000), bei einer Reproduktionszahl von 5 der Mutation ergibt es 2.5 Mio. (und nicht wie angegeben 3.1 Mio,).
    Der Unterschied nach 3 Infektionsrunden entspricht damit einem Faktor 2.92 und nicht etwa von 11.92.

  31. Wieso ist die Variante ansteckender? Ist die Viruslast höher? Werden mehr Viren ausgeatmet? Leben sie länger in der Luft oder auf Oberflächen? Vermehren sie sich schneller?

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Mathias Tertilt: Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Digital und Film. Geht Ursachen, Zusammenhängen und Lösungen nach, insbesondere wenn es um Biotechnologie, Umwelt oder Infektionskrankheiten geht.