Das wissen wir über das Hantavirus

Verschiedene Nagetiere tragen das Hantavirus in sich, darunter Mäuse und Ratten. Foto: dpa

Infektionskrankheit

Das wissen wir über das Hantavirus

Das Robert-Koch-Institut sagt: 2019 wird ein Ausbruchsjahr für Hantaviren-Infektionen. Aber bitte Ruhe bewahren – das ist nicht ungewöhnlich und die Krankheit ist auch keine tödliche Seuche. Von Mäusen fernhalten, könntest du dich vielleicht trotzdem.

12. Juni 2019

Darum geht’s:

Das Hantavirus kann grippeähnliche Symptome auslösen, die Nieren angreifen und schlimmstenfalls bleibende Schäden verursachen

Das Hantavirus ist ein Virus, das weltweit verbreitet ist. Je nach Typ löst eine Infektion mit dem Erreger verschiedene Krankheiten aus. Erste Symptome sind oft grippeähnlich: Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, eventuell auch Übelkeit und Erbrechen.

Eine Infektion mit dem Hantavirus kann auch die Nieren in Mitleidenschaft ziehen – das kann dazu führen, dass die Patienten dialysepflichtig werden. In sehr seltenen Fällen kann das Virus auch zum Tod führen.

Das Virus ist zwar weltweit verbreitet, innerhalb Europas kommt es aber eher selten zu schweren Krankheitsverläufen. Die Virentypen in Amerika sind als gefährlicher einzustufen. Auch in Deutschland gibt es regionale Unterschiede.

Betroffen sind: die Schwäbische Alb, der Bayrischer Wald und die Region Unterfranken, der Südosten Hessens, der Westen Thüringens, das Münsterland in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen die Region um Osnabrück.

Verschiedene Nagetiere tragen das Hantavirus in sich, darunter Mäuse und Ratten. In Deutschland übertragen vor allem Rötelmäuse das Virus – Menschen übertragen das Virus nicht.

Der Mensch kann sich mit dem Hantavirus infizieren, wenn er beispielsweise den Urin oder Kot von Mäusen in Verbindung mit Staub einatmet. Dies passiert etwa beim Reinigen von Dachböden und Kellern, Gartenschuppen oder auch in Grillhütten im Wald.

Die meisten Menschen infizieren sich für gewöhnlich in den Monaten Mai und Juni. Das Risiko, dass sich das Virus deutschlandweit verbreitet, ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sehr gering. Der Grund: Die Rötelmaus verlasse selten ihren Ort.

Das Hantavirus habe je nach Region seinen eigenen Virenstamm und sehe auch dementsprechend unterschiedlich aus – das passiert nur dann, wenn keine allzu große Vermischung von Mäusepopulationen vorkommt.

Darum müssen wir drüber sprechen:

Das Robert-Koch-Institut warnt: 2019 sei das Risiko erhöht, sich mit Hantavieren anzustecken

Experten des Robert-Koch-Instituts gehen davon aus, dass 2019 ein Ausbruchsjahr für Hantaviren wird. Da Mäuse die Viren auf den Menschen übertragen, ist das Risiko für eine Infektion immer dann erhöht, wenn die Population der infizierten Mäuse wächst.

Die Population der Rötelmaus hängt unter anderem mit dem Mastjahr der Buche zusammen. Wenn die Buche stark blüht, haben die Mäuse mehr Futter und die Population wächst. Da 2018 ein Mastjahr war, gibt es derzeit mehr Rötelmäuse als sonst – und damit steigt das Ansteckungsrisiko mit dem Hantavirus.

Da Infektionen mit dem Hantavirus meldepflichtig sind, hat das RKI einen guten Überblick über die bisherigen Infektionszahlen. Von Januar bis einschließlich Mai 2019 wurden 472 Erkrankungsfälle an das RKI übermittelt (Stand: 11.06.2019).

Aber:

Keine Panik! Es ist normal, dass es Ausbruchsjahre gibt, in denen sich das Virus stärker verbreitet

Wichtig: Es ist nicht ungewöhnlich, dass nach Jahren mit sehr niedrigen Infektionszahlen immer mal wieder ein Ausbruchsjahr folgt. Wer sich die Fallzahlen anschaut, die an das RKI übermittelt worden sind, kann die Ausbruchsjahre in den vergangenen zehn Jahren klar erkennen:

Anzahl der gemeldeten Hantaviren-Infektionen:

Jahr            Infektionen

2018                235
2017               1731
2016                282
2015                824
2014                577
2013                 161
2012             2826
2011                305
2010              2016
2009                181

Quelle: RKI

2012 war bisher das Rekordjahr hinsichtlich der Erkrankungen seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001. Es ist zu erwarten, dass 2020 die Zahl der Erkrankungen wieder deutlich sinken wird.

Und jetzt?

Du kannst eine Ansteckung vermeiden, wenn du bestimmte Punkte beachtest

Es gibt weder eine Impfung noch eine spezielle Therapie gegen das Hantavirus. Daher ist es wichtig, vorzubeugen. Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, könntest du den Umgang mit Nagetieren meiden, vor allem mit Mäusen.

Willst du verhindern, dass sich Mäuse und Ratten im Wohnraum einnisten, kannst du Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten beseitigen, etwa Sperrmüll und Abfallhaufen. Abfall und Mülleimer verschließt du am besten, ebenso Tierfutter, das du lagerst.

Falls du an Orten wie Grillhütten, Kellern, Dachböden oder Garagen reinigen möchtest, ist es ratsam, wenn du Gummihandschuhe und eine Atemschutzmaske trägst. So kannst du einer Infektion vorbeugen. Denn: Um sich zu infizieren reicht es schon, wenn du bloß aufgewirbelten Staub mit Mäusekot einatmest.

Auch tote Mäuse müssen sicher beseitigt und mit Kot, Urin und Speichel verunreinigte Flächen gründlich gereinigt werden.

Autorin: Annika Witzel

Anna Hoffmann: