So enden Pandemien

Die Spanische Grippe war die bisher schlimmste Pandemie der Menschheit. Foto: akg-images / Science Source

Spanische Grippe, Pocken, Corona

So enden Pandemien

Alle sehnen das Ende der Corona-Pandemie herbei. Doch kann es das überhaupt geben? Verschwinden Viren irgendwann einfach? Ein Blick auf vergangene Pandemien und ihr Ende.

8. September 2020 | 6 Kommentare

Wie enden Pandemien überhaupt?

Nach Ansicht von Historikern können Pandemien vor allem auf zwei Arten enden – entweder medizinisch oder sozial.

Das medizinische Ende tritt ein, wenn die Zahl der Erkrankten stark zurück geht. Also entweder, wenn ein Großteil der Menschen die Infektion überstanden hat und (vorerst) immun gegen den Erreger ist oder es wirksame Impfstoffe und Medikamente gibt.

Das soziale Ende ist eine bewusste Entscheidung und findet vor allem in den Köpfen der Menschen statt. Es tritt ein, wenn die Angst vor der Krankheit abnimmt, die Menschen die Einschränkungen nicht mehr hinnehmen wollen – und lernen, mit der Krankheit zu leben.

Wieso konnten die Pocken ausgerottet werden?

Zu den Viruskrankheiten, die ein medizinisches Ende gefunden haben, gehören die Pocken. Sie waren eine der tödlichsten Pandemien: Alleine im 20. Jahrhundert starben 300 bis 500 Millionen Menschen an den Pocken, die Sterblichkeitsrate lag bei bis zu 30 Prozent. Übertragen wurden sie durch das Variolavirus.

Historische Schriften deuten darauf hin, dass es die Pocken bereits vor mehr als 3 000 Jahren gegeben haben könnte. Wissenschaftler der Charité Berlin, der University of Cambridge und der University of Copenhagen haben in einer aktuellen Studie zum ersten Mal nachgewiesen, dass die Krankheit schon bei den Wikingern umging. Sie entdeckten das Variolavirus in bis zu 1 400 Jahre alten Gebeinen aus Wikinger-Grabstätten in Dänemark, Norwegen, Schweden, Russland und England.

Personen, die mit dem Virus infiziert waren, entwickelten Fieber, dann einen Ausschlag, der sich in mit Eiter gefüllte Flecken verwandelte, die verkrusteten, abfielen und Narben hinterließen.

Darum war eine Ausrottung möglich:

Das Virus hatte einige Schwachstellen.

  1. Das Pockenvirus wurde nur von Mensch zu Mensch übertragen
    Es hatte keinen tierischen Wirt, in dem es überleben konnte.
    „Es gibt Krankheitserreger, die zirkulieren sowohl im Menschen als auch in Wildtieren“, erklärt Barbara Mühlemann von der Charité Berlin, Mitautorin der Pocken-Studie. „Selbst wenn ein Erreger im Menschen ausgerottet wird, kann er dann aus dem natürlichen Reservoir wieder in die menschliche Population eingetragen werden.“ Influenza-Viren etwa gehören dazu. Das Variola-Virus aber, welches die Pocken auslöst, zirkulierte nur im Menschen. „Das, kombiniert mit einer wirksamen, einfach zu handhabenden Impfung, machte die Ausrottung möglich.“
  1. Die Immunität hält ein Leben lang
    Wer die Infektion überstanden hatte oder geimpft war, war ein Leben lang vor den Pocken geschützt. Eine dauerhafte Unterbrechung der Infektionsketten konnte die Seuche also zum Erlöschen bringen.
  1. Die Krankheit war klar erkennbar
    Die Symptome waren eindeutig. So konnten Infizierte schnell ausfindig gemacht und isoliert werden.

1967 startete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein bisher einzigartiges weltweites Impfprogramm und arbeitete sich von Kontinent zu Kontinent vor. Dreizehn Jahre später erklärte die WHO die Erde für pockenfrei. Zu den berühmtesten Pocken-Kranken gehörten übrigens Mozart, Haydn, Goethe und Beethoven.

Wie endete die Spanische Grippe?

So richtig, ehrlich gesagt: nie. Die Spanische Grippe war die bisher schlimmste Pandemie der Menschheit. Sie tötete weltweit in relativ kurzer Zeit mindestens 50 Millionen Menschen.

Im Groben verlief die Spanische Grippe in drei Wellen. Die erste Welle überzog im Frühjahr 1918 die USA und Europa und verbreitete sich weltweit weiter. Die meisten Todesfälle gab es in der zweiten Welle im Herbst – in einem Zeitraum von nur 16 Wochen. Die Pandemie endete nach der dritten Welle im Sommer 1919.

Ausbruch und Verlauf der Krankheit erfolgten oft sehr schnell, manche Patienten verstarben innerhalb weniger Stunden. Wer überlebte, litt oft noch wochenlang unter chronischer Erschöpfung, Depressionen und neurologischen Störungen.

Die Spanische Welle verlief in drei Wellen, die zweite war die heftigste.
| Bild: Wiki Commons, PLoS Biology, H. Nicholls

Im Juni 1919 flaute die Pandemie endlich ab

Sie endete medizinisch:

  1. Viele Menschen hatten eine Immunität aufgebaut.
    Wenn sie in den folgenden Jahren doch wieder mit dem H1N1 infiziert wurden, war der Verlauf nicht mehr so lebensbedrohlich.
  2. Das Virus mutierte in eine weniger aggressive Form.
    Unklar ist, wann genau die schwächere Mutation entstanden ist. Zusammen mit der hohen Grundimmunität sorgte das weniger tödliche Virus dafür, dass die pandemische Influenza-Welle in eine „normale“ Influenza überging.

Doch die Spanische Grippe endete auch sozial

Der Erste Weltkrieg war vorbei, die Menschen waren bereit für einen Neuanfang. Sie wollten Krieg und Krankheit hinter sich lassen und auch die Grippewelle schnell vergessen. Teilweise wurden die Isolationsmaßnahmen öffentlich aufgehoben, teilweise beschlossen die Menschen selbst, weniger Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, um sich nach dem Krieg wieder ein Leben aufzubauen – auch, wenn dadurch Tote in Kauf genommen wurden.

Aber: So ganz verschwand das Virus nie

Das H1N1-Virus gehört zu den Influenza-A-Viren. Bestimmte Varianten dieser Viren traten auch in späteren Pandemien wieder auf – etwa bei der Schweinegrippe, die sich 2009 und 2010 pandemisch ausbreitete.„Das ist eigentlich der gleiche Stamm. Durch Mutation oder durch Übertragung von ganzen Gensegmenten entstehen immer bestimmte Subtypen, die entweder relativ neu für den Menschen sind oder vollständig neu“, so der Epidemiologe Dr. Jean-Baptist du Prel in der Reihe „Jahr100Wissen“ der Universität Wuppertal.

„Heute rechnet die WHO damit, dass ein bestimmter Teil der Bevölkerung auch mit H1N1 durchseucht ist. Dieser Subtyp ist aber bei weitem nicht so krankheitserregend wie der Erreger der damaligen Spanischen Grippe.“

Auch diese Grippepandemien entstanden durch Influenza-A-Viren:

  • Die Asiatische Grippe von 1957, etwa eine Million Tote (Subtyp H2N2)
  • Die Hongkong Grippe von 1968, etwa eine Million Tote (Subtyp H3N2)
  • Die Schweinegrippe von 2009/2010, über 150.000 Tote (Subtyp H1N1)

Weil zukünftige Mutationen von Influenza-A-Viren die Gefahr einer neuen Pandemie bergen, beobachten weltweit verschiedene Institutionen den Stand der Influenza-Infektionen. So wurde bereits 1952 das Global Influenza Surveillance and Response System (GISRS) gegründet – ein globales Netzwerk von Laboratorien, das pro Jahr mehr als zwei Millionen Atemwegsproben testet, um die Ausbreitung und Entwicklung von Influenzaviren in über 100 Ländern zu überwachen. Das Netzwerk wird von der WHO koordiniert.

Was passierte mit dem ersten SARS-Virus?

Bereits vor der jetzigen Pandemie führte ein SARS-Coronavirus zu einer weltweiten Pandemie und verursachte das schwere akute Atemwegssyndroms (SARS). SARS-CoV wurde erstmals im November 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet, danach verbreitete es sich über den internationalen Flugverkehr weltweit.

Innerhalb von acht Monaten starben fast 800 Menschen an SARS, mehr als 8000 Menschen erkrankten schwer. Dennoch konnte die WHO die Pandemie relativ schnell in den Griff bekommen – am 5. Juli 2003 erklärt sie, die Ausbrüche seien weltweit eingedämmt worden.

Dieser schnelle Erfolg hatte mehrere Gründe:

  1. SARS-CoV war nicht so ansteckend als das aktuelle Coronavirus
    Ein Unterschied: SARS-CoV vermehrte sich in der Lunge, nicht schon im Rachen – dadurch war es schwerer, andere anzustecken. Auch waren Infizierte etwa 10 Tage nach Auftreten der ersten Symptome am ansteckendsten. Man konnte Erkrankte also relativ gut erkennen und isolieren. SARS-CoV-2 dagegen ist, das zeigen mehrere Studien, bereits vor dem Auftreten von Symptomen und kurz danach besonders ansteckend.
  1. Der Erreger konnte schnell relativ gut erkannt werden
    Labortests, die das Virus zweifelsfrei erkennen konnten, waren bereits Ende Mai 2003 verfügbar. Übrigens dank maßgeblicher Mitarbeit von Prof. Christian Drosten. Der damals 30-jährige Wissenschaftler identifizierte den tödlichen Erreger mit Kollegen vom Bernhard Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.
  1. Internationale Zusammenarbeit
    Unter Federführung der WHO arbeiten die öffentlichen Gesundheitssysteme weltweit zusammen. Obwohl normalerweise ein hohes Konkurrenzdenken zwischen den wissenschaftlichen Institutionen herrscht, wurden Informationen während der gesamten Zeit intensiv geteilt. Ein Maßnahmenkatalog wurde entwickelt, besonders wichtig dabei: das konsequente Isolieren von Erkrankten und möglicherweise Erkrankten.

SARS endete also, weil sich der Erreger bereits nach relativ kurzer Zeit verriet. Die Epidemie ließ sich mit klassischen Kontrollmaßnahmen effizient bekämpfen.

Wie könnte die COVID-19 Pandemie enden?

Das ist seriös nicht zu prognostizieren – niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickeln wird, ob das Virus mutiert und sich abschwächt. Was man sagen kann: Ein medizinisches Ende ist derzeit nicht in Sicht.

Eine Ausrottung ist unwahrscheinlich: Das Virus hat einen tierischen Wirt, von dem es immer wieder auf den Menschen übergehen kann. Die aktuellen Daten zur Immunität und Meldungen zu Zweitinfektionen legen nahe, dass nicht mit einer lebenslangen Immunität gegen das Virus gerechnet werden kann.

Ob man sich mehrfach mit dem Coronavirus anstecken kann, erklären wir hier.

Unklar ist auch, ob eine Impfung tatsächlich vor einer Infektion schützen kann – oder „nur“ für einen leichteren Verlauf sorgen wird. Und: Von den vier saisonalen Coronaviren weiß man, dass man sich mit ihnen immer wieder infizieren kann.

Auch ein soziales Ende?

Da weltweit der ökonomische Druck wächst und die Menschen eine gewisse „Corona-Müdigkeit“ zeigen, könnte es sein, dass die Coronavirus-Pandemie sozial endet, noch bevor sie medizinisch enden kann. Bereits im Herbst 2020 scheinen viele Menschen das Virus weniger ernst zu nehmen, die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln seltener einzuhalten.

Prof. Heiner Fangerau vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universität Düsseldorf kann sich folgendes „Ende“ der Corona-Pandemie vorstellen: „Das Coronavirus wird wie das Influenzavirus und andere ein Begleiter unserer Gesellschaften bleiben. Wir werden uns arrangieren müssen. Das Mantra vom März war „Flatten the curve“ – wenn das weiter verfolgt wird, werden sich die Infektionszahlen auf niedrigem Niveau einpendeln, irgendwann sinkt der Nachrichtenwert und die Aufmerksamkeit für die wenigen Infektionen wird schwinden.“

Autorin: Monika Sax

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6 Kommentare;

  1. Spannend und gut recherchiert!

    Ich möchte in diesem Kontext auf das humane Coronavirus HCoV-OC43 hinweisen, das seit den 60er Jahren als harmloses Erkältungsvirus beschrieben ist.
    Sein Vorläufer ist von Rindern auf Menschen übergesprungen. Aufgrund der genetischen Unterschiede zum Ursprungsvirus wird der Zeitpunkt dieses Erstkontaktes etwa um 1890 datiert. Das ist auch der Zeitpunkt, als die Menschheit von einer Pandemie heimgesucht wurde, die man als Russische Grippe bezeichnete.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Influenza-Pandemie_von_1889_bis_1895

    Es gibt erstaunliche Parallelen zu CoViD-19:
    „Vor allem im Laufe der auf die erste Welle folgenden weiteren Wellen wurde die Öffentlichkeit zunehmend gleichgültig und fatalistisch gegenüber der Epidemie, man verzichtete auf Arztbesuche, machte sich über die Mediziner lustig und verlor einen Teil des Glaubens an die Fähigkeit der modernen Wissenschaft, alle Krankheiten und Epidemien letztlich zu besiegen.“

    1. @Silene

      ich bin mal Ihrem Link gefolgt, und stelle fest, dass Sie schon eine spezielle Art haben, einen Wikipedia Artikel zu zitieren und etwas, was dort demnach selbst von den Autoren der entsprechenden Studie „spekulativ“ genannt wird, durch inhaltliche Auslassungen den Anschein von Wahrheit, von Fakten zu geben!

      Warum machen Sie das?
      Unvermögen oder Absicht?

      Wohl Jeder, also auch ich, der Ihre Zeilen gelesen hat, geht davon aus, dass die besagte Pandemie um 1890 von einem Coronavirus ausgelöst wurde, dagegen steht bei
      https://de.wikipedia.org/wiki/Influenza-Pandemie_von_1889_bis_1895#Erreger
      über den Erreger:

      „Einige Anhaltspunkte weisen laut einer 2010 publizierten Studie auf den Subtyp A/H3N8, die so genannte Pferdeinfluenza, hin. In der Fachdiskussion war zuvor jedoch auch der Subtyp A/H2N2 wiederholt genannt worden.
      Die Annahme, die Pandemie sei durch ein Influenza-Virus ausgelöst worden, wurde seit Beginn dieses Jahrtausends mehrfach in Frage gestellt. So gibt es nach Ansicht einer belgischen Forschergruppe um Marc van Ranst und der dänischen Epidemiologin Lone Simonsen Indizien dafür, dass die Krankheit durch das Coronavirus HCoV-OC43 ausgelöst worden sein könnte. Bei einem Vergleich der Genseqenzen des Menschen infizierenden Virus HCoV-OC43 und bei Rindern verbreiteten Formen des Coronavirus (BCoV) kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede bei gewissen Annahmen über die Mutationsrate (Stichwort molekulare Uhr) annehmen lassen, dass das Virus ungefähr 1890 vom Rind auf den Menschen übergesprungen sei, weshalb der Erreger der „russischen Grippe“ möglicherweise ein Coronavirus gewesen sei. In Presseberichten wurde die in den wissenschaftlichen Arbeiten sehr vorsichtig formulierte Vermutung („man ist versucht zu spekulieren, dass …“) als erwiesene Tatsache dargestellt“

      Letzteres unterstellen Sie auch indem Sie schrieben:
      „Ich möchte in diesem Kontext auf das humane Coronavirus HCoV-OC43 hinweisen, das seit den 60er Jahren als harmloses Erkältungsvirus beschrieben ist.
      Sein Vorläufer ist von Rindern auf Menschen übergesprungen. Aufgrund der genetischen Unterschiede zum Ursprungsvirus wird der Zeitpunkt dieses Erstkontaktes etwa um 1890 datiert. Das ist auch der Zeitpunkt, als die Menschheit von einer Pandemie heimgesucht wurde, die man als Russische Grippe bezeichnete.“

      Ich verstehe Wikipedia ganz klar so, dass es unklar ist, was die Russischen Grippe ausgelöst hatte, ob Influenza, oder Corona! Letzteres erscheint möglich, aber mehr auch nicht!

      Was da sonst noch stand, Sie aber nicht erwähnen:
      „Die Russische Grippe war mit bis zu einer Million Opfern weltweit die bis dahin schwerste Influenza-Epidemie, übertroffen erst durch die Spanische Grippe, die ab 1918 weit über 25 Millionen Opfer forderte“
      Nicht unwichtig, die Zahl der Opfer ..

      Dann zitieren Sie – aus Ihrer Sicht – Parallelen zu CoVid-19, die ich so nicht sehen kann!
      Und selbst wenn, das damals ein Teil „den Glauben an die Fähigkeit der modernen Wissenschaft [verloren hatte], alle Krankheiten und Epidemien letztlich zu besiegen“ wundert mich nicht, wenn ich zuvor dort gelesen habe, was man seinerzeit als Ursache dieser Pandemie annahm:

      „… orientierten sich an der seinerzeit eigentlich schon diskreditierten Miasmentheorie, […], wenn man etwa vermutete, der Ursprung der Krankheit läge in China, von wo aus der Wind den feinen Staub getrockneter Leichen nach Westen getragen habe. […]
      Neben solchen Feinstaub-Fernwirkungen wurden als Ursachen der Epidemie auch die atmosphärisch-miasmatischen Auswirkungen von Erdbeben[…], Vulkanausbrüche […] oder auch elektrischer Phänomene wie zum Beispiel auffälliger Nordlichter diskutiert. Auch außerirdische Einflüsse wurden in Erwägung gezogen, namentlich das Auftauchen von Kometen“

      Wer will den Menschen da verdenken, dass dann aufgrund solcher Fehlannahmen der dann weitgehend machtlosen Medizin das Vertrauen entzogen wurde?
      Und wo sollen da die Parallelen zu heute sein, etwa darin, dass auch heute unsere Wissenschaftler angeblich im Dunkeln tappen?
      Wollten Sie das damit sagen?

      Manchmal wunder ich mich schon sehr um Ihre Sichtweise auf die aktuelle Pandemie, Sie geben sich stets den Anstrich der Wissenschaftlerin, und sind dann aber immer gerne bereit, im Bereich von „Alternativ-Wissenschaft“ zu fischen, mal nicht unvernünftig, mal mit doch eher abwegigen Theorien.

      Ich – man verzeihe es mir – sehe in der beschrieben Pandemie von 1890 aber auch eine Parallele zur aktuellen CoVid-19 Erkrankung, und zwar was zur Zeit immer mehr in den Fokus rückt, nämlich LongCovid und das Phänomen CFS!

      Nach jüngsten Erkenntnissen (Dublin Studie, 128 Fälle)
      https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.07.29.20164293v1

      leiden zu 52% aller Infizierten an dieser Folgeerkrankung, gar 30% der „genesenen“ Infizierten sollen nach 3Monaten immer noch nicht arbeitsfähig sein.
      Ähnliches erzählt explizit bestätigend auch Dr. Frommhold, die in einer Reha Klinik in D CoVid-19 „Genese“ therapiert und zwar auch jene, die sehr milde Verkäufe hatten
      Aber die Querdenker beklagen sich ja darüber, dass nicht mehr in den Medien die Zahl der Genesen genannt wird, und in Bezug auf die Gesamtzahl der Infizierten gesetzt wird … mich würde mal interessieren, was diese Leute als „Genesung“ bezeichnen ..!
      Ich finde, da werden daher viel zu hohe Zahlen genannt, besser wäre von nicht mehr Infektiösen zu sprechen!

      Es werden weitere langjährige Auswirkungen befürchtet, es gibt wohl jetzt schon viele Fälle, wo Menschen depressiv werden bis hin zu suizidalen Gedanken ..
      damals, zu der 1890 Pandemie, schrieb Wiki:
      „Man sprach von „nervlichen Invaliden“, gequält von „post-influenzaler Depression“, „Lethargie“, „grippaler Katalepsie“, „hysterischem Koma“, „Melancholie“ und „Neurasthenie“ …“

      DA sehe ich Parallelen, nicht darin dass dies eine Corona-Pandemie wäre (da unklar) oder die Menschen der Medizin misstrauten, das macht bislang heute die große Mehrheit sicher nicht, jedenfalls in „unserem“ Kulturkreis …. „Querdenker“, Corona-Leugner natürlich außen vor gelassen, die zähle ich – ganz persönlich – nicht zu meinem Kulturkreis, auch nicht zu den im philosophischen Sinne aufgeklärten Menschen.

      MfG
      Ludwig

        1. @Silene

          Was Sie da anführen, ändert nichts an meiner Kritik, und der Sachlage!
          Ich schrieb zu Ihrer Unterstellung einer Corona-Pandemie, statt einer Infuenza-Pandemie um1890:
          „was dort demnach selbst von den Autoren der entsprechenden Studie „spekulativ“ genannt wird“

          Wikipedia:
          „. In Presseberichten wurde die in den wissenschaftlichen Arbeiten sehr vorsichtig formulierte Vermutung („man ist versucht zu spekulieren, dass …“) als erwiesene Tatsache dargestellt“

          Und Wikipedia schrieb schon Eingangs:
          „Die Influenza-Pandemie von 1889 bis 1895 war eine weltweite Epidemie, die seinerzeit in den Zeitungen und später auch in der Fachliteratur Russische Grippe genannt wurde“

          Ich lese da: „ Influenza-Pandemie“, nicht Corona!

          Nun zu Ihren Quellen, zu dem Autor, „Ihres“ Artikels:
          „Anthony King is a freelance science journalist based in Dublin, Ireland. He tweets occasionally ..“ … Also, ein Wissenschaftsjournalist, kein Wissenschaftler und keine Studie., aber selbst er schrieb:

          https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0262407920308629?via%3Dihub#!

          „Another possibility is that this “flu” was actually a coronavirus pandemic“
          Zu Deutsch (damit es auch keine Missverständnisse bei evtl. Lesern gibt!):
          „Eine andere Möglichkeit ist, dass diese „Grippe“ tatsächlich eine Coronavirus-Pandemie war“

          Eine „ Möglichkeit“ ..

          und:
          „A 19th-century flu pandemic may have been caused by a coronavirus“
          zu Deutsch: „Eine Grippepandemie im 19. Jahrhundert wurde möglicherweise durch ein Coronavirus verursacht.“

          „ möglicherweise“..!

          Er bezieht sich dabei auf folgende Studie, wie auch Wikipedia (dort Fußnote 12).

          https://jvi.asm.org/content/79/3/1595
          „However, postepidemic analysis in 1957 of the influenza antibody pattern in sera of people who were 50 to 100 years old indicated that H2N2 influenza antibodies might have originated from the 1889-1890 pandemic. However, it is tempting to speculate about an alternative hypothesis, that the 1889-1890 pandemic may have been the result of interspecies transmission of bovine coronaviruses to humans, resulting in the subsequent emergence of HCoV-OC43. The dating of the most recent common ancestor of BCoV and HCoV-OC43 to around 1890 is one argument. Another argument is the fact that central nervous system symptoms were more pronounced during the 1889-1890 epidemic than in other influenza outbreaks. It has been shown that HCoV-OC43 has neurotropism and can be neuroinvasive“

          Zu Deutsch
          „Eine postepidämische Analyse des Influenza-Antikörpermusters in Seren von Menschen im Alter von 50 bis 100 Jahren im Jahr 1957 ergab jedoch, dass H2N2-Influenza-Antikörper möglicherweise aus der Pandemie von 1889-1890 stammen. Es ist jedoch verlockend, über eine alternative Hypothese zu spekulieren, dass die Pandemie von 1889-1890 das Ergebnis einer Übertragung von Rinder-Coronaviren zwischen Spezies auf den Menschen gewesen sein könnte, was zum anschließenden Auftreten von HCoV-OC43 führte. Die Datierung des jüngsten gemeinsamen Vorfahren von BCoV und HCoV-OC43 um 1890 ist ein Argument. Ein weiteres Argument ist die Tatsache, dass die Symptome des Zentralnervensystems während der Epidemie von 1889 bis 1890 stärker ausgeprägt waren als bei anderen Influenza-Ausbrüchen. Es wurde gezeigt, dass HCoV-OC43 einen Neurotropismus aufweist und neuroinvasiv sein kann“
          [zu Neurotropie + SARS siehe unten Anhang)

          Selbst die Autoren dieser Studie schrieben zu „Ihrer“ These:
          „Es ist jedoch verlockend, über eine alternative Hypothese [also die der „Corona-Pandemie] zu spekulieren,“ und schrieben dazu selbst, dass man aber Influenza-Antikörper gefunden habe, die man der Pandemie um 1890 zuordnen könnte!

          ich schrieb:
          „ selbst von den Autoren der entsprechenden Studie „spekulativ“ genannt wird“, Wikipedia zitierte die Studie so: „.. man ist versucht zu spekulieren, dass …“

          Ich kann also nicht erkennen, dass sich durch Ihre Links, Quellen irgendwas an dem Sachverhalt, so wie er in Wikipedia steht, und so wie ich es zitiert, und zusammengefasst hatte, irgendwas ändern sollte.

          Sie dagegen, haben sehr selektiv, und mit Auslassungen so zitiert, dass der Eindruck beim Leser entstehen musste, dass es sich um Tatsachen handele, dass die 1890 Pandemie von einem Corona-Virus verursacht wurde.
          (i.ü. erhebe ich hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit bzgl. der Aussagen aus obiger Studie, dafür fehlt mir einfach die Zeit, dies zu lesen. Mir gings ja nur um einen Abgleich zu Silenes Aussagen)

          Das Ziel solcher Selektion ist mE klar:
          Das Transportieren einer Botschaft, einer Agenda folgend (was Sie ja wortwörtlich bestritten) durch Spekulationen (bei Ihnen finde sich dazu zahlreiche andere Fälle hier im Forum) und gezieltem einstreuen vermeintlich neutraler Fakten, aber mit gewissen Auslassungen, um ein Bild zu erzeugen, dass insgesamt eine Verharmlosung von SARS-CoV-2, bzw. CoVid-19 zum Ziel hat, ebenso wie eine Diskreditierung der in D erfolgten Anti-Corona Maßnahmen, und einer Verharmlosung des Konzeptes der Herden-Immunisierung (HI), hier auffallend, dass Sie besonders, und jetzt gar wiederholt, darauf hinweisen müssen, dass die 1890 Pandemie, die aus vers. Gründen (ich zählte eine auf) nicht mit der aktuellen vergleichbar ist – um auf den Quarks-Artikel Bezug zu nehmen – durch ein „soziales Ende“, letztlich durch die Ignoranz der Virus-Infektionen und des damit verbundenen Leids, und der Todesfälle „beendet“ würde.

          Das entspricht genau Ihrer aktuellen Agenda zu SARS-Cov-2, und die der „Querdenker“ der Corona-Leugner und den meisten der hier in diesem Sinne postenden User, und ist sowohl sozial, wie politisch hoch gefährlich, gar tw. extremistisch und zudem in seiner Gesamtschau faktisch falsch und irreführend!

          Dagegen, und das passt dann ins Bild, um auf unseren kleinen Wikipedia Artikel zurückzukommen, verschwiegen Sie die darin, und auch die in der og.g. Studie geäußerten Langzeitfolgen, bzw. neurolgischen Faktoren der Pandemie von 1890 („Russische Grippe“ oder wie man sie nennen will) die in der Tat eine parallele zur aktuellen CoVid-19 Pandemie und LongCovid (CFS) darstellen, da dies den logischen Schluss nahelegen würde, dass nicht nur die Todeszahlen als menschliche Katastrophal zu werten sind, sondern auch diese dann viel zahlreicheren schwerwiegenden medizinischen Folgen von CoVid-19.

          Die in diesem Sinne geäußerten Parallelen im obigen Artikel, verschwiegen Sie daher auch jetzt wieder ..
          alles was Sie machen, folgt daher einer klaren Agenda der selektiven Wahrnehmung und Auswahl von Informationen (wenn überhaupt zutreffend) mit dem Ziel der Unterminierung einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema, und natürlich letztlich der Diskreditierung der erfolgten, und zukünftigen Anti-Corona Politik in D, insofern diese mit Beschränkungen (Masken tragen etc.) verbunden sein könnten!

          Und um auch dies klar zu sagen, ich behaupte hier nicht, die 1890er Pandemie wäre nicht durch ein Corona-Virus verursacht, sondern nur, dass dies mW nirgends nachgewiesen wurde, und dies daher spekulativ ist, gleichwohl wäre es möglich, und wie die oben zitierten Autoren selbst schreiben, könnte dies die neurologischen Neben-, bzw. Langzeitwirkungen von CoVid-19 als Ernst zu nehmend untermauern … aber auch das ist insofern spekulativ, als dass die Pandemie 1890 tatsächlich eine Influenza-Pandemie gewesen sein könnte!
          Ich maße mir nicht an, dies entscheiden zu können, was da zutrifft.

          Das bei CoVid-19 vermehrt in Studien und Fallbeschreibungen Symptome auftreten, die als LongCovid oder CFS (chronisches Erschöpfungssyndrom) bezeichnet werden, ist dagegen keine Spekulation, sondern es sind reale, faktenbasierte, dokumentierte Beobachtungen und deren Auswertungen!

          Ludwig

          Anhang:
          Neurotropie, Bezeichnung dafür, daß eine Substanz (z.B. ein Toxin) oder ein Pathogen (z.B. HIV) eine Affinität zum Nervengewebe besitzt.

          Das Coronavirus ist neurotrop! Neue Hinweise auf potentielle Beteiligung des Nervensystems durch COVID-19
          https://www.lifepr.de/inaktiv/conventuscongressmanagement-marketing-gmbh/Das-Coronavirus-ist-neurotrop-Neue-Hinweise-auf-potentielle-Beteiligung-des-Nervensystems-durch-COVID-19/boxid/797905

          https://dgn.org/?s=neurotrop
          da u.a.:

          SARS-CoV-2 repliziert in Hirnzellen – zerebraler Befall könnte bedeutsam für die Letalität von COVID-19 sein
          „Eine neue Studie zur Neuroinvasion durch SARS-CoV-2 hat es sogar in die „New York Times“ geschafft, denn sie liefert erstmals Evidenz dafür, dass das Virus nicht nur in Hirnzellen eindringen kann, sondern sich dort auch repliziert. Auch zeigt sie, dass der zerebrale Virusbefall für die Letalität bedeutender sein könnte als der pulmonale; dassSARS-CoV-2 ein zerebrales Gefäß-Remodeling induziert und dass (im Gegensatz zu anderen als neurotropen Viren) eine spezifische Immunantwort im Hirngewebe weitgehend zu fehlen scheint.“
          https://dgn.org/journal_club/sars-cov-2-repliziert-in-hirnzellen-zerebraler-befall-koennte-bedeutsam-fuer-die-letalitaet-von-covid-19-sein/

          Prof. Berlit im Interview mit dem Deutschlandfunk: COVID-19 ein Fall für die Neurologie
          „Wir wissen von den früheren Coronavirus-Infektionen MERS und SARS, dass die eine hohe Neurotropie haben. Das heißt, dass über Nerven diese Viren ins Gehirn gelangen können. Das ist für die früheren Infektionen auch so tatsächlich nachgewiesen.“
          https://dgn.org/neuronews/neuronews/prof-berlit-im-interview-mit-dem-deutschlandfunk-covid-19-ein-fall-fuer-die-neurologie/

          1. „Ich schrieb zu Ihrer Unterstellung einer Corona-Pandemie, statt einer Infuenza-Pandemie um1890“

            Das habe ich nicht unterstellt. Lesen Sie bitte, was ich geschrieben habe. HCoV-OC43 ist vermutlich um 1890 auf den Menschen übergesprungen. Das ist auch der Zeitraum, in dem die Russische Grippe auftrat. Soweit die Fakten. Ob es sich bei der Russischen Grippe nun tatsächlich um das Coronavirus oder um ein Influenza-Virus oder irgend etwas anderes handelte, weiss niemand, denn der Erreger ist ja nicht mehr nachweisbar.

      1. Ich habe meinen Kommentar noch einmal sorgfältig durchgelesen. Da gibt es keinen einzigen Satz, der nicht belegbar wäre.

        Im übrigen geht es in dem obigen Quarks-Artikel um die Frage „Wie enden Pandemien?“. Unter anderem eben auch, „wenn die Angst vor der Krankheit abnimmt, die Menschen die Einschränkungen nicht mehr hinnehmen wollen“.

        Das Zitat aus Wikipedia erschien mir deshalb ziemlich passend.

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