Tiere und Corona: Das wissen wir – und das nicht

Katzen stecken sich leicht mit dem Corona-Virus an. Bild: Unsplash

Katze, Hamster, Hund

Tiere und Corona:
Das wissen wir –
und das nicht

Vor allem Katzen und Hamster scheinen anfällig für SARS-CoV-2 zu sein: Sie stecken sich schnell an – und geben das Virus weiter. Aber nicht alle Tiere sind potentielle Überträger.

4. August 2020 | 24 Kommentare

Können sich auch Tiere mit dem Coronavirus infizieren?

Ja. Um sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 zu infizieren, brauchen Lebewesen unter anderem einen Rezeptor, an dem das Virus im Körper andockt. Dieser Rezeptor kommt in Menschen vor – und ebenso in manchen Tierarten. Allerdings sind nicht alle Tierarten mit dem Rezeptor gleich anfällig für das Virus.

Auch die Art und Weise, wie sich die Infektion bei den Tieren bemerkbar macht, variiert stark von Tierart zu Tierart. Dazu kommt, dass der Krankheitsverlauf – wie beim Menschen auch – davon abhängig zu sein scheint, wie viel Virus das Tier in sich trägt.

Am besten erforscht sind bislang Katzen, Hunde, Frettchen, Nerze und Hamster – alle diese Tierarten tragen den Rezeptor und können sich mit dem Virus infizieren. Katzen, Frettchen und Hamster gehören hierbei zu den Tieren, die besonders anfällig für das Coronavirus zu sein scheinen. Sie stecken sich (gegenseitig) schnell an, zeigen häufig Symptome und scheiden oft viel Virus aus.

Bei Katzen beschränkt sich die Anfälligkeit nicht nur auf Hauskatzen, sondern auch auf Groß- und Wildkatzen. Das zeigt ein Beispiel aus einem Zoo in New York. Dort litt Anfang April eine Tigerdame an Appetitlosigkeit und trockenem Husten, nachdem sie sich vermutlich bei ihrem mit SARS-CoV-2-infizierten Tierpfleger angesteckt hatte.

Welche Symptome haben die Tiere?

Bei Hunden löst das Coronavirus scheinbar keine Symptome aus. Aktuelle Studien aus Hongkong haben gezeigt, dass das Virus bei Hunden sehr schwach repliziert, was zum symptomfreien Verlauf beitragen könnte.  Anders bei Katzen: Sie müssen zwar nicht zwingend Symptome entwickeln – aber viele Tiere, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, hatten zuvor Erkältungsanzeichen wie Niesen, Husten oder Atemnot.

Auch Hamster sind von dem Virus stark betroffen. Sie zeigen ebenfalls Symptome wie Atemnot und Gewichtsverlust, auch die Lunge ist vom Virus beeinträchtigt. Und: Die Tiere können sich nicht nur über direkten Kontakt, sondern auch über Aerosole gegenseitig anstecken. Da der Hamster-Krankheitsverlauf dem eines Menschen mit einer milden COVID-19-Erkrankung ähnelt, eignen sich Goldhamster besonders gut, um einen milden Verlauf von COVID-19 zu untersuchen – und für die Medikamenten-Forschung.

Wichtig ist hierbei aber zu sagen, dass Hamster bisher nur experimentell im Labor infiziert wurden – in der “normalen Haustierumgebung” ist bislang kein Fall bekannt.

Das Gleiche gilt auch für Frettchen. Auch sie sind ein elementarer Teil der Forschung zu COVID-19, besonders wenn es um die Impfstoffentwicklung geht. Infizierte Frettchen zeigen aber, im Unterschied zum Hamster, keine klinischen Symptome. In Studien konnten jedoch große Mengen Virus im Respirationstrakt und auch im Stuhl nachgewiesen werden. Der Krankheitsverlauf von Frettchen lässt sich daher gut mit dem vieler infizierter Menschen vergleichen, die ja auch in großen Teilen symptomfrei bleiben.

Welche Rolle spielen Haustiere bei der Verbreitung des Virus?

Klar ist mittlerweile: Haustiere können sich auch beim Menschen anstecken. Das hat besonders eine vorab veröffentlichte Studie aus Norditalien gezeigt. Dort haben Wissenschaftler zwischen März und Mai 540 Hunde und 277 Katzen untersucht und auf das Virus getestet. Zwar hatte keines der Tiere ein positives Test-Ergebnis. Aber: Bei 13 Hunden und 6 Katzen wurden Corona-Antikörper nachgewiesen, was auf eine überstandene Infektion hindeutet.

Die Haustiere lebten alle in Haushalten mit Corona-Patienten oder in Gebieten der Lombardei, die besonders stark vom Virus betroffen waren. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Hunde und Katzen bei ihren Besitzerinnen mit dem Virus angesteckt haben. Die gute Nachricht: Bislang ist kein Tier nachweislich an Covid-19 gestorben.

Aber auch untereinander können sich die Tiere anstecken

Besonders durch gegenseitiges Ablecken, beim (spielerischen) Beißen oder durch das Teilen eines Fressnapfes kann sich das Virus unter Hauskatzen gut verbreiten.

Andersherum sind bisher weltweit aber keine Fälle bekannt, in denen Menschen von ihren Haustieren angesteckt wurden. Einzig aus den Niederlanden gibt es Hinweise, dass sich die Mitarbeiter einer Pelzfarm durch den Kontakt mit infizierten Nerzen selbst angesteckt haben könnten.

Dies ist laut Experten allerdings dadurch zu erklären, dass dort eine große Anzahl empfänglicher Tiere auf engem Raum gehalten wurde und die Viruslast entsprechend groß war – eine Menge an Virus also, die im normalen Umgang mit Haustieren eigentlich nicht auftritt. Außerdem spiele in diesem Fall auch noch die „sehr unnatürliche Haltung und Situation der Tiere“ eine Rolle, erklärt Albert Osterhaus vom Research Center for Emerging Infections and Zoonoses der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Keine Hinweise darauf, dass Tiere das Virus stark verbreiten

Das Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit schreibt auf seiner Website, dass bisher nichts darauf hindeutet, dass Haustiere eine Rolle bei der Verbreitung des Virus spielen. Einzig relevant für die Weiterverbreitung des Virus sei die Übertragung von Mensch zu Mensch.

Trotzdem sollte man sich auch bei Tieren an hygienische Standards halten – besonders, wenn man weiß, dass man selbst (oder das Tier) infiziert ist. Es wird beispielsweise davon abgeraten, sich vom Tier durch das Gesicht schlecken zu lassen oder intensiv mit ihm zu schmusen.

Wenn ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert ist und in Quarantäne muss, sollte das Tier, das sich mit diesem Menschen im selben Haushalt aufgehalten hat, wenn möglich ebenfalls weitestgehend in häuslicher Quarantäne bleiben. Dies ist wichtig, um die Gefahr der Weitergabe an andere Haushalte oder beispielsweise Tierheime durch das Haustier zu minimieren.

Wofür braucht man eine Meldepflicht?

Der Bundesrat hat am 3. Juli 2020 die Meldepflicht für Haustiere verabschiedet, die sich mit SARS CoV-2 infiziert haben. Dies ist aus wissenschaftlicher Sicht wichtig und sinnvoll. Nur mit solchen Daten lässt sich einschätzen, wie häufig sich Haustiere tatsächlich anstecken – und welche Symptome sie entwickeln.

Denn klar ist: Offiziell gemeldet sind laut der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) bisher nur Einzelfälle von infizierten (Haus)tieren – fünf Hunde, neun Katzen (zwei davon aus Deutschland), ein Löwe, ein Tiger, drei Nerzfarmen mit mehreren infizierten Tieren. Die Vermutung ist allerdings groß, dass die Dunkelziffer an infizierten Tiere deutlich höher ist.

Das Coronavirus ist nach allem, was wir bisher wissen, ein zoonotischer Erreger – er ist also vom Tier auf den Menschen übergesprungen. Daher ist die Rolle der Tiere in dieser Pandemie wichtig. Und es ist essentiell, sie weiter zu untersuchen.

Die PCR-Tests, mit denen das Coronavirus beim Menschen nachgewiesen wird, machen übrigens keinen Unterschied, ob sie bei einem Menschen oder einem Tier das Virus aufspüren – und können so für beide Spezies eingesetzt werden.

Wie sieht es mit Nutztieren (Schweinen, Hühnern, Rindern) aus?

Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass Schweine, Hühner, Enten und Puten nicht empfänglich für SARS-CoV-2 zu sein scheinen. Sie ließen sich in Versuchen nicht mit dem Coronavirus infizieren, weil der Rezeptor fehlt, an dem das Virus andocken muss. Ausgehend von diesen Ergebnissen hält das Friedrich-Löffler-Institut eine Untersuchung von Schlachttieren momentan für nicht sinnvoll. Es gibt zwar Coronaviren, die bei Rindern auftreten und in der Vergangenheit auf den Menschen übergegangen sind – für SARS-CoV-2 aber wurde das bisher nicht beobachtet.

Wie gefährlich sind Fledermäuse?

Im Moment gehen die Wissenschaftler davon aus, dass das Virus ursprünglich von einer Fledermaus (Hufeisennase) stammt und dann über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen ist. Die Vermutung stammt daher, dass man Gensequenzen anderer Coronaviren in Fledermäusen gefunden hat, die dem von SARS-CoV-2 sehr ähnlich sind. Da die Sequenzen allerdings nicht deckungsgleich sind, bestärkt dies die Zwischenwirt-Theorie.

Außerdem wird diese Theorie davon gestützt, dass das erste SARS-Coronavirus im Jahr 2002/2003 auch durch einen Zwischenwirt übertragen wurde (vermutlich Schleichkatzen), ebenso wie MERS (Dromedare). Welches Tier im Fall des neuartigen Coronavirus dieser Zwischenwirt war, ist noch völlig unklar und muss weiterhin untersucht werden.

Sind also unsere heimischen Fledermäuse gefährlich? Davon gehen Experten nicht aus. Unter anderem, weil das Coronavirus eben sehr wahrscheinlich nicht direkt von der Fledermaus auf den Menschen übergegangen ist. In Fledermäusen treten zwar häufiger Coronaviren auf, diese müssen allerdings nicht zwingend eine Erkrankung hervorrufen. Auch unsere heimischen Fledermäuse haben Coronaviren in sich.
Diese sind aber für Menschen irrelevant, da sie in der Form, wie sie in Fledermäusen auftreten, im menschlichen Körper nicht andocken können. Daher warnt besonders die Deutsche Fledermauswarte davor, Fledermäuse zu bekämpfen oder in irgendeiner Form gegen sie vorzugehen.

Autorin: Annika Witzel

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24 Kommentare;

  1. Update zu den Infektionsfällen bei Haustieren:

    Eine weitere Studie aus Frankreich (noch im Preprint) weist bei Hunden und insbesondere bei Katzen von CoViD-Patienten Antikörper gegen das Coronavirus nach. Aber auch in Haushalten ohne bekannten CoViD-Fall wurden vereinzelt Antikörper bei Haustieren erkannt.

    „Seropositivity was significantly greater among pets from COVID-19+ households to those with owners of unknown status. Our results highlight the potential role of pets in the spread of the epidemic.“
    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.22.307751v1

    1. Auch in Spanien wurden SARS-CoV-2 Infektionen bei Hunden festgestellt. Bei einigen Tieren kam es zu starken Lungenschäden. Möglicherweise spielten dabei Co-Infektionen mit Mycoplasmen eine Rolle. Die Infektionen waren immunologisch und z.T. durch das Krankheitsbild erkennbar, das Virus konnte aber nicht mittels PCR-Test nachgewiesen werden.

      Humoral response to SARS-CoV-2 by healthy and sick dogs during COVID-19 pandemic in Spain
      https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.22.308023v1 (Preprint)

  2. Update zu den Infektionsfällen bei Nerzen (Stand 15.09.20):

    In Holland werden nun mindestens 66 Coronafälle mit Nerzen in Verbindung gebracht [1]. Trotz aller Maßnahmen wurden zwei weitere niederländische Nerzfarmen mit dem Virus infiziert [2], etwa zwei Millionen Nerze mussten bisher getötet werden [3]. In Dänemark sind mittlerweile 6 Nerzfarmen betroffen [4].
    Es ist weiterhin ungeklärt, wie das Virus auf die Farmen gelangt ist. Wenn man Kontakte mit Wildtieren ausschließen kann, wäre meiner Meinung nach das Tierfutter eine mögliche Quelle, die kritisch überprüft werden muss.

    [1] https://www.dutchnews.nl/news/2020/09/at-least-66-people-linked-to-fur-farms-have-had-coronavirus-with-mink-a-likely-source/
    [2] https://www.rijksoverheid.nl/actueel/nieuws/2020/09/14/twee-nieuwe-besmettingen-covid-19-bij-nertsenbedrijven
    [3] https://flutrackers.com/forum/forum/-2019-ncov-new-coronavirus/netherlands-covid-19/854302
    [4] https://www.fas.usda.gov/data/denmark-sixth-danish-mink-farm-infected-coronavirus

  3. Update zur möglichen Rolle von Nutztieren bei der Verbreitung von SARS-CoV-2:

    Eine weitere Studie ist erschienen, die anhand des ACE-2-Rezeptors eine Liste von 96 (!) Säugetierarten präsentiert, die als Überträger des Virus infrage kommen.
    Diese Liste enthält neben Primaten, Carnivoren (Katzen, Marder, Füchse) und Nagetieren (Ratte, Murmeltiere, Hamster, Kaninchen) auch folgende für den Menschen bedeutsame Nutztiere: Pferd (in vitro bestätigt), Esel, Ziege (in vitro bestätigt), Rinder (in vitro bestätigt), Schaf (in vitro bestätigt), Schwein (in vitro bestätigt) und Kamel (in vitro bestätigt).

    „Many animals have been reported to be infected by SARS-CoV-2 in nature or the laboratory, suggesting a possibly wide host range for this novel coronavirus. Currently, the number of animals that have been experimentally tested is very small compared to the huge number of animal species. […] Our result suggests that many mammals are likely to be potential intermediate hosts of SARS- CoV-2, which is consistent with a few recent studies [35, 37, 52]. Here, the ACE2 proteins of 285 species were assessed because their sequences were of good quality. In reality, there are more animals whose ACE2 proteins have not been sequenced yet. Thus, although 96 mammals in this study were predicted to have an effective ACE2 receptor capable of binding SARS-CoV-2 Spike, it does not necessarily mean that the real intermediate host must be one of them.“

    Identifying zoonotic origin of SARS-CoV-2 by modeling the binding affinity between Spike receptor-binding domain and host ACE2
    https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.11.293449v1

    1. Kaninchen können das Virus offensichtlich vermehren und verbreiten:

      „This study demonstrates that rabbits are susceptible to SARS-CoV-2. While the infection is asymptomatic, infectious virus with peak titers corresponding to ~103 TCID50 could be detected up to day seven post inoculation in the nose. The minimum dose to establish productive infection was 105 TCID50, indicating that virus transmission between rabbits may be less efficient compared to ferrets and hamsters. The use of young, immunocompetent, and healthy New Zealand White rabbits in this study however may not reflect virus shedding and disease in other rabbit breeds or rabbits at different ages. Thus, surveillance studies – including serological testing – may be needed to assess the presence of SARS-CoV-2 in farmed rabbits.“

      Quelle:
      Susceptibility of rabbits to SARS-CoV-2 (Preprint)
      https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.08.27.263988v1

  4. Update zur möglichen Rolle von Nutztieren bei der Verbreitung von SARS-CoV-2:

    Inzwischen wurde ziemlich klar nachgewiesen, dass sich Schweine tatsächlich mit SARS-CoV-2 infizieren können und das Virus auch vermehren:
    „The results presented in this study define domestic swine as a susceptible species albeit at low levels to SARS-CoV-2 viral infection. One animal was found to retain live virus, while two additional animals had detectible RNA measured in the nasal wash, and two pigs developed antibodies. In total, of the sixteen animals experimentally inoculated, five displayed some level of exposure or elicited an immune response to the virus, representing roughly 30% of the study cohort. One pig displayed mild, non-specific clinical signs, including coughing and depression in addition to multiple pigs demonstrating mild ocular and nasal discharge.“

    Quelle: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.10.288548v1 (nicht peer-reviewed)

  5. Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) stellt die Situation inzwischen folgendermaßen dar:

    “Currently the risk of human-to-animal transmission to non-captive wildlife species warrants concern. A number of cases have demonstrated natural human-to-animal transmission of SARS- CoV-2 in felids, canids and mustelids, the majority due to close and prolonged contact with infected households or people, and none has involved free-ranging wildlife.
    […]
    There are valid concerns about the health of individuals or populations if infected with the virus and/or a wildlife population becoming a reservoir for SARS-CoV-2. Any wildlife species/taxa that becomes a reservoir for SARS-CoV-2 could pose a continued public health risk of zoonosis, a risk for the transmission of SARS-CoV-2 to other animal species, and risk negative perceptions resulting in human threats to that species or their populations.“

    Quelle: http://www.iucn-whsg.org/sites/default/files/WHSG%20and%20OIE%20COVID-19%20Guidelines%2025%20Aug%202020.pdf

  6. Update zu den Infektionsfällen bei Nerzen (Stand 31.08.20):
    In Anbetracht der dramatischen Lage wurde in Holland jetzt die Reissleine gezogen: die kommerzielle Nerzzucht wird endgültig beendet.
    Eigentlich gab es ja einen Beschluss, demzufolge etwa 100 Farmen ohne Corona-Befall noch bis 2024 weiter betrieben werden sollten. Doch nun wurde entschieden, dass es bereits ab März 2021 in den Niederlanden keine Nerzfarmen mehr geben wird.

    Quelle: https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-netherlands/netherlands-to-close-mink-farms-after-coronavirus-outbreaks-idUSKBN25N2W2

  7. Danke an Quarks für den Artikel, einiges davon war mir zwar schon bekannt, anderes nicht, gut das mal zusammengefasst hier zu lesen.
    Danke auch an Silene, für die Updates.

    Ich hoffe, dass die bislang nur vereinzelt beobachteten Fälle des Überspringens des Virus von Nutz- bzw. Haustieren auf Menschen auch so die Realität in der Größenordnung korrekt wiedergeben.

    Dann wäre es für die Pandemie unter den Menschen vermutlich kein wirkliches Problem, wenn gleich man die Leute, die Haustiere haben, bzw. in der Tierzucht arbeiten unbedingt stärker darüber aufklären sollte.

    Eine andere Frage, neben den „praktischen“ aktuell relevanten, wäre die ethische, da es ja auch Anhaltspunkte dafür gibt, das diese Pandemie wie auch schon andere Viren, also etwa die von Quarks genannten, oder auch HIV vom Tier auf den Menschen übergesprungen sind.

    Oft sind dabei bestimmte Formen der Tierhaltung, der Nahrungszubereitung, bzw. des Verzehrs (HIV zb. Rohe Hirnmasse von Affen, soweit ich weiß), des Handels, des Vordringens der menschlichen Zivilisation in immer weitere, zuvor „unberührter“ Natur, incl. der Verdrängung und Nutzung auch von Wildtieren, relevant
    Wir sollten also unser komplettes Verhältnis zu Wild und Nutztieren auch im Sinne der Vorbeugung weiterer Pandemien unbedingt öffentlich, wie in den entsprechenden internationalen Gremien diskutieren, und auch im Sinne des Tier- und Naturschutzes dringend verändern.
    Wichtig dabei auch Armut, Ungleichheit in vielen dafür besonders exponierten Ländern zu bekämpfen, wenn dies – wie es sich leider ja verhält – schon nicht aus humanitären Motiven heraus passierte.

    Ebenfalls wäre natürlich bei uns (D, EU etc.) unbedingt ein drastischer Rückbau der Massen-Tierhaltung angebracht, wie ich finde schon alleine wg. des Tierschutzes (wirklich extrem unhaltbare Zustände hier), auch wenn jetzt Schweine, Rinder etc. nicht, oder praktisch nicht betroffen sind.
    Das kann sich schnell ändern, bei der nächsten Pandemie.
    Ich kann das jetzt zwar nicht mehr zuordnen, aber ich hatte gelesen, das wohl Wissenschaftler (genaueres erinner ich nicht) die höchste Wahrscheinlichkeit für den „Ausbruch“ der nächsten Pandemie in der Nutztierhaltung, bei unserer Massentierhaltung sehen.
    Auch wenn dies nicht stimmen sollte, so ist es ein fortlaufender Skandal aller ersten Ranges (Silene, Sie hatten glaub ich auch darauf hingewiesen) dass „wir“ durch unsachgemäßen, übermäßigen, legalen, wie illegalen (da von Amtsärzten quasi kaum kontrolliert) Einsatz von Antibiotika uns die Multiresistenten Keime selbst heranzüchten, die dann in den Krankenhäusern, gepaart mit Sparzwang und Inkompetenz jährlich vermutlich 10.000den das Leben kosten, oder zu schweren Komplikationen führen.

    Kurz, unser Verhältnis zum Tier ist irrational, ausbeuterisch, ethisch nicht zu rechtfertigen und von enormen Risiken für die Menschheit bestimmt. (Die Naturzerstörung lassen wir mal gerade außen vor)
    Auch war ja wohl allen Experten klar, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis uns so eine Pandemie treffen würde … (ich hatte diese Befürchtung auch schon lange), erschreckend wie wenig dies Ernst genommen und Vorsorge getroffen wurde ..

    Ich bin auch da sehr skeptisch, aber klar, diese Pandemie wäre ein heftiger Denkanstoß für einen skizzierten Kurswechsel, hin zu verantwortlicher Tierhaltung, und auch klarer Ausweisung weltweiter Naturschutzgebiete, allen voran die Regenwälder, auch wg. des Klimas.
    ME ist aktuell gar die Wahrscheinlichkeit der kompletten Zerstörung des Amazonas Regenwaldes höher, als dass dies nicht passiert.
    Auch da gibt es Kipppunkte, etwa wenn dort der Wasserhaushalt nachhaltig und unwiderruflich zerstört wird, wenn ich Recht erinnere (ohne Gewähr) ist das schon bei ca. 25% Zerstörung, also Rodung der Fall.

    Da möchte ich nur die Aussage von Mojib Latif , einem der renommiertesten dt. Klimaforscher, und Präsident des dt. Club of Rome wiedergeben, der sinngemäß sagte, wenn wir die jetzige Corona-Krise – die ja ein Herunterfahren vieler Bereiche, wie zB. Luftfahrt, Konsum, Tourismus, Kreuzfahrten etc., zur Folge hatte – nicht für eine dauerhafte Umstrukturierung hin zu einer „grünen“ und einer im Sinne des Klimaschutzes nachhaltigen Wirtschaft nutzen, dann haben wir die aller letzte Chance vertan!
    Versagen wir, dann würde das Auslösen zusätzlicher Kipppunkte bei der globalen Aufheizung des Planeten unwiderruflich, was das heißt dürfte in etwa bekannt sein. (anders Thema)

    Wenn ich mir die aktuelle Situation in D anschaue, Querdenkerdemos mit AfD, Nazis .., wie immer mediale Desorientierung, FFF wegen Hygiene-Regeln (die jene halt Ernst nehmen) in der öffentlichen Wahrnehmung, auf der Straße im Rückzug, eine parteipolitische Stimmungslage demnach zb. auch beim Tierschutz und dem Thema Tiere-Corona unter einer künftigen CDSU Regierung sich nichts ändern wird, und die erst Recht keine Klimapolitik, und Nachhaltige Vorsorge gegen weiterer Pandemien betreiben wird, egal ob in D, der EU, oder international, so sehe ich für die Zukunft schwarz.
    Das wir allerdings die Corona-Pandemie 2021 weitgehend in den Griff bekommen, halte ich für sehr wahrscheinlich.
    Gruß
    Ludwig

  8. Eine Studie aus den Niederlanden (im Pre-Print) zeigt, dass sich auch Kaninchen mit SARS-CoV-2 anstecken können. Die untersuchten Tiere blieben frei von Symptomen, schieden das Virus aber dennoch über die oberen Atemwege aus.

    Quelle: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.08.27.263988v1

    Anmerkung: Hamster, Kaninchen, Katzen, Hunde und verschiedene Marder können Vektoren für das Virus sein. Jetzt wäre es spannend, auch mal Füchse zu untersuchen.

  9. Update zu den Infektionsfällen bei Nerzen (Stand 28.08.20):
    Das Virus breitet sich weiter auf Nerzfarmen aus. In Holland und in Dänemark wurde jeweils ein weiterer Betrieb infiziert.

  10. Update zu den Infektionsfällen bei Nerzen (Stand 26.08.20):

    Mittlerweile sind 40 Nerzfarmen (38%) in den Niederlanden von SARS-CoV-2 betroffen.

  11. Update zu den Infektionsfällen bei Nerzen (Stand 18.08.20):

    Inzwischen sind in den Niederlanden 33 von 128 Nerzfarmen von SARS-CoV-2 verseucht, 1,5 Millionen Tiere (30% des gesamten Bestandes) wurden deshalb bereits getötet. Genetische Analysen zeigen, dass sich zwei Mitarbeiter eines Betriebes mit hoher Wahrscheinlichkeit bei den Tieren angesteckt haben.

    Auch in Dänemark breitet sich das Virus auf Nerzfarmen weiter aus. Derzeit sind dort vier von rund 1200 Farmen betroffen.

    In Spanien ist bisher nur eine Nerzfarm betroffen. Sieben Mitarbeiter haben sich dort möglicherweise bei den Tieren angesteckt.

    Über die Situation in anderen Ländern, die in großem Maßstab Pelztierzucht betreiben (Polen, Finnland, Schweden, Griechenland, Litauen) ist zur Zeit nichts bekannt.

    Quellen:
    https://www.dutchnews.nl/news/2020/08/coroanvirus-found-on-more-mink-farms-pressure-mounts-on-minister-to-close-them-all/
    https://www.avma.org/resources-tools/animal-health-and-welfare/covid-19/depth-summary-reports-naturally-acquired-sars-cov-2-infections-domestic-animals-and-farmed-or
    https://flutrackers.com/forum/forum/-2019-ncov-new-coronavirus/denmark-covid-19/870823-denmark-4-mink-farms-affected-by-coronavirus
    https://time.com/5875031/europe-mink-farms-coronavirus/

  12. Ein Bericht der zeigt, dass die Fleischindustrie „mitspielt“. Das hätte man Mal deutlicher erwähnen können. Studien und Testungen von Tieren werden unterlassen, ein Skandal!!

  13. Zwei weitere relevante Studien wurden (im Preprint) veröffentlicht:

    1. Evidence of exposure to SARS-CoV-2 in cats and dogs from households in Italy
    In Norditalien wurden bei 3,4% von 540 untersuchten Hunden und bei 3,9% von 277 untersuchten Katzen Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Es sieht also danach aus, als ob die Infektionsrate bei Menschen und Haustieren in dieser Region ähnlich hoch ist.
    Quelle: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.07.21.214346v2.full

    2. SARS-CoV-2 infection, disease and transmission in domestic cats
    Experimentell wurde nachgewiesen, dass Hauskatzen mit SARS-CoV-2 infiziert werden können und dass sie das Virus vermehren. Die infizierten Versuchstiere zeigten keine Krankheitssymptome, waren aber ohne weiteres in der Lage das Virus an andere Katzen weiterzugeben. Die Ausscheidung der Viren verlief über die Atemwege und über den Darm.
    Quelle: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.08.04.235002v1.full

    Beide Studien haben sich nicht damit befasst, ob Haustiere eine Infektionsquelle für Menschen sind. Die Ergebnisse zeigen aber klar, dass zumindest (freilaufende) Katzen als Reservoir und Verbreiter des Virus infrage kommen.

  14. Noch eine Ergänzung:
    Aufgrund von CoViD-19-Infektionen mussten in den Niederlanden etwa 1 Million Nerze getötet werden, 25 Pelztierfarmen waren betroffen. In Anbetracht dieser Umstände hat das niederländische Parlament am 23.06. beschlossen, die Pelztierzucht ab 2024 grundsätzlich zu verbieten.
    In Dänemark, dem weltweit führenden Produzenten von Nerzpelzen, wurden bisher bei 3 Zuchtbetrieben Infektionen von Tieren durch das Coronavirus nachgewiesen. Auch hier wurden zehntausende Tiere getötet. Wegen der großen wirtschaftlichen Bedeutung wurden die Betriebe aber nicht geschlossen.
    Auch in Spanien sind jetzt erste Coronafälle bei Pelztieren entdeckt worden. Gerade wurden in der Provinz Aragon 93.000 Nerze getötet, weil der Bestand einer betroffenen Farm zu fast 90% mit SARS-CoV-2 durchseucht war.

    Aufgrund von Sequenzanalysen vermutet man, dass zumindest in den Niederlanden eine Virusübertragung auf Menschen durch kranke Nerze stattgefunden hat. Ob die Nerze selbst durch Menschen, freilaufende Katzen oder womöglich über das Futter mit dem Virus in Berührung gekommen sind, ist ungeklärt.

    Vorsorglich hat die OIE (World Organisation for Animal Health) gerade folgendes Statement veröffentlicht:
    „Although several animal species have been infected with SARS-CoV-2, these infections are not a driver of the COVID-19 pandemic; the pandemic is driven by human-to-human transmission.“

    In diesem Zusammenhang ist es erwähnenswert, dass auch Christian Drosten vor einiger Zeit spekuliert hat, dass Pelztierfarmen in China (in diesem Fall ging es um Marderhunde) der Ausgangspunkt der Corona-Pandemie sein könnten.

  15. Ich hätte mir eine kritischere Diskussion gewünscht, was die mögliche Rolle von Nutztieren – insbesondere von Schweinen – bei der Verbreitung von SARS-CoV2 angeht.

    Sie schreiben: „Sie ließen sich in Versuchen nicht mit dem Coronavirus infizieren, weil der Rezeptor fehlt, an dem das Virus andocken muss. Ausgehend von diesen Ergebnissen hält das Friedrich-Löffler-Institut eine Untersuchung von Schlachttieren momentan für nicht sinnvoll.“

    Was die Studie des FLI angeht: Gerade mal neun Tiere wurden unter Laborbedingungen getestet! Höchstwahrscheinlich kamen alle Versuchstiere vom gleichen Züchter und waren jung und gesund (klare Daten dazu wurden m.W. noch nicht veröffentlicht).
    Gibt es nicht auch Millionen Menschen, die mit SARS-CoV-2 in Berührung gekommen sind, ohne sich zu infizieren? Allein daraus kann man doch nicht den Schluss ziehen, dass alle Schweine und Menschen gegen das Virus immun wären.
    Bei Menschen können Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und möglicherweise auch Medikamente (ACE-Hemmer, Angiotenside) sowie ethnische Unterschiede das Risiko einer Infektion enorm erhöhen. Aus einer vergleichsweise winzigen und nicht repräsentativen Stichprobe von Versuchstieren darf man keine voreiligen Schlüsse ziehen.

    Nun zur zweiten Behauptung, dass den Tieren der passende Rezeptor fehlen würde, an dem das Virus andocken kann. Es geht dabei um ein Membranprotein mit der Bezeichnung ACE-2. Durch mehrere unabhängige Studien ist belegt, dass zumindest Schweine molekularbiologisch kompatibel für SARS-CoV-2 sind. Hier ein paar Zitate aus Veröffentlichungen:

    „Notably, it was reported that SARS‐CoV‐2 could use angiotensin‐converting enzyme 2 (ACE2) from four animal species including porcine ACE2 as the receptor to enter the cell in vitro, possibly suggesting that pigs may be susceptible to SARS‐CoV‐2 infection.“
    Quelle: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/xen.12591

    „2019-nCoV RBD likely recognizes ACE2 from pigs, ferrets, cats, orangutans, monkeys, and humans with similar efficiencies, because these ACE2 molecules are identical or similar in the critical virus-binding residues.“
    Quelle: https://jvi.asm.org/content/94/7/e00127-20

    „Notably, the proportion of SARS-CoV-2 target cells in cat was found considerably higher than other species we investigated and SARS-CoV-2 target cells were detected in multiple cell types of domestic pig, implying the necessity to carefully evaluate the risk of cats during the current COVID-19 pandemic and keep pigs under surveillance for the possibility of becoming intermediate hosts in future coronavirus outbreak.“
    Quelle: https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.13.149690v1

    In einem Interview mit dem Guardian betonte auch Christian Drosten vor ein paar Monaten, dass von der Viehwirtschaft ein großes Risiko ausgeht:

    „ Coronaviruses are prone to switch hosts when there is opportunity, and we create such opportunities through our non-natural use of animals – livestock. Livestock animals are exposed to wildlife, they are kept in large groups that can amplify the virus, and humans have intense contact with them – for example through the consumption of meat – so they certainly represent a possible trajectory of emergence for coronaviruses. Camels count as livestock in the Middle East, and they are the host of the Mers virus as well as human coronavirus 229E – which is one cause of the common cold – while cattle were the original hosts for coronavirus OC43, which is another.“
    Quelle: https://www.theguardian.com/world/2020/apr/26/virologist-christian-drosten-germany-coronavirus-expert-interview

    1. Noch eine Ergänzung zur Studie des Friedrich-Löffler-Instituts. Tatsächlich wurden die Ergebnisse der Studie einige Monate nach der plakativen Pressemitteilung doch noch ordentlich publiziert, die Anzahl der untersuchten Schweine wurde erhöht.

      Die Autoren schreiben nun aber:
      „In summary, farmed animals such as chickens and pigs were resistant against intranasal SARS-CoV-2 inoculation under our experimental conditions. The small number as well as the young age of the animals were limitations and do not allow us to fully exclude the possibility of transmission among farm animals, which is relevant for risk assessment and epidemiology of the infection.“
      Quelle: SARS-CoV-2 in fruit bats, ferrets, pigs, and chickens:an experimental transmission study
      https://www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S2666-5247%2820%2930089-6

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