Warum die tödlichsten Viren unsere größte Hoffnung sein könnten

Therapie mit Phagen

Warum die tödlichsten Viren unsere größte Hoffnung sein könnten

Viren – manche von ihnen töten. Andere machen das Gegenteil, sie heilen.

30. Oktober 2018

Phagen zu benutzen ist doch gut?

Die Vorteile von Phagen liegen auf der Hand. Beispielsweise können Phagen auf unterschiedliche Art und Weise verabreicht werden und sie gelangen einfacher dorthin, wo sie gebraucht werden. In diesem Punkt sind sie den Antibiotika über.

Phagen sind außerdem viel spezifischer. Sie zerstören nicht andere, sensible Bakterien. Das spielt zum Beispiel im Darm eine große Rolle, denn Antibiotika können die empfindliche und äußerst wichtige Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen, indem sie sehr viele Bakterien abtöten und damit auch die, auf die der Mensch angewiesen ist.

Solange aber der medizinische Einsatz noch nicht bei allen Krankheiten bewiesen ist und es dazu wissenschaftlich solide Studien gibt, sollten Phagen nicht als die Lösung aller Probleme angepriesen werden. Einzelne Fallgeschichten sind zwar durchaus beeindruckend, aber sie sagen nichts über den Durchschnittspatienten aus.

Die Methode, Phagen gegen Krankheiten einzusetzen ist nicht neu, sondern rund 100 Jahre alt. Sie wurde in den 20er und 30er-Jahren intensiver beforscht, blieb dann aber aufgrund der Entdeckung von Antibiotika größtenteils unbeachtet. Lediglich in der ehemaligen Sowjetunion wurde weiter mit Phagen therapiert, dort gibt es auch seit Jahrzehnten ein sehr großes Forschungszentrum. Das Zentrum führt eine große Bibliothek an Phagen, die bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt werden können.

Es mangelt jedoch an wissenschaftlichen Studien und Follow-Ups, also Forschungen dazu, wie es den Patienten nach dem Einsatz der Phagen geht. Publikationen werden vor allem von Einzelberichten beherrscht.

Auch in den USA und in Deutschland gibt es Ärzte, die Phagen als letztes Mittel nutzen, also dann, wenn Antibiotika und sonstige Therapien nicht zum Erfolg geführt haben. Andere Einsatzgebiete sind allerdings nicht erlaubt – nur als experimentelle Maßnahme und letzte Notoption dürfen Phagen zur  Therapie eingesetzt werden.

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