Warum ein Impfstoff die Pandemie auch 2021 nicht beendet

Eine Impfung wird nicht das Ende der Coronapandemie sein. Bild: Volodymyr Hryshchenko/Unsplash.com

Coronavirus

Warum ein Impfstoff die Pandemie auch 2021 nicht beendet

Die Erwartungen und Hoffnungen sind groß. Ein wirksamer Impfstoff soll dem Coronavirus ein Ende bereiten und den bekannten Alltag zurückholen. Es ist unbequem, aber es wird nicht passieren.

29. September 2020

Darum geht’s:

Die Erwartungen an Impfstoffe sind hoch

Die Infektionszahlen steigen wieder, in manchen Ländern nehmen auch die Todesraten zu. Die Erwartungen an einen Impfstoff sind groß. Immer wieder wurde das Ende der Pandemie mit der Zulassung eines Impfstoffs in Verbindung gebracht. Der politische Druck ist groß, ebenso der wirtschaftliche: es ist ein Rennen der unterschiedlichen Pharmaunternehmen, denn der erste, taugliche Impfstoff garantiert ein lukratives Geschäft.

Fest steht: Die derzeitigen Impfstoffe werden die Pandemie nächstes Jahr nicht beenden und wir erklären, warum das so ist.

Darum sollten wir drüber sprechen:

Impfstoffprojekte gelten bislang alle als Erfolg

Impfstoffe sind präventive und daher besonders wichtige Maßnahmen, um Infektionskrankheiten einzudämmen. Zusammen mit immer besserer Hygiene konnte der Mensch so die Pocken ausrotten und auch Masern sind hierzulande zu einer seltenen Krankheit geworden.

Auch bei einer Pandemie können Impfstoffe ein wichtiges Instrument sein, um die Ausbreitung einzudämmen oder aber schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Noch nie war die Forschung finanziell so gut ausgestattet wie heute, nie haben konkurrierende Unternehmen so stark zusammengearbeitet und Behörden die bürokratischen Hürden abgebaut.

Die Vorzeichen sind gut, aber erst die Ergebnisse entscheiden

Das alles sind gute Vorzeichen. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Impfstoffkandidaten extrem hoch. Gerade jetzt befinden sich einige in der letzten und wichtigsten klinischen Phase. Werfen wir also einen wissenschaftlichen Blick auf das, was die Impfungen können, was wir nicht wissen und was man mit Sorge betrachten muss

Aber:

Der Schutz ist noch gar nicht garantiert

Derzeit befinden sich neun Impfstoffe in so genannten Phase 3-Studien. Dies bezeichnet die letzte, vorgeschriebene und wichtige Testphase für Arzneimittel und Impfstoffe. Dabei werden derzeit jeweils zehntausende Menschen geimpft. Nur so lassen sich seltene Nebenwirkungen mit größerer Wahrscheinlichkeit beobachten und die Wirkung in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen untersuchen.

Was passiert in den Studien?

In den bereits erfolgten Phase 1- und Phase 2-Studien sollten die Hersteller sicherstellen, dass die Impfung in erster Linie sicher und verträglich ist und man bereits die richtige Dosierung findet. Optimalerweise zeigen sich bereits in diesen Phasen Immunantworten. Das trifft auf die bisherigen, fortgeschrittenen Impfstoffe zu.

Die Weltgesundheitsorganisation hat minimale Voraussetzungen festgelegt, die die Hersteller nun in den letzten Studien nachweisen müssen:

  1. Keine gesundheitlichen Risiken
  2. Schutzwirkung von mindestens 50 Prozent oder mehr
  3. Schutzdauer von einem halben Jahr oder länger

Unklar ist für jeden Impfstoff Kandidaten bisher:

  • Wen schützt er alles ausreichend?
  • Wie lange besteht die Schutzwirkung?
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen

Die derzeitigen Phase 3-Studien umfassen derzeit zwischen 30.000 und 65.000 Probanden. Die Hälfte von ihnen wird mit einem Impfstoffkandidaten geimpft, die andere Hälfte bekommt ein Placebo verabreicht, etwa eine simple Kochsalzlösung. Anschließend werden die Probanden beobachtet.

Diese große Studiengruppe ist die erste und einzige Chance, seltene Nebenwirkungen zu beobachten. Ein Teil der Phase 3-Studie der Firma AstraZeneca wurde kurz nach Beginn pausiert, als bei zwei Probanden schwerwiegende Nervenerkrankungen festgestellt wurden. Ob der Impfstoff der Auslöser war oder aber die Krankheit erst durch die enge medizinische Betreuung auffiel, muss nun geklärt werden. Solche Nebenwirkungen können das Aus eines Impfstoffs bedeuten, der ursprünglich für Millionen Menschen gedacht war.

Gerade deshalb wird auch der russische Impfstoff “Sputnik V“ kritisch beurteilt. Dieser wurde noch vor dem Start einer Phase 3-Studie vom russischen Gesundheitsministerium registriert und grundsätzlich für die breite, zivile Nutzung freigegeben. Zusätzlich kritisierten Wissenschaftler Ergebnisse früherer Studien und erklärten sie für unplausibel.

Warum finden die Studien nicht hier, sondern vor allem in (Süd)-Amerika statt?

In erster Linie will man nun herausfinden, ob die Impfung vor Covid-19 schützt oder nicht. Um das zu erkennen, muss man vergleichen, wie viele Menschen aus der Impf-Gruppe und der Placebo-Gruppe sich infiziert haben und welche Symptome sie zeigen. Wo es keine Infektionen gibt, würde man keine Studienergebnisse bekommen.

In Europa gab es im Sommer relativ wenige Infektionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich einer der Probanden ansteckt, sinkt damit und die nötige Beobachtungszeit steigt. In Ländern mit höheren Fallquoten sinkt dementsprechend die Beobachtungszeit bis sich genug Probanden infiziert haben, um statistische Zusammenhänge zu erkennen.

Um schneller an aussagekräftige Studienergebnisse zu gelangen, wurden für die letzte Phase deshalb vor allem Probanden in (Süd-)Amerika ausgewählt.

Die verschiedenen Personengruppen

Soweit das übliche Prozedere. Doch in diesen Tagen ist vieles anders. Die großen Pharmahersteller haben gemeinsam versichert, dass die Sicherheit der Impfstoffe an erster Stelle steht. Erstmals haben sie auch alle Studienprotokolle schon vor und während der Tests öffentlich einsehbar online gestellt. Die einsehbaren Studienprotokolle haben aber auch berechtigte und plausible Kritik nach sich gezogen.

Üblicherweise dauern die klinischen Studien der Phase 3 bis zu vier Jahre. Aktuell soll eine  Schutzwirkung statistisch feststehen, wenn sich von den insgesamt 30.000 und mehr Probanden je nach Impfstoffkandidat zwischen 150 und 164 Menschen infiziert haben. Das würde als statistische Größe ausreichen, um die Wirkung zu belegen. Im besten Fall treten natürlich alle Infektionen nur in der Placebo-Gruppe auf, die die Hälfte aller Probanden umfasst.

Einzelne Firmenvertreter erwähnten jedoch, dass allein ein 50-prozentiger Unterschied zwischen Impf- und Placebo-Gruppe ausreichen könnte. Infizieren sich von den insgesamt 30.000 und mehr Probanden also 50 in der Placebo-Gruppe und 25 in der Impfstoffgruppe, würde das aus Sicht der Unternehmen bereits zufriedenstellend sein. Doch mit immer weniger Infektionen sinkt die Aussagekraft.

Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen mit solchen Daten auch eine vorläufige Notfallzulassung in den USA beantragen. Experten kritisieren einen solchen Schritt. Sie befürchten, dass in der kurzen Beobachtungszeit nicht alle seltenen Nebenwirkungen auffallen oder aber die statistische Aussagekraft der Daten nicht ausreicht.

Eine Notfallzulassung setzt viel Vertrauen aufs Spiel

Während der Pandemie wurden solche Notfallzulassungen schon öfter umgesetzt. Im Fall vom Medikament Hydroxychloroquin musste diese Genehmigung später widerrufen werden, bei sogenannten Plasmatherapien sprechen Experten weiterhin von einer sehr dürftigen Datengrundlage.

Eine vorzeitige oder beschränkte Zulassung könnte, sofern nicht ausreichend Daten zur Wirksamkeit oder Nebenwirkungen vorliegen, bei Millionen von Menschen unerwartete Nebenwirkungen zur Folge haben und letztlich das Vertrauen in eine Impfung völlig zerstören. Selbst wenn eine andere, spätere Impfung ein hervorragendes Wirkprofil aufweist, wäre die Chance vertan, sollte die Impfquote drastisch sinken.

Warum Notfallzulassungen große Risiken bergen

Die einsehbaren Studienprotokolle zeigen, dass die Impfhersteller auch vorzeitig den Zwischenstand ihrer Studien einsehen können. Dies geschieht zu unterschiedlichen Zeitpunkten und nach einer festgelegten Anzahl an Infektionen ein bis vier Mal im vorgesehenen Testzeitraum.

Vorzeitige Stopps lassen sich zweierlei begründen

Laut gemeinsamen Standards der Pharmahersteller soll das einerseits verhindern, dass geimpfte Personen bei einer Infektion sogar einen theoretisch möglichen, stärkeren Krankheitsverlauf erleiden. Andererseits befürchten Experten jedoch, dass frühere Ergebnisse mit einer 50-prozentigen Schutzwirkung voreilig enden könnten. Denn je weniger Menschen sich insgesamt infiziert haben, desto schlechter die statistische Aussagekraft.

Theoretisch besteht etwa in den USA die Möglichkeit, einen Impfstoff per Notfallzulassung auf den Markt zu bringen. Selbst wenn sich diverse Expertengremien dagegen aussprechen, könnte sich das US-amerikanische Gesundheitsministerium darüber hinwegsetzen.

Ein weiteres Problem: in den Phase 3-Studien werden erstmals auch ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Diabetes bei den Probanden mit einbezogen. Das ist wichtig, weil sie besondere Risikogruppen für schwere Verläufe von Covid-19 darstellen. Ob die Daten nach wenigen Monaten auch bei diesen Personengruppen relevante Ergebnisse liefern können, gilt bislang als sehr unwahrscheinlich.

Für sie müssen weitere Studien explizit noch mehr Daten liefern. Von Grippeimpfstoffen ist bekannt, dass sie bei jungen Erwachsenen besser wirken als bei älteren Personen. Vielleicht sind hier andere Impfdosen notwendig oder sogar zusätzliche Impftermine.

Gleiches gilt für Personengruppen, die überhaupt nicht eingeschlossen werden, wie etwa Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren. Sie zeigen selten bis nie schwere Krankheitsverläufe. Treten bei einer Impfung jedoch regelmäßig auch leichte bis moderate Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Fieber auf, könnte die Kosten-Nutzen-Abwägung ergeben, dass die provisorische Impfung nicht zu empfehlen ist.

Was wir zu Covid-19 bei Kindern wissen, erklären wir hier

Wie lange die Impfung schützt, kann niemand voraussagen

Unklar ist derzeit ebenfalls, wie lange der Impfschutz anhält. Die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation sind möglich. Bisher gilt eine (auch natürliche) Immunität von sechs Monaten als realistisch.

Die Gruppe um den russischen Impfstoffkandidaten spricht sogar von bis zu zwei Jahren. Wirklich wissen kann man das jedoch erst nach exakt dieser Zeit. Alles andere sind zunächst Spekulationen.

Warum wir nicht nur auf einen Impfstoff warten sollen, erklären wir hier

Bisherige Impfungen mildern den Verlauf der Krankheit, nicht der Pandemie

Die fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten werden derzeit wie die meisten anderen Impfungen auch intramuskulär verabreicht. Sie erzeugen damit über das Hormonsystem eine Immunantwort und Antikörper können SARS-CoV-2 bei einer anschließenden Infektion erkennen und die Ausbreitung eindämmen. Das Problem: sie schaffen es nicht, die Infektion von vornherein zu verhindern. Das Virus kann noch immer in die Zellen eindringen. Erst im nächsten Schritt greift die Immunantwort.

Die oberen Atemwege sind dann weiterhin betroffen und die Träger könnten das Virus auch weiterverbreiten. Ein komplettes Ausbremsen der Pandemie bleibt also aus. Trotzdem: weniger schwere Verläufe und weniger Todesfälle sind ein wichtiger Schritt, insbesondere für Risikogruppen.

Im besten Fall schützt die Impfung obere und untere Atemwege

Die oberen Atemwege sind also weiterhin betroffen und die Träger könnten das Virus also noch immer weiterverbreiten. Ein komplettes Ausbremsen der Pandemie bliebe demnach aus. Allerdings variiert dieser Effekt je nach Impfstoffkandidat.

Dazu haben Forscher etwa Affen nach der Impfung gezielt infiziert. In einigen Fällen waren die Tiere auch vor einer Infektion geschützt, bei anderen konnten Forscher nur sehr geringe und womöglich ungefährliche Virusmengen nachweisen. Es bleiben aber Tierversuche und ob dies auch beim Menschen zutrifft, muss noch geklärt werden.

Ein weiteres Problem: Es wird nicht genügend Impfdosen geben, um die gesamte Weltbevölkerung von Beginn an durchzuimpfen (allein in der Theorie). Die meisten derzeitigen Impfstoffkandidaten werden in zwei Dosen im Abstand von circa vier Wochen verabreicht. Wenn etwa für Europa 300 Millionen Impfdosen eines Herstellers vorliegen, können damit höchstens 150 Millionen Menschen geimpft werden.

Und jetzt?

Es braucht Zeit zum Testen und Lernen

Kein Impfstoff kann in den kommenden Monaten schon alle Fragen beantworten. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden noch nicht ausreichend Dosen vorliegen, um die gesamte Bevölkerung und damit insbesondere die Risikogruppen vollständig zu impfen. Eine breite Impfstoffempfehlung für alle wird es erst geben, wenn noch mehr Daten vorliegen. Das braucht Zeit und vermutlich weitere Studien. Zuerst wird in Deutschland vermutlich geimpft, wer vom Robert-Koch-Institut als wichtige Gruppe gilt: Ärzte und Pfleger.

Die Impfung ist neben den AHA-Maßnahmen nur ein Instrument

Da es gleichzeitig viele verschiedene Impfstoffe gibt, die auch auf unterschiedlichen Wirkmechanismen beruhen, ist die Hoffnung und Chance groß, dass einer von ihnen sowohl gut wirkt als auch verträglich ist. Erste Studien deuten etwa daraufhin, dass manche Impfungen beispielsweise weniger Nebenwirkungen mit sich bringen als andere. Diese könnten eher in den Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden, die auch ohne Impfung nur einen milden Verlauf erleiden würden.

Da bisher niemand weiß, wie lange eine Impfung gegen Sars-CoV-2 tatsächlich schützt und jeder Geimpfte das Virus trotzdem verbreiten kann, gilt bisher, dass die Impfung kein Allheilmittel ist und die Pandemie auch 2021 noch nicht beendet sein wird. Die bisherigen Hygiene-, Abstands- und Masken-Maßnahmen werden auch weiterhin ein wichtiger Teil einer Gesamtstrategie sein, um die Ausbreitung einzudämmen.

Autor: Mathias Tertilt

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4 Kommentare;

  1. Hey, ganz toller Beitrag. Vielen Dank.
    Wie wäre es mit einer bundesweiten Plakatkampagne: „GDHA. – Gebt die Hoffnung auf!“.
    Daß sich die Zahl der Suizide verdreifacht hat und die der Angststörungen und Depressionen sogar vervier- bzw. verfünffacht, ist ja nur eine unbedeutende Kollateralwirkung, über die wir nicht sprechen dürfen, wenn wir nicht mit irgendwelchen irren blau-braunen Neonazis in einen Topf geworfen werden wollen. Von den vielen zusätzlichen Toden durch unbehandelte Krankheiten (weil die Menschen Panik hatten, überhaupt die „sichere“ Isolationshaft zu verlassen) mal ganz zu schweigen. Die gibt es ja offiziell gar nicht – oder sie sind selbst Schuld, weil sie sich ja hätten behandeln lassen können. Hauptsache, ein paar schwerkranke Geriatriepatienten/innen sterben nicht schon im Alter von 85 MIT (!) Covid, sondern erst drei Monate später an einem covidfreien Schlaganfall.

    Wie dem auch sei … auf jeden Fall scheint es neuerdings ganz ganz wichtig zu sein, daß niemand sich in der schrecklichen Illusion wiegt, dieser Irrsinn könnte irgendwann auch mal wieder ein Ende haben. Wir bleiben einfach bis in alle Ewigkeit schön isoliert zuhause, es sei denn wir sind „systemrelevante“ „Helden/innen“.

  2. @Quarks @Hr.Tertilt

    Ich denke, jetzt muss ich mal deutlich werden!

    Quarks: „Fest steht: Die derzeitigen Impfstoffe werden die Pandemie nächstes Jahr nicht beenden und wir erklären, warum das so ist.“

    Der Autor schreibt zu Recht, dass man viele Aspekte im Zusammenhang mit der Impfung (noch) nicht wissen kann, er aber weiß jetzt schon, dass die Pandemie 2021 nicht beendet wird, wie geht das?

    Da erinnere ich nur mal an dieses Posting von @Davinci, und meine noch nicht freigeschaltete Antwort darauf:
    Davinci: „Als Fazit steht dann eigentlich immer, dass wir aber einfach noch nicht genug wissen und dass wir unbedingt mehr Daten brauchen“
    https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/wie-viele-menschen-sterben-an-corona/#comment-10166

    Hier aber weiß der Quarks Autor genau Bescheid, von fehlenden Daten, Unsicherheiten und Ungewissheiten nichts zu hören …! Warum? Ideologie?

    Weiter schreibt Quarks zu Sputnik V: „Wirklich wissen kann man das jedoch erst nach exakt dieser Zeit. Alles andere sind zunächst Spekulationen“ .. er aber, spekuliert nicht, wenn er ins Jahr 2021 schaut, warum nicht?
    Begründung: „Bisherige Impfungen mildern den Verlauf der Krankheit, nicht der Pandemie“

    Der Autor schließt dabei von den aktuell „fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten“ auf alle denkbaren, bzw. dann real 2021 verfügbaren Vakzine, Belege dafür, dass dies so eintrifft? Null!

    Dann werden andere Kandidaten besprochen, die dann ja doch das Potential hätten, die Pandemie, also die Infektiösität merklich zu beeinflussen, zu denen schreibt der Autor: „Es bleiben aber Tierversuche und ob dies auch beim Menschen zutrifft, muss noch geklärt werden“
    Ja, so ist es, Hr. Tertilt weiß aber jetzt schon, dass dies bei Menschen nicht funktioniert, denn sonst wäre ja eine Ende der Pandemie doch denkbar!

    Zu den Impfstudien wurde angezweifelt, dass diese statistisch aussagekräftig sein könnten ..
    „Aktuell soll eine Schutzwirkung statistisch feststehen, wenn sich von den insgesamt 30.000 und mehr Probanden je nach Impfstoffkandidat zwischen 150 und 164 Menschen infiziert haben. Das würde als statistische Größe ausreichen, um die Wirkung zu belegen ..“

    Nun, das wären 0,5% der Probanden, die sich infizieren müssten, warum soll das in Corona HotSpots, zB . In Brasilien, unrealistisch sein, wo uns doch hier Silene regelmäßig Postings präsentiert, wo überall schon „Herdenimmunität“ erreicht sei, also ca. 60% der Bevölkerung sich angeblich infiziert haben?
    In einem aktiven Cluster läuft so was sehr schnell ab, das sich 0,5% anstecken, leider ..

    Nun das Problem der Impfdosen, demnach könnten nicht alle geimpft werden. … Kann schon sein .. aber ..
    Erstens, ist die Verfügbarkeit einer großen Zahl an Impfdosen von der Art des Impfstoffes abhängig, jene auf Basis von mRNA könnten wohl möglich doch in sehr großer Zahl schnell hergestellt werden, und
    zweitens, wo steht geschrieben, dass alle geimpft werden müssten, um einen wirksamen epidemiologischen Effekt zu haben?

    Zu den mRNA Vakzinen, wäre es mE schon denkbar den Weltbedarf zu decken, da relativ leicht herstellbar – sollten sich dafür etwa die Produktionskapazitäten geeigneter verschiedener Firmen für einen TOP Kandidaten vereinen lassen. Vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich. Oder die Errichtung neuer Produktionsstätten ..
    Es sind aktuell 2 mRNA Typen in Phase III, eins in Phase II.
    https://de.wikipedia.org/wiki/SARS-CoV-2-Impfstoff#SARS-CoV-2-Impfstoffkandidaten
    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/09/30/curevac-startet-mit-naechster-impfstoff-phase

    Zu diesen Impfstoffen schrieben sie selbst:
    „Die Mediziner müssten den Impfstoff auch nicht unbedingt spritzen. Man versucht, die meisten RNA-Impfstoffe direkt nasal zu verabreichen. Das erscheint sinnvoll, da viele Infektionen in den oberen Schleimhäuten beginnen“
    Und genau dort könnte er im günstigsten Fall auch wirksam werden, und so das Eindringen von SARS-Cov-2 soweit zu verhindern, dass eine Infektiösität mit CoVid-19 nicht auftritt. Auch da wäre zu bedenken, es gibt da Schwellenwerte, und auch ein dann nur noch leicht Infiziöser ist epidemiologisch wirksam, als effektive Bremse, als Stop Schild!
    Ähnliches ist bei der Impfung bei Schweinen bzgl. deren Coronaviren schon realisiert.

    Allerdings ist es mW bei RNA Impfstoffen (zb. Moderna) logistisch recht schwierig, diese „Flächendeckend“ zu verabreichen, da diese sehr stark herunter gekühlt werden müssen (-4° bis – 94° Fahrenheit), und auch 2x verabreicht werden müssen innerhalb von, in diesem Fall genau 28 Tagen!
    Aber auch da wird schon an Lösungen gearbeitet ..

    „Da es gleichzeitig viele verschiedene Impfstoffe gibt, die auch auf unterschiedlichen Wirkmechanismen beruhen, ist die Hoffnung und Chance groß, dass einer von ihnen sowohl gut wirkt als auch verträglich ist.“
    Da stimme ich ausdrücklich zu! Würde da gar im Plural reden!

    Es ist in der Regel wohl so, dass 65% der Impfstoffkandidaten aus Phase III auch auf den Markt kommen und zugelassen werden.
    Aktuell sind 10 in Ph.3, das wären demnach also schon mal 7 Impfstoffe, mit denen man jetzt schon rechnen könnte (+ die 2 schon zugelassenen), dabei wirds sicherlich nicht bleiben ..

    Ich finde, wenn man in so einer wichtigen Frage dazu völlig unüblich für Quarks solch absolute Aussagen trifft, dass also keines der Vakzine, oder auch alle zusammen, das Potential hätten, die „Pandemie zu beenden“, dann muss man auch ins Detail gehen, und dies für jeden in Frage kommenden Kandidaten, bzw. Typus, in allen Aspekten belegen! Auch Mathematik wäre da gefragt, s. zb. den unten noch verlinkten Artikel.
    Davon ist in dem Quarks Beitrag nichts erfolgt.

    Aber nichts desto trotz, dies von Quarks Gesagte ist mE richtig:
    „Die bisherigen Hygiene-, Abstands- und Masken-Maßnahmen werden auch weiterhin ein wichtiger Teil einer Gesamtstrategie sein, um die Ausbreitung einzudämmen“

    Aber darum ging es ja nicht in der Hauptsache.
    Es ging um die Pandemie, und deren Ende. Ich frage mich, was ist das also, wie soll man das definieren?
    Und ist „Ein komplettes Ausbremsen der Pandemie“, welches nach Quarks ja 2021 ausbliebe, das gleiche wie das „Ende der Pandemie“?

    Scinexx hat sich folgendes gefragt:
    “Corona: Kann ein Impfstoff die Pandemie stoppen?“
    https://www.scinexx.de/news/medizin/corona-kann-ein-impfstoff-die-pandemie-stoppen/

    „„All das spricht dafür, dass ein Impfstoff nicht das sofortige Allheilmittel für eine Rückkehr zur Normalität sein kann – zumindest nicht, solange die Impfrate und die Effektivität des Vakzins nicht ausreichend hoch sind“, sagen Lee und seine Kollegen. Es könnte daher gut sein, dass Maske, Social Distancing und Co auch nach Einführung des Impfstoffs noch eine Weile bleiben werden.
    „Entsprechend wichtig ist es, in der Bevölkerung jetzt nicht die falsche Erwartung zu wecken, dass all das nicht mehr nötig sein wird“, warnen die Forscher. Gerade wenn die Schutzwirkung des neuen Impfstoffs vielleicht sogar unter 70 bis 80 Prozent liegt, werde man ohne zusätzliche Maßnahmen kaum auskommen. „Das heißt aber nicht, dass ein solcher Impfstoff dann nutzlos wäre“, betonen sie. „Selbst wenn ein Vakzin die Pandemie nicht komplett auslöschen kann, wird es viele Leben retten, Erkrankungen verhindern und Kosten sparen.““
    Jetzt könnte man denken, da steht letztlich das gleiche wie bei Quarks, aber nein, das ist ganz und gar nicht der Fall! Dort wurden keine absolute Aussagen vertreten, zudem auch gerechnet .., und da sieht man dann auch, warum Quarks These falsch sein könnte!

    Denn dann kommen wir zu meinen Hauptkritik-Punkten:
    1. Wie definiert man das „Ende der Pandemie“, und wie wäre dies zu erreichen?
    2. Gilt dies nur Weltweit, oder Kontinental, oder National?
    3. Warum sollte man dieses „Ende“ denn nur unter Einsatz eines Vakzins (alleine) erreichen können, ohne andere Maßnahmen?

    Zu 1.
    Das Ende der Pandemie ist nicht unbedingt gleich das Ende von SARS-Cov-2, oder von CoVid-19!

    zB. haben wir jährlich Grippewellen, aber meist keine Grippe-Pandemie. Wo ist der Unterschied?
    In den Fallzahlen, der Sterblichkeit, und damit den auch sinnvollen evtl. Notwendigen, ergriffenen Gegenmaßnahmen.
    Auch Grippe Impfstoffe haben zT einen schlechten Wirkungsgrad, aber reichen im allg. aus, eine Pandemie zu verhindern (abgesehen vom wohl weniger ansteckenden Virus selbst)
    Auch SARS-Cov-2 könnte mutieren, zu einer weniger ansteckenden Variante, oder einer weniger aggressiven, oder gar beides. Das würde die Ausgangsbedingungen für Vakzine ändern. Diese müssten i.ü. deshalb nicht wirkungslos werden, bislang geht man jedenfalls mW davon aus. Corona mutiert demnach auch nur halb so stark/oft wie Influenza, und ¼ von HIV.
    Die Zelloberfläche ist über 1-2 Zehnerpotenzen stabiler als bei HIV oder Influenza .. Es könnte daher gut sein, dass jetzt wirksame Impfstoffe, die mW auch sowohl auf die G, wie die D Typen anschlagen, auch bis über 2021 hinaus wirksam sein könnten.

    Wie auch immer, epidemiologisch verhält es sich so: Liegen die Fallzahlen, wie auch R, wie auch die Letalität, oder eins von dem, unter einem bestimmten – sicher je nach Anschauung unterschiedlichen – Wert, ist es daher keine Pandemie mehr!

    Zu 2.+3.

    Es wäre durchaus denkbar, dass die Pandemie „regional“ gestoppt werden könnte. Je nach Definition wäre es dann schon keine Pandemie mehr, sondern nur eine Epidemie.
    Darüber könnte man streiten ..

    zb. könnte 2021 in ganz Afrika die u.a. von Silene so gepriesene Herdenimmunität erreicht werden, was dort wg. der deutlich jüngeren Bevölkerung nur zu relativ (gemessen zb. mit Europa) „geringen“ Todeszahlen führen würde (IFR liegt dort evtl. bei 0,1- max.0,3 meine ich .., hab das schon woanders verlinkt)

    Ähnliches könnte auch in Südamerika passieren (unabhängig davon wie ich dies werte…), evtl. Müssten man dann dort wirklich nur noch die ältere Bevölkerung impfen.

    Oder Fall 1, Europa, bzw. die EU beschließt gemeinsam einen Anti-Corona Plan ab Frühjahr 2021 der das Virus wieder, dann langfristig, auf das Niveau wie im Sommer in D herunterdrückt. Bei so geringen Fallzahlen und R könnten im Sommer mit guten Vakzinen das Virus in Europa/EU dann quasi eliminiert werden, und die restlichen Fälle würden mit Schnelltests ausreichend detektiert, um ein wieder Aufflamme zu verhindern.
    Unrealistisch? Vielleicht. – Unmöglich? Keinesfalls!

    Oder Fall 2, die 2.Welle läuft jetzt im Herbst, Winter verheerend durch den Kontinent, es setzen sich also die Tegnells, Püschels , Streecks etc. mit ihrer Idee der Durchseuchung durch.
    (Streeck, der das in seiner augenblicklichen medialen Omnipräsenz gerade bei Lanz erörtert, dass es i.ü. 2021 gar keinen Impfstoff geben würde, und daher die Durchseuchung anpreist, sein Lieblingsthema, schon lange)
    .. bzw. deren Konzepte geraten außer Kontrolle, so dass dann bis Frühling 2021 vllt., 20-30% (oder mehr) der Bevölkerung eine gewisse Immunität aufgebaut haben würden, die auch bis Ende 2021 anhielte (genaues weiß man da ja nicht, außer natürlich Quarks ..). Da müsste dann das Vakzin nur noch den Rest von vllt. 30% leisten, zur Herden-Immunisierung, ich würde gar sagen, deutlich weniger, s. sen Fall 1.

    Fall 1 würde ich bevorzugen, Europa entscheidet sich für Prävention, das Vermeiden einer Infektion Ernst zu nehmen, mit Masken, Abstand, Lüften, Schnelltests etc. Und Verzicht auf (Groß-) Veranstaltungen, Partys, Reisen (oder dann mit Quarantäne) etc. pp. Dazu dann Vakzine, und in der Gesamtheit aller Maßnahmen geht R auf Werte um die 0,5, damit wäre in Absehbarer Zeit die Pandemie in Europa vorbei, ähnlich wie wohl jetzt schon in China, nur halt mit humaneren Mitteln.

    Damit wäre keine komplette Immunisierung der Bevölkerung 2021 verbunden, aber, und nur darauf kommt es an (!), R würde so im Schnitt weit unter 1 fallen.
    Das könnten wir 2021 erreichen, auch ohne Lockdown (R war 2020 in D tw. schon um die 0,6!), da wir heute mehr wissen, und dann eben noch Vakzine hätten. Dann vllt. In 2022 eine so hohe virologische Immunität hätten, dass auch die restl Maßnahmen, wie Schnelltests etc. Dann völlig überflüssig würden.

    Wäre dies nur in Europa der Fall, müsste/könnten wir uns durch Einreiseauflagen (Schnelltests, Kurz-Quarantäne etc.) vor dem erneuten Einschleppen des Virus schützen.
    Mit der zu erwartenden Verbesserung der Impfungen auch 2021 noch wäre somit die Pandemie in Europa dann schon besiegt!

    Würde diese Strategie weltweit übernommen, wäre dies erst Recht das Ende der Pandemie.
    Wäre dies zB nur in Europa, und zb. in Afrika, Südamerika (Beispiel Herdenimmunität) der Fall, oder dann auch in vielen asiatischen Ländern (China, Japan, Korea etc.) … wäre dass dann noch eine Pandemie, wenn nur noch in den USA unter Trump (hoffe nicht) und einigen anderen Staaten das SARS Virus noch weiter toben würde, aber sonst nicht?
    Kennt Quarks die Antwort ..?

    Auch wenn zb. Die Pandemie, so wie aktuell, global weiter lief, was die Fallzahlen beträfe, aber – mal angenommen – Niemand mehr dran sterben würde, weil alle geimpft wären, dies zwar die Infektiösität nicht hemmen würde (R>1), aber den Verlauf von CoVid-19 auf das Niveau eines Schnupfens, also ohne tödlichen Ausgang bringen würde, … wäre dass dann noch eine Pandemie?

    Nicht im weiteren Sinne, im Netz fand ich dazu u.a folgendes:
    „Pandemien (länderübergreifende, kontinentübergreifende, weltweite Verbreitungen) von Krankheiten, die durch Erreger wie Viren (Virus-Erkrankung) verursacht werden, haben das Potential zu großen gesellschaftlichen Krisen und insbes. Wirtschaftskrisen.“
    https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/pandemie-122530

    d.h., zur Pandemie gehört auch schon ein gewisses Potential der Gefährdung, es existieren sicher irgendwelche Viren, die weltweit bei Menschen verbreitet sind, aber quasi unbemerkt und unschädlich im Organismus auftreten, Niemand würde da von einer Pandemie sprechen!

    Würde also SARS-Cov-2 das Gefährdungspotential genommen, wäre auch so die Pandemie beendet, ohne die Verbreitung des Virus an sich zu stoppen … das wäre mE eine legitime Sicht der Dinge ..

    Wie man sieht, geht der Quarks Artikel von zahlreichen implementierten aber unausgesprochenen Annahmen aus, die entweder so nicht eintreffen müssen, oder zu verändern wären, oder einfach aufgrund einer falschen Begrifflichen Auslegung nicht zutreffen, oder zumindest nicht zutreffen müssen.

    Ich fasse zusammen, Quarks betreibt hier eine Verengung des Denkens, damit die Einschränkung der Handlungsoptionen und der Handlungsperspektiven in dieser Pandemie, und das, liebe Leute, halte ich für falsch und gefährlich.
    Das mal „in Kürze“ spontan dazu geschrieben, daher ohne große Quellenangabe.

    Gruß
    Ludwig

    1. Sehr geehrter Herr Ludwig,

      danke für den ausführlichen Kommentar. Sehr vieles trifft zu, einigen Punkten würde ich widersprechen. Eines vorweg: Der Artikel soll nicht einengen, sondern vielmehr auch die Unsicherheiten der Impfstoffforschung beleuchten. Zu keiner Zeit ist damit gemeint, dass der Impfstoff unnütz wäre, ganz im Gegenteil. Wie es hier geschrieben und Sie es auch zitiert haben, ist er vielmehr ein wichtiges, einzelnes Werkzeug. Wenn die selbstverständlich gegebenen Unsicherheiten Ihnen nicht deutlich genug kommuniziert wurden, ist das schade. Dass wir vieles aber derzeit noch nicht wissen, darauf wurde im Artikel mehrfach hingewiesen. In meinen übrigen Artikel lesen Sie übrigens ständig, dass wir vieles noch gar nicht wissen können und wir vom derzeitigen Informationsstand ausgehen (z.B. Immunität: da gibt es einige Theorien und Hinweise; über die Reinfektionen ist zuwenig bekannt und zuwenig geforscht). Hält die Schutzwirkung einer Impfung länger als sechs Monate oder gar ein Jahr: prima. Wissen tun wir das leider erst, wenn die Schutzwirkung tatsächlich nachgelassen hat oder die Konzentrationen von Immunzellen das Zeitfenster irgendwie genauer einengen können. Und dann kommen die vielen weiteren Fragen: Warum hält es bei einem länger als bei einem anderen? Wann infiziert man sich doch (wieder)?

      Der Beitrag soll vor allem die z.T. überbordenden Erwartungen und Anforderungen an den Impfstoff einordnen. Dass allein mit dem Impfstoff der vorherige Alltag zurückkommt, halte ich für unrealistisch. Dies impliziert in vielen Aussagen und Zitaten ansonsten etwa, dass dadurch die AHA-Maßnahmen entfallen würden. Grundsätzlich und theoretisch könnte ein Impfstoff das leisten, aber warum das in diesem Fall unrealistisch ist, gehen wir hier Punkt für Punkt durch.
      Nein, wir wissen nicht genau, was noch alles passieren wird. Ich gehe aber davon aus, dass der/die/ein Impfstoff(e) die Ausbreitung von Covid19 unter den genannten Aspekten nicht allein mittels des Impfstoffs verhindern wird.
      Dazu muss man auch sagen, dass der Anteil an Menschen, die sich (nach jetzigen Umfragen) impfen lassen würden, z.T. rapide abgenommen hat. Wenn ich mich recht erinnere, ist dieser Anteil in den USA von 72 auf 50 Prozent gesunken. Bei einer erwartbaren oder minimalen Schutzwirkung von 50-60 Prozent ist das etwas anderes als eine sehr effektive Masern-Impfung bei demselben Anteil der Leute.

      Ja, es bräuchte nicht so viele Dosen, wenn man etwa vor allem die Risikogruppen impfen würde. Allerdings existieren für diese Gruppen bisher keine ausreichenden Daten. Wie gut sie in den Phase3-Studien repräsentiert sind, ist noch offen. Aus diesem Grund werden zuerst andere Bevölkerungsgruppen vorgezogen.
      Und manche Bevölkerungsgruppen können nicht geimpft werden oder es liegen dort auch keine Daten vor (Kinder) oder die Nutzen-Risiken-Abwägung deutet bislang daraufhin, dass eventuell auch gar nicht geimpft würde (ebenso Kinder). Und dann bleiben kleinere Bevölkerungsteile, von denen wiederum sich ja nur ein Teil impfen lassen würde. Hier ist viel Aufklärung und Transparenz nötig.

      Außerdem widerspreche ich Ihnen nicht, dass viele weitere und effektiviere Methoden erforscht werden (nasale Verabreichung, andere Impfstoffe … ). Allerdings sind die zeitlich hinterher, brauchen ebenfalls noch die klinischen Phasen und Zulassungsprozesse und dann wird es 2021 knapp.

      Sollte das Virus noch weiter mutieren (da ist ja schon einiges passiert), kann natürlich auch das die Situation verändern. Dann war es aber vermutlich auch nicht der Impfstoff.
      Das Ende einer Pandemie wäre natürlich nicht auf Deutschland, Europa oder einen anderen, einzelnen Kontinent beschränkt, da es der Begriffsdefinition widerspricht. Tatsächlich hätte man dazu noch viel mehr schreiben können – das sprengt aber dann doch irgendwann den Rahmen und hier geht es auch darum, komplexe Inhalte leichter verständlich zu vermitteln.

      Am Ende könnte Sie ein „… der Impfstoff allein die Pandemie 2021 vermutlich nicht beenden kann“ zufriedener stellen. Und letztlich: Wenn es doch anders kommt, bin ich darüber sehr froh.

  3. Gute Analyse. Man sollte auch nicht vergessen, dass ein großer Teil der Risikogruppe kein funktionales Immunsystem besitzt, nicht selten ist das genetisch bedingt. Diesen Personen wird eine Impfung vermutlich keinen Vorteil bringen.

    Quellen:
    https://www.sciencemag.org/news/2020/09/hidden-immune-weakness-found-14-gravely-ill-covid-19-patients
    https://www.nih.gov/news-events/news-releases/scientists-discover-genetic-immunologic-underpinnings-some-cases-severe-covid-19

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Mathias Tertilt: Wissenschaftsjournalist und Autor für TV, Print und digitale Medien. Schwerpunkte: Gesundheit und Umwelt