Was für eine zweite Welle spricht – und was dagegen

Frau telefoniert mit Maske Foto: Engin Akyurt / Unsplash.com

Comeback von Corona

Was für eine zweite Welle spricht – und was dagegen

Neue Ausbrüche, lokaler Lockdown. Und andere Länder zeigen: Die zweite Welle wartet nicht auf den Herbst. Droht sie auch bei uns – oder schaffen wir es ohne?

3. Juli 2020 | 15 Kommentare

Darum geht's:

Das Virus kommt wieder

Quarantäne für Hunderte Menschen in Göttingen, eingezäunte Wohnblöcke in Berlin, mehr als 1000 Infizierte bei einer Schlachtfabrik in Gütersloh. Das Virus keimt an mehreren Orten in Deutschland wieder auf. Und während weltweit in vielen Ländern die erste Corona-Welle gerade so richtig an Fahrt aufnimmt (mit immer neuen Rekorden an Neuinfektionen pro Tag), schwebt bei uns nun schon das Stichwort „zweite Welle“ wie ein Damoklesschwert über der Die-Pandemie-ist-vorbei-Stimmung.

Die Bedingungen wären günstig: Die Mobilität hat in vielen Bereichen schon fast das Niveau vor Corona erreicht — und bald starten überall die Ferien. Die Restaurants haben wieder geöffnet, Menschen treffen wieder Freunde und Familien.

Und Fakt ist auch: Selbst in Ländern, die von Beginn an besonders strikte Maßnahmen erlassen haben (wie Südkorea und Israel), steigen die Fallzahlen wieder an. So warnen Forscher und Forscherinnen davor, dass das Coronavirus mit aller Wucht zurückkommen könnte. Zwar gingen die Infektionszahlen in Deutschland über Wochen zurück. Doch Unachtsamkeit könnte diesen Trend umkehren.

Die Frage ist also: Kommt auch bei uns eine zweite Welle – und wenn ja, wann? Das kann niemand seriös beantworten. Sehr wohl aber können wir uns anschauen, was für eine neue Ausbreitungswelle spricht – und was dagegen. Voilà.

Darum müssen wir drüber sprechen:

Diese Faktoren sprechen für eine zweite Welle

Es gibt einige Entwicklungen, die auf so etwas wie eine zweite Welle hindeuten, nämlich:
  • die aktuelle Entwicklung in anderen Ländern
  • das Problem der Superspreader
  • die steigende Mobilität und vermehrte Kontakte
  • die abnehmende Disziplin bei Hygiene- und Verhaltensregeln
  • die Verbreitung durch Menschen, die keine Symptome zeigen
  • die geringe Durchseuchung

Aber der Reihe nach.

1. Comeback des Virus

In drei Ländern sind die Fallzahlen nach umfangreichen Lockdowns in den letzten Tagen und Wochen wieder stark angestiegen: USA, Südkorea, Israel. Gerade Südkorea und Israel galten als Vorzeigebeispiele. Südkorea hat in großem Umfang getestet und isoliert, Tracking-Apps konnten schnell die Infektionsketten nachvollziehen. Israel hat sehr früh die Grenzen geschlossen, umfangreiche Quarantäne-Maßnahmen angeordnet und das öffentliche Leben eingeschränkt. Beide Länder hatten großen Erfolg und weitaus niedrigere Infektionszahlen als viele andere Länder.

Die USA standen dafür in der Kritik, mit den Maßnahmen zu lange gewartet zu haben. Der Lockdown hat die Ausbreitung jedoch ebenfalls stark eingeschränkt. Nun schnellen die positiven Testergebnisse wieder hoch – genau in jenen Staaten, die als erste gelockert haben. Mittlerweile infizieren sich jeden Tag mehr Menschen als vor dem Lockdown. Eine Rolle spielen hier sicher auch die mehrwöchigen Demos und Ausschreitungen nach dem Tod von George Floyd – und immer mehr Bürger und Bürgerinnen, die sich den Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen widersetzen, also keine Masken tragen oder den Mindestabstand nicht einhalten.

2. Die Superspreader

Trotz unterschiedlichster Maßnahmen haben die Ausbrüche in den Ländern eines gemeinsam: Superspreading. Viele der Infektionen gehen auf Superspreader oder Superspreading-Events zurück: eine einzelne Person, die sehr viele weitere infiziert.

Für Europa könnte man das den Ischgl-Effekt nennen. In Südkorea war es ein Klubgänger, der in einer Nacht vermutlich mehr als 300 Menschen angesteckt hat, mehr als 3000 Menschen hatten die Behörden ausfindig machen müssen, um Infektionsketten und Kontakte zu prüfen. Spoiler: ohne Handy- und Kreditkartendaten ein Ding der Unmöglichkeit.

Und auch in Israel gehen die Wissenschaftler und Behörden davon aus, dass Superspreader die neuen Infektionscluster auslösten. Dort verbreitete sich das Virus in den Schulen. Anfangs waren es nur wenige Dutzend Verdachtsfälle, doch schnell ist die Situation eskaliert. Ende Juni waren Zehntausende Schülerinnen und Schüler in Zwangsquarantäne, mehrere Hundert Schulen im Raum Jerusalem geschlossen.

In den USA haben vermutlich die Demonstrationen und Versammlungen dazu geführt, dass sich mehr Menschen anstecken. Hinzu kommen die Lockerungen, die in allen drei Ländern bereits mehr oder weniger stark umgesetzt wurden – so wie bei uns. Wer lockert, der muss mit mehr Mobilität, Kontakten und deshalb auch Infektionen rechnen. Das ist noch lange kein Drama. Es ist kalkuliertes Risiko und eine einfache Kosten-Nutzen-Abwägung. Doch die Beispiele zeigen: Das Verhalten eines Einzelnen kann ausreichen, um die monatelangen Einschränkungen und Strapazen zunichtezumachen.

3. Die Disziplin nimmt ab

Ein weiterer Faktor, der für eine zweite Welle spricht, ist das individuelle und kollektive Verhalten der Bürger. Mit immer weniger Infizierten sinkt die Risikowahrnehmung des sowieso unsichtbaren Erregers. Nach Monaten der Isolation, der Verbote und Kontaktbeschränkungen wächst der Widerwille, sich jederzeit die Maske aufzusetzen, sich überall die Hände zu waschen, auch bei Freunden auf Abstand zu gehen. Und die Oma hat man jetzt auch lange genug nicht umarmt.

Wie stark die Risikowahrnehmung bei uns abgenommen hat, lässt sich kaum beziffern. Grundsätzlich tragen zwar immer mehr Menschen eine Maske, in welchem Umfeld das aber passiert, ist nicht bekannt.

Sollte das Virus jetzt also aus einzelnen Clustern in die breite Bevölkerung überspringen, wären die Bedingungen für eine Ausbreitung zwar nicht optimal – aber wieder wesentlich besser als noch vor ein paar Wochen

4. Übertragung ohne Symptome

Hinzu kommt eine Tücke des Virus, die dieses Problem noch verschärft: Ein großer Teil der Menschen, die sich infizieren, zeigt gar keine Symptome – trägt das Virus aber trotzdem weiter. Die Zahlen hängen stark mit der Altersstruktur zusammen und variieren zwischen 40 und 80 Prozent. Derzeit stecken sich insbesondere junge Menschen an, wie etwa in Israel. Der großen Mehrheit von ihnen kann SARS-CoV-2 nichts anhaben. Das ist erfreulich. Doch es erhöht auch das Risiko, dass sich das Virus wieder unbemerkt ausbreitet – und es lange Zeit einfach nicht auffällt.

5. Herdenimmunität? Eine Illusion

Grundsätzlich gehen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davon aus, dass nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine Immunität besteht. Zehntausend bestätigte Infizierte in Deutschland wären demnach immun – unbekannt ist, wie lange. Und unbekannt ist auch, wie viele es tatsächlich schon sind.

Antikörperstudien aus aller Welt, von New York bis Wuhan, zeigen: Es waren bereits mehr Menschen infiziert, als offiziell gemeldet. Das ist wenig erstaunlich.  Doch es ist nicht davon auszugehen, dass wie in Ischgl schon fast die Hälfte der Menschen eine Infektion durchgemacht hat. Auch die Heinsberg-Studie ist nicht repräsentativ für ganz Deutschland.

Stattdessen wird angenommen, dass die Durchseuchung bei uns im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich liegt. Zu wenig, als dass sie einen herdenimmunitätsartigen Schutz bieten könnte – und die Ausbreitung wirklich eindämmen kann. Fakt ist: Auf einen Schutz durch Herdenimmunität braucht man derzeit in keinem Land der Welt zu spekulieren.

Hinzu kommt: Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Menschen ohne Symptome viel weniger Antikörper ausbilden als Menschen mit einem schweren Verlauf – und immer wieder wurde beobachtet, dass Antikörper nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden. Wie lange also gerade die vielen Infizierten ohne Symptome tatsächlich geschützt sind, ist noch völlig unklar.

6. Sommerliche Temperaturen schwächen das Virus nicht

Die sommerlichen Temperaturen, das zeigen die Neuanstiege in vielen Ländern, können dem Virus kaum etwas anhaben. Die Verbreitung in Deutschland hat sich womöglich weniger aufgrund der Umweltbedingungen abgeschwächt, als vielmehr durch Abstandhalten, Maskenpflicht und die Verlagerung des Lebens nach draußen.

Umgekehrt gilt aber: Wenn es wieder kälter wird, gehen die Probleme los. Während wir jetzt Freunde im Park treffen können, Restaurantgäste auch draußen Platz nehmen (und Grillen auf der Terrasse ohnehin viel besser ist, als im Esszimmer zu hocken), reibt sich das Virus in Vorbereitung auf den Herbst und Winter bereits die Hände. Die praktischen Vorzüge des Sommers täuschen über die eigentlichen Probleme des Zusammenlebens hinweg.

Bei niedrigen Temperaturen wird sich auch das soziale Leben wieder in die Innenräume verlagern: Die Menschen werden wieder häufiger Bahn fahren, die Restaurantgäste nicht mehr um die Plätze draußen kämpfen – und womöglich sind kleinere Veranstaltungen dann wieder erlaubt. Doch das Virus verbreitet sich gerade dort am stärksten, wo gelacht, gesungen, gestritten und geschrien wird; je länger und enger, desto besser — für das Virus. Im kalten Winter wird es kaum möglich sein, dieses Risiko zu eliminieren.

Und so erwarten Wissenschaftler eine zweite Ausbreitung des Virus gegen Herbst oder Winter, überlappend mit der wiederbeginnenden Grippesaison. Die Situation in den USA, in Israel und Südkorea zeigt aber: Es kann auch viel früher kommen.

Aber:

Wir haben eine Chance

Die vermehrten Infektionen im Ausland zeigen, wie schnell sich die Situation plötzlich wieder ändern kann. Auch in Deutschland haben die größeren Ausbrüche der jüngsten Vergangenheit eine zweite Welle noch vor dem Herbst in die Diskussion eingebracht, vor allem mit Blick auf die viel zitierte effektive Reproduktionszahl, die laut Robert-Koch-Institut wieder auf ein Niveau wie zur Zeit vor dem Lockdown stieg. Aber: Das allein ist kein Grund zur Sorge.

Warum ein hoher R-Wert nicht immer ein Alarmsignal ist

Durch die Infektionsherde unter anderem in Schlachtbetrieben ist die sogenannte effektive Reproduktionszahl („R-Wert“) schnell wieder angestiegen, kurzzeitig auf einen Wert von fast drei: Ein Infizierter steckte also wieder drei weitere an. Zwar gilt es als anerkanntes Ziel, den R-Wert auf unter eins zu senken. Allerdings ist die Reproduktionszahl nur dann wirklich aussagekräftig, wenn man gleichzeitig auch einen Blick auf die aktiven Fälle wirft.

Je weniger Menschen derzeit infiziert sind, desto schneller kann der R-Wert ansteigen. Es ist eben leichter, dass eine Person drei ansteckt, als dass 100 Personen jeweils drei Personen anstecken oder eine Person 300 andere.

Es gibt auch einige Faktoren, die das Risiko einer zweiten Welle in Deutschland mindern dürften:
  • Lokale Ausbrüche konnten eingegrenzt werden.
  • Wir haben umfangreiche Testmöglichkeiten.
  • Behörden sind in Alarmbereitschaft.
  • Menschen wissen, dass es das Virus gibt – und wie man sich vor einer Ansteckung schützt.
  • Wir tragen Masken, Großveranstaltungen sind weiter verboten.
  • Auch sie ist endlich da: die Corona-Warn-App.

Viele mathematische Modelle haben prognostiziert, dass nach einem Lockdown die Meldezahlen schnell wieder ansteigen können. Bei der Spanischen Grippe war die zweite Welle sogar die eigentlich verheerende – das führt zu Verunsicherung und Angst.

Neue mathematische Berechnungen zeigen allerdings, dass sich eine zweite Welle verhindern lassen könnte — auch ohne Lockdown. So zumindest die Theorie für ein Best-Case-Szenario.

Der Lockdown war die ultimative Strategie, um das Virus einzudämmen, während man über die Verbreitung noch nichts wusste. Mittlerweile lässt sich das Risiko deutlicher eingrenzen. Wir wissen jetzt, in welchen Situationen sich das Virus besonders schnell und stark verbreiten kann – und können diese vermeiden:

  • wenn Menschen längere Zeit auf engem Raum zusammenkommen
    und
  • wenn Menschen lauter sprechen, schreien oder singen

In Innenräumen ist das Risiko einer Ansteckung deutlich erhöht. Studien zufolge ist das Infektionsrisiko dort 19 Mal höher als draußen. Praktisch bedeutet das: Wer sich draußen aufhält, hat ein relativ geringes Risiko, sich und andere anzustecken.

Heißt also: Das Risiko für eine erneute Ausbreitung des Virus könnte recht effektiv gesenkt werden, wenn große Versammlungen und Veranstaltungen (vor allem drinnen) längerfristig verboten bleiben. Ein weiterer Schutzfaktor, der vor ein paar Monaten noch nicht denkbar schien: Abstandsregeln und Maskenpflicht. Entgegen früheren Bedenken zeigen immer mehr Studien, dass Masken einen wirksamen Effekt haben. Solange diese Regeln gelten und eingehalten werden, sollte das die Verbreitung des Virus deutlich hemmen. Laut COSMO-Umfrage setzen immer mehr Menschen eine Maske auf.

Die bisherigen Infektionsherde wie Gütersloh, Göttingen oder Berlin zeigen vor allem ein sehr einheitliches Bild an Infizierten. Sie wohnen etwa alle im selben Haus oder arbeiten in derselben Firma. Außerhalb dieser Arbeits- und Wohnstrukturen hat sich das Virus – laut aktuellem Wissensstand – nicht weiter ausgebreitet. Das ist gut, aber auch etwas Glück. Wichtig ist, dass solche Cluster auch weiter frühzeitig erkannt werden. Wir können es mittlerweile im Schlaf aufsagen: Die Gesundheitsbehörden müssen schnell die Infektionsketten nachverfolgen, Fälle und Verdachtsfälle isolieren und somit die Ketten unterbrechen.

Schwierig ist das bei den vielen asymptomatischen Fällen. Mit ihnen kann sich das Virus schleichend verbreiten. Doch auch dafür gibt es Strategien. Wenn beispielsweise bekannt ist, dass Kinder häufiger asymptomatisch sind, könnte man diese Personengruppen häufiger präventiv testen. Die Kapazitäten sind dafür da, die Testmöglichkeiten sind konstant hoch.

Genauso kann die offizielle Corona-Warn-App helfen, die Kontaktverfolgung und Isolationsmaßnahmen zu beschleunigen. So werden Menschen viel schneller gewarnt, als wenn sie erst von Mitarbeitern der Gesundheitsämter mühsam nachverfolgt werden müssten. Bislang (Stand: 28.06.202) haben mehr als 15 Prozent der Deutschen die App auf ihrem Handy installiert – die erste Schwelle, ab der die App laut Forschern einen Nutzen hat, wäre damit erreicht.

Die wichtigste Waffe gegen das Virus wird das Risikobewusstsein sein. Solange wir eine zweite Welle fürchten und wissen, wie wir eine Ansteckung vermeiden, sollte die Zahl der Infektionen geringer bleiben – und die Ausbreitung nicht mehr das Tempo aufnehmen können, das grundsätzlich möglich wäre.

Und jetzt?

Entscheidend ist weniger das ``Ob``, sondern vielmehr das ``Wie``

Deutschland hat die erste Welle weitestgehend vermieden und hinter sich gelassen. Das ist prinzipiell auch ein zweites Mal zu schaffen. Dann aber stellt sich die Frage: Und jetzt? Das Virus kann sich im Grunde Zeit lassen. Es kann auch über Monate im Ausland zirkulieren, dann reist es mit einer Urlauberin, einem Geschäftsmann oder Familienmitglied wieder ein. Die ständige Wachsamkeit kostet Geld, Nerven und Disziplin. Alle drei sind irgendwie begrenzt.

Und doch zählen am Ende eben jene Wachsamkeit und Disziplin eines jeden Einzelnen von uns. Denn ein zweiter strikter, länderübergreifender Lockdown ist wenig wahrscheinlich – und noch weniger wünschenswert.

Ein bisschen wissen wir, auf welchen Wegen, an welchen Orten es das Virus am leichtesten von einer Person zur anderen schafft. Doch für viele Alltagsfragen ist unser Wissen noch sehr vage. Wenn es vor allem auf das Sprechen ankommt, wären dann Kinobesuche vorwiegend harmlos? Kann man Kinos, Aufzüge und andere risikoreiche Innenräume so gestalten oder aufrüsten, dass sie nicht zur Virusschleuder werden? Welche Rolle spielen Kinder denn jetzt wirklich bei der Verbreitung des Virus? Klarheit hilft.

Ein erster wichtiger Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. Weder in Deutschland noch irgendwo anders. Die relativ niedrigen Fallzahlen verleiten dazu, die Situation zu unterschätzen. Solch gefühlte Sicherheit kommt dem Virus gerade recht. Die schleichende Verbreitung wurde schon zu Beginn des Jahres unterschätzt. Einmal reicht.

Autor: Mathias Tertilt

15 Kommentare;

  1. Wenn ich auch ähnliches befürchtet hatte, so bin in trotzdem über die aktuelle Entwicklungen hin zu einer 2.Welle, bzw. zu Beginn dessen, schockiert!

    Die dt. Gesellschaft ist in eine Agonie der Selbstgefälligkeit verfallen, halten wir uns für Unsterblich, Auserwählte, wir hatten das schon mal .., oder ein Rückfall in den Sozialdarwinismus, oder nur ein Ausdruck kollektiver Dummheit?

    Zumindest in Teilen der Bevölkerung (wie in diesem Forum) dürften solche rudimentären Einstellungen verwurzelt sein, im speziellen in religiösen Subkulturen, man lese mal als Beispiel für eine kleine völlig irrationale Glaubensgruppe, die ein ganzes Land in eine schwere nationale Krise führen kann, bzw. in der Vergangenheit für massive Corona-Ausbrüche verantwortlich war, diesen Artikel der TAZ über Süd-Korea:
    https://taz.de/Suedkorea-in-der-Coronakrise/!5708605&s=corona/
    „Der Ausbruch in der „Sarang Jeil“-Kirche bringe das Land an den Rand der größten Krise seit Beginn des Corona-Ausbruchs ..“

    in D gibt es auch solche Tendenzen, bei christlichen Gemeinden, nicht nur bei muslimischen, wie es gerne in der Presse hervorgebracht wurde ..

    Aber das kann nicht die aktuell valiumgeschwängerte Agonie der dt. Medien erklären!

    Die 2.Welle rollt schon, …
    langsam (7-Tage R-Wert der letzten 9 Tage: R=1,04-1,23, im Schnitt ca. ~1,1) aber stetig.
    In Berlin zb. ca. mit einer wöchentlichen Steigerung von 50% pro Woche, für D lt. ZDF JHU in den letzten 2 Wochen eine Verdopplung der Zahlen etc. …

    Da all diese Werte nur die Vergangenheit widerspiegeln (vor ca. 1,5-2,5 Wochen, je nach Index) haben wir mutmaßlich bereits jetzt Spitzenwerte an Neuinfizierten von min. 2000 pro Tag (jeweils gegen Ende d.Woche, die Werte des RKI am Do, oder Fr. sind immer am höchsten)
    Ich würde mal grob rechnen, dass diese Zahl demnächst, also in 2W., bezogen auf die aktuellen ca. 1.700 neuen Fälle (19.8.20, RKI) mit ca. 2.200 gemeldet werden, bzw jetzt real schon dort liegen. (also die, die sich jetzt Infizieren, tauchen erst vollständig, soweit getestet, in ca. 1,5-2W in der Statistik auf!)
    s. dazu meine Überlegungen über die Zeitreihen und den R-Wert:
    https://www.quarks.de/gesundheit/was-die-daten-zu-corona-aussagen-und-was-nicht/
    dort u.a .mein Posting:
    *** Das RKI macht beim R-Wert Fehler bzgl. der Zeitreihen! ***

    Den bisherigen Höchststand von ca. 6.000 tägl. Neuinfektionen werden wir so (mE spästens) in ca.7 Wochen erreichen (als dann registrierte, genannte Fälle, ca. in 8-9 W.) bei einem R-Wert von 1,08! (reine Mathematik, Lauterbach nennt da auch 8W.!))
    Dass dieser R-Wert inzwischen wieder fällt, ist unwahrscheinlich, wenn sich an der Gesamtlage und Politik nichts ändert, vermutlich wird er daher eher ansteigen!

    Die Frage die sich doch die gesamte denkende, also der rational veranlagte Teil der Gesellschaft stellen muss, erst Recht die Wissenschaftsjournalisten (auch bei Quarks!) und die Epidemiologen, Politik etc., ist doch:

    Wie kann man diese Tendenz stoppen!
    Ist überhaupt in der Bevölkerung ein Problembewusstsein vorhanden, und wenn nicht, wie könnten wir dies ändern?
    Und müssen wir bestimmte Maßnahmen dann ordnungspolitisch durchsetzen?!

    Immerhin hat unlängst Prof. Kekulé bei der völlig unfähigen Fr. Maischberger
    (sie hat sich in ihrer Show am 19.8. klar als Klima-Leugnern geoutet, weil sie es für möglich hält, dass der Klimawandel „ganz von alleine aufhört“, eine ungeheuerliche dumme Einstellung, da passt es wie die Faust aufs Auge, das unlängst ihr Vertrag mit der ARD um 2J. Verlängert wurde!)
    gesagt, das es aktuell aufgrund der großen Anzahl an Reise-Rückkehrern, die natürlich nicht alle getestet werden konnten, es eine sehr hohe Dunkelziffer geben wird, vermutlich höher als zu Beginn der Krise.

    „Virologe warnt vor zweiter Welle: „Sind in der gleichen Situation wie im März“
    „Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der Virologe Kekulé. Was nämlich aktuell anders sei als im März, sei die Tatsache, dass die Menschen eine Ansteckung mit Corona bewusst in Kauf nähmen. Dass sie geradezu eine Absicht verfolgten, eine Art Ideologie verträten, sich und damit schließlich andere nicht um jeden Preis vor einer Infektion schützen zu wollen.“
    https://www.fr.de/kultur/tv-kino/maischberger-ard-kekule-zweite-corona-welle-karneval-hans-atai-fried-blome-precht-berlin-90026946.html

    „Virologe Kekulé im ARD-Talk: „Gehe davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist“
    https://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/tv-kolumne-maischberger-virologe-kekule-im-ard-talk-gehe-davon-aus-dass-die-dunkelziffer-sehr-hoch-ist_id_12339045.html

    Dies, und auch immerhin eine Aussage einer Virologin bei ZDF „heute“(19:00) widersprach damit der über den ganzen Tag bei „Tagesschau“, „heute“, MoMi“, ARD+ZDF Teletext und sicher noch etlichen anderen Meiden verbreiteten Botschaft, dass die hohen Fallzahlen auf eine „immens“ höhere Testaktivität zurück zu führen wären …
    das Könnte ich hier auch widerlegen, aber das spare ich mir (wer liest hier schon, außer Corona-Leugnern???)

    Berichtet wird aktuell über die 2.Welle in Sp, F, Ir, auch tw. (zu wenig) im Balkan, .. aber Finnland hat zB. für Reisende aus D (!) eine 14tägige Quarantäne-Pflicht eingeführt, aber bei uns wird allen Ernstes darüber diskutiert, ob wir nicht im Herbst wieder Karneval feiern sollten (wo das doch eines DER Superspreader-Ereignisse war!) oder ob wir es zumuten können, Kindern in den Schulen Masken zu verordnen, ober es gerechtfertigt sei, Bußgelder für Maskenverweigerer und andere Coronadioten in Bars, Restaurants oder bei Partys im Parks zu verhängen!

    Da kommt wieder die neoliberale Grundstimmung (deren ideologische Wurzeln ja auch im Sozialdarwinismus liegen, ähnlich wie bei den Corona-Leugnern) durch:
    Nein, um Himmels Willen, nur nichts verbieten! (sagt ja auch Kekulé)

    So Leute reiten wir uns in die Katastrophe, wie wir es ja schon u.a mit der zunehmenden Zerstörung der Ökosphäre auf der Erde geschafft haben!
    Hier wie da, die gleichen Mechanismen, bzw. Strukturen .., vor allen unsägliche Dummheit!
    Ich frage den Rest der noch Denkenden, Humanisten und verantwortlichen Menschen:

    Wo bleiben die ZDF-Extra Sendungen, wo die ARD-Brennpunkte, die uns in der 1.Welle täglich die Dramatik der Lage vor Augen gehalten haben?
    Wo die Quarks- YT Videos, oder andere Wortmeldungen ua. von Mai Thi und Yogeshwar?
    Oder ein Corona-Spezial von Prof. Lesch …

    sind die alle noch im Urlaub?
    Auf Lanz, HaF, Maischberger (s.o), Illner etc zu hoffen wäre Leichtsinn, all diese Formate sind ungeeignet die Dramatik der Lage zu veranschaulichen und Lösungswege zu diskutieren, dazu die Politik versagend im Kanzlerduell oder sonstiger Machtpolitik verfangen (Söder gegen Laschet, Scholz gegen Grün, Grün zahnlos auf Umfragen schielend, Linke machtlos, bzw. tw. (Ramelow) gar mit Sympathien zur „Querfront“, FDP für neoliberlales „ja nichts verbieten“ und die AfD als Fahnenträger hirnamputierter Corona-Leugner)

    So bleibt nur dies zu betonen, als eine der wenigen, gar solitären Stimme der Vernunft und der Aufklärung sehe ich aktuell nur Prof. Karl Lauterbach, Epidemiologe (Drosten noch im Urlaub!), leider aber nicht zwingend in seinen Forderungen, da er auch als SPD Politiker den Beschränkungen seiner „Gattung“ unterliegt, aber trotzdem folgendes zu dem auch in den Medien (ZDF) vorgebrachtem „Argument“ schreibt, dass ja bislang die Todeszahlen nicht anstiegen, und auch in den Krankenhäusern nicht vermehrt Covid-19 Patienten festzustellen seien :

    „Es stimmt, dass Anteil Kinder an den Covid-19 Patienten stark gestiegen ist und auch Kinder unter 10 betroffen sind. Das beobachtet man auch in USA. Im Herbst ist mit vielen erkrankten Eltern, Lehrern und Erziehern zu rechnen. Maske, Abstand und Lüften haben absolute Priorität
    Oft wird Frage gestellt, weshalb bei steigender Infektionszahl nicht mehr sterben. 3 Gründe: Infizierten sind jetzt viel jünger, Infizierte bei Routinetests sind weniger krank als symptomatisch Getestete und es braucht 8 Wochen bis auch Ältere infiziert werden und dann sterben.
    Teil 1: Ältere infizieren sich bei Jüngeren, die asymptomatisch und infiziert sind, werden wir in den nächsten 4 Wochen erleben. Teil 2: ein kleiner Teil dieser Älteren kommt auf Intensivstation, wo man in 25% der Fälle nach 4 Wochen stirbt. Da wir derzeit viel draussen sind:
    Die Zunahme der Sterblichkeit kommt SEHR langsam. Aber SarsCov-2 ist viel stärker saisonal als erwartet: siehe Argentinien, Studien. Mehr drinnen, trockene Luft, Erkältungen.

    Wozu sich also jetzt schon Sorgen machen? Erst mal den Sommer geniessen? Nochmal feiern?
    Mit je mehr Infizierten wir in allen Teilen des Landes in allen Regionen in den Spätherbst hinein gehen, desto schwerer wird uns die sehr langsam anrollende 2. Welle treffen. Wir werden bis zum späten Herbst: KEINE Schnelltests, KEINE Impfung, KEINE Therapie haben. Daher:
    Wenn wir schlau sind, halten wir die 2. Welle klein, bis wir Anfang 2021 Schnelltests, bessere Behandlung und auch schon möglicherweise eine Impfung für Risikopatienten haben. Dann hätten wir den Erfolg der ersten Welle in der zweiten Welle wiederholt. Das können wir schaffen“
    https://twitter.com/karl_lauterbach?lang=de

    Verstehe nicht, wie ein vernünftiger, informierter, rational denkender Mensch diesen (kurzen) Ausführungen von Prof. Lauterbach widersprechen kann, und ebensowenig, wie dies medial, und politisch bislang im Nichts verpufft ist …
    Hoffe die Quarks-Redaktion wird hier eine Ausnahme machen, und auch, ihre, wenn auch letztlich doch eher bescheidende „Medienmacht“ dafür einsetzen, im Sinne der Wissenschaft, des Humanismus und zum Wohle der Bevölkerung sich jetzt dazu in diesem Sinne deutlich und mahnend zu Wort zu melden!

    MfG
    Ludwig

  2. Ich verstehe den ganzen Hype um dieses Virus überhaupt nicht. Es gibt keine Infektionen, keine Kranken und keine Toten. Es gibt nur unsinnige Tests, Falschinformationen und Panikmache. Wann verstehen wir endlich, dass ein Teil der Bevölkerung das Virus in sich trägt und das ist ganz natürlich. Daraus eine Pandemie zu machen ist völlig irrsinnig, kostet zig Milliarden und hilft nur ganz Wenigen.

  3. Eine baldige Exit-Strategie ist sehr wichtig. Die Verbote und Einschränkungen sind keine Lösung, sie sind Teil des Problems!
    Das Virus ist global unterwegs und verschwindet nicht. Auch durch Impfung nicht.Es kommt wieder.Man muss mit dem Virus leben, so normal wie möglich. Aufgrund der einseitigen negativen Berichtserstattung über die Gefahren des Coronavirus wurden sehr viele Menschen in Angst und Panik versetzt. Da die offiziellen Zahlen der Infizierten die sehr höhen Dunkelziffer der Infektionsrate nicht hergeben, ist der Eindruck entstanden, dass das Virus gefährlicher ist als ein Grippevirus. Die Studien u.a. in Heinsberg und Ischgl widersprechen diese Annahme. Statt harte Maßnahmen müss man mit intelligenten Lösungen die alten oder kranken Menscnhen zu schützen. Die *Psychische Gesundheit* ist das Fundament der Körperlichen Gesundheit und eines starken Immunsystems. Die Angst, das ständige Gefühl der Bedrohung durch das Virus, die fehlende bzw. eingeschränkte Lebensfreude , Stress durch die Einschränkungen und Verbote im alltäglichen Leben schaden um so mehr der Gesundheit….

    1. Betrifft: @Der Psychologe
      auf wie vielen Seiten hier hat der selbsternannte „Wissenschaftler“ denn noch seinen größtenteils wortgleichen Unsinn gepostet?
      Dieses Vorgehen des Zumüllens eines Forum ist dabei genauso bezeichnend wie die inhaltliche Niveaulosigkeit ..
      Bin klar für Redefreiheit, auch für jeden Blödsinn .. , aber warum wird das hier so geduldet (also gleiche Beiträge an X-Stellen zu posten?), soll man als User jetzt auf 10 Seiten auch immer den gleichen Kommentar zu diesen Leuten abgeben (auch wie bei zb. „Thomas H.“, vllt. ist der ja auch „Psychologe“?) ?

      Ach ja, i.ü., sieht so aus, dass die 2.Welle schon rollt (wohl wegen Leichtsinn und Dummheit bei einem Teil der Menschen), befürchten auch ca. ¾ der Bevölkerung, hoffe die Leute+Politik wachen jetzt auf, noch (!!) können wir die Welle stoppen!

  4. Solange einige Landsleute nicht einmal auf dem Urlaub verzichten können , sehe ich immer wieder die Gefahr das wir Corona nicht im Griff bekommen , und jetzt fahren auch wieder Kreuzfahrtschiffe, da frage ich mich nach dem Sinn, man darf nicht an Land und muss mit Maske an Bord rumlaufen , warum tut sich der Mensch das an , einmal nicht im Urlaub fahren , sind wir schon so am Ende das wir das nicht hinbekommen , ich finde es auch nicht richtig das Zurück Reisende den corona Test umsonst bekommen , und wir der Steuerzahler die Zeche für die unverbesserlichen mit zahlen dürfen , wer meint das er ins Ausland fahren muss , muss auch den Test selber zahlen .

    1. Angst, Stress und Verbote schaden der Gesundheit!

      Eine baldige Exit-Strategie ist sehr wichtig. Die Verbote und Einschränkungen sind keine Lösung, sie sind Teil des Problems!
      Das Virus ist global unterwegs und verschwindet nicht. Auch durch Impfung nicht.Es kommt wieder.Man muss mit dem Virus so normal wie möglich leben. Aufgrund der einseitigen negativen Berichtserstattung über die Gefahren des Coronavirus wurden sehr viele Menschen in Angst und Panik versetzt. Da die offiziellen Zahlen der Infizierten die sehr höhen Dunkelziffer der Infektionsrate nicht hergeben, ist der Eindruck entstanden, dass das Virus gefährlicher ist als ein Grippevirus. Die Studien u.a. in Heinsberg und Ischgl widersprechen diese Annahme. Statt harte Maßnahmen muss man mit intelligenten Lösungen die sehr alten und dehr kranken Menscnhen schutzen. Die *Psychische Gesundheit* ist das Fundament der Körperlichen Gesundheit und eines starken Immunsystems. Sie wird jeoch täglich durch Corona-Einschränkungen und Verbote beeinträchtigt.

  5. Die erste Welle habe ich nicht gemerkt.Jedes Jahr gibt in Deutschland mehr ode weniger Grippetote trotz Impfung (Quelle RKI). WInter 2017/2018 waren es schätzungsweise 25000 Grippetote, auch ohne COVID-19 und trotz der Grippe-Impfung.

    1. Wenn Sie den Artikel herunterladen, dann ist die Option „Drucken“ gegeben. Habe ich soeben selbst versucht, da ich den Artikel sehr informativ finde und weitergeben möchte. Ich hoffe, dem wird dann mehr Beachtung geschenkt, als kopierten Links. Es ist einfach zu wichtig!
      Danke auch an dieser Stelle an das Quarks-Team. MfG

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