Welche Therapien helfen gegen das Coronavirus?

Medikamentenfilme nebeneinander Foto: Christine Sandu/unsplash.com

Coronavirus

Welche Therapien helfen gegen das Coronavirus?

Bislang gibt es für Covid-19 kaum ein zugelassenes Medikament. Helfen könnten Wirkstoffe, die man bisher für andere Krankheiten einsetzt. Doch Wissenschaftler entwickeln auch viele neue Medikamente.

24. August 2020 | 6 Kommentare

Gegen das Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19 reicht nicht nur ein Mittel. Infektion und Erkrankung laufen in unterschiedlichen Phasen ab. Was anfangs wirkt, wird am Ende nutzlos.

Bei schweren Krankheitsverläufen beispielsweise ist gar nicht mehr das Virus das große Problem, sondern das Immunsystem der Patientin oder des Patienten, das plötzlich anfängt, den eigenen Körper anzugreifen.

Aus diesem Grund kommen viele verschiedene Wirkstoffkandidaten infrage – manche sind schon 70 Jahre alt, andere vollkommen neu.
Folgende Kategorien und mögliche Wirkprinzipien lassen sich unterscheiden:

  • antivirale Wirkstoffe verhindern, dass sich das Virus vermehrt
  • Antimalariamittel könnten das Eindringen in die Zelle verhindern
  • Entzündungshemmer und Immunsuppressiva helfen, die Überreaktion des Immunsystems zu verhindern oder abzuschwächen
  • Proteinkinase-Inhibitoren können wichtige Enzyme regulieren
  • Blutplasma von Genesenen enthält Antikörper und funktioniert wie ein Medikament
  • andere (BCG-Impfstoff, Vitamin C, TCM)
  • Impfstoffe verhindern eine Infektion und damit die Krankheit

Es gibt immer mehr Forschungsprojekte

Die Forschung schreitet in rasantem Tempo voran. Mitte März waren auf der International Clinical Trials Registry Platform (ICTRP) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 350 registrierte Studien abrufbar, zwei Wochen später bereits fast das Doppelte. Quarks hat die möglichen Wirkstoffkandidaten und ihre Entwicklung analysiert.

Hilft Blutplasma von genesenen Patienten wirklich?

Die Idee: Statt abzuwarten, bis ein Erkrankter selbst Antikörper zum Kampf gegen das Coronavirus gebildet hat, verabreicht man ihm das Blut von Genesenen – und die darin enthaltenen Antikörper bekämpfen das Virus.

Auf diesem Therapieansatz liegen große Hoffnungen. Neu ist er nicht: Ähnliches hat man schon bei SARS und MERS versucht. Hier gibt es Hinweise, dass das Blutplasma einen schützenden Effekt gehabt haben könnte – wirklich gut belegt ist das aber nicht.

„Durchbruch“, der „zahllose Leben retten wird“?

Jetzt hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Behandlung mit Blutplasma per Notfallgenehmigung erlaubt – und Präsident Trump feiert den Therapie-Ansatz als „Durchbruch“, der „zahllose Leben retten“ wird. Gleichzeitig sagen aber die Experten der FDA: Die Datenlage reicht noch lange nicht aus, um zu belegen, dass die Blutplasma-Therapie wirklich hilft.

Das liegt an folgenden Gründen:

  • Es gibt kaum randomisierte, verblindete Studien: Nur wenige Patienten bekamen als Kontrolle ein Placebo. Und die meisten wussten, wie sie behandelt werden.
  • Das Blutplasma wurde häufig in Kombination mit anderen Medikamenten verabreicht – so lässt sich nicht differenzieren, was genau für einen Behandlungserfolg verantwortlich war.
  • Es gibt keine standardisierte Untersuchung der Antikörper.

Noch ist unklar, ob Blutplasma wirklich hilft

Heißt also: Obwohl allein in den USA mehr als 60.000 Menschen im Rahmen von Studien mit genau dieser Therapie behandelt wurden, ist noch nicht gut belegt, ob und inwiefern sie den Therapieausgang wirklich verbessert.

Entscheidend dafür wäre zu wissen:

  • Welche und wie viele Antikörper befanden sich im Blutplasma?
    Es ist bekannt, dass das Immunsystem von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark auf das Coronavirus reagiert. Manche bilden sehr viele Antikörper, manche sehr wenige – und auch die Art der Immunzellen unterscheidet sich.
    Diese Werte müssen für jede einzelne Blutprobe eindeutig und sicher nachgewiesen werden.
  • Wann wurde das Blutplasma verabreicht?
    In Studien mehren sich die Hinweise, dass die Methode bessere Ergebnisse erzielt, wenn sie früh verabreicht wird.
  • In welchem Zustand befand sich der Patient?
    Studien weisen darauf hin, dass Menschen an Beatmungsgeräten weniger davon profitieren.
  • Welche Immunreaktion hatte der Patient vor der Behandlung?
    Manche Patienten
    bilden schon eigene Antikörper. Auch das kann einen Einfluss haben, wie weitere Antikörpermengen wirken.
  • Welche anderen Therapien wurden angewandt?
    Selbstverständlich macht es einen Unterschied, ob die Ärzte neben dem Blutplasma zusätzlich auch antivirale Mittel oder Entzündungshemmer verabreicht haben.

Das Problem: Studien sind kaum vergleichbar

In vielen Studien werden diese Punkte nicht ausreichend berücksichtigt. So lassen sich einzelne Studien kaum oder gar nicht miteinander vergleichen.

Eine bislang unveröffentlichte Studie hat sich die Daten von 36.000 behandelten Patienten nachträglich angeschaut. Daraus geht hervor: Je höher die Antikörpermenge im Blutplasma, desto größer der Behandlungserfolg (konkret: Desto weniger Patienten sind innerhalb einer gewissen Zeitspanne gestorben). Das gilt insbesondere dann, wenn die Behandlung innerhalb der ersten drei Tage erfolgt ist. Allerdings kratzen die Daten an einer statistischen Signifikanz.

Klar ist also: Es braucht von vornherein gut konzipierte, weltweit vergleichbare Studien, um den möglichen Therapieerfolg auch wirklich messen zu können.

Lieber Antikörper aus dem Labor?

Blut direkt von Patienten zu gewinnen, ist sehr aufwendig. Außerdem ist die verfügbare Menge immer abhängig davon, wie viele Menschen genesen sind und wie viele Antikörper sie (noch) im Blut haben. Bisher gibt es keine dafür wissenschaftlich sinnvollen  Schwellenwerte. Es gibt daher mehrere weitere Möglichkeiten, die derzeit erforscht und getestet werden:

  • Geeignete Antikörper aus dem Blutplasma gewinnen und industriell vermehren
  • Geeignete Antikörper im Labor erzeugen und verabreichen
  • Künstliche Antikörper im Labor erzeugen
  • Bauplan für Antikörper verabreichen

Großindustriell hergestellte, passende Moleküle könnten eine eventuelle Versorgungslücke schließen und die Abwehr und Zerstörung von SARS-CoV-2 für das Immunsystem übernehmen.

Fremde Antikörper bieten keinen lebenslangen Schutz

Einige Hersteller melden bereits, dass sie Mäuse züchten konnten, die geeignete Antikörper produzieren. Bei früheren Tests mit Ebola-Patienten haben sich die Überlebensraten durch den Antikörper-Cocktail verdoppelt. Die meisten Antikörper-Therapien sind noch in der präklinischen Testphase und sollen in den kommenden Wochen oder Monaten in die klinische Phase mit Menschen übergehen.

Unabhängig von der Frage, ob Blutplasma von Genesenen überhaupt eine effektive Therapie gegen das Coronavirus sein kann, ist klar: Anders als bei einer Impfung können diese Antikörper keinen lebenslangen Schutz bieten, da das Immunsystem des Empfängers die Erkrankung nicht selbst durchgemacht hat. So fehlen eigene Abwehrzellen und wichtige sogenannte Gedächtniszellen, die bei milden Verläufen eine besonders wichtige Rolle zu spielen scheinen.

Ob wir nach einer Infektion immun sind, das erklären wir hier.

Wie wirken antivirale Mittel?

Remdesivir ist von der europäischen Arzneimittelbehörde als erste Therapie bei COVID-19 zugelassen. Das Medikament tarnt sich als Baustein für das virale Erbgut und kann, wenn es unbemerkt eingebaut wird, die Vermehrung des Virus hemmen.

Wie Remdesivir genau wirkt und wie gut die Studien sind, erklären wir hier.

Bisherige Studienergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass es ausschließlich in den frühen Phasen des Krankheitsverlaufs sinnvoll ist — dann vermehrt sich das Virus besonders stark. Es könnte helfen, die Behandlungszeit im Krankenhaus zu verkürzen. Im späteren Verlauf, wenn vor allem das eigene Immunsystem zum Problem wird, das die eigenen Zellen angreift, scheint es zu spät.

Die bisherigen Erfolge zeigen aber auch: Für die verschiedenen Phasen und Krankheitsverläufe werden Ärztinnen und Ärzte vermutlich mehrere Optionen brauchen.

Alte Mittel sind grundsätzlich verträglich – und für andere Krankheiten schon zugelassen

Für andere Viruserkrankungen wie HIV oder Influenza gibt es bereits geprüfte und zugelassene Mittel wie Darunavir, Favipiravir oder Umifenovir sowie Lopinavir und Ritonavir. Sie verhindern, dass sich das Virus in menschlichen Zellen vermehrt oder gar eindringt. Die bisherigen Studien verliefen jedoch wenig erfolgreich, eine WHO-Studie mit der Kombination von Lopinavir und Ritonavir wurde gestoppt.

Wie wirken Malariamittel?

Die Präparate Hydroxychloroquin oder Chloroquin wurden lange Zeit hauptsächlich bei Malaria-Patienten eingesetzt, da sie die Stoffwechselabläufe des Parasiten stören. Mittlerweile ist der Malaria-Parasit weitgehend immun gegen das Mittel. Das verschreibungspflichtige Medikament hilft aber auch Patienten mit Autoimmunkrankheiten wie Lupus oder einer rheumatoiden Arthritis.

In der Corona-Pandemie kam im Frühjahr dieses Jahres Hoffnung auf, dass Chloroquin auch gegen den neuen SARS-CoV-2-Erreger wirkt. Kleinere Studien aus Frankreich und China an Patienten mit Covid-19 ließen vermuten, dass das Mittel die Infektion vor allem bei schwer kranken Patienten abschwächt, indem es die Vermehrung des Virus im Körper bremst. US-Präsident Donald Trump propagierte sogar die Einnahme von Hydroxychloroquin als Schutzmaßnahme vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Virus.

Malariamittel senken das Risiko für eine Beatmung nicht

Eine US-Studie mit einer vergleichsweise großen Teilnehmerzahl von 368 hospitalisierten Covid-19-Patienten kam Ende April jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Auswertung ergab, dass diese Malariamittel das Risiko für eine mechanische Beatmung nicht senken. Vielmehr könnte die Behandlung die Sterblichkeit sogar erhöhen. Eine brasilianische Studie wurde sogar abgebrochen, da schwere und sogar tödliche Krankheitsverläufe im Zusammenhang mit der Gabe von Chloroquin beobachtet wurden.

Vor allem in Verbindung mit bestimmten Antibiotika wie Azithromycin kann die Behandlung mit Chloroquin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen, heißt es im Arzneimittelbrief für unabhängige Arzneimittelinformationen. Das Antibiotikum kann bei Covid-19-Patienten mit einer schweren Lungenentzündung gegen die bakterielle Infektion gegeben werden.

Nebenwirkungen sind unter anderem Halluzinationen

Für Risikogruppen mit einer bereits bestehenden Herzerkrankung oder einer eingeschränkten Nierenfunktion ist das Risiko der Herzrhythmusstörungen durch die Behandlung mit Chloroquin besonders hoch. Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen des Medikaments zählen auch Unterzuckerung, Anämie, Verwirrtheit oder Halluzinationen.

“Bei Patienten mit Autoimmunkrankheiten sind diese Nebenwirkungen nicht das Problem“, sagt Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Hier würden viel niedrigere Dosen im Vergleich zu Behandlungen von Covid-19-Patienten verabreicht. Der Off-Label-Gebrauch von Chloroquin zum vermeintlichen Schutz vor SARS-CoV-2 sei dabei gerade für diese Patienten problematisch, da es zu Engpässen auf dem Arzneimittelmarkt kommen könnte.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, sowie die US Food and Drug Administration (FDA) und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) warnten wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen bereits im April ausdrücklich vor einer Einnahme des Malariamittels als vermeintliche Schutzmaßnahme gegen SARS-CoV-2.

Die Wirksamkeit konnte nicht bestätigt werden

Abgesehen von den Risiken ist mittlerweile klar: Auch die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin und Chloroquin bei Covid-19 konnte nicht bestätigt werden. Mitte Juni widerrief die US Food and Drug Administration (FDA) deshalb ihre kurzfristig eingeführte Ausnahmegenehmigung für Hydroxychloroquin zur Behandlung von schweren Covid-19-Erkrankungen. Eine knappe Woche später verkündete auch die WHO, dass sie laufende Studien internationaler Forscherteams mit dem Malaria-Medikament einstellen will.

Wie wirken Entzündungshemmer oder Immunsuppressiva?

Bei einem schweren Verlauf überfordert das Coronavirus SARS-CoV-2 das menschliche Immunsystem. Medizinerinnen und Mediziner sprechen von einem sogenannten Zytokinsturm, bei dem das Immunsystem zu viele Abwehrzellen produziert, die auch eigene Zellen angreifen und zum Organversagen führen können.

Als erfolgreich hat sich bislang Dexamethoson herausgestellt. Erste Ergebnisse aus England zeigten demnach, dass das Sterblichkeitsrisiko um ein Drittel abnahm, wenn die Patienten beatmet werden mussten. Das Medikament ist ein Entzündungshemmer und kommt eigentlich bei Haut- und Gelenksentzündungen zum Einsatz. Auch andere Corticosteroide oder Fingolimod werden getestet, die ansonsten bei Autoimmunerkrankungen oder Multiple Sklerose zum Einsatz kommen.

Was Ärzte bisher vor allem in der Krebstherapie oder bei rheumatischen Erkrankungen anwenden, könnte auch die Lunge vor lebensgefährlichen Schäden schützen. Zu den Wirkstoffkandidaten zählen etwa Tocilizumab, Camrelizumab oder Mepolizumab.

Interferone sind ebenfalls Teil der aktuellen Therapien gegen Covid-19. Sie werden laut WHO experimentell eingesetzt, teilweise getestet, wenn sie in vorherigen Studien etwa bei SARS oder MERS bereits ihre Wirkung und auch Sicherheit bewiesen haben.

Entzündungshemmer wie Corticosteroide oder Fingolimod, die ansonsten bei Autoimmunerkrankungen oder Multiple Sklerose zum Einsatz kommen.

Wie wirken Proteinkinase-Inhibitoren?

Stoffe wie Ruxolitinib oder Jakotinib(-hydrochlorid) greifen Proteinkinasen an, die mit die wichtigste Regulationsmethode in Zellen darstellen. Diese Enzyme können die biochemische Struktur von Proteinen verändern, die wie ein An-/Aus-Schalter funktioniert. Bei Krebserkrankungen sind diese Proteine verstärkt oder dauerhaft aktiv.

Wann stehen die Medikamente zur Verfügung?

Auch wenn sich Wirkstoffe in weit fortgeschrittenen Phase 2-, 3- oder 4-Studien befinden, können Empfehlungen erst nach Bekanntgabe der Ergebnisse und einer (Eil-)Zulassung erfolgen. Bis dahin handelt es sich um einen experimentellen Einsatz, der mit gewissen und teils unbekannten Risiken behaftet ist.

Üblicherweise dauern Entwicklung und Testung neuer Medikamente viele Jahre. Gut die Hälfte der jetzigen Kandidaten wird derzeit schon im sogenannten Off-Label-Use bei Covid-19 eingesetzt. Das heißt, die Medikamente sind für andere Erkrankungen zugelassen, weil sie sicher und effektiv sind. Andere, noch experimentelle Stoffe sind im sogenannten Compassionate Use, einer Art Härtefalleinsatz, für Patienten eine Option.

Die WHO führt derzeit eine Studie namens „Solidarity“ durch, mit der sie vier Therapien mit sechs Wirkstoffen an Tausenden Patienten im großen Stil testen will. Damit will die WHO belastbare Daten sammeln, wie sinnvoll die am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe sind und ob manche davon nicht künftig ausgeschlossen werden sollen. Letzteres gilt etwa für die Antimalariamittel Hydroxychloroquin und Chloroquin, deren optimale Dosis unbekannt, dafür aber Herzrhythmusstörungen als Nebenwirkungen bekannt sind.

Stand der analysierten Daten: 01. April 2020 Quelle: WDR

Sind manche Wirkstoffe gefährlich?

Oftmals zeigen Laborversuche Erfolg versprechende Versuche. Doch was in der Petrischale und im Mäusekörper klappt, scheitert später oft beim Menschen. Eine Übersichtsstudie zum älteren SARS-CoV zeigte, dass bei Patienten später kaum aussagekräftige Ergebnisse vorlagen oder sogar Schäden auftraten. Klinische Studien müssen die Sicherheit daher in mehrmonatigen Untersuchungen Schritt für Schritt bestätigen.

Unter den Wirkstoffkandidaten, die in China getestet wurden und werden, ist etwa auch Thalidomid, das in Deutschland unter dem Namen Contergan zu schweren Missbildungen geführt und somit traurige Berühmtheit erlangt hat.

Auch Stammzelltests sind in den Studienregistern zu finden. Vereinigungen wie die International Society of Cell & Gene Therapy oder EuroStemCell warnen jedoch davor, an solchen Tests teilzunehmen. Bislang gibt es weder gesicherte Ergebnisse noch wirklich gute Hinweise, dass Stammzellen aus Zähnen oder Geweben bei Covid-19 Heilung versprechen.

Welche unkonventionellen Therapien gibt es?

In einer baldigen Studie möchten europäische Forscher eine bereits hundertjährige Tuberkuloseimpfung an Covid-19-Patienten testen – aber vielmehr als Therapie und nicht als Impfung. Das könnte funktionieren, weil mehrere Arbeiten der letzten Jahrzehnte gezeigt haben, dass diese Impfung das gesamte menschliche Immunsystem für einige Zeit zu Höchstleistungen peitscht und auch andere Infektionen seltener werden. Das könnte, so hoffen die Forscher, schwere Krankheitsverläufe bei Covid-19 verhindern.

Es gibt aber auch andere Therapiekonzepte, die über gewöhnliche Arzneimittel hinausgehen, sowie welche, die womöglich jeder zu Hause hat. Manche Forscher empfehlen modifizierte Zuckermoleküle, Cyclodextrin. Bei anderen Viren führt jeglicher Kontakt zwischen diesen Zuckerverbindungen und den Viren zu deren Zerstörung. Für SARS-CoV-2 besteht bislang nur ein theoretischer Nutzen, eine konkrete wissenschaftliche Studie ist bislang noch nicht angemeldet.

Darüber hinaus werden mehr als 20 andere Stoffe getestet, darunter Wasserstoffperoxid, schleimlösende Mittel oder diverse Gase zum Inhalieren.

Was bringen Vitamin C und Naturheilmittel?

Gerade im Internet empfehlen viele Menschen hoch dosiertes Vitamin C. In China wurden Patienten experimentell damit behandelt, auch in anderen Ländern kommt Vitamin C als zusätzliche Option zum Einsatz. In China laufen dazu derzeit Phase-2-Studien. Ob die Mehrheit der Covid-19-Patienten letztlich davon profitiert, etwa weil sie schneller genesen oder seltener sterben, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass es schwer kranken Patienten mit Lungenentzündungen helfen könnte.

Ähnliche Zusammenhänge bestehen auch bei Vitamin D, das auch bei anderen Lungenerkrankungen eine Rolle spielt. Inwiefern eine Gabe vor einer Infektion schützen kann, ob es schwere Verläufe verhindert oder aber die Schwere der Erkrankung lindert, müssen Studien erst beweisen.

Eine vorbeugende Wirkung der Vitamine für bislang nicht infizierte Personen ist wissenschaftlich nicht belegt. Trotzdem führt eine ausreichende Vitaminversorgung durch gesunde Ernährung und einen verantwortungsvollen Aufenthalt in der Sonne zusammen mit Bewegung zu einer besseren, körperlichen Ausgangssituation angesichts einer Infektion.

In China gibt es auch Studien darüber, ob Naturheilmittel aus der traditionellen chinesischen Medizin helfen – sowohl eigenständig als auch in Kombination mit einigen pharmazeutischen Wirkstoffen. Ergebnisse stehen bislang aus.

Stand der analysierten Daten: 17. März 2020 Quelle: WDR

In der Regel sind diese Wirkstoffe allerdings nur ein Zusatz zur medikamentenbasierten Therapie und ersetzen diese nicht.

Welche Impfstoffe werden entwickelt?

Als Wissenschaftler schon wenige Tage nach der offiziellen Bekanntgabe durch die WHO das virale Genom entschlüsselt und veröffentlicht hatten, war das auch ein Startschuss für das Wettrennen um den ersten Impfstoff. Bislang verzeichnet die WHO mehr als 150 verschiedene Impfstoffkandidaten.

Bei Masern, Diphterie oder Grippe impfen die Ärzte aktuell Lebend- oder Totimpfstoffe, also das Virus in abgeschwächter oder gar zerstörter Form. Derzeit setzen Hersteller insbesondere auf neue Methoden. Die beiden Unternehmen, die in den Medien am häufigsten genannt werden, wollen nicht mehr das ganze Virus verabreichen, sondern nur noch den Bauplan für die entscheidenden Virusstrukturen, mit denen das Immunsystem den Eindringling erkennt. Dazu zählt etwa das Spike-Protein, eine Art Stachel auf der Außenhülle, mit dem SARS-CoV-2 in die menschlichen Zellen eindringt.

Wie weit ist die Entwicklung fortgeschritten?

Eine Handvoll Impfstoffkandidaten befindet sich bereits in der letzten und entscheidenden klinischen Phase (Phase 3). Dabei handelt es sich vor allem um rekombinante oder neuartige mRNA-Impfstoffe.

Erste Ergebnisse könnten Ende des Jahres vorliegen und müssen dann beweisen, wie gut eine Schutzwirkung gegen das Coronavirus aufgebaut wird. Die Verträglichkeit wurde in ersten Studien bereits bei allen Kandidaten nachgewiesen.

Neuartige Impfstoffe könnten schneller produziert werden

Weitere Möglichkeiten für eine Impfung bestehen in anderen Konstrukten, mit denen man die Baupläne gezielt in die Zellen einschleust. Darunter fallen beispielsweise rekombinante Impfstoffe. Bei diesen Impfungen sollen andere, harmlose Virentypen in die Zellen eindringen. Die chinesische Regierung hat den Impfstoff bereits eingeschränkt für das Militär zugelassen.

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) beispielsweise nutzt eine harmlose Version des Masernvirus, um genetische Sequenzen einzubringen. In Mäusen hat ein ähnlicher MERS-Impfstoff bereits eine Immunantwort ausgelöst.

Mit virusähnlichen Partikeln geschieht im Grunde dasselbe, allerdings transportieren sie kein genetisches Material, sondern Proteine. Die große Mehrheit all dieser Kandidaten steckt bislang allerdings noch in der Phase der Tierversuche.

Der Vorteil dieser neuartigen Methoden liegt oft darin, dass die Unternehmen sie einfacher und in kürzerer Zeit im großen Stil herstellen können. Klassische Produktionen benötigen mehrere Monate, um die nötigen Viren anzuzüchten und somit etwa die Grippeimpfstoffe zu produzieren.

Wann steht ein Impfstoff gegen das Coronavirus frühestens bereit? Mehr dazu hier …

Autor: Mathias Tertilt/Inka Reichert

Unsere Quellen

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6 Kommentare;

  1. Das Virus ist da und man muss damit leben, so normal wie möglich!
    Im Winter 2017/2018 starben laut RKI 25000 Menschen und im Winter 2012/2013 20000 Menschen trotz Impfung (Quelle RKI) an der Grippe. Ich denke, dass man mit dem Virus so normal wie möglich leben muss. Deshalb redet man manchmal von einer Grippe-Welle. Jedes Jahr sterben tausende Menschen an der Grippe, mal mehr mal weniger (Quelle RKI, PDF Tabelle, Auflistung der jährlichen Sterblichkeit an der Grippe).

  2. Ich denke eine direkte behandlungsmethode gibt es so nicht. Man kann vorbeugen. Ich denke, dass Medikamente die das Immunsystem stärken von Vorteil sein werden. Ähnlich wie mit Urofem https://www.servusapotheke.at/urofem-sachets-10-stk.html kann man so präventiv gegen die Ausbreitung im Körper ankämpfen. Dies ist natürlich sinnvoll bei Personen die vorbelastet sind. Auch wenn das nur ein kleiner Protenzsatz ist, mit dem man die Verbreitung eindämmt, so zählt doch jeder einzelne Prozentpunkt.

  3. Hallo! Höre gerade im Radio, dass das Medikament „Remdesivir“ die Erkrankung „im Schnitt um 4 Tage verkürzen könnte“ (allerdings wohl nicht die Schwere der Erkrankung). Daher frage ich mich, warum dieses Medikament als große Hoffnung angesehen wird. Ich finde, das könnte bei beatmeten Patienten evtl. die Leidenszeit am Respirator ggfs. verkürzen aber ansonsten ist die Wirkung doch überschaubar und für leichte Verläufe keine Unsummen oder starken Nebenwirkungen wert. Oder hätte dieses Medikament noch weitere Vorteile? Gruß T.H.

  4. Welche Therapien helfen gegen das Coronavirus?

    Bislang gibt es für COVID-19 kein zugelassenes Medikament.

    Ein Medikament ist keine Therapie!

    Oder sehe ich dies falsch?

    Quarks bedient sich der Drogen_Industrie, die seit ca. 1967
    dicke Gewinne einfährt und dabei die Bürger von damals 5,6%
    auf über 15% Krankenkassenbeitrag gebracht haT.
    Oder laufen die Bürger dank der KfZ´s weniger?

    1. Für COVID-19 gibt es derzeit keine zugelassenen oder geprüften Medikamente oder Impfstoffe. Bei schweren Krankheitsverläufen müssen Ärzte derzeit experimentell auf bereits bekannte Wirkstoffe zurückgreifen, also etwa Medikamente, die auch gegen Grippe- oder andere Viren gedacht sind. Wenn wir hier den Begriff „Medikament“ verwenden, dann meinen wir ein „Mittel, das in bestimmter Dosierung der Heilung von Krankheiten, der Vorbeugung oder der Diagnose dient; Arzneimittel“ – wie es der Duden definiert.

      1. Unser Ärzte behandeln Covid -19 Patienten. Nicht alle sterben. Viele werden als geheilt aus den Krankenhäuser entlassen.
        Welche Maßnahmen auch Therapien genannt
        haben zu dem Erfolg-NICHT ZU STERBEN-geführt?

        Dies ist mir in Ihrem tollen Beitrag zu kurz gekommen.
        Ich finde Ihre Arbeit trotzdem toll

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