Was hilft wirklich gegen Falten?

Alternde Haut wird dünner und trockener. Das Gewebe erschlafft. Können Cremes da wirklich helfen? Foto: Anita Jankovic/Unsplash.

Anti-Aging

Was hilft wirklich gegen Falten?

Anti-Falten-Cremes regenerieren, straffen, stärken und polstern. So die Werbung. Das ist nicht ganz falsch – aber auch nur die halbe Wahrheit.

5. August 2020

Wie und wodurch entstehen Falten?

Unsere Haut besteht aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis). Die Schichten sind unterschiedlich dick und haben verschiedene Funktionen. Insgesamt bildet die Haut Pigmente und produziert Schweiß, wärmt, schützt vor Stößen, enthält Sinneszellen, Kollagenfasern und Bindegewebe.
Das passiert mit der Haut, wenn sie älter wird.

Bereits vor dem 30. Geburtstag aber beginnt sie zu altern. Wichtigster Faktor: Die Zellteilung, die langsamer wird.

  • Es kommt zu einem Abbau von Kollagenfasern – Strukturproteine, die in der Lederhaut ein Eiweißgerüst bilden und dort für Festigkeit sorgen.
  • Es wird weniger Hyaluronsäure gebildet.
    Sie sitzt im Kollagengerüst und bindet sehr viel Wasser.
    Resultat: Die Haut kann weniger Wasser speichern und wird trockener.
  • Auch das Protein Elastin reduziert sich
    Es sorgt für Elastizität im Bindegewebe – und so etwa dafür, dass die Haut nach dem Lächeln wieder in ihren glatten Zustand zurückspringt.

Die Durchblutung lässt nach. Dadurch verändert sich das Bindegewebe. Die Haut wird dünner und trockener. Das Gewebe erschlafft.

Wie schnell man altert, ist aber durchaus unterschiedlich. Eine wichtige Rolle spielen die Gene als innerer Faktor. Aber auch drei äußere Einflüsse spielen eine wichtige Rolle, und zwar in dieser Reihenfolge: UV-Licht, Nikotin und Umweltschadstoffe lassen die Haut altern.

Können Cremes wirklich gegen Falten helfen?

Auch wenn man nicht allen wohlklingenden Versprechungen auf den Kosmetikpackungen glauben darf, lautet die Antwort: Ja, zumindest ein bisschen.

1. Antioxidantien: Vitamin C und Vitamin A

Seriöse wissenschaftliche Belege gibt es für die Wirkstoffe Vitamin C und Vitamin A, letzteres vor allem in abgeschwächter Form als Retinol oder Retinolaldehyd. Sie führten in hochwertig aufgebauten Studien mit Kontrollgruppe und Doppelverblindung zu einer Neubildung von Kollagen, jenem Protein, das für Festigkeit sorgt.

Bekannt sind diese Vitamine und Vitamin-Derivate auch als Antioxidantien, da sie in der Haut die Konzentration von freien Radikalen reduzieren. Freie Radikale gelten als Hauptverursacher von Hautalterung und Faltenbildung. Wenn sich die aggressiven Sauerstoffmoleküle etwa bei Sonneneinstrahlung oder beim Rauchen stark vermehren, schädigen sie unter anderem das Kollagen in der Haut (sogenannter “oxidativer Stress”).

Die Gesellschaft für Dermopharmazie hat für ihre Leitlinie „Dermokosmetika gegen Hautalterung“ die Studienlage zu Anti-Falten-Cremes analysiert und kommt zu dem Schluss, dass Retinol „das allgemeine Erscheinungsbild der Haut, feine und mitteltiefe Falten (…) und den Elastizitätsverlust zu verbessern vermag“. Ähnliches gilt für Vitamin C, das jedoch recht instabil ist und seine Wirkung verliert, wenn die Creme nicht vor Licht- und Lufteinfluss geschützt wird.

2. Hyaluronsäure

Besser geworden ist laut der Leitlinie die wissenschaftliche Datenlage zur Hyaluronsäure, bekannt aus der Faltenunterspritzung. Körpereigene Hyaluronsäure macht das Bindegewebe fest und elastisch, nimmt aber im Alter ab.

Beispiel: In einer doppelt verblindeten Studie aus dem Jahr 2011 trugen 76 Probandinnen über acht Wochen eine Creme mit und ohne Hyaluronsäure auf Augenfalten („Krähenfüße“) auf, was mit dem Wirkstoff zu mehr Hautelastizität und Wasseranlagerung in der Hornschicht führte.

Allerdings bedeutet die bloße Existenz eines Stoffes in einer Creme nicht, dass er auch wirklich wirkt. Denn die Wirkung hängt zum einen von der Konzentration ab, zum anderen brauchen die Wirkstoffe in der Regel ein Trägersystem, um in die Haut einzudringen. Und generell können Cremes, wenn überhaupt, nur eine bestimmte Art von Falten mildern: Leichte sogenannte Knitterfältchen. Gegen Lachfalten oder Schwerkraftfalten wäre Botox nötig oder gar ein Facelift.

Wie wird die Wirkung gemessen?

Am verlässlichsten ist ein Studiendesign mit etwa gleich vielen Probanden in einer Wirkstoffgruppe und einer Kontrollgruppe ohne Wirkstoff. Idealerweise sollten weder die Creme-Tester noch die Betreuer wissen, wer welche Creme erhält (“doppelblind”). Die Wirkung kann per Augenschein oder Probanden-Zufriedenheit gemessen werden, aussagekräftiger sind aber objektive und reproduzierbare Messmethoden.

Möglich ist es etwa, die Dicke der Unterhaut per Ultraschall zu messen oder die Veränderung der Hautelastizität mittels Silikonabdrücken. Die Tiefe von Falten oder kleinste Oberflächenveränderungen im Nanometerbereich können mittels verschiedener Verfahren der sogenannten optischen Profilometrie beziffert werden.

Grundsätzlich ist jedoch laut der Gesellschaft für Dermopharmazie die “Wirksamkeit vieler Anti-Aging-Kosmetika wissenschaftlich nicht gesichert”, da “zu den meisten Produkten bisher nur Studien mit geringer Probandenzahl oder niedrigem Evidenzniveau” vorliegen.

Was dürfen Hersteller versprechen?

In der EU gefertigte Kosmetikprodukte haben nach Einschätzung der Gesellschaft für Dermopharmazie eine gute Qualität. Inhaltsstoffe müssen ausgewiesen werden. Seit 2009 sind die zulässigen und die verbotenen Inhaltsstoffe in einer europaweiten Kosmetikverordnung geregelt. Verboten sind genau 1.328 Stoffe, unter anderem Antibiotika, Cadmium, Blei, bestimmte Farbstoffe, menschliche Zellen, Paraffinwachse und Erdölderivate.

Aber: Kaum wissenschaftliche Daten zu vielen Versprechen

Zusätzlich gibt es eine Verordnung zu Werbeaussagen bei Kosmetika. Danach dürfen Hersteller nicht mit Selbstverständlichkeiten werben oder mit Aussagen, die nicht richtig sind oder die falsch verstanden werden können. Aussagen „müssen nach dem aktuellen Kenntnisstand wissenschaftlich nachweisbar und Wirkungen bei dem beworbenen Produkt tatsächlich vorhanden sein.“

Doch Kosmetika sind keine Arzneimittel, die Studiendaten müssen nicht veröffentlicht, Produkte nicht zugelassen werden. Kundinnen müssen also leider weiterhin damit rechnen, dass viele Versprechen nur von wenigen wissenschaftlichen Daten gedeckt sind.

Kann man zu früh mit Antifalten-Creme anfangen?

Nein. Jüngere Eincremer müssen nicht fürchten, dass der Körper die Produktion von Kollagen und Co verfrüht einstellt, wenn man die Stoffe von außen zuführt. Aber junge Haut braucht keine Anti-Aging-Wirkstoffe, diese sind auch meist zu reichhaltig. Fettreiche Cremes sollten eher gemieden werden, um Akne entgegenzuwirken.

Was hilft gegen Falten?

Keine Creme wirkt Wunder. Wenn überhaupt, können Kosmetika nur oberflächliche kleine Fältchen abmildern. Die wichtigste Maßnahme ist Sonnenschutz. Und das am besten schon, bevor das Alter sichtbar wird.

Weiterhin: Nicht rauchen, ausreichend trinken, ausreichend schlafen. Denn: Die Haut regeneriert sich zum großen Teil im Schlaf. Und zu wenig Flüssigkeit stresst die ohnehin zu trockene Haut noch zusätzlich.


Autorin: Tanja Wolf

1 Kommentar

  1. Es ist ja nichts neues das die Schönheit von innen kommt.
    Seitdem ich zu meiner täglichen Beauty-Routine noch Tricilelius Kollagen Kapseln dazu nehme, hat sich meine Haut wesentlich gebessert.
    Trotz dessen kann und will ich auch nicht auf meine tägliche Creme verzichten. Obwohl es immer mehr heißt, dass die Cremes nicht viel bringen

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