Quarks Daily Spezial Folge 13 – Insekten – So retten wir sie

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Quarks Daily Spezial Folge 13

Insekten – So retten wir sie

Wo es früher summte, krabbelte und flatterte, sind heute weit weniger Insekten zu finden. Aber man kann etwas gegen das Insektensterben tun: in der Landwirtschaft und im Wald, aber auch im eigenen Garten. Sogar auf einem kleinen Balkon kann man Insekten helfen.

25. September 2021 | Aktualisiert: 28. September 2021

Insektenschwund bei vielen Arten

Die Insekten sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Das zeigt auch eine Studie, die der Entomologische Verein Krefeld gemacht hat. Der hat zwischen 1989 und 2014 fliegende Insekten gesammelt. Die Hobby-Insektenkundler:innen ermittelten, dass die Masse der Insekten, die sie sammeln konnten, in dieser Zeit um 75 Prozent abgenommen hat. Das Ergebnis hat die Öffentlichkeit aufgerüttelt. Der Rückgang betraf fast alle Insekten: Wildbienen, Fliegen, Mücken, Käfer und Schmetterlinge. Die Studie zeigte: Sogar in Naturschutzgebieten ist die Zahl der Insekten stark gesunken. Zu den Ursachen des Insektensterbens zählen die Veränderung der Landschaft, weniger Lebensraum, Pestizide und Lichtverschmutzung.

Insektenfreundliche Landschaften

Insekten sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme, zum Beispiel weil sie Pflanzen bestäuben und für viele Vögel eine wichtige Nahrung sind. Damit Insekten sich wohlfühlen, brauchen sie eine möglichst vielfältige Landschaft. Das gilt insbesondere für landwirtschaftlich genutzte Flächen. In den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr Monokulturen ausgebreitet, die den Insekten kaum Lebensmöglichkeiten bieten. Kleine Flächen, weniger Dünger und Pflanzenschutzmittel, aber auch Hecken und Ackerrandstreifen können hier Abhilfe schaffen.

Rückkehr der Schmetterlinge

Die Zahl der Schmetterlinge schwankt sehr stark von Jahr zu Jahr. Aber auch bei ihnen ist ein deutlicher Abwärtstrend zu beobachten. Durch das EU-Projekt „LIFE – helle Eifeltäler“ sollen Landschaften wieder schmetterlingsfreundlicher werden. Dabei konzentrieren sich die Expert:innen auf zwei Arten. Der Blauschimmernde Feuerfalter und der Goldene Scheckenfalter sollen in die Eifeltäler zurückkehren.

„Um ein Tal insektenfreundlicher zu gestalten, reicht es manchmal schon, eine Wiese später im Jahr zu mähen oder einige Bäume zu fällen,“ erklärt Projektleiterin Marietta Schmitz. Besonders wichtig sind außerdem spezielle Futterpflanzen für die Raupen, wie der Schlangenknöterich oder der Teufelsabbiss. Der Goldene Scheckenfalter, der bereits aus der Region verschwunden ist, soll außerdem nachgezüchtet werden.

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Totes Holz als Lebensraum

Längst nicht jeder Wald ist ein insektenfreundlicher Lebensraum. In einheitlichen Fichtenplantagen leben weit weniger Insekten als in der Stadt. Dabei lässt sich auch im Wald einiges tun, um ihn als Lebensraum für Insekten zu gestalten. Damit sie sich wohlfühlen, sollte der Boden nicht durch große Maschinen unnötig verdichtet werden. Kleine Lichtungen sorgen für Vielfalt bei Pflanzen und Insekten. Auch das sogenannte Totholz ist wichtig für Wildbienen und andere Insekten. Im abgestorbenen Holz können die Tiere sich verstecken und ihren Nachwuchs großziehen.

Der Garten als Insektenparadies

Auch im Garten hilft es, nicht zu viel aufzuräumen. Statt den Garten im Herbst „winterfest“ zu machen, sollte man lieber die Stauden stehen lassen und erst im nächsten Frühsommer abschneiden. Ansonsten gilt auch für den Garten: so viel Vielfalt wie möglich. Und ein wenig Unordnung gehört unbedingt dazu. Denn so entstehen Lebensraum und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten und andere Tiere.

Sogar auf dem heimischen Balkon lässt sich etwas für Insekten tun. Heimische Blütenpflanzen bieten die beste Nahrung für Fliegen und Wildbienen. Und auch ein Insektenhotel kann Lebensraum zur Verfügung stellen. Besser als viele Modelle aus dem Baumarkt ist eine Eigenkonstruktion, die gar nicht so schwer zu bauen ist.

DIE MACHER:INNEN
Michael Lange interessiert sich als gelernter Biologe für Pflanzen, Tiere und Mikroben – und ganz besonders für die Menschen, die all das erforschen
Marlis Schaum tobt sich journalistisch als Host in Quarks Daily und im Radio aus und findet in jedem Fetzen Wissenschaft spannende Geschichten.

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