Das passiert, wenn man Menschen schrumpfen würde

Matrjoschkas: russische Holzpuppen zum ineinander stecken. Bildrechte: WDR / mauritius images

Gedankenexperiment

Das passiert, wenn man Menschen schrumpfen würde

Menschen zu schrumpfen, um Ressourcen zu schonen - noch ist das unrealistisch. Wenn wir es könnten, wären wir allerdings auch nur noch etwas schlauer als eine Maus.

4. Oktober 2018

Bevor wir hier ein paar Erklärungen zu den einzelnen Punkten machen vorher noch ein paar Worte zur Grundannahme unseres Schrumpfens. Warum reduzieren wir überhaupt die Anzahl der Zellen und schrumpfen sie nicht einfach mit? Das würde doch einige der Probleme im Video lösen!

Jein. Einige Probleme würden dadurch zwar gelöst, es ensteht aber ein gewaltiges anderes. Zellen zu schrumpfen würde bedeuten Zellbestandteile wie zum Beispiel Mitochondrien zu schrumpfen. Das wiederum würde bedeuten, dass wir auch Moleküle schrumpfen müssten. Und das wiederum führt uns dazu, dass wir Atome, Elektronen, Neutronen und Protonen schrumpfen müssten und das… ja das würde unser Verständnis der Physik wohl ziemlich auf den Kopf stellen. Ob es überhaupt möglich ist? Vermutlich nicht. Es hat schon seine Gründe, dass die Zellen immer ungefähr gleich groß sind, egal ob sie eine Maus oder einen Elefanten zusammenbauen.

Schrumpfen heißt, die Anzahl Zellen zu verringern

Die einzige Möglichkeit zum Schrumpfen, die uns bleibt, ist also, die Anzahl Zellen zu verringern.
Und das würde sich im Gehirn wohl als ziemlich negativ für unsere Intelligenz herausstellen.  Zwar kann das menschliche Gehirn große Verluste an Hirnmasse oft wieder kompensieren, indem zum Beispiel andere Hirnregionen die Aufgaben übernehmen, das wissen wir aber nur bei der jetzigen Größe. Ob eine drastische Reduktion der Hirnzellen wie beim Schrumpfen eine hohe Intelligenz ermöglicht, ist äußerst fraglich.

Auch beim Sehen sind weniger Zellen schlecht. Denn weniger Zellen bedeutet, dass es weniger Einheiten gibt, die Licht verarbeiten können. Das hätte starken Einfluss auf Helligkeit und Schärfe.

Schrumpfen und die Nahrungszufuhr

Bleibt wohl nur noch die Frage, warum wir mehr Wärme verlieren würden, wenn wir klein geschrumpft wären. In der Biologie gibt es dafür eine recht einfache Erklärung, die mit dem Volumen und der Oberfläche eines Körpers zu tun hat. ganz einfach erklärt es dieses Bild:
Oberfläche und Volumen steigen deutlich schneller als die Seitenlänge. | Bild:WDR

Der rechte Würfel hat die zehnfache Kantenlänge wie der rechte Würfel.  Er hat die hundertfache Oberfläche und sogar das tausendfache Volumen!
Wenn etwas größer wird, steigt das Volumen also deutlich stärker an, als die Oberfläche. Kleine Körper – also auch kleine Tiere – haben also im Verhältnis zu ihrem kleinen Körpervolumen eine relativ große Körperoberfläche.  Und während das gesamte Körpervolumen Wärme erzeugt, geht sie nur über die Körperoberfläche verloren.

Genau deswegen sind Tiere in kalten Regionen auch kompakter gebaut und haben eher kurze Gliedmaßen, während die Vertreter in heißen Gegenden ihre Körperoberfläche durch große Ohren noch erhöhen, um die Wärme loszuwerden.

Ganz generell wird Wärme im Körper durch den Stoffwechsel produziert. Da die kleinen Tiere proportional mehr Wärme verlieren, müssen sie auch mehr davon produzieren. Und das bedeutet, dass der Stoffwechsel auf Hochtouren laufen muss.  1500 mal schlägt das Herz der winzigen Etruskerspitzmaus pro Minute, sie atmet in dieser Zeit 900 mal. All diese Aktivität braucht Energie. Die Spitzmäuse sind deshalb richtige Fressmaschinen. Und so sieht das kleine Tier aus:

Eine Etruskerspitzmaus auf der Hand. | Foto: Trebol-a, CC BY-SA 3.0.

Wenn wir geschrumpft würden, müsste sich auch unser Stoffwechsel stark erhöhen. Ansonsten wären wir nach kurzer Zeit erfroren. Schrumpfen ist also gar nicht so einfach.

Schreibe einen Kommentar Antworten abbrechen

Mehr Wissen:

berger: