Darum sollten wir über SUV diskutieren statt über Diesel

Ein reines SUV-Verbot zu fordern, ist wenig sinnvoll. | Bild: John Towner on Unsplash

Fahrverbote

Darum sollten wir über SUVs diskutieren statt über Diesel

Für Diesel gibt's Fahrverbote – aber über die wahren Umweltsünder diskutiert keiner

2. November 2018 | 28 Kommentare

Was ist ein SUV?

SUV ist die Abkürzung für Sport Utility Vehicle. Darunter fallen Fahrzeuge, die einen „Offroad-Charakter“ haben, aber keine typischen Geländewagen sind. So definiert es das Kraftfahrtbundesamt.

Allerdings sind die Grenzen zwischen einem SUV und einem Geländewagen nicht immer gut erkennbar. Das wird deutlich an der Unterteilung, die die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) vornimmt und an der sich auch das Kraftfahrtbundesamt orientiert.

Als Geländewagen gelten demnach Pkw, die:

  • höchstens acht Sitzplätze außer dem Fahrersitz haben
  • mit Allradantrieb ausgestattet sind (darf abschaltbar sein)
  • über eine Differenzialsperre oder eine ähnliche Einrichtung verfügen (siehe Infobox)
  • eine Steigung von 30 Prozent überwinden können

Differenzialsperre

Eine Differenzialsperre soll dafür sorgen, dass die Räder des Autos in bestimmten Situationen nicht durchdrehen. Wir kennen das etwa von einer vereisten Straße: Ist ein Rad auf Asphalt, das andere auf Glatteis, kann das Rad auf dem Eis durchdrehen. Dadurch kann das Auto ins Schleudern geraten. Eine elektronische Differenzialsperre hält dagegen: Sie ermöglicht, dass sich die Räder unterschiedlich schnell drehen und dass zum Beispiel dem Rad mit besserer Bodenhaftung mehr Antriebskraft zukommt.

Außerdem müssen SUVs mindestens fünf der folgenden Anforderungen erfüllen:
  • der vordere Überhangwinkel muss mindestens 25 Grad betragen (siehe Infobox)
  • der hintere Überhangwinkel muss mindestens 20 Grad betragen (siehe Infobox)
  • der Rampenwinkel muss mindestens 20 Grad betragen (siehe Infobox)
  • zwischen Vorderachse und Boden müssen mindestens 180 Millimeter Abstand sein
  • zwischen Hinterachse und Boden müssen mindestens 180 Millimeter Abstand sein
  • und der Unterboden, also der Bereich zwischen den beiden Achsen, muss mindestens 200 Millimeter vom Boden entfernt sein

Überhang- und Rampenwinkel

Der Überhangwinkel ist die maximale Steigung, die ein Auto anfahren kann, ohne dass Karosserieteile, die überhängen, den Boden berühren. Stellen wir uns vor, ein Auto soll eine steile Waldböschung hinauffahren: Ein normaler Pkw käme nicht einmal ansatzweise die Böschung hinauf. Die Stoßstange würde zum Beispiel vorn auf den Hügel aufsetzen. Der Überhangwinkel wäre zu gering.

Unter dem Rampenwinkel versteht man die Bodenfreiheit, wenn das Auto über ein Hindernis fährt. Bei tiefergelegten Autos zum Beispiel kann schon ein Bremshügel auf der Straße zum Problem werden. Selbst wenn sie langsam darüberfahren, setzt manchmal der Unterboden des Fahrzeugs auf der Kante auf. Der Rampenwinkel ist dann also niedrig. Der Rampenwinkel lässt sich erhöhen durch Reifen mit größerem Durchmesser oder indem man direkt die ganze Karosserie höherlegt.

An diesen Zahlen zeigt sich, dass schon ein paar Grad mehr oder weniger in den Überhangs- und Rampenwinkeln oder ein paar Millimeter mehr oder weniger Bodenabstand unter den Achsen darüber entscheiden können, ob ein Fahrzeug Geländewagen genannt werden darf oder als SUV gilt.

Hinzu kommt: Einige Hersteller vermarkten ihre Modelle trotzdem als SUV, obwohl sie gemäß StVZO als Geländewagen durchgehen. Porsche etwa bezeichnet seinen Cayenne Turbo als SUV, vor dem Gesetz geht der Wagen aber als Geländewagen durch. Was ein SUV ist und was ein Geländewagen, ist also nicht ganz klar abzugrenzen.

Wie viele und welche SUVs gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren in Deutschland Anfang 2019 rund 3,1 Millionen SUVs registriert – gemäß den Maßstäben, die das Kraftfahrtbundesamt an einen SUV in Abgrenzung zu einem Geländewagen anlegt. Zusätzlich waren außerdem rund 2,4 Millionen Geländewagen in Deutschland registriert. Auch diese Zahl sollte man hinzuzählen, da unter die Geländewagen eben auch Fahrzeuge fallen, die als SUV vermarktet werden. Der VW Tiguan zum Beispiel wird von VW als SUV verkauft, ist nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts aber ein Geländewagen. 546.493 Modelle waren davon Anfang 2019 in Deutschland registriert.

Für 2020 kommen die Zahlen voraussichtlich erst im Mai heraus. Ein Blick auf die Bestandszahlen der Vorjahre lässt aber erwarten, dass sich die Zahl der SUVs in Deutschland inzwischen weiter gesteigert hat. 2016 gab es etwa 1,8 Millionen SUVs, 2017 waren es rund 2,2 Millionen und 2018 2,6 Millionen – pro Jahr sind die Zahlen also um mindestens 20 Prozent gestiegen. Und das nicht erst seit 2016, auch schon davor gingen die Zahlen nach oben.

Warum sind SUVs so beliebt?

Den Beweggrund jedes einzelnen SUV-Fahrers zu erfassen, ist wohl kaum möglich. Deshalb müssen wir uns auf Umfragen unter Menschen verlassen, die sich einen SUV gekauft haben oder die mit einem liebäugeln. Eine davon wurde 2013 vom Markforschungsinstitut „Puls“ unter 303 Autokäufern durchgeführt, die Interesse an einem SUV gezeigt hatten. Die Frage lautete: Warum ist ein SUV für Sie interessant?

Folgendes kam heraus:

24,8 Prozent fanden es gut, dass sie in dem Fahrzeug viel Platz haben, dass es also groß ist. 20,1 Prozent mochten die hohe Sitzposition. 19,8 Prozent gefiel das Design. 16,5 Prozent bewerteten den Komfort als reizvoll. 11,9 Prozent schätzten die Leistungsstärke, 11,6 Prozent die Geländetauglichkeit. Und 8,3 Prozent war die Sicherheit wichtig.

Manche Experten halten das übrigens für Ausreden. So sagte der Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep in einem Interview mit der Deutschen Welle, dass ein SUV-Kauf eigentlich immer eine Imagesache sei: „Die Leute sagen beispielsweise: ‚Im SUV kann ich höher sitzen.‘ Wenn Sie aber nur höher sitzen wollen, dann können Sie sich auch einen Panda mit Allradantrieb kaufen, der kostet 15.000 Euro, und da sitzen Sie auch höher.“ Wer sich einen SUV kaufe, der sei aufs Image aus, sagt Hossiep.

Wieso sind SUVs so umstritten?

SUVs werden kritisiert für ihren schlechten Einfluss auf die Umwelt. Hauptkritikpunkte sind der Spritverbrauch und der Reifenabrieb. Aber auch im Straßenverkehr werden sie als Problem angesehen, weil sie mehr Platz wegnehmen, andere Autofahrer und Fußgänger gefährden sollen.

Besonders emotional wurde die Debatte um SUVs im September 2019 geführt, als ein SUV in Berlin mit hoher Geschwindigkeit auf einen Gehweg fuhr. Vier Fußgänger starben. Anschließend entbrannte eine Diskussion darüber, ob man SUVs in Innenstädten verbieten müsse.

Sind SUV schlecht für die Umwelt?

SUVs sind groß und schwer. Und große und schwere Fahrzeuge haben einen hohen Spritverbrauch. Da sind SUVs keine Ausnahme. Größe und Gewicht kommen vor allem in Innenstädten mit vielen Ampeln, Staus, Stop-and-go zum Tragen. Dort verbrauchen schwere Autos besonders viel.

Aber auch auf der Autobahn schneiden SUVs mitunter schlechter ab als andere Fahrzeuge – was den Spritverbrauch angeht. Je breiter und größer die Front eines Autos, desto weniger aerodynamisch ist es. Es kommt zu einem erhöhten Luftwiderstand, was mehr Motorleistung erfordert und damit mehr Spritverbrauch.

Das Gewicht wirkt sich außerdem auf den Reifenabrieb aus. Mit jeder Fahrt scheuern die Reifen Mikroplastik auf den Asphalt. Das Fraunhofer Institut für Umelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) schätzt, dass ein normaler Autoreifen dadurch nach den 50.000 Kilometern, die er durchschnittlich zurücklegt, bis er ausgetauscht wird, ein bis eineinhalb Kilogramm Gewicht verliert. Je schwerer ein Fahrzeug ist, desto mehr Mikroplastik hinterlässt es auf der Straße.

Sind SUVs gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer?

Neben ihrer Masse und ihrer Bauart sollen SUVs ihren Fahrern ein erhöhtes Sicherheitsgefühl geben. Die Fahrer sollen sich daher im Straßenverkehr weniger umsichtig verhalten. Dieses Argument ist nicht umfassend wissenschaftlich geprüft. Eine Umfrage unter SUV-Fahrern hat aber ergeben: Sie fühlen sich tatsächlich sicher und schätzen ihre Fahrweise etwas weniger vorschriftsmäßig ein als andere Autofahrer. Unfalldaten zeigen dagegen nicht, dass sich SUV-Fahrer öfter falsch verhalten als der Durchschnitt aller Fahrer oder dass sie öfter Unfälle verursachen.

SUVs sind mitunter gefährlicher für andere Autofahrer als andere Fahrzeuge. Sie sind ebenso gefährlich für Fußgänger und Fahrradfahrer – das sind andere Autos aber auch. Manche Fahrzeuge, die neben großen SUVs absolut harmlos aussehen, wie kleine Stadtautos, können für Fußgänger sogar gefährlicher sein.

Wie gefährlich ein SUV für andere Verkehrsteilnehmer sein kann, lässt sich in folgenden Szenarien beschreiben:

Unfall zwischen einem SUV und einem kleineren Fahrzeug

Wenn ein SUV und ein anderes Auto in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt sind, geht es für die Nicht-SUV-Insassen in der Regel schlechter aus. Das hat damit zu tun, dass ein SUV für seine Insassen oft sicherer ist.

Zudem machen die hohen Reifen und die ausladende Front den SUV für die Insassen anderer Autos gefährlicher. Knallt er zum Beispiel seitlich auf ein anderes Fahrzeug, erwischt ein SUV schnell Brustkorb und Kopf der Insassen des anderen Fahrzeugs. Die Passagiere im SUV sind dagegen meist besser geschützt.

Unfall zwischen einem SUV und einem Fußgänger

Der Unfall mit einem Fußgänger ist oft mehr Variablen unterworfen. Es kommt unter anderem darauf an, wie groß und schwer der Mensch ist, der angefahren wird. Die hohe Front eines SUV erwischt viele Menschen wahrscheinlich auf Beckenhöhe und im unteren Bauchbereich, was zu schlimmeren Verletzungen an Becken, Bauch und Brustkorb führen kann. Fährt ein SUV ein Kind an, sind Verletzungen im oberen Teil des Körpers wahrscheinlicher. Das Körpergewicht entscheidet, ob und wie weit der Angefahrene nach dem Aufprall vom Auto weggeschleudert wird.

Die Datenbank, die sich mit diesen Sicherheitsfragen beschäftigt, ist die Euro NCAP. Vergleicht man dort die Sicherheitsskalen von SUVs mit denen kleinerer Stadtautos, zeigt sich, dass kleine Wagen mit wenig Knautschzone an der Motorhaube und wenig Abstand zwischen Motorhaube und Frontscheibenrahmen für Fußgänger mitunter gefährlicher sind als große Fahrzeuge.

Ein Fußgänger würde nicht vom Blech zurückgefedert werden, sondern auf den harten Motor prallen. Hinzu kommt: Die Motorhaube ist sehr kurz, der Weg zur Windschutzscheibe nicht weit. Besonders gefährlich ist deren Außenrahmen, der extra hart ist, um die Insassen im Fall eines Überschlags zu schützen. Dieses Risiko bieten SUVs zumindest beim Frontalaufprall seltener, weil die Motorhauben lang und hoch sind.

Generell gilt: Je schneller ein Auto unterwegs ist, desto eher wird es zur Gefahr für andere. Nicht nur, weil die Bremsstrecken länger werden und das Tempo kürzere Reaktionszeiten erfordern würde. Unfälle mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 Kilometer pro Stunde gehen für den Fußgänger fast immer tödlich aus. Und auch wenn Autos langsamer unterwegs sind, kommt es immer wieder zu tödlichen, lebensgefährlichen und schweren Verletzungen.

Autorin: Saskia Gerhard

28 Kommentare;

  1. „Wer einen SUV fährt, ist also nicht besonders platzsparend unterwegs.“ Falsch.
    Wer einen GROßEN SUV fährt, ist also nicht besonders platzsparend unterwegs.

    Ein VW Passat ist länger, breiter und schwerer als die meisten SUV (die meistverkauften SUV-Modelle basieren auf der jeweiligen Kompaktklasse) bei gleicher Motorisierung und gleichem Antrieb (z. B. beide 2.0 TDI Allrad Automatik). Bei Stop-and-Go-Verkehr ist insbesondere das Gewicht relevant, das beschleunigt und abgebremst werden muss, und somit für Bremsstaub und Verbrauch verantwortlich ist. Die meisten Journalisten vergessen (absichtlich?), dass der Großteil der SUV eben keine Q7 oder X5 sind, sondern Tiguan und Konsorten. Ein Golf Variant braucht auch mehr Parkraum als ein Tiguan (8,16 zu 8,11m^2, Listen-Werte ohne Spiegel) bei annähernd gleichem Kofferraumvolumen (umgeklappt 1620 zu 1510)!

    Ein Touran (Hochdach-Familienkombi) ist im übrigen nur 1 cm niedriger als der Tiguan, und damit immer noch über 20cm höher als der Golf, hat also ebenfalls eine katastrophale Stirnfläche. Der Roomster liegt mit -7 (Tiguan) +16cm (Golf) auch über der Mitte – verbietet die dann auch irgendwer?

    Schaut mal bei Spritmonitor.de nach dem Durchschnittsverbrauch eines Passat 2.0 TDI 4Motion Automatik. Vergleicht das mit dem Tiguan. Je nach gewähltem Baujahr liegen die um 0.1 bis 0.4l auseinander. Und diese Daten – wenn auch nicht wissenschaftlich statistisch belegt – halte ich für realistischer als alles, was man sonst so findet. Es sind Daten aus realen, realistischen Fahrprofilen.

    Wie wäre es mit: Abschaffung des Dienstwagenprivilegs? Dann fährt vielleicht nicht jeder Vertreter und Geschäftsmann n 1,7+ Tonnen Kombi ala Audi A6 allroad, Passat 4motion, 5er BMW oder die großen, schweren SUV. Oder Dienstwagenprivileg nur für Fahrzeuge der Kompaktklasse – das reicht für den Vertreter und Manager aus, um für die Firma von A nach B zu fahren. Wer mehr will, soll es aus eigener Tasche bezahlen, nicht mit Umlage auf die Gesellschaft. Dazu höhere Spritsteuer statt Maut, das ist die gerechteste Umlage die es gibt, dafür weniger KFZ-Steuer – sodass die wenig fahrende Mutter (Klischeebeispiel, sorry) mit +/- 0 rauskommt und alle Vielfahrer draufzahlen, vor allem wenn sie viel verbrauchen. Das trifft auch die Transit-Ausländer, die gerade in Bayern viele geschröpft sehen wollen, da die auch tanken müssen. Und n Tempolimit von z. B. 160 täte auch 95% der Fahrer nicht weh, da sie eh nie schneller fahren als Tacho 170.

    1. Als Ergänzung hier mal die Zahlen vom manager-magazin:
      SUV Hitliste nach Zulassungszahlen:
      1: VW Tiguan. Länge: 4,46 Breite 1,82 Höhe 1,66 Gewicht 1500-2000kg
      2: VW T-Roc. Länge: 4,26 Breite: 1,81 Höhe: 1,52 Gewicht: 1270-1575kg
      3: BMW X1. Länge: 4,43 Breite: 1,82 Höhe: 1,60 Gewicht: 1505-1695kg
      4: Ford Kuga. Länge: 4,53 Breite: 1,84 Höhe: 1,69 Gewicht: 1579-1716kg
      Alleine diese vier Modelle machen 20% des SUV-Marktes im 1. Halbjahr 2019 aus. Weiter geht es mit dem Mercedes GLC (der erste „größere“ SUV), dem Skoda Karow, Seat Ateca, Ford Ecosport, Dacia Duster (alle 4 kompakte, leichte SUV) und BMW X3.
      Ein aktueller Passat hat Länge 4,76, Breite 1,83, Höhe 1,45, Gewicht 1360-1780kg. C-Klasse T-Modell, A4 Avant, 3er BMW Kombi etc. sehen nicht besser aus. Ein größerer SUV wie der Subaru Forester haben Länge 4,60, Breite 1,80, Höhe 1,73 Gewicht 1500-1700kg. Kürzer, schmaler und vom Gewicht her auf einer Höhe mit Kombis (bei gleichem Antrieb). Selbst von VW Golf Variant ist 4,56 Lang, 1,80 Breit, 1,45 Hoch und wiegt 1285-1574kg – mit Allrad 2.0 TDI 1537kg.

    2. Ich schließe mich Ihrer Meinung an +

      Kleinwagen könnten sicherer werden, wenn endlich ein Hersteller auf „immer mehr Komfort“ verzichtet.
      Alternative ist ein leichtes z.B. 500 Kg – Auto mit ca. 100 Kg vorne & hinten mehr Gewicht für Bodenkrallen, Schild, Abstand-Sensor.
      Die Folgen wären z.B.:
      – SUV & ähnliche haben weniger Gewichtsvorteil bei Unfällen
      – kürzere Bremswege bei Fußgängerunfällen

      PS: Es gibt ettliche ander Unfallursachen, aber die Privilegien einiger weniger müssen als erstes neutralisiert werden.

      MfG

  2. Danke für den sachlichen Artikel. Es ist nur schade, dass sich in den Kommentaren die Fahrer von zu schweren, übermotorisierten Outos (völlig egal ob X5 oder Model S) die Karren immer wieder selbst schönreden mit dem angeblich so niedrigen Spritverbrauch. Ob 10 oder 8 oder 5 ltr/100 km: Alles zu viel. Unter 1 ltr/100km können wir noch mal reden. Technisch nicht möglich? Schlecht informiert! Aber mit einem unnötig schweren und großen Auto natürlich sicherlich nicht.

    1. Interessant! „Unter 1 ltr/100km können wir noch mal reden.“, haben Sie geschrieben. Gibt es das schon in realistisch-verwendbarer Form technisch-realisiert oder ist das noch eine Utopie?
      Ein „Mofa“, mit 50 cm^3 Hubraum und einer maximalen Motorleistung von 1,5 PS, brauchte schon damals über 2,5 L/100 km. Andererseits brauchen derzeit einfache Batteriebetriebene etwa 18 kWh/100 km. Da der Brennwert von Benzin ca. 8,5 kWh/L ist, kommen die genannten Elektrofahrzeug mit etwa 2,2 L Benzin äquivalent aus… wenn ihr Wirkungsgrad 100% ist. 😉

      Und, ist die Komplettumstellung des gesamten deutschen, automobilen Straßenverkehrs auf Elektrofahrzeuge kein gigantischer Resourcenverbrauch und eine riesige Wohlstandsvernichtung (zu Gunsten letztlich von China)?

      Wieso werden bei uns Fahrzeuge nicht nach
      – gefahrenen Kilometern ( Maßanteil für Straßenverschleiß, kann bei vorgeschriebener TÜV-Untersuchung erfasst werden)
      – verbrauchte Treibstoffmenge ( Maß für CO2-Emission, kann via Treibstoffsteuer eingezogen werden)
      – Fahrzeuggewicht ( Maßanteil für den Straßenverschleiß, kann bei der Typenzulassung beim KBA erfasst werden)
      – Fahrzeuggrundfläche ( Maß für den Platzbedarf der z.B. für Parkflächen vorgehalten werden muss, bei der Typenzulassung erfasst)
      jährlich besteuert?
      Das jetzige Verfahren ist doch ungerecht falls das besteuerte Fahrzeug das ganze Jahr in der Garage steht und deshalb auch keine Emissionen (außer bei seiner ursprünglichen Herstellung) erzeugt.

  3. Also ich kann die ganze Diskusion über SUV nicht mehr hören, SUV verbrauchen viel Sprit sind zu groß u.s.w. , aber was ist mit den dicken Bonzenkarren BMW, Mercedes, Audi und dann die ganzen Amigurken mit den dicken V8er, da ist alles gut oder was, die Leute die einen solchen Schwachsinn nur über SUVs verbreiten gehen einen schon auf den Nerv.
    Was ist mit den ganzen LKW Verkehr, Schiffen, Flugzeugen und die deutsche Bahn, nee die verpessten die Umwelt nicht nur SUVs.
    Es ist hier in Deutschland langsam zum kotzen, soviel Dummheit auf einen Haufen sucht schon seines Gleichen.

  4. Ich habe einen BMW X1 und wollte mich informieren, warum das schlecht ist. Zuvor hatte ich einen Kombi. Da ich zwei kleine Kinder habe, brauche ich leider relativ viel Platz für Kinderwagen, Kinderfahrrad und so weiter. Da der X1 höher ist, sind die Außenmaße geringer als bei meinem Kombi. Da ich nur Zweiradantrieb habe, geht der Kofferraum hinten sehr tief. Dadurch kann ich deutlich mehr transportieren als im Kombi. Da ich in der Stadt wohne, ist die geringere Länge geschickt. Mein Langzeitdurchschnitt im Verbrauch ist 6,4 Liter. Die staatlichen Stellen haben mir durch eine Einstufung in der Energieeffizienzklasse A auch zum Kauf geraten. Mein X1 hat gleich viel PS wie der Kombi, den ich zuvor hatte. Er verbraucht aber wegen des Luftwiderstandes 0,3 Liter mehr. Diesen Unterschied habe ich bis zum Ende meines Lebens überkompensiert, wenn ich nur auf einen Langstreckenflug verzichte. Seit ich von der Klimakatastrophe weiß, bin ich nicht mehr geflogen. Da ich zur Arbeit mit dem Fahrrad fahre, bin ich selten alleine mit dem Auto unterwegs. Bei einer Besetzung mit 4 Personen ist der CO2 Ausstoß meines SUV vergleichbar mit der Bahn. Ich kann nicht bestätigen, dass es mehr große SUV gibt. Wegen der genannten Vorteile im Verhältnis Außenmaß/Platzangebot sind die meisten neu herausgebrachten SUV Klein– und Mittelklassefahrzeuge. Der Fußgängerschutz ist beim X1 deutlich besser als beim Familienauto VW Caddy und gleich gut wie bei meinem früheren Kombi ( laut NCAP).

  5. Man hätte diese SUVs garnicht erst zulassen dürfen. Jetzt ist es leider etwas spät um sie auf einmal wieder zu verbieten.

    Alleine schon wenn so ein Panzer neben mir auf der Staße steht – dann habe ich die Stoßstange fast auf Augenhöhe. Wenn ich in einem Unfall mit so einem Monster verwickelt werde, bin ich platt. Aber die KFZ-Konzerne machen die Zulassungsgesetze ja selbst, da war das sicherlich kein Problem.

    Ich bin der Meinung, über Steuern und Benzinpreise einzugreifen ist okay, SUV-Besitzer müssen ja zum Glück nicht jeden Pfennig umdrehen. Viel wichtiger aber fände ich eine Geschwindigkeitsbegrenzung für solche Fahrzeuge. So wie LKW auch.

  6. Wieder am eigentlichen Problem vorbei … Ich stand vor 2 Jahren auch vor der Entscheidung, neues Auto .. Ok, dachte ich tust was für die Umwelt, fängst mal mit nem Hybrid an. Es wurde ein KIA Niro. Kein deutscher Autohersteller hatte so etwas im Programm. Jaaaa es ist ein SUV. Mit 88 g/km Co2 Ausstoß und wenn ich vernüftig fahre im Mix mit 4,8-5 l Verbrauch auf 100km. Ich brauche an keine Steckdose und dachte ich hätte alles richtig gemacht. Und wenn ein Mokka (auf Corsa Basis) eben nur mal 15 cm höher ist, damit der ältere Herr besser einsteigen kann, ist das ein SUV …? Sicher nicht. Bei einem X6 oder Q7 oder Touareg sieht das sicher anders aus. Aber hey wir leben in einem freien Land. Angebot und Nachfrage. Was wollen wir denn noch allen verbieten oder reglementieren…?

  7. SUVs sind gelebter Egoismus, sie verleihen dem Fahrer ein Gefühl der Stärke und Sicherheit. Daß diese auf Kosten anderer geht, wird ausgeblendet. Solange der eigene Nachwuchs sicher gepanzert zur Schule gefahren werden kann, wird die erhöhte Verletzungsgefahr der zu Fuß gehenden oder radelnden Klassenkamerad(inn)en zur Nebensache. Ebenso die Tatsache, daß die Blendwirkung des Vordermanns beim Drängeln durch die höhere Position der Scheinwerfer erhöht wird. Psychologisch interessant, durch die erhöhte Blendung wird das Drohpotenzial noch gesteigert und man macht als Bedrängter eher Platz.

    Das Problem ist einfach: Die Leute wollen diese Autos haben und die Hersteller liefern, was sich gut verkauft. Wären ja auch blöd, wenn sie es nicht täten. Der Trend geht immer extremer dahin, daß bei Autos (wie bei vielem anderen) objektive und praktische Gesichtspunkte mehr und mehr in den Hintergrund treten und Aspekten wie Design, Prestige, Außenwirkung, subjektivem Sicherheitsgefühl Platz machen. Es geht nicht mehr um die aus Ingenieurssicht technisch beste Lösung, sondern um die marketing- und gewinnmäßig optimale Ausbeute, eines der Symptome unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems, bei dem Effizienz und schonender Umgang mit Ressourcen nicht wirklich belohnt wird, im Gegenteil, das System setzt sogar Anreize zur Verschwendung.

    Aus dem gleichen Grund gibt es auch keine brauchbaren Kombis mehr, sondern nur noch rundgelutschte Lifestyle-Karren, die in erster Linie schick aber nicht mehr praktisch sind. Wer früher ein kompaktes Auto mit viel Platz gebraucht hat, hat sich einen Astra Caravan (Golf Variant, Focus Turnier) gekauft, wer richtig viel Platz brauchte, griff zum Omega (o. ä. ) und hatte ein Auto mit unendlich Platz, massig Zuladung und Anhängelast, mit dem sich zur Not auch ein Umzug bestreiten ließ.

    Heute ist ein Astra so groß (und fast so schwer) wie früher ein Omega und hat im Kofferraum weniger Platz als sein 20 Jahre älterer Vorgänger (ich weiß es, ich habe sie alle gefahren und muss häufig große DInge transportieren). Dazu Armaturenbretter groß wie Wohnzimmerschrankwände aber ins Handschuhfach passt mich mal mehr ein Din-A4-Klemmbrett, es ist eine Seuche!

    Lasst Euch nicht von den Literangaben zu den Laderäumen täuschen, hier wird genauso getrickst wie beim Verbrauch, so wird z. B. der Platz unter dem Boden mitgezählt.

    Ein ziemlich sicheres Erkennungsmerkmal dieser unpraktischen Autos sind die geteilten Rückleuchten.

    Die Beispiele lassen sich beliebig erweitern. Ich vermisse heute wirklich praktische Autos mit hohem Nutzwert, die effizient mit den Ressourcen umgehen, aber es gibt offenbar keinen Markt mehr dafür. Der SUV ist der gegenwärtige Endpunkt dieser bedenklichen Entwicklung.

    Wir brauchen daher dringend gesetzliche Anreize, damit diese Un-Autos von der Straße verschwinden. Eine erste (ganz kleine aber sehr einfach umzusetzende) Maßnahme wäre zum Beispiel, die Zulassungskriterien bezüglich der Scheinwerfer zu ändern, indem man deren Höhe begrenzt. Damit würde man zumindest mal das oben angesprochene Blendproblem in den Griff bekommen. Daß die Karren dann eventuell nicht mehr so schick aussehen… umso besser, vielleicht werden sie dann auch weniger verkauft.

    1. Die Höhe der Scheinwerfer ist natürlich gesetzlich begrenzt, wie noch zig andere Dinge am Auto. Und nicht wenige fahren SUV, weil gerade sie gelassener sind, wenn hinter einer drängelt (selbst wenn es ein größeres Auto, wie Transporter ist).

      Wenn Sie ein größeres Handschuhfach wollen, müssen Sie auf den Beifahrerairbag verzichten.

      „rundgelutscht“ sind die Fahrzeuge nicht nur wegen des Designs, sondern vor allem aus aerodynamischen Gründen.

  8. Ein Tesla Model S ist 4,98m lang, 2,19m breit und wiegt mit 2,1t. Damit größer und schwerer als gängige weit verbreitete Kompakt SUVs. Ist das jetzt auch ein böses Auto, oder kann ein Teslafahrer, genauso wie ein Porsche 911er Fahrer oder ein Ferrari fahrerh sich weiter zu den Ökos stellen und auf die SUV Fahrer spucken?

    Es ist eine Schande, dass Sie bei dem pauschalen SUV Bashing mitmachen! Ihre Rechnungen sind nicht ansatzweise neutral gesehen. Wieso denn der Vergleich mit einem Corsa? Wieso nicht der Vergleich mit einem VAN oder Kombi?

    Meine Eltern haben sich einen SUV statt einem Kombi gekauft, weil der Kombi zu lang für ihre Garage war. (wenn da noch fahrräde hinten stehen sollen).

    1. Auch ein Tesla Modell S ist grober Unsinn im Sinne der Umwelt. Das hat leider nichts mit pauschalem Bashing zu tun. Schau gerne in unsere Quellen, ein SUV hat vor allem aufgrund der Aerodynamik Nachteile.

  9. Neben der Diskussion um Diesel statt SUV gibt es weitere Nebelkerzen.

    Seit letztem Jahr werden Autos nach der Euro 6d Temp Norm zugelassen und besteuert. Damit ist vom Prüfzyklus NEFZ auf WLTP gewechselt. Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung denn der Verbrauch und damit auch die Umweltbelastung wird nun realistischer gemessen. Leider gibt es auch dabei ein „aber“. So erfolgt die Zulassung und Besteuerung auf WLTP, das ist nachvollziehbar. Und jetzt kommt das aber: die Werbung und Auszeichnung erfolgt immer noch per NEFZ.

    Mein persönliches Beispiel – leider habe ich nur diese Daten, andere mögen das gerne ergänzen: Unser neues Auto mit 6d Temp Norm hat lt. Werbung, also NEFZ einen CO2 Ausstoß von 110 g/km und einen Diesel-Verbauch von 4.4 l/100km. Das hört sich schon ganz gut an. Leider ist es aber nicht so gut, wie es auf den ersten Blick ausschaut. Nach WLTP ist der CO2 Ausstoß 160 g/km. Für den Verbrauch habe ich leider keinen offiziellen Wert, bei mir liegt er nach 2000km bei ca. 5.5 l/100km.

    Der höhere C02 Ausstoß macht 100€ mehr KFZ-Steuer im Jahr. Das ist schon etwas Geld aber nimmt man das Wort Steuer etwas ernst, kommt man an den wesentlicheren Punkt und so sieht man dass gerade die Steuerfunktion nur für den Staat mehr Geld bringt aber der Allgemeinheit / der Umwelt nicht effektiv dient. Denn ohne die vergleichbaren Angaben über den realistischeren WLTP-Verbrauch und Schadstoffausstoß kann kein Verbraucher sich daran orientieren und abwägen, ob dieses Modell wegen geringerer CO2 Emissionen einem anderen Modell vorzuziehen wäre.

  10. Weshalb muss ich für Quarks-Inhalte Facebook das tracken über Cookies erlauben? Die Inhalte sollten frei zugänglich sein, schließlich haben wir alle mit den Rundfunkbeiträgen für die Produktion bezahlt.

    1. Es handelt sich hierbei um Clips, die wir auch auf unseren Social-Media Kanälen ausspielen und die wir dann von dort auf unserer Seite einbinden.

  11. An und für sich ist der Artikel ganz ok. Aber was soll das Theater mit dem Platz. Ein Single hat vielleicht wenig Geld und braucht kein großes Auto – ergo Corsa reicht. Wenn eine 4-köpfige Familie einen Wocheneinkauf mit Getränkekisten macht könnts knapp werden. Soll die jetzt zum Corsa wechseln nur weil der weniger Parkfläche benötigt? Ein SUV muß nicht sein, aber ein Kombi braucht auch reichlich Platz…

    1. Sehr seltsam, dass zu diesem wirklich qualifizierten Kommentar keine Antwort vorliegt… #KeinArgument? #VomPlatzsparendenCoupeFahrer #GrünStinktZumHimmel #DoppelteFahrtenImCorsaUmPlatzZuSparen #DoppeltFahren #CO2PumpemFürDieUmwelt

      1. Mir schein sich diese Diskussion auch zu sehr an den großen SUVs aufzuhängen, Cayeene, Q7+, etc.
        In meinem Fall bin ich von Familienvan auf SUV umgestiegen. Trotz 200kg Mehrgewicht verbraucht der SUV 0,5l – 1l weniger. Er ist sicher etwas breiter, dafür aber kürzer, am Strassenrand hintereinander geparkt würden da sogar mehr hinpassen als beim Minivan. Abgesehen davon führt dämliches Parken zu mehr Verschwendung von Parkplatz als die Fahrzeuggröße.
        Um eine Familie und einen Wohnwagen zu bewegen benötigt es nun einmal ein größeres Fahrzeug, und da tun sich die verteufelten SUVs mit den gängigen Familienvans Touran, Zafira, Smax etc nichts bezüglich Gewicht, CW Wert bzw. Kraftstoffverbrauch. Die Vans müssten also in der Diskussion genauso verteufelt werden – werden sie aber nicht, weil anscheinend in den Köpfen ein SUV immer gleich Cayenne, Edge, Q7, X5, XC90, etc ist.
        Solange hier nicht differenzierter unterschieden wird, ist diese Diskussion nicht zielführend.

  12. Dass ein SUV keine Bestnote bei der Klimabilanz erreicht, dürfte klar sein.
    Die teilweise katastrophalen Straßenverhältnisse und der mangelhafte Winterdienst (dabei gibt es ja kaum noch Schnee) waren für mich als überwiegenden Städter dann dennoch Hauptkriterium mir einen solchen zu kaufen.
    Interessant wäre mal wie sich der erhöhte Materialverschleiß, bedingt durch schlecht instantgehaltene Straßen und dadurch größerer Ersatzteilbedarf (z. B. Stoßdämpfer) auf die Ökobilanz auswirkt. Ist es sinnvoller Straßen instant zu halten oder Ersatzteile herzustellen?

    1. Sie haben leider zu kurz gedacht 😉
      Durch das höhere Gewicht des SUV werden sowohl die Straßen als auch das SUV selbst höherem Verschleiß ausgesetzt als es bei kleineren Autos der Fall wäre. Somit sind SUV/große Autos zumeist unnötige Hauptverursacher von Straßenschäden.
      Vielleicht sollte man doch zwei Mal überlegen, welches Auto wirklich Stadttauglich ist.

        1. Sie haben vollkommen Recht! Die Hauptverursacher sind ALLE Fahrzeuge die sinn- und zweckfrei, ohne wirklich zwingenden Grund, aus reiner Bequemlichkeit auf unseren Straßen bewegt werden. Beispielsweise im Fall von Kranken- oder Feuerwehrfahrzeugen würde ich dafür plädieren diesen Vorgang (weniger populistisch) als „Straßenabnutzung“ zu bezeichnen.

      1. Die meisten großen SUVs wiegen so um die 2,5to, also etwa soviel wie ein Tesla. Pro Achse sind das rd. 1,2 bis 1,5to. Bei Lkw liegt die zulässige Achslast bei 12 to!!! Wer belastet die Straße mehr? Mal das seitliche Radieren bei 3 und mehr Achsen außen vor.

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