Darum ist das Plastikmüll-Problem noch größer als gedacht

Weltmeere

Darum ist das Plastikmüll-Problem noch größer als gedacht

Plastikmüll schwimmt nicht nur an der Oberfläche unserer Meere – er durchseucht die Ozeane inzwischen bis auf den Grund.

12. November 2018

Millionen Tonnen Plastik pro Jahr

Es ist ein ambitioniertes Projekt: Finanziert durch Spenden versucht der 22-jährige Niederländer Boyan Slat die Ozeane von Plastikmüll befreien. Im September 2018 haben im Rahmen seines Projekts „Ocean Cleanup“ kilometerlange schwimmende Barrieren damit begonnen, Plastik aus dem Meerwasser herausfiltern. Doch Boyan Slat kratzt mit seinem Vorhaben gerade mal an der Oberfläche des Problems.

Die Rechnung ist einfach: Rund 250.000 Tonnen Plastikmüll schwimmen laut Hochrechnungen an der Meeresoberfläche. Das klingt viel – doch es ist gerade mal ein Bruchteil von dem, was an Plastikabfällen ins Meer gelangt: Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll landen laut einem internationalen Forscherteam jedes Jahr in den Weltmeeren. Wieviel Plastik genau bereits in unseren Ozeanen ist, weiß niemand. Groben Schätzungen zufolge sind es mittlerweile 140 Millionen Tonnen.

"Verschwundenes Plastik"

99 Prozent des Plastikmülls, der ins Meer gelangt, befindet sich also nicht an der Meeresoberfläche – sondern irgendwo anders. „Alles Plastik im Meer sinkt früher oder später ab“, erklärt Mark Lenz, Meeresökologe am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, das Phänomen. Selbst Plastikarten, die leichter sind als Wasser, trifft dieses Schicksal: Muscheln oder Algen setzen sich am schwimmenden Plastikmüll fest und ziehen ihn in die Tiefe.

Durch die UV-Strahlen der Sonne, Wellengang und das Salz im Meer zerfällt zudem das Plastik an der Wasseroberfläche in immer kleinere Fragmente. Insgesamt fünf Billionen Plastikteile schwimmen laut US-Forschern des 5 Gyres Institutes an der Meeresoberfläche. 97 Prozent davon messen bereits nur noch wenige Millimeter.

Plastik fällt wie Schnee gen Tiefsee

Die winzig kleinen Mikroplastikteilchen verklumpen mit Planktonblüten und anderen Mikroorganismen und fallen als sogenannter „Marine Snow“ (mariner Schnee) gen Tiefsee. Auch Fische fressen Mikroplastik. Dass dieses irgendwann mit dem Abendessen auf unseren Tellern landet, sei aber unwahrscheinlich, sagt Mark Lenz. Vielmehr würde das Plastik mit dem Kot der Fische wieder ausgeschieden und ebenfalls absinken.

„In fast allen Teilen des Meeres – von der Oberfläche bis zur Tiefsee – wurde bereits Plastik nachgewiesen“, betont Lenz. Ein Teil des absinkenden Mülls ist bereits am Meeresgrund angekommen und hat sich dort mit dem Bodensediment vermischt: Forscher der Plymouth University haben in allen Proben, die sie am Grund des Nordatlantiks, im indischen Ozeans und im Mittelmeer entnahmen, Mikroplastik nachweisen können.

Wie genau sich die Plastikverschmutzung in der Tiefsee auf das Ökosystem auswirkt, ist kaum erforscht, sagt Lenz. Doch es häufen sich die Befunde, dass unser Plastikmüll die Lebensfähigkeit von Meeresorganismen beeinträchtigt. Der Kieler Forscher selbst hat dies bereits in seinen Forschungsprojekten am Geomar beobachten müssen.

1 Kommentar

  1. Auszug Ihres Textes: Wieviel Plastik genau bereits in unseren Ozeanen ist, weiß niemand. Meine Bemerkung: Aber in einer Grafik in einem andern Artikel, weiß man das 22% Zigarettenstummel etc. sind. Wie geht das? Aha, einer weiß es besser, der andere aber nicht. So, so. Das ist das, was mich doch verwundert. sich gegenseitig überschneidende Artikel mit widersprüchlichen Aussagen, hier am Beispiel „Plastik im Meer“. Kein weiterer Kommentar!

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berger: