Weihnachtsbaum: Echte Tannen besser als Plastik

Weihnachtsbaum mit Kerzen | Photo by Thomas Kelley on Unsplash

Weihnachtsbaum-Bilanz

Darum ist eine echte Tanne besser als ein Plastik-Baum

Weihnachtsbäume aus Plastik sehen perfekt aus und stechen nicht. Aber wie sieht es mit der Ökobilanz aus? Sind Bäume aus Plastik besser als echte Tannen?

19. Dezember 2018 | Aktualisiert: 20. Dezember 2018 | 7 Kommentare

Darum geht's:

Plastikbäume ersetzen häufig echte Tannen

Künstliche Tannen sind perfekt. Sie haben keine Lücken und sehen oft aus wie gemalt. Die Technik, mit der die Zweige und Tannennadeln nachgeahmt werden, wird immer besser. Daher erfreuen sich Plastikbäume, die häufig aus China nach Europa verschifft werden, großer Beliebtheit. Das liege auch am Konsumverhalten der Menschen, die am liebsten im Internet bestellen, sagt Stefan Adler, NABU-Waldexperte.

Darum müssen wir drüber sprechen:

Normale Weihnachtsbäume brauchen viele Ressourcen

In Deutschland werden jedes Jahr über 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Nur noch ein geringer Teil kommt dabei aus Skandinavien, etwa aus Dänemark, sagt Andreas Bitter, Professor für Forsteinrichtungen der Universität Dresden. „Die heute am Markt dominierende Nordmanntanne bevorzugt ein atlantisch getöntes Klima mit vergleichsweise milden Wintern und nicht zu warmen, eher feuchten Sommern.“ Eine angemessene Düngung sei für eine erfolgreiche Entwicklung und die Qualität der Bäume von entscheidender Bedeutung, so Bitter. Nicht nur die Farbe der Nadeln, sondern auch die Anzahl der Äste und die Form der Nadeln, also die Fülle des Baumes, werden durch die Düngung bestimmt, so Bitter.

Hoher Flächenverbrauch

Bei Weihnachtsbäumen wird also sehr stark gespritzt. Bei einer Stichprobe des BUND wurde festgestellt, dass knapp zwei Drittel der herkömmlichen Bäume gespritzt sind. Zu der hohen Pestizidbelastung auf vielen Weihnachtsbaumplantagen kommt noch der Flächenverbrauch: Umweltschützer sagen, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche, auf denen Weihnachtsbäume angebaut werden, besser für den Nahrungsmittelbau genutzt würden. Nach dem Sturm Kyrill (2007) wurden im Sauerland etwa viele Waldflächen in landwirtschaftliche Weihnachtsbaum-Nutzflächen umgewandelt.

Nordmänner sind nicht heimisch

Eine Nordmann-Plantage bietet aber viel weniger biologische Vielfalt als eine Waldfläche. Nordmann-Tannen sind besonders beliebt, aber – anders als die Weißtanne oder die Fichte – nicht heimisch in unseren Wäldern. Die Nordmanntanne zeichnet sich durch einen gleichmäßigen Aufbau und ein meist fülliges Nadelkleid mit einer dunkelgrünen Farbe aus, sagt Professor Bitter: „Die Nadeln sind weich, stechen nicht und verbleiben lange am Baum, so dass der bei anderen Arten gefürchtete Nadelfall ausbleibt – eher verdorren die Nadeln am Baum.“

Wie sieht es mit Bio-Bäumen aus?

Weniger gespritzt als die herkömmlichen Bäume werden Bio-Weihnachtsbäume. In Deutschland spielen sie bislang nur eine untergeordnete Rolle, auch weil sie in Form und Farbe vom Ideal abweichen: „Der völlige Verzicht auf mineralische Dünger und Pestizide setzt der optischen Qualität der Bäume Grenzen“, sagt Professor Bitter.

Aber:

Kunstbäume sind auch keine Alternative

Echte Weihnachtsbäume liegen in der Ökobilanz vor Plastiktannen. Studien zeigen, dass künstliche Tannen – je nach Herstellung und Produktionsland – 17 bis 20 Jahre aufgestellt werden müssen, bis sie sich ökologisch amortisiert haben.

Gearbeitet wird in den Studien mit verschiedenen Annahmen, etwa dem Weg des natürlichen Tannenbaumes vom Händler zum Eigentümer, der mit fünf Kilometern veranschlagt wird. Den Studien zufolge entstehen durch einen natürlichen Baum etwa 3,1 Kilogramm Kohlendioxid, während bei einer Plastiktanne 48,3 Kilogramm CO2 zusammen kommen. Nicht berücksichtigt werden die Entsorgung der Plastiktanne oder der Weihnachtsbaumschmuck.

Ein echter Vorteil bei einem echten Weihnachtsbaum ist, dass er acht bis zehn Jahre wächst, also in dieser Zeit CO2 speichern kann. Diesen Vorteil gibt es bei einer Plastiktanne nicht.

Und jetzt?

Weihnachtsbaum aus der Region nehmen

Man sollte die Ansprüche an den perfekten Baum einfach runter schrauben. Perfekte Bäume gibt es nur aus PVC und „made in China“. Auch Bio-Bäume sind oft weit entfernt vom perfekten Baum, dafür aber nicht gespritzt. Zudem gilt: Wer statt Plastikbaumbehang auf Strohsterne und Orangenschalen setzten, kann CO2 einsparen.

Außerdem sollte der Christbaum am besten aus der Region kommen, weil der Transportweg zu den größten CO2-Belastungen zählt. Weihnachtsbäume mit Ballen hingegen sind übrigens auch keine Alternative, weil sie den Wechsel von drinnen nach draußen oft nicht überstehen, sagt Ralf Straußberger, Forstexperte beim BUND in Bayern. Zudem seien die Bäume mit Ballen deutlich schwerer, was sich wiederum negativ auf die CO2 Bilanz beim Transport auswirke.

7 Kommentare;

  1. „Ein echter Vorteil bei einem echten Weihnachtsbaum ist, dass er acht bis zehn Jahre wächst, also in dieser Zeit CO2 speichern kann.“

    Das macht er aber auch, wenn ich die Plastiktanne kaufe. Wenn ich den Baum überdies nicht als Weihnachtsbaum pflanze, bleibt er stehen und wandelt noch viel länger CO₂ um.

    Was kommt denn raus, wenn man diesen CO₂-Betrag unberücksichtigt lässt und dann noch davon ausgeht, dass der Baum nicht in China produziert (und von dort transportiert) wird, sondern in Deutschland? Könnte mir vorstellen, dass das ein lohnendes Geschäft wäre und dann unterm Strich eine bessere Bilanz entsteht als bei der Pflanze.

  2. Wieso wird immer zwischen Plastik und echten Baum diskutiert?

    Die wirklich ökolgischen Weihnachtsbäume sind doch die aus Metall oder Holz (z.B. Stecksystem). Nach einmaliger Produktion ewig haltbar, ohne Öl und ohne ökologisch sinnlose Weihnachtsbaum – Plantage!

    1. Wir haben einen seit 25 Jahren. Und er wird noch 25 Jahre halten. Man spart sich auch die Fahrt einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Und da wo Weihnachtsbaumplantagen sind, könnten schöne Mischwälder stehen.

  3. Man kann sich auch alles schönrechnen! Aber nun mal seriös:
    – „Ein echter Vorteil bei einem echten Weihnachtsbaum ist, dass er acht bis zehn Jahre wächst, also in dieser Zeit CO2 speichern kann.“ Würde man den Baum weiterhin stehen lassen, könnte er noch viel mehr CO2 speichern!
    – „Wer statt Plastikbaumbehang auf Strohsterne und Orangenschalen setzten, kann CO2 einsparen.“: Und woher kommen die Orangenschalen? Orangen sind nun aber wirklich keine einheimische Frucht!

    1. Würde man den Baum weiterhin stehen lassen, könnte er noch viel mehr CO2 speichern!
      Werden keine Weihnachtsbäume mehr gekauft, dann werden auch keine mehr nachgepflanzt. Die vorhandenen Weihnachtsbäume werden gemulcht und es wird eine andere Frucht angebaut, Mais z.B.
      Ein Weiterwachsen ist für keinen Landwirt eine Option, da er dadurch sein Acker zu Wald wird. Er kann nichts mehr anbauen und Waldfläche ist weniger wert als Ackerfläche. Dass Weihnachtsbäume irgendwo stehen bleiben könnten, ist also eine Illusion

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