Darum kann ein Flug ins All furchtbar ungesund sein

Darum macht das Weltraum Astronauten krank.

Bemannte Raumfahrt

Darum kann ein Flug ins All furchtbar ungesund sein

Zahlreiche Nationen planen Mond- und Marsmissionen, auch Weltraumreisende sind auf dem Vormarsch. Für den Körper: eine Herausforderung.

21. Juli 2021 | Aktualisiert: 27. Juli 2021

Darum geht’s:

Das passiert mit deinem Körper im All

Der menschliche Körper ist für das Weltall eigentlich nicht gemacht. Er braucht die Erdanziehung um „normal“ zu funktionierten. In der Schwerelosigkeit verteilen sich zum Beispiel Körperflüssigkeiten ganz anders.

Körper und Gesicht können dadurch angeschwollen oder aufgedunsen wirken. Und im Kopf kann es zu einem erhöhten Druck auf die Augäpfel kommen. Bei manchen Astronaut:innen werden die Augäpfel dabei etwas zusammengedrückt, wodurch sie weitsichtig werden können.

Deine Muskeln und Knochen bauen ab

In der Schwerelosigkeit brauchen deine Muskeln keine Kraft mehr, um schwere Gegenstände zu bewegen, deine Knochen müssen nichts mehr tragen, nicht einmal dein Gewicht. Das klingt bequem, ist aber extrem schädlich für den Körper.

Muskeln und Knochen bauen sich innerhalb kürzester Zeit ab, weil sie kaum gebraucht werden. Die Folge: Knochenabbau. Der ist zwar ab einem bestimmten Alter auch auf der Erde nicht ungewöhnlich, aber er verläuft selbst im Alter viel langsamer als auf der Raumstation.

Deine Körpertemperatur steigt

Auch deine Körpertemperatur steigt, wenn du länger im All bleibst. Astronaut:innen auf der Internationalen Raumstation ISS weisen eine um ein bis zwei Grad Celsius höhere Körperkerntemperatur auf. Das klingt nach wenig, wäre aber auf der Erde schon fast Fieber.

Die durchschnittliche Körpertemperatur bei uns liegt zwischen 36,3 und 37,4 Grad Celsius. Im Weltall sind zum Beispiel 38 Grad Celsius ganz normal. Für den Körper ist das anstrengend und auch die kognitiven Fähigkeiten können darunter leiden.

Dein Risiko für Krebs steigt

Denn Astronaut:iinnen bekommen schon auf der internationalen Raumstation rund 300-mal mehr Strahlung ab als wir hier auf der Erde. Auf der Erde sind es täglich etwa 0,0025 Millisievert, auf der ISS etwa 0,8 Millisievert. Bei einem Flug zum Mars können es während der Reise sogar 2 bis 3 Millisievert pro Tag sein.

Wie hoch die Strahlenbelastung beim Fliegen ist, erfährst du hier.

Darum müssen wir drüber sprechen:

Immer mehr Menschen wollen ins All

Die USA, Russland, China, Europa und auch private Raumfahrtorganisationen, wie SpaceX, planen neue Missionen in den erdnahen Orbit und darüber hinaus. Die Raumfahrtnationen interessieren sich vor allem für den Planeten Mars, viele wollen aber auch zum Mond. Landungen und eine Raumstation im Mondorbit (DeepSpaceGateway) sind geplant. Diese soll den Mond umkreisen und – anders als die ISS – nicht durchgängig besetzt sein. Der Deep Space Gateway soll ab Mitte der 2020er-Jahre als Zwischenstation für bemannte Missionen zum Mond dienen und Technologien erproben.

Warum seit Jahrzehnten niemand mehr auf dem Mond war, erfährst du hier.

Weltraumtourismus rückt näher

Auch für Privatleute rückt der Traum vom Flug ins All näher: Nach dem Milliardär Richard Branson ist am 20.07.2021 auch der Amazon-Gründer Jeff Bezos erfolgreich ins All gestartet. Diese beiden sowie der Tesla-Chef Elon Musk liefern sich ein Rennen, wer zuerst ins Geschäft mit dem Weltraumtourismus einsteigt. Ein paar Minuten Astronauten-Feeling zum Luxuspreis.

Klar ist aber auch: Weltraumtourismus ist noch lange keine Raumfahrt. Von den Weltraumprofis, die auf der Weltraumstation ISS arbeiten, sind die Touristen rund 300 Kilometer entfernt. Auf den Mondmissionen sind Menschen rund 380.000 Kilometer weit gereist. Wie sehr sich die Effekte auf den Körper von Astronaut:innen zu Weltraumtourist:innen unterscheiden, ist allerdings schwer zu sagen.

Und jetzt?

So schützen sich Astronaut:innen

Knochen- und Muskelabbau lassen sich mit der richtigen Ernährung und dem richtigen Trainingsprogramm deutlich verringern. Welche Maßnahmen am effektivsten sind, gilt es noch zu erforschen. Auch bei der Fehlsichtigkeit muss noch genauer untersucht werden, woher die Flüssigkeiten genau stammen, die auf den Augapfel drücken. Der Strahlenschutz muss für Langzeitflüge verbessert werden, beispielsweise durch Raumschiffe mit speziellen Schutzhüllen.

Erste Daten, wie viel Strahlung genau ein/e Astronaut;in bei einem Flug zum Mond in den verschiedenen Organen aufnimmt, soll ein Experiment liefern. Dafür sollen zwei Puppen den Mond umkreisen und Messdaten liefern: Bei den 95 Zentimeter großen „Phantomen“ handelt es sich um mit Sensoren bestückte lebensgroße Hightech-Scheiben-Puppen namens Helga und Zohar.

Beide Puppen sind von der Morphologie und Anatomie her dem weiblichen Körper nachempfunden. In ihrem Inneren sind sie mit über 5600 passiven Detektoren sowie 16 aktiven Detektoren ausgestattet, die die Strahlung während des Fluges messen werden.

Proteinschutz vor Schäden im All

Eine Studie mit Mäusen, die für 35 Tage auf die Internationale Raumstation ISS gesetzt wurden, zeigt eine weitere Möglichkeit auf, wie man sich im All vor Alterungsprozessen schützen könnte: Die Hälfte des Mäuseteams wurde genetisch so verändert, dass es ein spezielles Protein, das Nrf2-Protein, nicht mehr in sich trug.

Nachdem alle Nagetiere wieder gesund auf der Erde gelandet waren stellten die Forscher:innen bei allen Mäusen, wie erwartet, eine Abnahme der Skelettmuskelmasse fest. Doch die Tiere mit dem Nrf2-Protein im Körper hatten den Ausflug ins All wesentlich besser überstanden und zeigten weniger Alterserscheinungen in ihrem Blutbild.

Die Vermutung der Fachleute: Der Eiweißbaustein könnte womöglich die Reisen im Orbit für viele Astronaut:innen in Zukunft angenehmer gestalten. Um die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen, ist aber noch weitere Forschung notwendig

Erholt sich der Körper von den All-Strapazen?

Ein längerer Aufenthalt im All scheint die Gesundheit und den körperlichen Zustand von Astronaut:innen nicht nachhaltig zu beeinträchtigen. Diese Erkenntnisse ziehen Fachleute aus einer in dieser  Form einzigartigen Zwillingsstudie: Der Astronaut Scott Kelly, der fast ein Jahr (von  März 2015 bis Februar 2016) auf der Internationalen Raumstation ISS gelebt hatte, wurde mit seinem auf der Erde gebliebenen Zwillingsbruder Mark verglichen.

Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa verschwanden die meisten Unterschiede, die während der Zeit im All aufgetaucht waren, nach Abschluss der Mission wieder – etwa Veränderungen der Genaktivität. Fazit der Fachleute aber bleibt trotzdem: Schwerelosigkeit und kosmische Strahlung können dem Körper schaden.

Neue Erkenntnisse könnten also helfen, das Leben im All wesentlich gesünder zu machen. Ohne zusätzliche Forschung bleiben wir besser auf der Erde und machen nur kurze Ausflüge ins All – das ist gesünder.

5 Kommentare;

  1. Leider ist diese Aussage: „In der Schwerelosigkeit brauchen deine Muskeln keine Kraft mehr, um schwere Gegenstände zu bewegen“ nicht richtig, denn das Grundgesetz der Mechanik von Sir Isaac Newton gilt weiterhin auf jeden Körper, der eine Masse besitzt. Möchte ich im Raumschiff einen Körper bewegen, so muss ich die Bewegung herbeiführen. Es muss eine Kraft wirken. Lediglich die Reibung zwischen den Körpern ist verringert.

  2. In der Grafik ist der Bereich für Flugzeuge bis 100 km angegeben. Richtig wäre 10km, darüber hinaus schaffen es i.a. nur wenige, z.b. Spionageflugzeuge. Würde auch mehr Sinn machen im Vergleich zu den neuen Raumfahrtangeboten. Als Grenzen des Weltraums werden idR 50 oder 100km angegeben.

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