Artikel Kopfzeile:
Quarks Daily Spezial
Eine Welt ohne Fleisch – wäre die wirklich besser?
Viele essen gerne Fleisch. Aber wie sähe die Welt aus, wenn alle Menschen plötzlich Vegetarier:innen würden?
iframe embed
Artikel Abschnitt:
Eine ganze Menge Fleisch
60 Kilogramm Fleisch essen deutsche Männer im Jahr, Frauen in etwa die Hälfte. Dafür halten wir eine große Zahl an Tieren: Gut 200 Millionen Nutztiere gibt es in Deutschland. Mehr als doppelt so viele wie Menschen. Vor allem sind das Hühner, aber auch Schweine und Rinder machen ihren Teil aus. Und viel Fläche brauchen sie außerdem: Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland wird für die Tierhaltung gebraucht – zum einen für Weiden und Auslaufflächen, zum anderen für den Anbau von Futtermitteln.
Artikel Abschnitt:
Die Alternativen
Was, wenn wir alle auf Fleisch verzichten würden? Dann müssten wir unsere Ernährung natürlich anders sicherstellen. Wissenschaftliche Modellstudien gehen in solchen Szenarien davon aus, dass wir vor allem mehr Gemüse und Hülsenfrüchte essen. Tierische Produkte wie Milch und Eier wären in diesem Szenario weiter möglich. Es lässt sich recht gut ausrechnen, wie viele Tiere wir dann insgesamt noch bräuchten – und zwar noch ungefähr 10 Prozent unseres aktuellen Bestands. Für die übrig gebliebenen Tiere gäbe es dann deutlich mehr Platz – für das Tierwohl wäre die Welt ohne Fleisch also auf jeden Fall ein Gewinn.
Das Klima profitiert …
Die Auswirkungen auf die Umwelt sind komplex: In der Welt ohne Fleisch würden wohl deutlich weniger Treibhausgase in die Umwelt gelangen. Unter anderem spart man sich viel Methan, das die Tiere beim Verdauen produzieren, auch weniger Lachgas käme in den Umlauf. Das würde bedeuten: Deutschland stößt im Jahr etwa zehn Prozent weniger Treibhausgase aus.
Weitere Angaben zum Artikel:
Du willst täglich mehr wissen?
Artikel Abschnitt:
… das Wasser nur teilweise
Weniger bearbeitete Ackerfläche und weniger Kuhmist bedeuten: weniger Stickstoff im Boden. Dadurch könnte einerseits die Artenvielfalt steigen – denn viele Pflanzen mögen nur ungern sehr stickstoffhaltige Böden. Andererseits profitiert das Grundwasser: Das ist oft mit zu viel Stickstoff belastet, dadurch werden auch im Trinkwasser die Nitrat-Grenzwerte überschritten – und das ist ungesund. Doch hier kommt auch ein kleiner Haken an der Welt ohne Fleisch: Frischwasser ist eine knappe Ressource. Und weil wir so viel Obst und Gemüse anbauen, brauchen wir zum Bewässern tatsächlich mehr davon als in der Welt mit Fleisch.
Wohin mit den Kälbchen?
Eine ganz entscheidende Frage bleibt in der Welt ohne Fleisch aber offen: Was passiert mit den Kühen? Wer Milchprodukte will, nimmt auch in Kauf, dass jede Kuh jedes Jahr ein Kalb gebären muss. Ansonsten könnte man sie nicht melken. Schon rein statistisch wird die Hälfte dieser Kälber in der Milchproduktion aber nie eine Rolle spielen – weil sie männlich sind. Sollen Landwirte sie also großziehen und weiden lassen, bis sie eines natürlichen Todes sterben? Das kann durchaus 25 Jahre dauern. Wirtschaftlich – und sogar auch für den Klimaschutz – ergibt es also Sinn, die Kühe aus der Milchindustrie auch früher oder später zu schlachten.
Welt mit Fleisch, aber trotzdem klimafreundlich?
Was wäre die Alternative? Eine Welt komplett ohne tierische Produkte? Klimatechnisch wäre die vermutlich am besten, auch das zeigen Modellrechnungen. Es tauchen zwar ein paar neue Probleme auf – wo bekommen zum Beispiel Biobauern ihren Dünger her, wenn sie keinen künstlich hergestellten nutzen dürfen, aber auch keinen Dung von ihren Tieren mehr bekommen? – doch die wären vermutlich lösbar. Ob diese Welt wirklich realistisch ist, steht aber auf einem anderen Blatt.
Die gute Nachricht: Es gibt auch umweltfreundliche Szenarien, in denen weiter Fleisch, Fisch, Käse und Eier eine Rolle spielen. Forschende haben zum Beispiel eine Ernährungsempfehlung namens "Planetary Health Diet" zusammengestellt. Dabei ist kein Nahrungsmittel komplett ausgeschlossen, trotzdem belasten wir damit unsere Umwelt nicht übermäßig. Ganz ohne Umgewöhnung geht es aber nicht: Dinge wie Fleisch stehen zwar weiter auf der Speisekarte, aber in deutlich reduzierter Menge. Wir müssen also nicht alle Vegetarier:innen werden, um den Planeten zu retten – aber wenn wir bewusster essen, könnte das viel bewirken.
Über den/die AutorIn:
Über den/die AutorIn:
Quellenangaben zum Artikel:
Social Sharing:
Artikel Überschrift:
Zur Kritik der EAT Lancet Diet schaut euch bitte diesen Beitrag an. Die vortragende Ärztin hat den Report tatsächlich gelesen und die Behauptungen darin überprüft. https://www.youtube.com/watch?v=NknJ2vBuGqM&t=944s Der Bericht ist voller Widersprüche und würde eine gesundheitliche Katastrophe erzeugen, als gäbe es in der Welt nicht schon genug fehlernährte Menschen – über-… Weiterlesen »
Liebes Quarks-Team, ich habe eure Sendung früher sehr gerne gekuckt und viel Respekt dafür gehabt, aber seitdem ich mir lieber wissenschaftliche Vorträge erster Hand anschaue, empfinde ich solche Beiträge von euch nur noch als populistische und gefährlich vereinfachende Meinungsmache. Geht doch lieber mal kritisch mit Trends um, anstatt ihnen nur… Weiterlesen »
Hallo! Viele der Behauptungen, die du aufstellst, sind nicht durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Da hilft es auch nicht, dass du eine US-Universitäts-Homepage verlinkst mit einer kleinen Übersicht zum CO2-Kreislauf. Hier findest du mehrere Studien zu Auswirkungen verschiedener Ernährungsformen auf die Umwelt: https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(18)30206-7/fulltext https://www.nature.com/articles/s43016-023-00795-w https://www.nature.com/articles/s43016-021-00425-3 https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1523119113 Whataboutism trägt übrigens nichts zu… Weiterlesen »
Was würde mit den Tieren passieren, die man nicht mehr „braucht“? Würde es dann noch Schweine geben?
Und noch ausgeprägte in einer vergangen Welt? Würde man dann irgendwie (hart gesagt) alle Nutztiere (außer den Schafen für den Deich) „ausrotten“?
Es wäre ein fließender Übergang, weil sicherlich nicht alle Menschen von heute auf morgen vegan leben werden. Man würde die Tiere nicht ausrotten, nur keine neuen züchten. Dadurch würde wieder mehr Raum für Wildtiere entstehen, die wir aktuell tatsächlich ausrotten
Was ist mit den Flächen, die für Tierfutterproduktion genutzt werden? Die würden auch frei werden. Mehr Wasser für Gemüseproduktion weil es in regenärmeren Regionen produziert wird find ich merkwürdig. Könnten ja dann hier mehr Gemüse anbauen, wo es mehr Regen gib – es werden eben nicht nur Weideflächen frei. Bisschen… Weiterlesen »
Ich hätte eine Frage und zwei Anmerkungen: Frage: „Warum ist es nicht machbar, dass alle Vegan werden?“, das habt ihr ein paar Mal gesagt aber keine Belege dafür genannt. Ich meine es ist offensichtlich, dass viele Leute sich dagegen stellen würde in unserer aktuellen Gesellschaft, aber das heißt nicht, dass… Weiterlesen »
Du beantwortest deine Frage im Grunde selbst: „Es ist offensichtlich, dass viele Leute sich dagegen stellen würden“. Zwar ist ein Abwärtstrend im Fleischkonsum über die Jahre erkennbar – doch Fleisch ist noch immer im Alltag vieler Menschen präsent, das wird sich auch durch Aufklärung nicht drastisch ändern lassen. Die Anbaubedingungen… Weiterlesen »